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Thomas Gruber, Robert Ott: Rechnungswesen im Krankenhaus

Cover Thomas Gruber, Robert Ott: Rechnungswesen im Krankenhaus. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2015. 352 Seiten. ISBN 978-3-939069-73-7. D: 74,95 EUR, A: 77,20 EUR, CH: 92,00 sFr.

Reihe: Health Care Management.
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Thema und Ziel

Aufbauend auf den rechtlichen Spezifika der Krankenhausfinanzierung und -vergütung will das vorliegende Werk das externe und interne Rechnungswesen der Krankenhäuser grundlegend, umfassend und praxisnah vermitteln. Den Ausgangspunkt bilden jeweils Grundtatbestände der Finanzbuchhaltung und der Kostenrechnung. Hierauf basierend werden vertiefte krankenhausspezifische Problemstellungen erörtert. Den umfangreichen rechtlichen Regelungen auch des internen Rechnungswesens in Krankenhäusern wird hierbei Rechnung getragen.

Zahlreiche Führungskräfte in Krankenhäusern verfügen nicht über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung. Gleichzeitig kommt einer wirtschaftlichen Geschäftsführung in Krankenhäusern angesichts der Wettbewerbsverschärfung und Mittelverknappung eine zentrale Bedeutung zu. Das Werk will dem genannten Personenkreis das hierfür notwendige Methodenwissen vermitteln und deshalb hierfür zum leichteren Verständnis von Tatbeständen der verarbeitenden Industrie abstrahieren, die vielen Standardwerken oftmals zugrunde liegen.

Autoren

  • Prof. Dr. Thomas Gruber ist seit 2007 Professor für Rechnungswesen und Controlling an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin.
  • Prof. Dr. Robert Ott ist seit 2008 Professor für Rechnungswesen, Controlling und Krankenhaus-Management an der Hochschule Rosenheim.

Aufbau

Das Werk umfasst drei Hauptkapitel.

  1. In einem knappen Eingangskapitel werden Grundtatbestände des Krankenhausbetriebs, des Krankenhausrechts sowie des betrieblichen Rechnungswesens erörtert. Die beiden seitenmäßig voluminöseren Kapitel widmen sich dem externen und internen Rechnungswesen der Krankenhäuser.
  2. Analog zum Aufbau des externen Rechnungswesens werden die Finanzbuchführung, der Jahresabschluss (Einzelabschluss nach HGB und Konzernabschluss nach HGB oder nach IFRS) sowie die kennzahlengestützte Jahresabschlussanalyse dargestellt.
  3. Entsprechend des Ablaufs des internen Rechnungswesens werden die Darlegungen hierzu in Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung differenziert. Abschließend werden Instrumente der Erfolgsrechnung und des Kostenmanagements vorgestellt.

Inhalte

Eingangs werden die Grundlagen des Leistungserstellungsprozess im Krankenhaus und des Krankenhausrechts vorgestellt. Hier wird vor allem die Ausgestaltung des sog. dualen Systems der Krankenhausfinanzierung erörtert. Sodann werden die Leistungs- und Vergütungsformen im Krankenhaus beschrieben, wobei vertieft die Vergütung im Rahmen des DRG-Systems behandelt wird.

Die Einführung in die Grundlagen des betrieblichen Rechnungswesens umfasst die adressatenorientierte Differenzierung von externem und internem Rechnungswesen und deren Elementen sowie eine Darstellung der Ebenen und Rechnungsgrößen des Rechnungswesens. Hierauf aufbauend werden die Zusammenhänge der Finanzbuchführung vorgestellt. Eingegangen wird insbesondere auf Inventurverfahren, das Vorgehen der Kontenführung und des Kontenabschlusses sowie die Erstellung des Jahresabschlusses aus den Kontensalden. Die Kriterien ordnungsmäßiger Buchführung nach Handels- und Steuerrecht werden aufgeführt.

In der Folge werden die rechtlichen Vorschriften zur Aufstellung des Jahresabschluss nach HGB und KHBV diskutiert. Es wird eine Auswahl von für den Krankenhausbetrieb relevanten Ansatz-, Ausweis- und Bewertungsfragen erörtert, so z.B. der Ansatz geleaster Vermögensgegenstände und die Grundsätze der Zuordnung des wirtschaftlichen Eigentums, die Bestandteile der Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie die Abgrenzung von Herstellungs- und Erhaltungsaufwand bei Gebäuden. Im Anschluss an die Darstellung grundlegender Bilanzierungs- und Bewertungsnormen findet der Leser eine nach Bilanz- und GuV-Positionen gegliederte Kommentierung vor. Hierbei wird vertieft auf die Abbildung der Fördermittel mittels Sonder- und Ausgleichsposten und der Leistungsvergütungen im Jahresabschluss eingegangen. Beispielhaft sei die Bewertung von sog. „Überliegern“ sowie von Rückstellungen für Haftungsfälle angeführt. Anschließend werden weitere Abschlussbestandteile wie Anhang, Kapitalflussrechnung und Segmentberichterstattung sowie der außerhalb des Jahresabschlusses stehende Lagebericht erörtert.

In zwei knappen Abschnitten werden die Themenkreise Konzernabschlüsse und Abschlüsse nach IFRS angerissen. In diesem Rahmen werden einerseits Konsolidierungskreis und Konsolidierungsformen und andererseits die wesentlichen Prinzipien und Unterschiede zu den HGB-Abschlüssen dargestellt. Dies wird anhand einiger krankenhausspezifischer Bilanzierungsbeispiele wie dem Ansatz von Entwicklungskosten, der möglichen Teilgewinnrealisierung und der Bilanzierung von öffentlichen Fördermitteln verdeutlicht.

Die Behandlung der kennzahlengestützten Jahresabschlussanalyse umfasst zunächst Grundlagen der Kennzahlenbildung. Auf dieser Basis werden dann neben Kennzahlen zur Abbildung der Vermögens-, Finanz- und Erfolgslage auch pro forma-Kennzahlen wie EBIT und EBITDA erörtert.

Krankenhäuser gehören zu den wenigen Wirtschaftszweigen, für die die Erstellung einer Kosten- und Leistungsrechnung gesetzlich vorgeschrieben ist. Aus diesem Grunde werden neben den allgemeinen Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung wie z.B. Kostenbegriffe und Kostenverläufe auch die Ziele der Kosten- und Leistungsrechnung nach KHBV und die Anforderungen an diese dargelegt. Auf die geänderten Anforderungen im Zuge des Übergangs vom Pflegesatzregime auf das Fallpauschalenregime wird eingegangen.

Sodann wird der Ablauf der Kosten- und Leistungsrechnung beleuchtet, der sich bekanntlich in die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung gliedert. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften für Krankenhäuser. So entfällt de lege lata der Ansatz kalkulatorischer Kosten, da diese nicht pflegesatzfähig sind. Gleichwohl empfiehlt es sich aus Sicht der Informationsbedürfnisse des Managements, die Deckung auch der kalkulatorischen Kosten durch die Erlöse zu überprüfen. Aus diesem Grund werden auch die Grundsätze der Bemessung kalkulatorischer Kosten skizziert. Die Kostenstellenbildung im Krankenhaus wird auf Basis des Kostenstellenplans nach Anlage 5 KHBV verdeutlicht. Ein besonderes Augenmerk wird der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung der Infrastruktur-Kostenstellen eingeräumt.

In der Folge werden die Verfahren der Leistungskalkulation anhand von Fallbeispielen demonstriert. Hier werden allerdings entgegen der Ankündigung auch industrielle Geschäftsmodelle verwendet. Die Schritte der Fallkostenkalkulation im Krankenhaus gemäß InEK-Kalkulationshandbuch werden abgearbeitet. Leider wird gerade bei diesem für Krankenhäuser zentralen Thema auf die Darbietung von veranschaulichenden Fallbeispielen verzichtet. Die Erlösformen und Verfahren einer evtl. Erlösaufteilung werden demgegenüber ausführlich und detailgetreu behandelt.

Maßgebliche Entscheidungen des operativen Managements wie Leistungs- und Leistungsprogrammpolitik setzen eine Kostenauflösung in variable und fixe Kosten voraus. Dieser Gedanke wird aufgegriffen und für das Geschäftsmodell der Krankenhäuser adaptiert. In der Folge werden dann die Verfahren der ein- und mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung dargestellt. Auf die Implikationen für das Management wie z.B. die Bezifferung der Gewinnschwelle wird eingegangen.

Abschließend werden eine Reihe von weitergehenden Instrumenten des Kostenmanagements überblickend vorgestellt. Vor dem Hintergrund des in Krankenhäusern vorherrschenden hohen Personalkostenblocks sind dies zunächst die analytische Personalbedarfsplanung und deren Ausbau zu einer Prozesskostenrechnung. Daneben wird auf Formen der Budgetierung, die Bildung von sog. Center-Strukturen und Verfahren zur Bezifferung von Verrechnungspreisen für den Bezug interner Leistungen eingegangen. An marktorientierten Instrumenten werden die Zielkostenrechnung sowie Bezifferung von Erfahrungskurveneffekten erörtert. Letztere sind etwa vor dem Hintergrund von Mindestmengenregelungen relevant.

Zielgruppe

Das Werk wendet sich aufgrund seiner Praxisorientierung insbesondere an Studierende krankenhausbetrieblicher Studiengänge sowie an Praktiker mit Vorkenntnissen im Rechnungswesen, die sich vertiefend mit dem Rechnungswesen der Krankenhäuser beschäftigen wollen.

Diskussion

Es liegt ein umfassendes krankenhausorientiertes Lehrbuch vor, das alle Bestandteile des Rechnungswesens behandelt. Da jeweils eingangs der Kapitel eine Erläuterung branchenunspezifischer Grundtatbestände erfolgt, ist die Lektüre auch für im Rechnungswesen Unerfahrene gewinnbringend. Die Lektüre verhilft dazu, einen fundierten Überblick über das gesamte Rechnungswesen der Krankenhäuser zu gewinnen.

Positiv hervorzuheben ist, dass die komplexe Materie anhand zahlreicher Fall- und Rechenbeispiele veranschaulicht wird. Ebenfalls gewinnbringend ist der Umstand, dass zu Beginn der einzelnen inhaltlichen Abschnitte Leitfragen aus der Perspektive eines leitenden Oberarztes formuliert werden, der sich mit dem Rechnungswesen vertraut machen möchte. Insoweit wird der Text durch Vorgabe von Erkenntniszielen gut strukturiert.

Einige, vor allem die komplexeren Gebiete wie Konzernabschlüsse und Abschlüsse nach IFRS werden recht knapp abgehandelt. Für einen vertieften Einblick wird hier ergänzendes Schrifttum herangezogen werden müssen.

Im Bereich der Kostenrechnung könnte eine vertiefte Behandlung der Fallkostenkalkulation erwogen werden. Aufgrund des nach Redaktionsschluss in Kraft getretenen BilRUG werden ohnehin redaktionelle Anpassungen notwendig werden.

Einen nennenswerten Mehrwert gegenüber rein rechnungswesenorientierten Werken stellt die abschließende überblickende Behandlung von Instrumenten des Kostencontrollings und Kostenmanagements dar.

Insgesamt wird ein gelungenes Werk vorgelegt, das insbesondere durch seine umfassende, integrierende Darstellung und die durchgängige Praxisnähe besticht.

Fazit

Im vorliegenden Werk werden das externe und interne Rechnungswesen der Krankenhäuser umfassend und praxisnah dargestellt. Auf die das Rechnungswesen prägenden rechtlichen Bestimmungen, insbesondere des Finanzierungs- und Vergütungsrechts, wird Bezug genommen. Da auch Grundtatbestände des Rechnungswesens dargestellt werden, kann das Buch auch als Einstiegslektüre verwendet werden. Lediglich ein Grundverständnis des Geschäftsmodells „Krankenhaus“ sollte vorhanden sein. Es werden auch Grundzüge komplexerer, auf dem Rechnungswesen aufbauender Themengebiete skizziert, die dem Leser einen Überblick über weitergehende Managementmethoden liefern.


Rezension von
Prof. Dr. Mathias Graumann
Professor für Rechnungslegung, insbesondere Controlling, Kosten- und Leistungsrechnung, Steuer- und Wirtschaftsprüfung, Hochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
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Zitiervorschlag
Mathias Graumann. Rezension vom 11.01.2016 zu: Thomas Gruber, Robert Ott: Rechnungswesen im Krankenhaus. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2015. ISBN 978-3-939069-73-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14362.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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