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Hildegard Rieder-Aigner (Hrsg.): Praxis-Handbuch Kindertageseinrichtungen

Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 01.08.2001

Cover Hildegard Rieder-Aigner (Hrsg.): Praxis-Handbuch Kindertageseinrichtungen ISBN 978-3-8029-7439-7

Hildegard Rieder-Aigner (Hrsg.): Praxis-Handbuch Kindertageseinrichtungen. Arbeits- und Orientierungshilfen für pädagogische Fachkräfte. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2000. 655 Seiten. ISBN 978-3-8029-7439-7. 24,95 EUR.

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Zum Thema

Die Erfüllung des Auftrages zur Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen wird von vielfältigen Erwartungen, Anforderungen und Zwängen begleitet. Die zunehmende Komplexität der beruflichen Anforderungen erfordert eine sozialpädagogische Handlungskompetenz, die LeiterInnen und MitarbeiterInnen befähigt, Entwicklungen und Veränderungen zu begreifen und durch ziel- und selbstbewusstes Handeln, durch Reflexion und Verantwortungsbewusstsein zu gestalten. Um dazu den sowohl qualitativen als auch quantitativen Erfordernissen gerecht zu werden und adäquat auf Entwicklungen reagieren zu können bedarf es eines durchgängigen berufsbegleitenden (lebenslangen) Lernens verbunden mit der Anforderung, sich immer wieder neues Wissen anzueignen und bereits erworbenes Wissen aufzufrischen, zu vertiefen und ständig zu aktualisieren.

Neben Aspekten zur Entwicklung des Kindes und pädagogischen Angebotsgestaltung beschäftigen sich sozialpädagogische Fachkräfte mit Fragen der Betriebsorganisation und –finanzierung, aber auch mit dem Stellenwert der Kindertageseinrichtung in der Öffentlichkeit und der Zusammenarbeit mit anderen an der Kindererziehung beteiligten Personen und Personengruppen.

Ziel des Handbuches ist es, weiterführende Antworten, Ideen und Impulse bereitzustellen, die zur Reflexion einladen und als Arbeits- und Orientierungshilfe dazu dienen sollen, den Betreuungs-, Erziehungs-, und Bildungsauftrag zu erfüllen. Gleichzeitig soll es dazu beitragen, ein reibungsloses Funktionieren der Organisation Tageseinrichtung für Kinder sichern zu helfen.

Eine kleine Geschichte zu Beginn des Sammelbandes erscheint auch an dieser Stelle geeignet, die beabsichtigte Funktion des Buches bildlich darzustellen: "Ein Mensch sitzt auf einem hohen Baum und sägt Äste an. Sein Freund geht unten vorbei, schaut eine Weile zu und ruft hinauf: "Du solltest Deine Säge schleifen, sie schneidet ja nicht!" Der Freund oben antwortet: "Ich kann jetzt nicht schleifen, ich muss doch sägen". (S. 6)".

Aufbau und Inhalte

Die Aufteilung des Praxis-Handbuches erfolgt in vier abgeschlossenen Kapiteln mit insgesamt 44 Sachbeiträgen, die sowohl aufeinander aufbauend als auch einzeln und unabhängig voneinander gelesen werden können.

Die einzelnen Beiträge beginnen (abgesehen von wenigen Ausnahmen) mit einer Kurzdarstellung zur Zielsetzung und einer differenzierten Gliederung. Nach einer einführenden Grundlegung kommen auch komplexe Themen schnell zum Kern ihres Anliegens: Über die Darstellung wissenschaftlich fundierter Sachinformationen erfolgt die Überleitung zu Realisierungshilfen und –strategien sowie Methoden und Übungen, die zur Reflexion anregen und mit ihrer Anwendung helfen sollen, den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden. Checklisten, Musterbeispiele und Arbeitsblätter erleichtern die Umsetzung in der Praxis. Zeichnungen, Bilder, Schemata, Graphiken etc. führen zur Verdeutlichung und Auflockerung der Beiträge. Wer nach der Lektüre neugierig geworden ist und sich näher mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen möchte, wird schließlich über Literaturhinweise zu einer Vertiefung eingeladen.

Die Skizierung der einzelnen Kapitel an Hand von Beispielen soll im folgenden die Themenvielfalt sichtbar machen:

Kapitel 1 "Pädagogische Impulse" beschäftigt sich mit Themen der sozialpädagogischen Praxis. Der Darstellung des Kindes mit seiner psychischen, physischen, kognitiven und sozialen Entwicklung folgt die Beschreibung pädagogischer Ansätze und Angebote. Themen wie "Gruppenführung", die Auseinandersetzung damit, "was Erziehen mit Beziehung zu tun hat" sowie die Beleuchtung des Bildungsaspekts durch die Konfrontation des Kindergartens mit den Anforderungen der Lern- und Wissensgesellschaft kennzeichnen weitere Beiträge dieses Kapitels.

Kapitel 2 "Fach- und Führungsauftrag" betrachtet die ErzieherIn mit ihrem beruflichen Status und Zukunftsperspektiven. Es skizziert die Bedeutung der "ErzieherIn als Lebensberuf" für den Berufsstand und die Gesellschaft. "Erziehen – eine weibliche Profession" setzt sich kritisch und zukunftsweisend mit ihrer beruflichen Identität und Professionalität auseinander. Dabei wird für den Wandel von der 'Überbrückungstätigkeit' zur 'Erzieherin als Lebensberuf' nicht nur die berufliche Qualifizierung, sondern vielmehr die individuelle Standortfindung als Orientierungshilfe herausgestellt. Themen wie "Leiten und sich leiten lassen", "Personal Power Management", "Stressbewältigung" und "Burnout-Vorsorge", "Gesprächsschulung" und "Gesprächsführung" und nicht zuletzt "Rückenschule" bieten vielfältige Anregungen und Hilfen für diesen Weg.

Kapitel 3 "Betriebsorganisation" verschafft einen Überblick über effiziente Arbeitsmethoden zur (vielfach ungeliebten) Bewältigung von Betriebsroutinen. Für die Verwaltung von Korrespondenz, das Verfassen von Texten und Literatur sowie für den Umgang mit dem Internet werden Tipps gegeben, die schnell in der Praxis umzusetzen sind. "Fundraising" und ein Erfahrungsbericht zur Gründung einer eigenen KiTa machen Mut, über neue Wege nachzudenken.

Kapitel 4 "Familienunterstützung" rückt die Familie in den Mittelpunkt. Möglichkeiten zur Unterstützung der familiären Lebenssituation sowie Beispiele für eine anregungsreiche Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern werden hier dargestellt. Beispiele hierfür sind: "Familie im Mittelpunkt (FIM)", "Leitsätze zur Elternberatung" und "Zusammenarbeit mit Therapeutischen Fachdiensten" sowie "Kreative Gestaltung von Elternabenden", "Eltern für Eltern" und die "Einrichtung einer Familienbücherei".

Fazit

Hildegrad Rieder-Aigner ist es gelungen, eine Mischung von wissenschaftlich fundierten Fach- und Praxisbeiträgen zusammenzustellen, die sich dadurch auszeichnen, dass nicht die Wissenschaftlichkeit, sondern die Übertragbarkeit auf die Praxis zentrales Anliegen ist.

Das Praxis-Handbuch Kindertageseinrichtungen stellt ein übersichtlich gegliedertes Werk dar, das seinem Anspruch als Impulsträger und Ideenspender gerecht wird und zum Nachdenken anregt. Trotz seines Umfangs von 655 Seiten und seiner bunten Vielfalt an Einzelthemen behandelt das vorliegende Werk nicht alle Aspekte der Organisation und Gestaltung institutionalisierter Kindererziehung. So werden potentielle LeserInnen, die sich z.B. mit rechtlichen Fragen auseinandersetzen wollen, auf andere Werke zurückgreifen müssen. Gleichwohl stellt die vorliegende Zusammenstellung praxisrelevanter Aspekte eine unverzichtbare Lektüre für Tageseinrichtungen für Kinder dar. In Zeiten wachsenden Qualitätsbewusstseins trägt es zu einer Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte bei und gibt Anstöße zur Qualitätsentwicklung in Tageseinrichtungen für Kinder.

Aufgrund der übersichtlichen Gestaltung eignet es sich der Sammelband auch als Nachschlagewerk und erspart die oftmals mühselige Suche durch unübersichtliche Berge einschlägiger Fachliteratur. Als übersichtliche Einstiegsliteratur eignet es sich für angehende ErzieherInnen, Studierende der Pädagogik und andere an der Erziehung von Kindern interessierter Personen.

Qualifikation der Autoren

Die Herausgeberin Hildegrad Rieder-Aigner, Sozialpädagogin, hat langjährige Erfahrung in der Erziehungsarbeit, in Unterricht, Fachberatung, Fortbildung und Supervision. Die 44 Beiträge stammen von erfahrenen ExpertInnen, Pädagogen und Dozenten.

Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy

Es gibt 42 Rezensionen von Elke Katharina Klaudy.

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ISSN 2190-9245