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Ansgar Klein, Rainer Sprengel u.a. (Hrsg.): Jahrbuch Engagementpolitik 2013

Rezensiert von Dr. Rolf Frankenberger, 06.03.2013

Cover Ansgar Klein, Rainer Sprengel u.a. (Hrsg.): Jahrbuch Engagementpolitik 2013 ISBN 978-3-89974-844-4

Ansgar Klein, Rainer Sprengel, Johanna Neuling (Hrsg.): Jahrbuch Engagementpolitik 2013. Staat und Zivilgesellschaft. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2013. 304 Seiten. ISBN 978-3-89974-844-4. D: 29,80 EUR, A: 30,70 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation sind zentrale Bestandteile einer vitalen Demokratie. Nicht zuletzt zur Stärkung von Engagement und Demokratie wurde infolge des Berichts der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ das „Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement“ (BBE) gegründet, das als trisektoraler Zusammenschluss von mehr als 240 Akteuren aus Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft besteht. Das BBE hat sich zum Ziel gesetzt, die aktive Bürgergesellschaft zu fördern und bürgerschaftliches Engagement für Gesellschaft und Demokratie fruchtbar zu machen. (vgl. BBE 2012: Engagementpolitische Impulse des Netzwerkes BBE; unter www.b-b-e.de)

Zielsetzung und Herausgeberteam

Das vorliegende Jahrbuch Engagementpolitik 2013, herausgegeben von Ansgar Klein, Rainer Sprengel und Johanna Neuling, hat sich selbst zum Ziel gesetzt, aus der Arbeit des (BBE) zu berichten. Es richtet sich alle Akteure des öffentlichen und wissenschaftlichen Lebens, die sich im weitesten Sinne mit Engagement und dessen Förderung beschäftigen und will zur Sichtbarkeit und Vernetzung dieser Akteure und deren Arbeit beitragen.

Die Herausgeber selbst sind dem BBE institutionell verbunden und thematisch einschlägig bekannt. Ansgar Klein, Politikwissenschaftler und Soziologe, ist Geschäftsführer des BBE und Privatdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist ein ausgewiesener Experte in den Themenbereichen Engagement und Zivilgesellschaft und Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen, etwa der Buchreihe „Bürgergesellschaft und Demokratie“ beim VS-Verlag. Rainer Sprengel ist Redakteur des BBE- Newsletter und der BBE Europa-Nachrichten sowie Fellow am Maecenata Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er publiziert zu Bürgerengagement, Zivilgesellschaft und Stiftungswesen. Johanna Neuling ist Diplom-Politikwissenschaftlerin, freie Mitarbeiterin und Projektmanagerin im BBE.

Aufbau und Inhalt

Das Jahrbuch Engagementpolitik umfasst auf 301 Seiten 30 inhaltliche Kapitel, ein Kalendarium, Dokumente des BBE und Informationen über Autorinnen und Autoren sowie Herausgeberinnen und Herausgeber der BBE-Buchreihe „Engagement und Partizipation in Theorie und Praxis“. Die Herausgeberinnen und Herausgeber des Jahrbuchs strukturieren diese Beiträge in vier inhaltliche Bereiche oder Themenblöcke:

  1. Themen (S.10-139),
  2. Hintergrund (S.140-193),
  3. Kalendarium (S.194-233) und
  4. Aus dem Netzwerk BBE (234-301).

Den umfangreichsten Bereich bildet der Bereich Themen. Er ist in vier Teile untergliedert, die sich an den unterschiedlichen Beziehungen der Zivilgesellschaft mit anderen gesellschaftlichen Teilbereichen orientiert.

In den sechs Kapiteln des ersten Teils thematisieren die Autorinnen und Autoren engagementpolitische Reibungspunkte zwischen Staat und Zivilgesellschaft. So zieht etwa Serge Embacher aus dem Scheitern des nationalen Forum für Engagement und Partizipation die Lehre, dass engagementpolitische Prozesse nur dann gelingen könnten, wenn sich alle beteiligten Akteure und insbesondere der Staat auf eine neue Aufgaben- und Verantwortungsteilung einließen und der politische Wille zur Umsetzung gegeben sei. Christa Perabo bilanziert ein Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD), der überraschend gut nachgefragt werde. Zugleich sei eine Reihe von Problemen ungelöst, wie etwa die Abgrenzung von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder die strukturelle Verankerung des BFD. Gisela Jakob weist in ihrem Beitrag auf die Entdeckung der Freiwilligendienste als Instrument der Engagementförderung hin und warnt vor einer Grenzverwischung zwischen Engagement und Erwerbsarbeit und die Überbetonung des Wortes Dienst. Ähnlich kritisch sehen Heike Spielmans und Jana Rosenboom die Rolle des Staates, wenn sie die Engagementpolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Versuch staatlicher Lenkung zivilgesellschaftlicher Aufgaben kritisieren. Frank W. Heuberger und Mirko Schwärzel wiederum widmen sich der europäischen Perspektive der Engagementförderung und plädieren für eine alle politischen Ebenen umfassende europäische Engagementstrategie. Abschließend dokumentiert Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg, die Notwendigkeit einer Verzahnung von Praxis und Theorie in Form wissenschaftlicher Begleitforschung, um Bürgerbeteiligung und Demokratie nachhaltig zu stärken.

Das Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Parlament und Staat wird im zweiten Teil in vier Kapiteln behandelt Roland Roth etwa argumentiert, dass gerade kommunale Partizipationsprozesse als Schulen der Demokratie von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Engagement und Demokratie seien, weshalb die Kommunen hinsichtlich der Ressourcen wie der Handlungsmöglichkeiten gestärkt werden müssten. Inge Beer analysiert die Bedeutung von Quartiersentwicklung als Integrations- und Partizipationsstrategie. Ähnlich wie Heuberger und Schwärzel im EU-Kontext plädiert sie für eine integrierte und sozialräumlich orientierte Strategie der Stadtentwicklung, die alle Akteure einbinde und so tatsächlich Partizipationschancen schaffe. Und Frank Jost unterstreicht die Notwendigkeit von Förderprogrammen am Beispiel des „Bündnis für eine Soziale Stadt“. Den Herausforderungen des demographischen Wandels auf Bürgerschaftliches Engagement geht Ursula Lehr nach und betont das Leitbild des ‚Aktiven Alterns‘ als Zukunftsmodell.

Auch zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft spielt Engagement eine Rolle. Dies illustriert etwa Gunda Rosenauer am Beispiel ehrenamtlicher Aktivitäten in Wald und Forstwirtschaft. Michael Edwards erläutert in seinem Beitrag die Bedeutung des Begriffs Philanthrokapitalismus, der sowohl soziale Verantwortung von Unternehmen als auch soziale Unternehmerschaft umfasse und kritisiert das Konzept als maßlos überbewertet, wenn nicht gar schädlich für Demokratie, wenn das ökonomische Prinzip des Marktes auf die Zivilgesellschaft übertragen werde. Bernhard Jirku thematisiert aus einer dezidiert gewerkschaftlichen Perspektive die Notwendigkeit von Mehr bürgerschaftlichem Engagement für mehr und bessere Arbeit bei gleichzeitig strikter Trennung von Erwerbsarbeit und freiwilligen Tätigkeiten, um den Missbrauch bürgerschaftlichen Engagements für unentgeltliche Arbeit zu vermeiden. Kenn Allen stellt in seinem englischsprachigen Beitrag das Global Corporate Volunteering Research Project vor und Birgit Klesper setzt sich mit der Rolle von Engagement und verantwortlichem Handeln in Unternehmen und deren Kultur auseinander.

Der Teil Trisektorale Aktivitäten und Multi-Stakeholder-Initiativen rundet den Bereich Themen ab. Lothar Dittmer analysiert die Rolle von Stiftungen in der Engagementförderung, Marilyn Taylor stellt in ihrem englischsprachigen Beitrag das Modell der English Big Society vor, die auf die Übertragung von Macht an gewöhnliche Bürger ziele, letztlich aber eine konservative Interpretation Eigenverantwortlichkeit meine, welche ohne eine Neudefinition des Bürgers kritisch zu sehen sei. Ulrich Schuck und Jens Peschner diskutieren die Wirkung von Bildungsförderung und Anschlussorganisation bis hin zum Ausbildungsabschluss und legen die Erfolge der Initiative Bildungsketten dar. Abschließend plädiert Burkhard Wilke für Transparenz plus x im Spendenwesen und fordert die Implementierung des von der Initiative Transparente Zivilgesellschaft vorgeschlagenen Standards.

Im Bereich Hintergrund finden sich drei Rubriken: Erstens regionale und lokale Engagementpolitik, zweitens Gute Praxis und drittens Engagementpolitik und Anerkennungskultur. Im ersten Teil schildern Birger Hartnuß und Frank W. Heuberger Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung in Rheinland-Pfalz, Kristina Volke hebt am Beispiel Klein Leppin in Brandenburg die Bedeutung von kulturellem Engagement in der Krise hervor, Jeanette Behringer gibt einen Überblick über Engagementpolitik in Österreich und der Schweiz. Sie bescheinigt beiden Ländern ein ähnlich hohes Maß an Engagement, wenngleich gerade der Bereich des informellen freiwilligen Engagements schrumpfe. Angesichts dieser Befunde sei die zentrale Herausforderung die Weiterentwicklung des Engagements. Gute Praxis von Engagementpolitik illustrieren Nilgün Daglar-Sezer, Behare Dinaj, Anne Schaarschmidt und Felix Trejo beispielhaft an Projekten der FreiwilligenAgentur Münster, Freiwilligen-Agentur Tatendrang München und Freiwilligen Zentrum Fürth. Stephanie Haury stellt das Projekt „Jugendliche im Stadtquartier“ vor, das Teil des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus des Bundes ist. Der Anerkennungskultur, ihren Erfolgsbedingungen und Formenwidmen sich die Beiträge von Gabriele Lang zu Erfolgsbedingungen von Anerkennungskultur im Bereich Ehrenamt, Nina Leseberger zum Deutschen Engagementpreis und Nadine Helterhoff zum Deutschen Bürgerpreis. Dieser Teil wird abgerundet durch ein Interview mit Raúl Krauthausen, Initiator des Projekts Sozialhelden

Das von Rainer Sprengel verfasste Kalendarium bildet eine eigene Rubrik, in der die wichtigsten Ereignisse und politischen Entscheidungen im Bereich Engagementpolitik von 1.Januar 20911 bis 30.Juni 2012 chronologisch aufgelistet und kurz zusammengefasst werden. Zu jedem Eintrag wird zudem ein Internetlink angegeben, der den Leserinnen und Lesern bei Interesse den vertieften Zugriff erleichtert.

Aus dem Netzwerk BBE berichten Thomas Olk, der eine Bilanz über 10 Jahre BBE zieht, Ansgar Klein und Andreas Pautzke, welche die Entwicklung in den Jahren 2011 und 2012 bilanzieren und Regina Vierkant, die die Onlineplattform des BBE (www.b-b-e.de) als Wissens- und Informationsplattform für Bürgerschaftliches Engagement vorstellt. Dieter Rehwinkel bilanziert die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ und Ansgar Klein stellt das „Open Government Partnership“ vor, eine 2011 gegründete internationale Initiative zur Stärkung von Partizipationskultur vor. Der Überblick über die Fachveranstaltungen des BBE 2011 und 2012, Publikationen des BBE 2009-2012, die Gremienvertretungen des BBE sowie eine Reihe von Dokumenten zum Leitbild, Engagementpolitischen Impulse des BBE, Bürgerschaftlichem Engagement in Kindertageseinrichtungen und Handlungsempfehlungen des BBE-Sprecherrats an die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ runden den Bereich ‚Aus dem Netzwerk BBE‘ ab.

Diskussion

Der Band spiegelt die Themenvielfalt in der Engagementpolitik wider. Dementsprechend breit ist er inhaltlich aufgestellt. Und dennoch – oder gerade deswegen? – ist den Herausgeberinnen und Herausgebern eine überzeugende Strukturierung gelungen. Die Unterteilung in Bereiche und Unterbereiche erleichtert den Zugriff ungemein. Die Leserinnen und Leser können sich mit den überwiegend kurz und prägnant gehaltenen Beiträgen relevante Diskurse schnell erschließen. Dass dabei originäre Beiträge und Zweitverwertungen aus dem BBE-Newsletter kombiniert werden, mag Puristen irritieren, stellt jedoch für diejenige Leserschaft, die bei einem Jahrbuch einen möglichst breiten Zugriff erwarten eine Bereicherung dar. Allenfalls das völlige Fehlen von Verweisen auf relevante Literatur bei einigen Beiträgen schmälert den Gebrauchswert ein wenig. Auch erhalten die Leserinnen und Leser einen fundierten Einblick in die Arbeit des BBE und werden durch die abgedruckten Dokumente in zentrale Diskurse mitgenommen. Besonders gelungen ist das Kalendarium, das ebenso benutzerfreundlich wie übersichtlich und vollständig ist.

Fazit

Vielfältig wie sein Gegenstand, zielführend strukturiert und benutzerfreundlich aufbereitet präsentiert sich das Jahrbuch Engagementpolitik 2013. Eine empfehlenswerte Lektüre nicht nur für diejenigen Leserinnen und Leser, die sich einen Überblick über dieses Politikfeld und das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement verschaffen wollen.

Rezension von
Dr. Rolf Frankenberger
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Es gibt 21 Rezensionen von Rolf Frankenberger.

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Zitiervorschlag
Rolf Frankenberger. Rezension vom 06.03.2013 zu: Ansgar Klein, Rainer Sprengel, Johanna Neuling (Hrsg.): Jahrbuch Engagementpolitik 2013. Staat und Zivilgesellschaft. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2013. ISBN 978-3-89974-844-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14454.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


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