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Roswitha Sommer-Himmel, Joachim König: Familienzentren - Entwicklungsperspektiven [...]

Cover Roswitha Sommer-Himmel, Joachim König: Familienzentren - Entwicklungsperspektiven, Standards und Evaluationsergebnisse. Logos Verlag (Berlin) 2012. 160 Seiten. ISBN 978-3-8325-3249-9. D: 19,00 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 34,60 sFr.
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Thema und Ziel

Die Stadt Nürnberg hat ein eigenes Programm zur Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren aufgelegt. Das Konzept für diese Weiterentwicklung und für die Evaluation der Umsetzung des Konzeptes wurden von der Evangelischen Hochschule in Nürnberg entwickelt. Die Konzeptentwicklung und die Evaluation der Entwicklungen in fünf Familienzentren werden in diesem Band vorgestellt.

Autorin und Autor

Roswitha Sommer-Himmel ist Professorin für Pädagogik mit dem Schwerpunkt frühkindliche Bildung und Erziehung. Sie leitet die Studiengänge Erziehung und Bildung im Kindesalter (B.A.) sowie Erziehung, Bildung und Gesundheit im Kindesalter (B.A. Dual) an der Evangelischen Hochschule Nürnberg.

Joachim König ist Professor für Allgemeine Pädagogik, Empirische Sozialforschung, Jugend- und Erwachsenenbildung. Er leitet das Institut für Praxisforschung und Evaluation an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Er ist Autor des verbreiteten Bandes „Einführung in die Selbstevaluation“ (Lambertus-Verlag).

Weitere Beiträge dieses Buches stammen von den studentischen Mitarbeiterinnen Anna-Lena Emmerich, Regina von Förster und Eva Neuner.

Aufbau und Inhalt

Nach einem Vorwort der Nürnberger Jugendamtsleiterin und einer Zusammenfassung des Projektverlaufs durch den Autor und die Autorin gliedert sich das Buch in vier Teile.

Im ersten Teil werden die Entwicklung der Familienzentren in Nürnberg und die Grundlagen des Konzeptes der Familienzentren dargestellt. Es wird verdeutlicht, dass neben der allgemeinen Öffnung der Tageseinrichtungen für Familien besonders in sozial benachteiligten Stadtteilen der Aufbau von Familienzentren vorangetrieben wurde. Roswitha Sommer-Himmel beschreibt die Grundlagen der Konzeption, die sich zunächst nicht wesentlich von anderen Familienzentrumskonzepten (z.B. in NRW) unterscheiden. Deutlich wird allerdings bereits hier, dass die Haltung der Fachkräfte in den Nürnberger Familienzentren (und nicht nur deren Angebote) eine entscheidende Rolle spielen soll. Eltern sollen als Expertinnen und Experten betrachtet und auf der Basis von Gleichberechtigung in aktive und respektvolle Dialoge eingebunden werden. Insofern unterscheidet sich die Pointierung des Konzeptes doch recht deutlich von anderen, eher angebots- und dienstleistungsorientierten Konzepten der Familienzentrumsarbeit.

Im zweiten Teil werden von Roswitha Sommer-Himmel insbesondere sechs zentrale Standards der Familienzentren vorgestellt und erläutert. Einbindung und Beteiligung von Eltern ist der erste – und damit zentrale – Qualitätsstandard der Nürnberger Familienzentren. Dieser Standard wird zunächst erläutert. Dann werden die Ziele anschaulich und konkret skizziert, z.B.:

  • die Einbindung der Eltern beginnt spätestens mit dem Eingewöhnungsprozess, in den die Eltern aktiv eingebunden werden (…)
  • Ziele und Inhalte der päd. Arbeit (…) werden mit den Eltern abgestimmt (…)
  • … (S. 33)

Die Beschreibung des Qualitätsstandards „Einbindung und Beteiligung“ endet mit einer tabellarischen Übersicht über Mindeststandards und Aufbauleistungen sowie einer Checkliste zur Selbstevaluation der Zielerreichung in diesem Standard. Auch hier überzeugen die Grundhaltung und die konkreten Indikatoren. So wird z.B. als Mindeststandard erwartet, dass „Eltern aktiv die Teilnahme im pädagogischen Alltag des Familienzentrums ermöglicht (wird). Es sind mindestens zwei Möglichkeiten pro Jahr für die aktive Teilnahme angeboten (z.B. Hospitationen, Beteiligung an Angeboten im pädagogischen Alltag).“ (S. 38)

Im gleichen Stil werden die weiteren Standards Elternbildung, Beratung, Angebote für die ganze Familie, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Kooperation und Vernetzung ausgearbeitet. Für Expertinnen und Experten der Familienzentrumsarbeit sind diese Darstellungen nicht überraschend neu oder besonders spektakulär. Sie überzeugen allerdings in ihrer Konkretheit und Nachvollziehbarkeit und stehen für ein Modell der gemeinsamen, dialogischen Entwicklungsarbeit der wissenschaftlichen Begleitung mit den fünf Modelleinrichtungen.

Im dritten Teil des Buches werden von den studentischen Mitarbeiterinnen zwei zusätzliche Evaluationsinstrumente präsentiert, mit denen die Zufriedenheit der Eltern allgemein und der Fachkräfte speziell in Bezug auf Elternbildungsangebote abgefragt werden sollten.

Im vierten Teil des Buches stellt das komplette Evaluationsdesign und die zentralen Ergebnisse der Evaluation der Implementierungsphase vor. Insgesamt wurden zu drei verschiedenen Zeitpunkten Daten erhoben, auf deren Auswertung dann jeweils Weiterentwicklungen in der Praxis folgten. Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine sehr hohe Zufriedenheit der Eltern (insbesondere bei Eltern mit Migrationshintergrund) und Fachkräfte mit der Arbeit der Familienzentren.

Im Anhang findet sich der konkrete Leistungskatalog der Nürnberger Familienzentren.

Diskussion

Die Evaluation der Entwicklung der Nürnberger Familienzentren ist für PraktikerInnen und PraxisforscherInnen von Bedeutung, die selbst mit der Entwicklung von Familienzentren beschäftigt sind. Von besonderem Interesse sind die Konzeptentwicklung und die Entwicklung von Zielen und Indikatoren. Hier zeigen sich Gemeinsamkeiten mit anderen Modellen der Familienzentrumsarbeit, aber auch Unterschiede. Insgesamt ist das Nürnberger Modell der Familienzentrumsarbeit stark von der dialogischen Grundhaltung geprägt. Ziel ist die Entwicklung von Zentren mit Eltern und nicht bloß für Eltern. Bzgl. der Leistungskataloge werden von den Familienzentren im Wesentlichen ähnliche Angebote erwartet, wie auch in anderen Modellen der Familienzentrumsarbeit. Für die Leserinnen und Leser der Studie ist hierbei von besonderem Interesse, nachzulesen, wie in Nürnberg die Kooperations- und Entwicklungsprozesse gemeinsam von Praxis und Praxisforschung gestaltet wurden. Zudem ist das komplette Ziel- und Indikatorensystem transparent dargestellt; hier sind viele Möglichkeiten der Übernahme in eigene Systeme vorhanden.

Fazit

Der vorliegende Evaluationsbericht ist für inhaltlich und methodisch interessierte Fachkräfte mit Gewinn zu lesen. Er besticht durch Klarheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Ganz besonders neue Impulse für die Arbeit von Familienzentren in anderen Regionen gehen allerdings nicht von ihm aus.


Rezension von
Dr. Remi Stork
Referent für Jugendhilfe und Familienpolitik in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Geschäftsführer der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie NRW
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Zitiervorschlag
Remi Stork. Rezension vom 14.01.2013 zu: Roswitha Sommer-Himmel, Joachim König: Familienzentren - Entwicklungsperspektiven, Standards und Evaluationsergebnisse. Logos Verlag (Berlin) 2012. ISBN 978-3-8325-3249-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14447.php, Datum des Zugriffs 19.06.2021.


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