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Marie R. Miyashiro: Der Faktor Empathie. [...] für Teams und Organisationen

Cover Marie R. Miyashiro: Der Faktor Empathie. Ein Wettbewerbsvorteil für Teams und Organisationen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. 270 Seiten. ISBN 978-3-87387-888-4. 29,90 EUR.
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Thema

Die Arbeitswelt ist durch tiefgreifende Veränderungen geprägt, die vor allem auch die sozialen Gefüge in Unternehmen und Organisationen beeinflussen. Die subtile Gewalt, die wir uns selbst im Rahmen der Gewinnorientierung und der Produktivität laufend antun, wirkt sich nach den Ausführungen der Autorin negativ auf die Unternehmen und ihre Mitarbeiter aus. Deshalb fordert sie ein mitfühlendes, emphatisches Arbeitsumfeld, um den Weg zu größerer Produktivität und damit auch zu einer höheren Wirtschaftlichkeit der Unternehmen zu ebnen.

Die Autorin plädiert in Ihrem Werk deshalb dafür, den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation auf die Arbeitswelt zu übertragen. Sie fügt diesem interpersonalen Modell einen Bezugsrahmen für Teams und Organisationen hinzu, den sie „Integrated Clarity“ nennt. Damit soll den Bedürfnissen der Unternehmen Rechnung getragen werden, ohne die Bedürfnisse der Beschäftigten zu übergehen. Deshalb sieht sie praktizierte Empathie als einen wichtigen Wettbewerbsvorteil an. Empathie wird hierbei als Technik verstanden, die im Arbeitsalltag entwickelt und praktiziert werden kann.

Autorin

Marie R. Miyashiro berät seit 1985 Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und Behörden in den USA und in Asien. Sie entwarf 2004 das Konzept des „Integrated Clarity“ (IC), einen Prozess, der aus der Organisationsforschung heraus Organisationen befähigen soll, Spitzenleistungen zu erbringen. Sie nutzt dabei das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation als Mittel, Empathie als berufliche Kompetenz in das Arbeitsleben hinein zu tragen.

Die Autorin beruft sich dabei insbesondere auf die Arbeiten von Marshall B. Rosenberg, der das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation begründet hat.

Entstehungshintergrund

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Methode, die auf friedliche Weise an die Wurzeln der Gewalt und des Schmerzes geht. Wenn Organisationen diesen Ansatz in ihre Strukturen und ihr Führungshandeln integrieren, bewirkt er eine Kulturveränderung. Mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation sollen grundlegende menschliche Bedürfnisse erkannt werden, so dass eine gemeinsame Grundlage für zufriedenstellende Beziehungen geschafft werden kann.

Marie Miyashiro versucht, diesen Ansatz der Kommunikation als Managementkonzept mit dem Namen „Integrated Clarity“ zu übertragen, indem sie ihre Erfahrungen aus ihrer langjährigen Beratungstätigkeit bündelt.

Aufbau und Inhalt

Die Autorin versucht zunächst, ein Verständnis von Empathie und bedürfnisorientiertem Bewusstsein aufzubauen. Auf Seite 25 findet sich dann auch eine erste Definition für Empathie: Die Fähigkeit, wahrzunehmen, zu spüren, nachzuempfinden, was jemand anders gerade durchlebt. Sie erläutert ihren Ansatz der „Integrated Clarity“, einem praxisorientierten Prozess der Empathie, mit dessen Hilfe den Bedürfnissen von Einzelpersonen und Organisationen entsprochen werden soll. Daraus sollen sich eine bessere Arbeitsatmosphäre, mehr Produktivität und damit mehr Gewinn ergeben.

Die Autorin skizziert das Konzept der emotionalen Intelligenz und postuliert mit Hinweis auf einige Studien weiter, dass erfolgreiche Unternehmen sich durch Führungskräfte auszeichnen, die sich ihrer selbst bewusst sind und bestimmte Eigenschaften besitzen, die es ihnen ermöglichen, sich mit anderen zu verbinden. In ihrer Argumentation beruft sie sich weitgehend auf ihre eigenen, häufig nicht belegten Erfahrungen oder Eindrücke, die ihr von Kollegen vermittelt wurden. So mündet beispielsweise die Erkenntnis aus einem Abendessen mit ihrem früheren Chef in der Aussage, dass die Triebfeder für den Erfolg eines Unternehmens nicht unser Handeln sei, sondern vielmehr die Entscheidung, wer wir als Gruppe und als Individuen sein wollen und welche Art von empathischen Verbindungen wir aufbauen.

Ab dem 3. Kapitel behandelt die Autorin die Grundprinzipien der Gewaltfreien Kommunikation und erläutert nunmehr ausführlich und mit vielen Geschichten garniert, was sie unter Empathie versteht. Sie geht dabei ausführlich auf den Prozess der Empathie und der Selbst-Empathie, der Verbindung mit den eigenen Bedürfnissen, ein. Im Kern geht es darum, funktionierende Strategien zu finden und möglichst viele Bedürfnisse zu erfüllen.

In Kapitel 4 leitet die Autorin nunmehr das IC-Konzept ab. Dabei schildert sie eine Vielzahl von Erlebnissen in Teamsitzungen u.ä. , um diesen Ansatz zu illustrieren. Sie zeigt auf, wie man IC am Arbeitsplatz einsetzen kann und entwickelt die sechs grundlegenden Organisationsbedürfnisse Identität, lebensbejahender Zweck, Ausrichtung, Struktur, Energie und Darstellung.

Im folgenden Abschnitt geht es dann vor allem um die Frage, wie die Selbstproduktivität, die interpersonale Produktivität und die Produktivität von Teams und Organisationen gesteigert werden kann. Danach stellt sie Instrumente der Entscheidungsfindung vor, die sich an den Bedürfnissen der Beteiligten orientieren.

Im abschließenden Abschnitt geht die Autorin auf Themen ein, zu denen nach ihren Ausführungen ihr viele Arbeitnehmer und Manager Fragen gestellt und Bedenken geäußert haben oder die nach ihrem Dafürhalten von entscheidender Bedeutung sind. Nach welchen Kriterien diese Auswahl erfolgte, wurde nicht deutlich. Es geht dabei darum, Ärger, Schuldgefühle, Angst und Scham zu heilen, sich mit Menschen zu verbinden oder die Auswirkungen auf die Zukunft unserer Arbeitswelt zu untersuchen und die notwendigen Veränderungsprozesse zu gestalten.

In einem Anhang werden noch Checklisten und Strukturen zu Gefühlen und Bedürfnisse am Arbeitsplatz, Schritte des IC-Konzeptes sowie zur Einschätzung von Organisationsbedürfnissen vermittelt.

Fazit

Das Werk macht mit seinem Titel und der Ankündigung, den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation zur Optimierung von Geschäftsprozessen zu nutzen, neugierig. Leider bleibt der Leser am Schluss relativ ratlos zurück, weil er zwar durchaus für die Bedeutung der Empathie sensibilisert worden ist, jedoch nur bedingt Hinweise zur konkreten Umsetzung in der Praxis seiner Organisation erhält.

Das Werk stützt sich auf wenige belegte Handlungsansätze wie die Gewaltfreie Kommunikation oder das Konzept der emotionalen Intelligenz, ist aber durch eine Vielzahl von eigenen Erlebnissen und Geschichten überfrachtet. Sicherlich ist es zu begrüßen, wenn Inhalte durch reale Beispiele illustriert werden. Alleine die Menge der Beispiele, die teilweise auch recht banal wirken, ermüdet den Leser. Deshalb hätte sich der Rezensent eine deutlich strukturiertere Vorgehensweise gewünscht. Hinzu kommt, dass der gesamte Erfahrungsschatz der Autorin aus amerikanisch geprägten Unternehmen zu stammen scheint. Inwieweit Erfahrungen in dieser Kultur auf deutsche Unternehmen übertragen werden können, wird leider nicht untersucht.

Das Werk wirkt wie eine Zusammenführung vielfältiger Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin mit viel Sendungsbewusstsein und dem Wunsch, ihre Konzeption der „Integrated Clarity“ zu verbreiten, ohne dass die formulierten Ziele des Buches immer konsequent verfolgt werden.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 04.11.2013 zu: Marie R. Miyashiro: Der Faktor Empathie. Ein Wettbewerbsvorteil für Teams und Organisationen. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. ISBN 978-3-87387-888-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14434.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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