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Robert Fluder, Sabine Hahn u.a.: Ambulante Alterspflege und -betreuung

Cover Robert Fluder, Sabine Hahn, Jonathan M. Bennet, Matthias Riedel, Thomas Schwarze: Ambulante Alterspflege und -betreuung. Zur Situation von pflege- und unterstützungsbedürftigen älteren Menschen zu Hause. Seismo-Verlag (Zürich) 2012. 240 Seiten. ISBN 978-3-03-777125-9. 28,00 EUR, CH: 38,00 sFr.

Reihe: Soziale Frage.
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Thema

Dem vorliegenden Buch liegt eine Studie der beiden Fachbereiche Soziale Arbeit und Gesundheit der Berner Fachhochschule zugrunde. Als Kooperationsprojekt mit finanzieller Unterstützung aus den einbezogenen Kantonen (Aarau, Bern, Zürich) und einer Krankenkasse wurde die Situation älterer Menschen und ihrer Pflege- bzw. Betreuungspersonen in der Schweiz untersucht. Das Ergebnis überrascht nicht.

Autorenteam

Die Autoren sind laut Buchhinweis Dozenten an der Berner Fachhochschule.

Entstehungshintergrund

Durch die demografische Entwicklung, die auch vor der Schweiz nicht Halt macht, werden immer mehr ältere Menschen pflege- oder betreuungsbedürftig. Sie wollen natürlich so lange wie möglich in ihrer eigenen häuslichen Umgebung leben. Daher wurde das Studienprojekt mit der Untersuchung der folgenden Schwerpunkte durchgeführt:

  • Umfang und Formen der Pflege- und Unterstützungsleistungen
  • Kooperationen zwischen professioneller und nichtprofessioneller Pflege
  • Leistungsfähigkeit der verschiedenen Betreuungsformen

Aufbau und Inhalt

Im Focus des Buches liegt die Auswertung der quantitativen Erhebung des Pflegebedarfs von älteren Menschen anhand eines standardisierten Fragebogens. Ergänzend dazu wurden in einer qualitativen Stichprobe die Pflegenden interviewt.

Das erste Kapitel beschreibt kurz die Ausgangslage und die Fragestellungen der Studie (siehe auch Entstehungshintergrund).

Im zweiten Kapitel werden Begrifflichkeiten und die Aufteilung in die beiden Module I (qualitativ) und II (quantitativ) erläutert.

In der Ergänzung dazu werden im dritten Kapitel die Untersuchungsmethodik und dessen Entwicklung dargestellt.

Die Zusammensetzung der befragten Personengruppe, (etwas mehr als 700 Menschen ab 70 Jahre, die zuhause wohnen und Hilfe benötigen sowie deren Hilfspersonen) wird im vierten Kapitel erläutert.

Erst ab dem fünften Kapitel wird es für den Leser interessant: nun werden die Ergebnisse veröffentlicht und kommentiert. Der Aufbau der Kapitel 5 bis 12 ist gleich gehalten, was einen guten Überblick über die Auswertung verschafft. Es handelt sich jeweils um Einleitung, Beschreibung der Resultate und Zusammenfassung. Die verschiedenen Überschriften in den Kapiteln richten sich nach dem Inhalt der besprochenen Themenblöcke und Ergebnisse:

  • Pflege- und Unterstützungsbedürftigkeit und Inanspruchnahme von Leistungen
  • Das persönliche Verhältnis zu den unterstützenden Personen, eigene Pflege- und Betreuungserfahrung und die Koordination von Unterstützungsleistungen
  • Wahrgenommen Unterstützungs- und Informationslücken
  • Pflege- und Unterstützungsbedürftigkeit und Inanspruchnahme von Leistungen in Abhängigkeit der Wohnsituation und im regionalen Vergleich
  • Persönliche Ressourcen und Unterstützungsleistungen
  • Pflege- und Unterstützungsbedürftigkeit, soziale Aktivitäten und gesellschaftliche Partizipation
  • Das subjektive Wohlbefinden im Spiegel der ambulante Pflege und Unterstützung
  • Palliative Care

Auf diese Kapitel im Einzelnen einzugehen ist müßig, da die Ergebnisse absolut nicht überraschen und im Grunde die altbekannte Situation auch hier in Deutschland widerspiegeln. Einzig die Wohnsituationen und das Einkommen bilden einen – zu erwartenden – Unterschied.

Im letzten Kapitel werden eine Zusammenfassung und eine sich aus den Ergebnissen der Untersuchungen heraus kristallisierende Weiterentwicklung dargestellt.

Diskussion

Wie oben schon angedeutet, bietet das vorliegende Buch keine neuen Erkenntnisse, was die Situation von älteren Menschen bezüglich ihrer Hilfsbedürftigkeit und Unterstützung angeht. Ebenso zeigt sich dies auch bei den Befragungen der sie unterstützenden Personen (Pflegepersonen, Angehörige, Hausärzte, Sozialarbeiter). Es mag sein, dass für die Schweiz ein neues Bild entsteht, in Deutschland sind diese Ergebnisse hinlänglich bekannt.

Der Fragebogen für die quantitative Erhebung richtete sich nach den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) und Fragen nach der Zufriedenheit und wurde dadurch sehr umfangreich. Für ältere Personen erscheint er nicht so ohne weiteres beantwortbar. Daher wurden die Befragungen durch ausgewählte Personen geführt und dokumentiert, was einen hohen zeitlichen Aufwand bedeutete. Allerdings konnte so auch ein auswertbares Ergebnis erzielt werden.

Die qualitativen Interviews ergaben hauptsächlich, dass Pflege und Unterstützung älterer Menschen viel Zeit umfasst und die helfenden Personen oft ihrem Anspruch hinterher hinken (müssen). Dies ist keine neue Erkenntnis.

Enttäuschend ist der Ausblick, der leider keine hilfreichen Anregungen umfasst.

Fazit

Es ist sicherlich im Sinne der Wissenschaft sinnvoll, Studien zu bestehenden Problemthemen durchzuführen, um verwertbaren Daten und Fakten zu erhalten. Für den praktischen Leser ergeben sich aber aus diesem Buch keine neuen Erkenntnisse – es sei denn, es wäre von Nutzen zu wissen, dass die Situation älterer Menschen mit Hilfebedarf und die ihrer Unterstützer in der Schweiz sich nicht wesentlich von denen in Deutschland unterscheidet. Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit im europäischen Sinne zu diesem Thema sinnvoll.


Rezensentin
Claudia Schwill
QualitätsBeratungSchwill
Homepage www.qb-s.de
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Zitiervorschlag
Claudia Schwill. Rezension vom 08.05.2013 zu: Robert Fluder, Sabine Hahn, Jonathan M. Bennet, Matthias Riedel, Thomas Schwarze: Ambulante Alterspflege und -betreuung. Zur Situation von pflege- und unterstützungsbedürftigen älteren Menschen zu Hause. Seismo-Verlag (Zürich) 2012. ISBN 978-3-03-777125-9. Reihe: Soziale Frage. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14345.php, Datum des Zugriffs 16.06.2019.


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