Christel Adick (Hrsg.): Bildungsentwicklungen und Schulsysteme in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 18.12.2012
Christel Adick (Hrsg.):Bildungsentwicklungen und Schulsysteme in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2013. 320 Seiten. ISBN 978-3-8309-2785-3. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR.
Reihe: Historisch-vergleichende Sozialisations- und Bildungsforschung - Band 11.
The West and the Rest of the World
Die Arroganz und Hegemonie, die das Bild des erfolgreichen Westens gegenüber dem Rest der Welt über Jahrhunderte hin gebrauchsgängig gemacht und den Eurozentrismus ermöglicht hat, koloniale und imperiale Politik durchzusetzen – mit all den katastrophalen Folgen, sollte spätestens durch die Unabhängigkeitsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts auf den Müllhaufen der Weltgeschichte gelandet sein. Doch in der sich immer interdependenter, entgrenzender und globalisierender entwickelnden (Einen?) Welt herrschen nach wie vor die hegemonialen Mächte, und das kapitalistische Weltsystem lässt Alternativen (bisher) keine Chance (vgl. dazu auch: Gerhard Hauck, Globale Vergesellschaftung und koloniale Differenz, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13526.php), die hegemonieorientierte, lokale und globale Wirklichkeit eben so wenig (Iris Dzudzek, Hrsg., Diskurs und Hegemonie. Gesellschaftskritische Perspektiven, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14330.php). Der „Homo occidentalis“ bemächtigt sich weiterhin der Welt (Arno Bammé, Homo occidentalis. Von der Anschauung zur Bemächtigung der Welt. Zäsuren abendländischer Epistemologie, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/14403.php), der Siegeszug des (Neo-)Liberalismus scheint nicht aufzuhalten zu sein ( Immanuel Wallerstein, Der Siegeszug des Liberalismus, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13531.php; und der „Raubtierkapitalismus“ springt weiterhin beinahe ungehindert (David Graeber, Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus. Es gibt Alternativen zum herrschenden System, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13337.php).
Die Benachteiligungen des Südens der Erde durch den Norden sind nicht nur ökonomischer Natur sind; sie stellen sich auch in weiteren vielfältigen Lebenssituationen der Menschen dar. Die Rechte der Menschen auf Würde, Leben, Freiheit und Sicherheit, Selbstbestimmung, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, ausreichende Ernährung und Erfüllung der Grundbedürfnisse, Bildung, kulturelle Identitität…, wie dies in der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 in der allgemeingültigen Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte proklamiert wird, sind nach wie vor nicht durchgesetzt.
Entstehungshintergrund und Herausgeberin
Angesichts dieser pessimistischen Bestandsaufnahmen und der scheinbar hoffnungslosen Chancen, einen globalen Perspektivenwechsel durchzuführen, wie dies die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995 als dringende Aufforderung formuliert hat – „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ – kommt es auf eine globale Aufklärung an, die bestimmt sein muss von einer „globalen Ethik“ der Verantwortung, Empathie und Solidarität (Jos Schnurer, 2003).
In der Sozialisations- und Bildungsforschung wird der „Aufklärung über die Entstehungsbedingungen und … produktiven Bewältigung der Auswirkungen von weltgesellschaftlichen Verflechtungen auf Sozialisationsprozesse und Bildungsentwicklungen in unserer heutigen Welt“ eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Erziehungswissenschaftlerin und Lehrstuhlinhaberin für Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Bochum, Christel Adick, fühlt sich dem Aufruf der Vereinten Nationen zur „Bildung für alle“ verpflichtet, und sie wendet sich, wie dies in den Postcolonial Studies zum Ausdruck kommt ( vgl. dazu auch: Karen Struve, in: Stephan Moebius, Hg., Kultur. Von den Cultural Studies bis zu den Visual Studies. Eine Einführung, Bielefeld 2012, S. 88ff, Rezension in Socialnet), gegen die „verzerrte Perspektive“, wie sie sich im Hegemonieverhältnis Nord gegen Süd, Industrieländer versus Entwicklungsländer, darstellt. Sie sieht in der Regionalisierung von Staaten und internationalen Zusammenschlüssen ein Mittel gegen die Übermacht der westlich-dominierten Strukturen, auch im Kultur- und Bildungsbereich.
Im Sammelband werden deshalb die Bildungsentwicklungen in den Regionen – Arabische Staaten, Karibik, Lateinamerika, Ostasiatische Staaten, Pazifikregion, Subsahara-Afrika, Süd- und Westasien – dargestellt. Die Autorinnen und Autoren orientieren sich dabei an den Datensammlungen der UNESCO, besonders aus dem EFA-Projekt 1990.- 2015 („Education for All“), und anderer nationalen und internationalen Statistiken.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist in zwei Kapitel gegliedert. Im ersten werden „regionale Bildungsentwicklungen“ diskutiert, und im zweiten Kapitel werden „Länderstudien“ dargestellt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, Jonathan Kriener, informiert in seinem Beitrag „Bildung in den Arabischen Staaten“ über die Situation des allgemeinen Bildungswesens und der Hochschulbildung in den arabischen Ländern, wie sie im Regionalatlas der UNESCO aufgeführt werden. Anhand von zwei Länderbeispielen – Ägypten und Libanon – wird die Bildungsentwicklung in der Region exemplarisch dargestellt. Die Ergebnisse verdeutlichen die Ambivalenz: Während einerseits die Entwicklungsdaten im Nahen Osten und Nordafrika stetig aufwärts zeigen, sowohl was die Bildungschancen, als auch die emanzipatorischen Trends betreffen, zeigen sich andererseits erhebliche, ideologische Vorbehalte gegenüber „modernen“ Entwicklungen, als auch „der Ungleichzeitigkeit zwischen Industrialisierung und Urbanisierung einerseits und den enttäuschten Hoffnungen weiter Teile einer bis vor kurzem vormodernen Gesellschaft andererseits“.
Christel Adick referiert über „Bildung in der Karibik“. In der Region, die sich in englischsprachige, französischsprachige und niederländischsprachige Länder gliedert, wird die Frage nach einer „karibischen Identität“ immer bedeutsamer, besonders im Bildungswesen. Diskurs und Konflikt liegen nahe beieinander, etwa bei der Frage nach der Bewältigung, den Vor- und Nachteilen des „kolonialen Erbes“, wie auch den Abhängigkeiten zu den USA, zur Tourismusbranche und zu den Drogenkartellen. Während das allgemeinbildende (Grund-)Schulwesen weitgehend ausgebaut ist, gibt es auf dem Gebiet der höheren und Hochschulen weiterhin erhebliche Mängel.
Die wissenschaftliche Mitarbeiterin von der Bochumer Universität, Claudia Richter, informiert über „Bildung in Lateinamerika“. Sie zeigt die historische Bildungssituation in den 19 lateinamerikanischen Ländern auf und verdeutlicht Entwicklung und Ist-Zustand an ausgewählten Staaten. Lehrerbildung, der Aufbau der Schulsysteme und -strukturen, wie auch die personellen und materiellen Bedingungen differieren in den einzelnen Ländern. “Das Bildungsniveau der Länder Kuba, Argentinien, Brasilien und Chile (wird) im regionalen (lateinamerikanischen) Vergleich als hoch eingeschätzt“; jedoch der Bildungsrückstand zu den Industrieländern ist weiterhin erheblich.
Der Erziehungswissenschaftler von der Stiftungs-Universität Hildesheim, Volker Schubert, diskutiert „Bildung in den Ostasiatischen Staaten“. Die Region ist gekennzeichnet zum einen durch so genannte „Schwellenländer“, zum anderen durch Staaten, die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen als Least Developed Countries eingestuft werden. Der Spagat zwischen Subsistenzwirtschaft und globaler Ökonomie, wie auch zwischen Tradition und Traditionalismus (vgl. dazu auch: Hermann Mückler / Gerald Faschingeder, Hrsg., Tradition und Traditionalismus. Zur Instrumentalisierung eines Identitätskonzepts, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/12770.php), zeigt sich auch im Bildungswesen; während in den meisten ostasiatischen Ländern die Grundschulpflicht besteht, jedoch auch hier zeitlich unterschiedlich, ist bei den weiterführenden und Hochschulen ein schichtenbezogener starker Aufstiegswille erkennbar, worauf der Autor in den Länderbeispielen Laos und Indonesien verweist.
Volker Schubert thematisiert erneut „Bildung in der Pazifikregion“, wobei er sich auf die Regionen Polynesien, Melanesien und Mikronesien konzentriert und die Regionen Australien und Neuseeland ausspart. Während das Grundschulwesen in vielen Ländern und Regionen eng mit den verschiedenen Glaubensgemeinschaften verbunden ist und von diesen gelenkt wird, gilt der Sekundarschulbereich meist als Möglichkeit zum sozialen und gesellschaftlichen Aufstieg und zur Ablösung vom Subsistenzdasein. Hochschulbildung hat eine eher untergeordnete Bedeutung, sieht man von der qualitativ hohen Ausbildung in Schifffahrtsschulen ab. Am Länderbeispiel „Samoa“ wird die Ambivalenz von Anspruch und Wirklichkeit deutlich.
„Bildung in Subsahara-Afrika“ wird von Christel Adick dargestellt. Es handelt sich um 45 Länder, von Angola bis zur Zentralafrikanischen Republik. Mit einem historischen Aufriss werden die vorkolonialen (autochthonen, traditionellen) Bildungs- und Erziehungsformen aufgezeigt, die imperialen kolonialen Regierungs- und Missionsstrukturen verdeutlicht, und die Entwicklungen nach der politischen Unabhängigkeit der afrikanischen Länder diskutiert. Am Länderbeispiel des Senegal werden die vielfältigen Veränderungen dargelegt, wie z. B. die Islamisierung im Bildungswesen, die neokolonialen (christlich-westlichen) Einflüsse, Schulleistungen und Bildungsqualität, geschlechterdominante Machtverhältnisse, Urbanisierung und ländliche Entwicklung und Krisenfaktoren, wie HIV/Aids, Straßenkinder, Kinderarbeit, Kindersoldaten. Die Autorin erkennt jedoch auch eine „Abkehr von Erwartungen an externer Hilfe und eine stärkere Hinwendung zu Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit“.
Der Erziehungswissenschaftler von der Pädagogischen Hochschule Weingarten, Gregor Lang-Wojtasik, setzt sich mit dem Beitrag „Bildung in Süd- und Westasien“ in der geographisch, religiös, ethnisch und sprachlich pluralistischen Region auseinander: Indien, Iran, Afghanistan, Pakistan, Nepal, Bhutan, Bangladesh, Sri Lanka und Malediven. Die überwiegend britisch geprägten Bildungssysteme schaffen einerseits die Möglichkeiten für eine allgemeine, staatliche (Grundschul-)Bildung, andererseits werden Privilegien durch private Bildungseinrichtungen von der Grundschule bis zur universitären Ausbildung geschaffen. Die sich besonders im Bildungswesen darstellenden Konflikte mit ethnischen und religiösen Minderheiten in den jeweiligen Gesellschaften erfordern in allen Ländern „eine Förderung der Gleichberechtigung, Überwindung sozialer und kultureller Barrieren, stärkere Berücksichtigung von Minderheiten und Sprachvielfalt, Stärkung lokaler Gemeinschaften sowie Ausbau von Alphabetisierungs- und nonformalen Bildungsprogrammen“.
Im zweiten Kapitel werden Länderstudien vorgestellt. Claudia Richter informiert über das „Bildungswesen in Brasilien“. Sie kommt in ihrer historischen und gesellschaftlichen Analyse zu dem Ergebnis, dass „Schulbildung in der Vergangenheit als auch aktuell, ein wirtschaftliches und soziales Privileg war und ist“. Die Reformbemühungen hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit bedürfen der Intensivierung.
Carola Glöckner von der FH Sion/Ostschweiz zeigt mit ihrem Beitrag „Das Bildungswesen in China“ die Entwicklung in der Volksrepublik China auf. Der historische Aufriss, der die verschiedenen Phasen und Stadien im Schul- und Hochschulwesen Chinas darstellt, macht deutlich, dass die zentralistische, von der Partei und Ideologie bestimmte und gesteuerte Bildungspolitik nach wie vor die aktuelle Bildungssituation bestimmt; die notwendigen Reformen beginnen erst zögerlich zu wirken.
Gregor Lang-Wojtasik stellt das „Bildungssystem in Indien“ vor (diesem Beitrag widmet der Autor seinem Lehrer, dem Hannöverschen Erziehungswissenschaftler Asit Datta, dem auch der Rezensent in Anerkennung verbunden ist). Die historisch entstandenen, gesellschaftlich und machtpolitisch gemachten, ethnisch, klassenspezifisch und menschenrechtlich herausfordernden Strukturen behindern die Verwirklichung einer „Bildung für alle“. Zwar hat sich Indien auf den Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit auf den Weg gemacht; doch es bleibt noch viel zu tun.
Die Pädagogin Sabine Meise und Volker Schubert stellen das „Bildungswesen in Japan“ vor. Die in der Geschichte des Landes über viele Jahrhunderte hinweg praktizierte feudale, patriarchalische, ethnisch, standes- und privilegienbestimmte Erziehung wurde abrupt abgelöst durch die ökonomisch orientierte „Aufholjagd zum Westen“; mit all den Folgen für Bildung und Erziehung der Menschen; allerdings auch unter Berücksichtigung der in Japan vorherrschenden „Lernkultur… als eine Kultur, in der das Lernen nicht nur eine besondere Wertschätzung genießt, sondern die geradezu um das Lernen herum organisiert zu sein scheint“. Ob es der (neoliberalen) Politik gelingt, das gesellschaftlichen, sozialen Auseinanderdriften durch Bildungsreformen umzuwenden, wird vom Autorenteam erhofft,
Die mexikanische Doktorandin an der Ruhr-Universität, Laura Patricia Cruz Ruiz und die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Cross-border personnel mobility between Mexico and Germany“, Esther Hahm, berichten über das „Bildungswesen in Mexiko“. Die historische Darstellung, die gesellschaftliche und politische Entwicklung, die aktuelle Bildungssituation und die Chancen und Herausforderungen für die Zukunft, bei Berücksichtigung der indigenen Bevölkerung des Landes, machen deutlich, „dass die einzigen Konstanten der Gesellschaft die Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen sind“; dies gilt es zu überwinden.
Ina Gankam Tambo stellt das „Bildungswesen in Nigeria“ vor. Im Zwiespalt zwischen afrikanischer traditioneller Erziehung, kolonialer Aufstülpung und nationaler Neustrukturierung werden in dem Vielvölker- und Vielsprachenstaat mit Unterstützung der UNESCO und internationaler Entwicklungszusammenarbeit Bildungsprogramme erprobt, wie sie der brasilianische Pädagoge Paulo Freire (www.freire.de) erarbeitet und erprobt hat. Dabei geht es im wesentlichen darum, die ethnischen, kulturellen Konflikte im Sinne einer nationalen Integration und eines interkulturellen Bewusstseins als Bildungsaufgabe zu bewältigen.
Die an der Fachhochschule in Erfurt ausgebildete Sozialwissenschaftlerin Christine Rehklau, derzeit Referentin beim Flüchtlingsrat Thüringen e.V., beschließt den Tagungsband mit dem Länderbericht über das „Bildungswesen in Südafrika“. Sie hat, zusammen mit Roland Lutz, Dekan an der Fachhochschule in Erfurt, das zweibändige Werk über Sozialarbeit im Süden herausgebracht (Christine Rehklau / Ronald Lutz, Hrsg., Sozialarbeit des Südens. Band 1: Zugänge, 2007, www.socialnet.de/rezensionen/5681.php; Christine Rehklau / Ronald Lutz, Hrsg., Sozialarbeit des Südens, Band 2: Schwerpunkt Afrika 2007, www.socialnet.de/rezensionen/5674.php). In dem von der vergangenen Apartheids-Politik und der Dominanz von christlichen und säkularen europäischen Interessen bis heute geprägtem Land gilt es, die ungleichen Bildungschancen der Individuen und Bevölkerungsgruppen aufzuheben; eine gewaltige Aufgabe, die von den Südafrikanern alleine nicht bewältigt werden kann. Als eine besondere Herausforderung auch für das Bildungswesen stellt dabei die Bekämpfung der HIV/Aids-Epidemie dar.
Fazit
Die 1986 auf dem Blockfreien Gipfel in Harare/Zimbabwe eingesetzte unabhängige Südkommission hatte den Auftrag, die Ungleichheiten der Lebensbedingungen der Menschen auf den nördlichen und südlichen Hemisphären der Erde zu untersuchen. In ihrem Bericht „Die Herausforderung des Südens – Über die Eigenverantwortung der Dritten Welt für dauerhafte Entwicklung“ (hrsg. von der Stiftung Entwicklung und Frieden, SEF, Bonn-Bad Godesberg 1991, 430 S.) kommt die Kommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Präsidenten von Tansania, Julius Kambarage Nyerere zu der Feststellung: „Wäre die ganze Menschheit ein einziger Nationalstaat, würde er durch die Teilung in Nord und Süd zu einem lebensunfähigen, halbfeudalen Gemeinwesen, das von inneren Konflikten zerrüttet wird“. Die Überwindung der gravierenden, sich seit Jahrhunderten vollziehenden ungleichen ökonomischen, politischen und kulturellen Entwicklung in der „Einen“ Welt wird, das zeigen alle Prognosen, Analysen und Bestandsaufnahmen über die Lage der Welt, zu einer existentiellen Schicksalsfrage der Menschheit (siehe dazu u. a. auch die Rezensionen der Berichte des New Yorker World Watch Institute bei Socialnet). Dass dabei die Bildungs- (Aufklärungs-)Chancen und das Recht auf Bildung für alle Menschen eine Schlüsselposition einnehmen, wird im Band „Bildungsentwicklungen und Schulsysteme in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik“ ausführlich dargestellt.
Die historisch-vergleichende Sozialisations- und Bildungsforschung, wie auch die Entwicklungsforschung und -politik (vgl. dazu auch: Jürgen Wilhelm, Hrsg., Kultur und globale Entwicklung. Die Bedeutung von Kultur für die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10774.php) können entscheidende Brücken-, Vermittlungs- und Lösungsfunktionen übernehmen (siehe auch: Michael Bohnet, 40 Jahre Brücken zwischen Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik. Ökonomische, ökologische, politische, soziale und kulturelle Bezüge, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/13866.php), damit der Gedanke EINE WELT Eingang ins individuelle und globale Bewusstsein findet. Der Sammelband trägt dazu bei!
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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