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Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie in der Sozialen Arbeit

Cover Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie in der Sozialen Arbeit. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2013. 128 Seiten. ISBN 978-3-8080-0699-3. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 27,45 sFr.
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Mit dem Band "Kunsttherapie in der Sozialen Arbeit" hat Karl-Heinz Menzen eine eindrucksvolle Zusammenstellung verfasst, um Ausbildungssituationen, Anforderungsprofile und den rechtlichen Rahmen der Tätigkeit in der Kunsttherapie darzulegen. Im Sinne einer exemplarischen sinnlich-konkreten Darlegung geht er auf 26 verschiedene Ansätze kunsttherapeutischer Interventionen bezogen auf Störungsbilder nach dem ICD-10 Katalog ein und stellt neben dem Ausblick und Resümee noch die Schematherapie als grundlegende kunsttherapeutische Intervention heraus. In der Gestaltung des Buches werden begrifflich differenzierte Erläuterungen mit persönlichen Erfahrungsanteilen verknüpft, um eine lebendige Veranschaulichung aus der Praxis neben den theoretischen Ausführungen zu geben.

Aufbau und Inhalt

Ausgehend von der Definition: "Kunsttherapie ist ein eigenständiges Therapieverfahren im sozial-präventiven und sozial-rehabilitativen, im klinisch-psychologischen und im psychotherapeutischen Bereich…" wird auf das Leistungssystem im deutschen Gesundheitssystem Bezug genommen. Die Abrechnung kunsttherapeutischer Interventionen erfolgt über das sog. Fallpauschalen-Gesetz (DRG) bzw. über entsprechende Maßnahmenkataloge, d.h. den Klassifikations-Katalog Therapeutischer Leistungen (KTL) in den Reha-Kliniken, den Operating Procedure System (OPS)-Katalog in den Akut-Kliniken. In der Studie des Deutschen Krankenhaus Instituts (2011) heißt es beispielsweise: "Nahezu alle Psychiatrischen und Allgemeinen Krankenhäuser haben im Jahr 2010 bei den Patienten mit psychischen Erkrankungen eine Form der Kreativitätstherapie angewandt…". Auch im Sozialbereich wie in der Familien-, Kinder- und Jugend-, Behinderten-, Eingliederungs-, Jugendgerichts-, Alten- und Bewährungshilfe werden künstlerisch-therapeutische Leistungen ausgeschrieben und erbracht. Zwar werden die künstlerischen Therapieverfahren, wie Kunst- und Gestaltungstherapie, Musik-, Tanz-, Bewegungs-, Biblio- und Theatertherapie, in den Heilmittelrechtlinie (HMR) nicht genannt. Dagegen werden sie in vielen Leitlinien als Richtlinien der Behandlung und des Fallpauschalen-Entgeltsystems verrechnet. Weiterhin werden zunehmend Absolventen mit kunsttherapeutischer Qualifikation in Kombination mit dem Abschluss an einer Hochschule des Sozialwesens in entsprechenden Einrichtungen eingestellt. Diese zunehmende Anerkennung in Berufsfeldern des Gesundheits- und Sozialwesens stellt Menzen zur Legitimation des Faches mit dem Band eindrücklich heraus.

In dem Zusammenhang bezieht er sich auf Ausbildungssituationen bezogen auf die Berufsfelderweiterung der Sozialen Arbeit. Ausbildungen haben mit dem Bologna-Abkommen in der Regel ihre Anbindung an Hochschulen mit einschlägigen Berufsverbänden gefunden. Die 2006 gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien (BAG-KT) vertritt vielfach die Künstlerischen Therapien mit einer Stimme. Mit der klinischen Ausrichtung der Kunsttherapie problematisiert Menzen eine mögliche Spaltung in der sozialarbeiterischen Ausrichtung bzw. in dem Verständnis von Sozialarbeit und Therapie als unterschiedliche Handlungsformen. Dahingehend wird von ihm eine Grundlage des sozialarbeiterischen Handelns im Gesundheitsbereich als gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung geltend gemacht.

Für diese Orientierung sind für ihn Anforderungsprofile wahrzunehmen, wie sie beispielsweise in Zusatzlehrprogrammen, Weiter- und Ausbildungen an Hochschulen des Sozialwesens bestehen, um kunstherapeutisch-methodisch in sozialen Bereichen intervenieren zu lernen. Dazu zählen u.a. eine inhaltlich orientierte Bildanalyse, eine problemorientierte Initiierung und Analyse von Bildern, ein Umgehen mit Bildassoziationen, künstlerische Verfahrensweisen in Gruppenprozessen und eine bildnerische, interaktionelle sowie psychodramatische Aufarbeitung von Verhaltensauffälligkeiten oder Krankheitsbildern ergänzend zur theoretischen Fundierung von unterschiedlichen Erkrankungen, zum breiten Methoden- und Interventionswissen, zur supervidierten Praxis mit Selbsterfahrungen als auch zu Kenntnissen über den zukünftigen beruflichen Rechtsrahmen.

Der rechtliche Rahmen für das Berufsbild des Künstlerischen Therapeuten wird von Menzen differenziert nach Tätigkeitsfeldern im Gesundheitswesen und Tätigkeitsfeldern im Sozialwesen aufgeschlüsselt. Es handelt sich um eine prägnante Zusammenstellung zur rechtlichen Situation bezogen auf die Gesetzeslage und gesundheitsrechtliche Besonderheiten.

Im Bezug auf das Tätigkeitsfeld im Gesundheitswesen wird auf Arbeitsfelder im Akut- und Reha-Kliniken als auch in fachgebiets- und indikationsübergreifenden klinischen Bereichen eingegangen, und zwar hinsichtlich der Klassifikation Therapeutischer Leistungen (KTL). Der Tätigkeitsbereich im Sozialwesen wird gleichfalls in den unterschiedlichen Teilbereichen aufgearbeitet und aufgezeigt. Mit der Zusammenfassung zur Tätigkeit des Kunsttherapeuten im sozialen Sektor thematisiert Menzen auch die noch Nicht-Zulassung der Künstlerischen Therapien im ambulanten Bereich bzw. die unzureichende Regelung der gesetzlichen Rahmenbedingungen der Kunsttherapie.

In dem Kapitel zu Ansätzen kunsttherapeutischer Interventionen werden von ihm 26 Problembereiche aufgezeigt, und zwar in der jeweiligen Unterteilung nach Betroffenen, Beeinträchtigungen, der psycho-sozialen Dynamik der Beeinträchtigung, dem salutogenetischen Angebot sowie einem konkreten, anschaulichen Fallbeispiel. Es reicht von früh abgelehnten, unerwünschten Kindern bis hin zu von Verwahrlosung bedrohten Erwachsenen. In der Darlegung verfährt er praxisorientiert und vermittelt ein Verständnis für Handlungsfelder sowie mögliche kunsttherapeutische Interventionen. Im darauffolgenden Kapitel wird die Schematherapie als Grundlage kunsttherapeutischer Intervention - auch anhand von Schaubildern – vorgestellt, d.h. in der Zuordnung zu Störungen, die sich psycho-regulativ, psycho-sozial, psycho-affektiv, psycho-somatisch und psychiatrisch auswirken. Für ihn bringt die Schematherapie inner-bildhaft die kognitive Verhaltenstherapie und die Kunsttherapie zusammen, und zwar als eine Form der Imaginationsübung. In seinem Ausblick und Resumée betont er die Ausrichtung auf Persönlichkeitsbildung mit bildnerisch orientierter Selbsterfahrung und mit therapeutischer Aufarbeitung der eigenen Biografie in der kunsttherapeutischen Ausbildung und fordert dahingehend ein Mitwirken an einem neuen Fähigkeitsprofil der Kunsttherapie.

Fazit

Im ganzen handelt es sich um einen gut lesbaren Band, der wesentliche rechtliche Aspekte im Arbeitsfeld der Kunsttherapie darlegt. In der Zusammenstellung bietet er ein komprimiertes Verständnis zum Berufsbild der Kunsttherapie und zu Anforderungsbereichen in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen. Er ist empfehlenswert für alle, die in diesem Bereich tätig sind und sich einen grundlegenden Überblick verschaffen möchten. Damit wird eine Lücke zum Verständnis des Berufsbildes der Kunsttherapie geschlossen bzw. deutlich gemacht, an und in welchen Bereichen vertiefend weitergearbeitet werden müsste, um eine allgemeine gesundheitswissenschaftliche Anerkennung und fundierte Ausbildung in der Kunsttherapie zu gewährleisten.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Ruth Hampe
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Zitiervorschlag
Ruth Hampe. Rezension vom 11.01.2013 zu: Karl-Heinz Menzen: Kunsttherapie in der Sozialen Arbeit. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2013. ISBN 978-3-8080-0699-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14338.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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