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Geert Lovink: Das halbwegs Soziale

Cover Geert Lovink: Das halbwegs Soziale. Eine Kritik der Vernetzungskultur. transcript (Bielefeld) 2012. 280 Seiten. ISBN 978-3-8376-1957-7. D: 22,80 EUR, A: 25,50 EUR.

Reihe: X-Texte zu Kultur und Gesellschaft. Übersetzt aus dem Englischen von Andreas Kallfelz.
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„Affenregeln?“

Die wohl ungewöhnliche Metapher als Überschrift einer Rezension braucht eine Erläuterung. Erst langsam und bisher wenig systematisch entsteht zu den euphorischen Lobpreisungen und Welttönen der Erfolgs-, Glaubens- und Machbarkeitsgeschichte des Internets auch Kritik. Der britische, in Berkeley/Kalifornien lebende Politikwissenschaftler, Medienunternehmer und Internet-Kritiker Andrew Keen stellt in seinem Buch „The Cult of the Amateur“ (2007), das 2008 mit dem deutschen Titel „Die Stunde der Stümper“ erschienen ist, das ganze Dilemma der Internet-Nutzung heraus: „Was passiert“, so fragt er, „wenn Unwissen, Egoismus, schlechter Geschmack und Mobregeln zusammenkommen?“, und er gibt darauf die Antwort: „Der Affe übernimmt die Regie“.

Es gibt zwar mittlerweile eine Reihe von Veröffentlichungen und Forschungsergebnisse, die Nutzen und Schaden des World WideWeb darstellen, von den individuellen bis zu den gesellschaftlichen Auswirkungen, den Veränderungsprozessen im alltäglichen Umgang der Menschen miteinander, bis hin zu ethisch-moralischen, politischen und gehirnphysiologischen Einflüssen. Die kontroversen Diskussionen reichen dabei von positiven und emanzipatorischen Euphorien, über verharmlosende und beruhigende Argumente, bis hin zur Skizzierung von Horrorszenarien und „www is watching you“ – Warnungen (Bernhard Pörksen / Hanne Detel, Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13302.php). Sogar gesellschaftliche und politische Veränderungsprozesse, wie etwa die des „Arabischen Frühlings“ werden in der Analyse als Ursache und Ergebnis des Internets erklärt (Shadia Husseini de Araújo, Jenseits vom »Kampf der Kulturen«. Imaginative Geographien des Eigenen und des Anderen in arabischen Printmedien, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12016.php); und Protestbewegungen sind eingebunden in die sich durch das Internet ergebenden Vernetzungen (Peter Mörtenböck / Helge Mooshammer, Occupy. Räume des Protests, Bielefeld 2012). Dotcom-Unternehmen der New Economy galten lange als die Zukunftsprojektionen in den traditionellen Industrie- und neuen aufstrebenden Boom-Ländern. Bis die „Dotcom-Blase“ platzte und die Welt in die Finanz- und Schuldenkrisen stürzte, begleitet von Zusammenbrüchen der Finanzplätze und hochspekulativen Immobilienmärkte.

Doch auf die Katastrophen reagieren Menschen nicht selten mit „aussitzen“, und die von den kapitalistischen Machtsystemen gezielt platzierten Beruhigungspillen: „Es geht (wieder) aufwärts!“ – und wir können (bald) so weitermachen wie bisher! – tragen dazu bei, dass die Kapitalismus- und die Systemkritik am Bestehenden abprallt (siehe dazu auch: Gerhard Hauck, Globale Vergesellschaftung und koloniale Differenz, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13526.php). Die mittlerweile rund um die Welt gegangene Suggestion, mit dem www würde der Mensch freier und unabhängiger werden und die (Eine?) Welt sich humaner, friedlicher, demokratischer und gerechter entwickeln, stellt sich als die zweite große (Täuschungs-)Blase dar. Die scheinbar so gepflegten, abgegrenzten, begehbaren und mit Bedacht angelegten und gepflanzten Gärten der Überschaubarkeit und Nützlichkeit erweisen sich immer mehr als chaotische, kontrollierte und gefährliche Gründe.

Damit wir uns an der Stelle nicht falsch verstehen: Die Überlegungen stammen nicht von einem ewiggestrigen, technikfeindlichen und in einer altertümlichen Umgebung hausenden Zeitgenossen, der sich zudem wünscht, dass die Menschen wieder auf die Bäume zurückkehren sollten; auch nicht von einem Pessimisten oder gar Fatalisten, der davon ausgeht, dass die Menschheit sowieso am Ende ihrer Geschichte angekommen ist. Vielmehr von einem, der dafür eintritt, dass die Menschen überall in der Welt den Perspektivenwechsel schaffen mögen, wie ihn die von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ formuliert hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung, umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ (1995).

Entstehungshintergrund und Autor

Dieser Hintergrund ist es, der den Rezensenten zu den erst einmal merkwürdigen, ungewissen und uneindeutigen Buchtitel „Das halbwegs Soziale“ greifen lässt, freilich motiviert vom Untertitel: „Eine Kritik der Vernetzungskultur“. In der Netzwerkforschung herrscht bisher die Annahme vor, dass insbesondere „soziale Netzwerke“ positive, befreiende, emanzipatorische, partizipative, solidarische, integrierende und sogar psychotherapeutische Potentiale anbieten (können) und die möglichen negativen, hierarchischen, kontrollierenden, unterdrückenden und abhängig machenden Imponderabilien erkennbar, beherrschbar und vielleicht sogar therapierbar sind. Doch die Entwicklung der Machtkonzentration und der Unkontrollierbarkeit der Netzwerke, wie auch die fehlenden bzw. nicht gestaltbaren Theoriebildungen, in denen allgemein akzeptierte, ethische und moralische Grundsätze für Internetproduktion und -nutzung formuliert werden, bestimmen das Web. Es ist nicht mehr Werkzeug, Anregung und Hilfsmittel zum eigenen Denken und Handeln, sondern es denkt und handelt für uns: „Das Medium ist der Geist. Es bestimmt, was wir sehen und wie wir es sehen“ (Nicolas Carr). Dagegen allerdings hilft kein Jammern, und Kassandrarufe verhallen dabei wie das Echo in der hohlen Hand. Denn dass das Internet das Hirn zermantscht, wie dies Thierry Chervel vom Online-Kulturmagazin „Perlentaucher“ ausdrückt, auch dass iPhones, Twitter und Facebook, wie der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher voraussagt, den Abbau der menschlichen Geisteskräfte bewirkt, ist möglicherweise wahr, wird aber von den Internetmachern und -nutzern eher als ein Aberwitz im gesellschaftlichen Diskurs betrachtet.

Der niederländisch-australische Medientheoretiker, Internetaktivist und Netzkritiker Geert Lovink ist Leiter des Institute of Network Cultures an der Hochschule von Amsterdam. Er glaubt nicht, dass eine Verdammung des Internets eine Lösung des durchaus ernst zu nehmenden Problems der Infiltrierung, der Manipulation und Vereinnahmung der Individuen und ganzer Gesellschaften durch neue Technologien bringen kann. Vielmehr ist er überzeugt, dass die Inblicknahme und das Bewusstmachen des alltäglichen Internetgebrauchs ein Bewusstsein für die Möglichkeiten wie für die Gefahren der Internetnutzung erzeugen können: „Im Fokus steht der unsichtbare Übergang vom Gebrauch des Internets als einem Tool hin zur Schaffung kollaborativer, ausgedehnter „Nutzerkulturen‘, die jeweils eigene, unterschiedliche Ausprägungen entwickeln und das Leben im Raum der Technologie wiederum durchdringen“.

Aufbau und Inhalt

In der Einleitung nimmt er einen Zwischen- und Abgesang zum Web 2.0 vor, gewissermaßen eine Kapitulationserklärung eines Internetkritikers an der Macht des Internets, den Links und Like-Bottons, den Blocks und Tools, den Tricks, Cybermobbings und -kriminialitäten. Es sind die leisen, schleichenden und trotzdem mit Macht eingehämmerten Beeinflussungen, die Unrecht zu Lappalien herunterladen und letztlich zu Gewohnheiten machen. Es sind die vorgegebenen Standards, die als apostolische Glaubenssätze daher kommen, wie die des Internet-Pioniers und Theoretikers Jonathan „Jon“ Bruce Postel (1943 – 1998), der seiner „Gemeinde“ verkündete und auferlegte: „Sei konservativ bei dem, was du versendest, und liberal bei dem, was du annimmst“.

Es sind die Diskrepanzen zwischen Cyberspace und Cyberzeit, die einerseits Daten, Informationen und Performance zur Verfügung stellen, die scheinbar unverzichtbar benötigt, auf- und wahrgenommen werden müssen und ohne die die Welt sich nicht mehr dreht, und die Unmöglichkeit, sie zeitlich, physisch und psychisch zu be- und verarbeiten und das pfadfinderische „Allzeit bereit“ zu einer von Hektik und Zwang getriebenen Lebenshaltung machen: Die „Psychopathologie der Informationsüberflutung“ , wie der Autor das weitere Kapitel überschreibt. Die Begriffe für den „getriebenen“ Menschen im Internet-Zeitalter reichen kaum aus, um das Pathologische der Entwicklung zu kennzeichnen: „Die Internetkultur befindet sich im rapiden Übergang in das Staubsaugerstadium“; und wir merken es gar nicht! Die Einflüsse der Arbeitswelt sind ja längst Bestandteil von ärztlichen Vor- und Nachsorgemaßnahmen geworden (Christophe Dejours, Hrsg., Klinische Studien zur Psychopathologie der Arbeit, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13188.php), wie auch zu gesellschaftlichen und politischen, ärztlichen Warnrufen (Tilmann Moser, Geld, Gier & Betrug. Wie unser Vertrauen missbraucht wird – Betrachtungen eines Psychoanalytikers, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13080.php).

Die Auseinandersetzung mit den (so genannten) „sozialen Netzwerken“, wie etwa mit „Facebook, Anonymität und die Krise des multiplen Selbst“, wie das nächste Kapitel überschrieben ist, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Don Quichotteschen Kampf gegen Windmühlenflügel. Der Medienkonsument wird mehr und mehr zu einem doppelgesichtigen Janus, der privat die eine und gesellschaftlich und öffentlich die andere Meinung und Haltung zeigt. In der Psychologie wird dies als Identitätsstörung bezeichnet. Die Erwartung – „Lass mich Ich sein, damit du Du sein kannst“ – ist längst der medialen, manipulierten, scheinbaren Selbstpräsentation gewichen. Lösungsmöglichkeiten freilich sieht der Autor nicht im Bedauern, dass scheinbare Ideale und Wertvorstellungen nicht mehr gelten zu scheinen, sondern im Durchschauen des Sichtbarkeitswahns und des Transparenzschwindels in der konzerngesteuerten und administrativen Verfügbarkeit des Selbst. Die Alternative könnte sein, sich anonym zu machen!

Im „Traktat über die Kommentarkultur“ werden Fragen aufgeworfen, die Informationen, Vorfindbarkeiten, Habhaftmachungen, Aufbewahrung und Erinnerungen betreffen. Die an den Rändern der Internettexte bereits ausgefransten Vergewisserungen über Wahrheiten, Quellen und Urhebern schreien geradezu nach einer sozialen Ordnung; „Die Tatsache, dass es da draußen keine Metaerzählungen mehr gibt, ist kein poststrukturalistischer Allgemeinplatz mehr, sondern festverdrahtete Realität“ (vgl. dazu auch: Iris Dzudzek / Caren Kunze / Joscha Wullweber, Hg., Diskurs und Hegemonie. Gesellschaftskritische Perspektiven, Bielefeld 2012, 260 S., Rez. in Socialnet).

Die „große Oberflächlichkeit“, ein intellektuelles Gräuel, ist in der „Internetkritik“ immer schon Thema gewesen, nicht selten verbunden mit Formen von Kulturpessimismus, Kultur- und Gesellschaftskritik. Die „Kritik der reinen Vernunft“ (Immanuel Kant, 1781), als Grundlage des kritischen Denkens und Handelns der Menschen, hat ohne Zweifel in der Internetkultur einen Wandlungsprozess erfahren: „Der persönliche Stil (hat) die formale Sprache der Theorie abgelöst“. Das braucht erst einmal kein Dilemma zu sein, macht es aber notwendig, Netzkritik an einer lebendigen, aktiven und seriösen Netzwerkkultur zu messen.

Wir sind bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Begründung und Bewertung der Vernetzungskultur angelangt; bei den „Medienwissenschaften“ und der Diagnose des Autors über eine gescheiterte Fusion, nämlich der, dass „die in den Geisteswissenschaften verankerten Medienwissenschaften ( ) sich dabei weder als Hort radikaler Kritik hervorgetan noch eine besondere Ausrichtung auf die Vergangenheit entwickelt (haben), um den ‚medienarchäologischen‘ Ansatz voranzubringen“. Was notwendig ist: „Die akademischen Beschränkungen hinter sich zu lassen und die kollektive Imagination zu öffnen“ – und nach den gemeinsamen, humanen Zielen Ausschau zu halten, die menschliche Gegenwart und Zukunft gestalten sollten (vgl. dazu auch: Janina Karolewki / Nadja Miczek / Christof Zotter, Hrsg., Ritualdesign. Zur kultur- und ritualwissenschaftlichen Analyse "neuer" Rituale, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13966.php).

„Blogs und die Plattformen der Sozialen Netzwerke, mit denen sie untereinander im Datenaustausch stehen, sind zum meinen Medien-Mainstream geworden“. Dass es dabei nicht nur um Informationsaustausch, Kommunikation und Zeitvertreib geht, sondern im wesentlichen auch um „Zirkulation von Stimmungen“, Einflussnahmen und Mentalitätsverbreitung, wird im Kapitel „Bloggen nach dem Hype“. In drei Fallstudien werden die Situationen dargestellt, wie Blogs in Deutschland, in Frankreich und im Irak akzeptiert, genutzt und verstanden werden: „In gewisser Weise dokumentieren Blogs einen Wandel im Status des Persönlichen, wobei das Persönliche sowohl mobilisiert als auch getilgt und eingeebnet wird“.

Die Frage, was Radio im Internet-Zeitalter ist, wird nicht mit einem Abgesang der ausgewiesenen Radiowellen beantwortet, sondern mit der Diskussion über das „Online-Hörerlebnis durch den interaktiven Live-Charakter des Streamings“ eingeleitet. Am Beispiel der Amsterdamer Piratenradio-Szene werden die Techniken, Methoden und Innovationen dargestellt, und der Autor entwickelt Visionen für einen digitalen Radiobetrieb, der den traditionellen Rundfunk hinter sich lässt.

Ein weiteres Medium, die Videotechnologie nämlich, wird im Kapitel „Online-Videoästhetik oder die Kunst des Datenbankenschauens“ thematisiert: Wir schauen keine Filme und kein Fernsehen mehr, wir schauen Datenbanken“. YouTube und andere Entertainer laden ein. Und wer sichtet, bewertet und kontrolliert das, was die Datenbanken in der Welt alles so hergeben? Vom Wohnzimmersex, über Geburtstagsfeiern bis zum Menschenschlachten? Es bedarf einer „Video-Vorschau“, die objektiv, wissenschaftlich und human die Spreu vom Weizen oder den Dreck vom Anschauenswürdigen trennt.

Als der weltweit anerkannte, US-amerikanische Fachmann für Computer-Technologie, Joseph Weizenbaum (1923 – 2008) in einem Gespräch mit dem Verleger Bernhard Moosbrugger 1984 warnte, dass der Computer als Symbol der modernen Wissenschaft und der Hochtechnologie nicht zu einer humanen Weiterentwicklung der Menschheit, sondern „unweigerlich in den Abgrund führen“ wird (Joseph Weizenbaum, kurs auf den Eisberg oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte, Zürich 1984, 136 S.), da wurde er als der ewiggestrige Fatalist abgetan. Im Kapitel „Die Gesellschaft der Suche“ erinnert Geert Lovink an den Computerkritiker, der von der „Macht der Computer und der Ohnmacht der Vernunft“ (1978) warnte. Die Suchmaschinenmanie und -macht, Google Street View und andere Bereitstellungen von Informationen und Unterhaltungen tragen dazu bei, dass wir uns mit Oberflächen- und Häppchenwissen zufrieden geben und das Denken anderen überlassen (vgl. dazu auch: Karl Heinz Bohrer, Selbstdenker und Systemdenker. Über agonales Denken, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12903.php).

Dass das Internet längst vom Werkzeug zum selbstaktiven, bestimmenden Aktionator geworden ist, können wir individuell und gesellschaftlich alltäglich erleben. Im Kapitel „Die Organisation von Netzwerken in Kultur und Politik“ wird die Situation verdeutlicht, und der Autor sucht nach Auswegen aus den Abhängigkeiten, die so recht kaum jemand noch wahrnimmt. Wenn mittlerweile in den Fernzügen der Bundesbahn so genannte Stillezonen angeboten werden, weil in den sonstigen Abteilen pausenlos Handys klingeln und User lauthals private, dienstliche und unwesentliche Dinge hinausschreien, ist das nur ein beinahe zu vernachlässigender Hinweis auf unsere Gefangenschaft, in die wir uns freiwillig begeben. Dürfen wir weiterhin die Zufälligkeiten und Egoismen in der Netzwerknutzung akzeptieren oder hinnehmen? Es kommt darauf an, Konzepte zu entwickeln, etwa „Organisierte Netzwerke“ (Orgnets), um die Möglichkeiten des Internets tatsächlich toolig zu nutzen. Dazu stellt der Autor drei Beispiele von „Organisierter Netzwerke in Aktion“ vor: Culturemondo, Wintercamp 09 und RIXC.

Im Schlusskapitel setzt sich der Autor für „Technopolitik mit WikiLeaks“ ein, und zwar mit der Hoffnung, dass „ein anderes WikiLeaks möglich ist“. Er zeigt die Entstehung und Wirkung der Internetplattform auf und verweist auf die Gier nach Berühmtheit und Machtbesessenheit von WikiLeaks, insbesondere seines Begründers Julian Assange und seines inneren Kreises. „Der traditionelle investigative Journalismus bestand eins aus drei Phasen: Tatsachen ermitteln, Tatsachen prüfen und Tatsachen in einen durchschaubaren Kontext einbetten“. WikiLeaks tut das erste und beansprucht, auch noch das zweite zu tun, das dritte allerdings findet nicht statt“. Zwar bestätigt Lovink WikiLeaks, in den Zeiten der Machtkonzentrationen und Abhängigkeiten ein „Whistleblower“ -Fenster aufgestoßen zu haben; es bedarf jedoch eines anderen Whistleblower-Paradigmas, das sich von einer „Verlagerung vom Hacken auf das Informations-„Leaking“ (vollziehen sollte), was ebenso mit einer Demokratisierung der IT-Tools über den Kreis der Nerds und Hacker hinaus wie mit wachsender Legitimierungsproblemen angesichts von Finanzskandalen, Wirtschaftskrisen und zunehmenden sozialen Unterschieden zu tun hat“.

Fazit

Der holländische Medientheoretiker Geert Lovink reitet mit seinen Studien, Analysen und Berichten zur Vernetzungseuphorie zwar auch einige Attacken; es geht ihm aber nicht darum, das Internet zu verdammen oder gar abschaffen zu wollen. Vielmehr zeigt er die Konsequenzen auf, die entstehen, wenn wir das www nur nutzen, ohne hinter die Kulissen zu schauen, also Tun vor Denken stellen.: „Wir müssen unsere kritischen Fähigkeiten nutzen und auf das technologische Design und Arbeitsfeld Einfluss nehmen, sonst werden wir in der digitalen Wolke verschwinden“. Es gilt, sich darauf zu besinnen, dass das Internet ein Werkzeug ist und keine Übermacht.

Das Buch ist einzuordnen in die immerhin zunehmende, warnende Literatur, auch bei der Internetnutzung einen Perspektivenwechsel zu vollziehen, Hier und Heute!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 28.11.2012 zu: Geert Lovink: Das halbwegs Soziale. Eine Kritik der Vernetzungskultur. transcript (Bielefeld) 2012. ISBN 978-3-8376-1957-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14329.php, Datum des Zugriffs 14.12.2019.


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