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Winfried Zapp (Hrsg.): Controlling in der Pflege

Cover Winfried Zapp (Hrsg.): Controlling in der Pflege. Huber & Lang (Bern 9) 2004. 432 Seiten. ISBN 978-3-456-83846-5. 49,95 EUR, CH: 86,00 sFr.
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Controlling in der Pflege

Im Gesundheitswesen und mit einigen Jahren Verzögerung in der Altenhilfe hat der Wettbewerb die Sozialwirtschaft zuerst erreicht. Nach Jahrzehnten der Kostenerstattung folgten Deckelungen, Budgetierungen und Preis- & Qualitätsverhandlungen. Der Wettbewerb erfolgt nicht nur unter den etablierten Anbietern, sondern mit zunehmender gewerblicher Konkurrenz, preiswerten Hilfs- und Fachkräften aus Osteuropa und künftig verstärkt international tätigen Unternehmen. Die gänzlich veränderten Marktbedingungen sind u.a. durch DRGs (Fallpauschalen), Leistungskataloge in der ambulanten Pflege und privat finanzierte Zusatzleistungen gekennzeichnet. Über den wirtschaftlichen Erfolg entscheiden u.a. wirtschaftliche Effizienz, Image bei Kunden, Verhandlungsfestigkeit gegenüber Kostenträgern, Anpassung der Prozesse an Finanzierungslogiken, Lenkung von Klientenströmen und Einfluss auf belegende bzw. empfehlende Institutionen.

In diesem Umfeld gewinnt Controlling als zielorientierte Führung, u.a. mit Kennzahlen, enorm an Bedeutung, sowohl zur Strategieumsetzung, als auch zur Optimierung der laufenden Prozesse.

Bisher sind zahlreiche Bücher zum Controlling in der Sozialwirtschaft erschienen; viele halten jedoch nicht, was sie versprechen, weil sie nicht ausreichend in die Tiefe spezieller Finanzierungsparadigmen einsteigen und nur einen mäßigen Branchenbezug erkennen lassen. Vor diesem Hintergrund wecken ein renommierter Verlag, ein umfangreiches Werk (gut 400 Seiten) und ein fachlich anerkannter Herausgeber hohe Erwartungen.

AutorInnen

Herausgeber und wesentlicher Mitautor ist Prof. Winfried Zapp, der aus leitenden Positionen in mehreren Einrichtungen die betriebswirtschaftliche Praxis des Gesundheitswesens kennt. Er lehrt an der Fachhochschule Osnabrück im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre und Krankenhausrechnungswesen. An der gleichen Hochschule ist auch die Mitautorin Prof. Barbara Schmidt-Rettig tätig. Auch alle weiteren neunundzwanzig AutorInnen verfügen über einschlägige Erfahrungen bzw. Berufe in den Feldern Hochschule, Beratung und vor allem Leitung & Controlling im Gesundheitswesen.

Inhalte

Das Werk teilt sich in zwei Teile: Theorie und Praxis. Der kleinere Theorieteil befasst sich mit

  • Einführung in den Begriff
  • Darstellung von Controllingkonzeptionen allgemein
  • Darstellung von dienstleistungsorientierten Controllingkonzeptionen (nach Thomas Haiber, Silvia Straub und Herbert Schirmer)
  • und einer abschließenden Übersicht über die wesentlichen Aspekte von Controlling.

Der etwa drei Viertel des Buchs umfassende anwendungsorientierte Teil des Buches behandelt

  • die allgemeinen Anforderungen der Praxis an Controlling in der Pflege
  • den Einsatz in den Bereichen Akutpflege, stationäre Altenhilfe, ambulante Pflege und rehabilitative Pflege. Die Akutpflege wird alleine über 112 Seiten behandelt, wobei u.a. Clinical Pathways, DRG in vielfältigen Aspekten, Prozesskostenrechnung, Balanced Scorecard und Berichtswesen in einzelnen Beiträgen behandelt werden.

Nutzen

Das Niveau der Beiträge ist weitgehend einheitlich gut. Durchgängig ist die Darstellung durch Gliederung der Texte, Tabellen und Abbildungen gut lesbar und verständlich. Literaturangaben zu jedem einzelnen Beitrag und ein gemeinsames Stichwortverzeichnis erhöhen den Nutzen.

Die Behandlung verschiedener Anwendungsbereiche sowie von Theorie und Praxis führen zwangsweise zu moderaten Wiederholungen. Dafür sind alle Beiträge auch einzeln sinnvoll zu verstehen und in der Praxis als Anregung aufgreifbar.

Im theoretischen Teil werden eher lehrbuchmäßig historische Entwicklung und etablierte Konzepte dargestellt. Den Praktiker im Krankenhaus oder Altenheim mag die Gegenüberstellung von Controllership und Treasureship oder der Vergleich von Controllingkonzeptionen von Horváth, Deyhle, Küpper, Weber, Haiber, Straub und Schirmer weniger in der Ausführlichkeit interessieren. Da der Teil sehr kompakt ist, dient er Studierenden als guter Überblick und - bedingt - dem Praktiker zur Reflexion seines Selbstverständnisses.

Wer (fast) ohne Vorkenntnisse zu dem Buch greift, erhält im 4. Kapitel eine kurze Einführung in die Grundlagen von Kostenrechnung und Controlling.

Das 5. Kapitel sei allen LeserInnen ans Herz gelegt, da hier die Branchenbedingungen (und psychosoziale Faktoren) für das Controlling kompakt und kompetent zusammengefasst werden.

Einer der zentralen Beiträge ist zweifellos die Darstellung der Clinical Pathways in Kapitel 6.1. Wie auch in einigen anderen Beiträgen ist positiv anzumerken, dass auf die Anwendung in verschiedenen Ländern, z.B. Deutschland, Schweiz und USA eingegangen wird. Allgemeine Übersichtsgrafiken, statistische Daten und konkrete Beispiele vermitteln den Inhalt konkret und praxisbezogen.

Fazit

Für das Studium des Sozialmanagements gibt es wenig Alternativen, wenn ein kurzer theoretischer Überblick und vertiefende Praxisdarstellungen gesucht werden. Für den Praktiker bleiben genügend Anregungen, selbst wenn die Theorie überblättert und Praxisbeiträge eher nur für einen der angesprochenen Pflegebereiche von Belang sind. Dabei könnte gerade der Reiz auch darin liegen, sich zumindest ansatzweise mit Instrumenten zu beschäftigen, die im eigenen Pflegebereich (noch!) keinen Einzug gehalten haben. Zweifellos können Zeitschriftenaufsätze noch aktueller und vielleicht im Einzelfall spezieller sein. Dafür bietet das Buch auf einen Griff ein Kompendium des Branchencontrollings auf hohem Niveau und mit fundiertem Praxisbezug. Für den Umfang, die fachliche Qualität und die solide Ausstattung des Buchs ist der Preis angemessen und die Zeit für die Lektüre ist gut investiert.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 27.12.2005 zu: Winfried Zapp (Hrsg.): Controlling in der Pflege. Huber & Lang (Bern 9) 2004. ISBN 978-3-456-83846-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1440.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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