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Hiltrud von Spiegel: Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit

Cover Hiltrud von Spiegel: Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis. UTB (Stuttgart) 2008. 3. Auflage. 269 Seiten. ISBN 978-3-8252-8277-6. 24,90 EUR, CH: 43,70 sFr.

ISBN 3-497-01692-6 (Reinhardt).

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Anliegen und Aufbau des Buches

"Professionelle müssen ihre Situations- und Problemanalysen, die Entwicklung von Zielen und die Planung ihrer Interventionen verständigungsorientiert, multiperspektivisch und revidierbar gestalten. Es wird von ihnen erwartet, dass sie ihre Handlungen transparent und intersubjektiv überprüfbar halten, und dass sie diese berufsethisch rechtfertigen, unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher und erfahrungsbezogener Wissensbestände begründen und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bilanzieren können.... Methodisch zu handeln bedeutet, die spezifischen Aufgaben und Probleme der Sozialen Arbeit strukturiert und kontextbezogen, kriteriengeleitet und eklektisch, zielorientiert und offen zu bearbeiten." (S. 9).

Dieses Credo fasst knapp und klar das Grundverständnis der Autorin von professioneller Praxis in der Sozialen Arbeit zusammen und spiegelt zugleich die Themen und die Struktur dieses Buches wider, das sie als Beitrag zur Operationalisierung dieser Anforderungen versteht. Sie verweist zu Recht darauf, dass die Auseinandersetzung mit reflexiver methodischer Praxis erst seit einigen Jahren wieder en vogue ist, nachdem im Zuge der Professionalisierung und Verwissenschaftlichung Sozialer Arbeit zwei Jahrzehnte deren theoretische und (sozial-)politische Verortung im Vordergrund stand. Insofern versteht sich das Buch als ein Beitrag, hier wieder eine angemessene Balance herzustellen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus einem ersten, "Grundlagen methodischen Handelns" überschriebenen Teil, in dem die Voraussetzungen und Bedingungen beschrieben werden, unter denen sich das methodische Handeln entfaltet.

In seinem ersten Abschnitt beschreibt von Spiegel knapp und prägnant Funktion und Gegenstand Sozialer Arbeit zwischen Inklusion und Exklusion und skizziert wichtige Positionen in diesem Handlungsfeld. Gegenwärtig dominante Paradigmen wie etwa eine an der Lebenswelt der AdressatInnen orientierte Arbeit oder ein Verständnis von Sozialer Arbeit als Dienstleistung werden in diesem Kontext ebenso erörtert wie die Probleme des Doppelten Mandats, des Technologiedefizits in der Pädagogik und die notwendige Koproduktion der AdressatInnen.

Im zweiten Abschnitt entwickelt die Autorin vor dem Hintergrund der aktuellen Professionalisierungsdebatte ihr Verständnis Sozialer Arbeit als wissenschaftlich fundierte Praxis. Eine solche ist nach ihrer Auffassung dann gegeben, wenn die professionellen Akteure über einen wissenschaftlich produzierten Wissensfundus verfügen, der die Aspekte

  • Beobachtungs- und Beschreibungswissen
  • Begründungs- und Erklärungswissen
  • Wertwissen
  • Handlungs- und Interventionswissen

umfasst.

Im folgenden Abschnitt entwickelt von Spiegel darauf aufbauend ein Profil relevanter Handlungskompetenzen für die Soziale Arbeit. "Professionelle Handlungskompetenz wird (dabei) als individuelles und kontextbezogenes "berufliches Können" konkretisiert, das von wissenschaftlichen und normativen Wissensbeständen profitiert und zentrale wissenschaftliche Arbeitsregeln beachtet." (S. 115) Bezogen auf die Ausbildung postuliert sie dabei eine "...Verunsicherung der biografisch erworbenen Gewissheiten systematisch zu erzeugen und ein Bewusstsein für die Bandbreite dessen zu wecken, was zu lernen ist und wofür es nutzt." (S. 112).

Im letzten Abschnitt des ersten Teils schließlich umreißt die Autorin ihre Verständnis methodischen Handelns als "Collage" und sieht die Herausforderung darin, "die "persönlichen, eklektizistischen" Collagen in "professionell gestaltetre" Collagen zu verwandeln." (S. 117). In diesem Sinne ist für sie methodisches Handeln ein "...Set aus Analyse-, Planungs- und Reflexionsstrategien, die helfen können, "Lesarten" jeweiliger Fallkonstruktionen zu entwickeln und den Informationsverarbeitungs- und Deutungsprozess zu strukturieren". (S. 119). Ein solches Set entwickelt sie für die Handlungsbereiche

  • Analyse der Rahmenbedingungen
  • Situations- oder Problemanalyse
  • Zielentwicklung
  • Planung
  • Evaluation.

Diesen Handlungsbereichen sind die weiter oben genannten Wissensbestände zugeordnet: so fordert die Analyse der Rahmenbedingungen vor allem Beobachtungs- und Beschreibungswissen, die Situations- und Problemanalyse das Erklärungs- und Begründungswissen, die Zielentwicklung vorrangig das Wertwissen, für die Planung ist Handlungs- und Interventionswissen von Nöten. Für die evaluation schließlich ist die Kenntnis sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden erforderlich.

Der zweite Teil des Buches besteht aus einem "Werkzeugkasten für methodisches Handeln". Er enthält Arbeitshilfen für die Bereiche

  • Gestaltung der Situation
  • Hilfeplanung
  • Konzeptionsentwicklung
  • Selbstevaluation.

Hier werden sehr praxisbezogen und konkret die einzelnen Schritte sowie methodische Hilfen für eine reflexive Praxis vorgestellt und beispielhaft durchgespielt. Wie in zahlreichen anderen Veröffentlichungen der Verfasserin gelingt es ihr auch hier, unmittelbar verwendbare Instrumente der praktischen Umsetzung anschaulich und überzeugend zu präsentieren.

Zusammenfassende Bewertung

Insgesamt ist der Verfasserin mit dem vorliegenden Buch eine gute Zusammenschau der aktuellen Professionalisierungs- und Positionierungsdebatte der Sozialen Arbeit gelungen. Wie in vorangegangenen Veröffentlichungen gelingt es ihr, eine erfrischend pragmatische Sicht zu entwickeln, ohne auf deren wissenschaftliche Fundierung zu verzichten, sowie ein praxisbezogenes Instrumentarium zu präsentieren, das dennoch in einen anspruchsvollen theoretischen Referenzrahmen eingebettet ist. Die vorliegende Publikation ist aus diesem Grunde vor allem für Studierende und PraktikerInnen gut geeignet.

Wer vorangegangene Veröffentlichungen der Autorin etwa zur Selbstevaluation, Qualitätssicherung und Konzeptionsentwicklung kennt, wird im zweiten Teil des Buches vieles wiederfinden, was er dort bereits rezipiert hat. In dieser Hinsicht ist der zweite Teil des Buches in besonderer Weise eine Sammlung bisheriger Ergebnisse des methodischen Handelns der Verfasserin. Dies mag auch ein Grund dafür sein, dass dieser Teil nicht in der systematischen Stringenz angelegt ist wie der klar strukturierte erste Teil.

Die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit des gesamten Werkes wird übrigens angenehm unterstützt durch die Hervorhebung von Definitionen wichtiger Fachbegriffe, anschaulicher Beispiele, Literaturhinweise und Zusammenfassungen durch Symbole sowie die Stichworte am Rande des Textes. Ein Glossar und ein Stichwortverzeichnis runden den Gebrauchswert dieses Buches als geeignetes Werk für Lehre und reflexive Praxis ab.


Rezensent
Dipl.-Soz. Willy Klawe
war bis März 2015 Hochschullehrer an der Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg. Jetzt Wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Instituts für Interkulturelle Pädagogik (HIIP)
Homepage www.klawe-sozialepraxis.de
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der 1. Auflage aus dem Jahr 2004.

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Zitiervorschlag
Willy Klawe. Rezension vom 29.06.2004 zu: Hiltrud von Spiegel: Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis. UTB (Stuttgart) 2008. 3. Auflage. ISBN 978-3-8252-8277-6. ISBN 3-497-01692-6 (Reinhardt).

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-8557-9 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1436.php, Datum des Zugriffs 18.08.2017.


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