socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Andreas Kirberger: Öffentlich mitreden – sicher und selbstbewusst!

Cover Andreas Kirberger: Öffentlich mitreden – sicher und selbstbewusst! Rhetorik für gesellschaftlich Engagierte. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. 200 Seiten. ISBN 978-3-497-02302-8. D: 19,99 EUR, A: 20,80 EUR, CH: 28,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thematischer Rahmen

Einerseits: Wer zum Beispiel in einem Verein oder einer Bürgerinitiative engagiert ist, der/die will Menschen für Ideen gewinnen, zu aktivem Handeln anregen oder zu einer politischen Aktion motivieren. Das setzt voraus, sich in der öffentlichen Diskussion überzeugend darstellen zu können, gibt es doch zu jeder Meinung eine Gegenmeinung, zu jedem Interesse ein entgegen gesetztes Interesse und zu jedem Werturteil ein Werturteil mit anderen Vorzeichen. Das setzt das Vermögen voraus, vor anderen überzeugend auftreten können.

Andererseits: In dem Moment, in dem Menschen ehrenamtlich bzw. freiwillig gesellschaftliche Ver­antwortung übernehmen, sind sie mit vielen, meist unbequemen, Rede- und Gesprächssituationen im öffentlichen Raum konfrontiert. Menschen reden aneinander vorbei, Vorträge und Reden werden als langatmig und wenig überzeugend empfunden, Wahlen und Abstimmungen gehen verloren, weil andere sich „besser verkaufen“ können, oder fachliche Einwände werden trotz fun­dierter Begründung nicht ernst genommen, weil sie unglücklich präsentiert werden. Fehlen die rhetorischen Fähigkeiten, werden Ehrenäm­ter und freiwillig angenommene Aufgaben schnell zur Last. Zudem verlaufen Debatten und Diskussionen stürmisch, Dialoge enden wenig zufrieden stellend. Versammlungen dauern länger als notwendig, Kontroversen, organisatorisches Durcheinander und Dispute zu Satzungsfragen stören den Austausch und erschweren Einigungsprozesse.

Das heißt: In solchen Prozessen sind besondere Kompetenzen der öffentlichen Präsentation erforderlich (z. B.: Wie bringt man seine Meinung verständlich „rüber“? Wie moderiert man eine Diskussion, wie leitet man eine Versammlung?). Mit anderen Worten: Rhetorische Mittel sind gefragt. Trotzdem hat die Rhetorik oft einen schlechten Ruf. Sie wirkt als eine „Kunst des Scheins“. Der Tenor der vorliegenden Veröffentlichung ist ein anderer (wie den Verlagsinformationen zu entnehmen ist): Um nachhaltig zu überzeugen, sei mehr als eine glänzende Fassade rhetorischer Techniken notwendig; ein Fundament aus Werten und Fachwissen sei erforderlich, dessen Substanz auch verbalen Stürmen standhält.

Autor

Andreas Kirberger, M. A. in Politik-, Kommunikations- und Rechtswissenschaft, ist selbständiger Rhetoriktrainer und gibt Seminare und Coachings für Verbände, Parteien, politische Stiftungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen (siehe auch www.redemanagement.de und www.oeffentlich-mitreden.de).

Aufbau und Inhalt

Die vorliegende Veröffentlichung ist in drei Teile (in sieben Kapiteln) gegliedert:

  • Nach Hinweisen zum Ziel und Gebrauch des Bandes (1. Kapitel: „Wie können Sie mit diesem Buch arbeiten?“) behandelt
  • das 2. Kapitel (S. 11 – 20) die grundsätzliche Frage: „Wie überzeuge ich andere? Das umfangreichste 3. Kapitel („Reden in der Öffentlichkeit“) gibt sehr praktische Hinweise, wie die effiziente Vorbereitung auf Reden und Diskussions­beiträge aussehen kann (S. 21 – 73). Die Frage, wie „einfach“, „gegliedert“, „kurz und prägnant“, „bildhaft, anschaulich und lebendig“ gesprochen wird, ist Gegenstand des im 4. Kapitels („Verständlich sprechen“, S. 74 – 82).
  • In drei weiteren Kapiteln wird das Thema des Sprechens im öffentlichen Raum erweitert: Die Durchführung einer Mitglieder- bzw. Delegiertenversammlung (zunächst aus der Perspektive der Versammlungsleitung, die für einen ordnungsgemäßen und konstruktiven Versammlungsverlauf zu sorgen hat, dann aus der Perspektive eines Antragstellers, der einen Sachantrag auf der Ver­sammlung durchsetzen will) ist Gegenstand des 5. Kapitels (S. 83 – 117), das 6. Kapitel befasst sich mit der Rolle eines/einer Moderatorin/Moderators, der/die eine Diskussion an­- und abmoderieren und leiten muss (S. 118 – 127). Die Abfassung einer Pressemitteilung steht schließlich im Zentrum des kurzen 7. Kapitels (S. 128 – 134).
  • Ein knappes Literaturverzeichnis (S. 135) und die Übersicht über die auf der Begleit-DVD enthaltenen Materialien schließen den Band ab.
  • Auf der Begleit-DVD sind Materialien zum Ausdrucken (z. B. Vorbereitungsbögen für eine Überzeugungs- und ein Standpunktrede), zahlreiche Hörbeispiele (z. B. zum kurzen und prägnanten Sprechen), Arbeitmaterialien (z. B. eine Checkliste zur Vorbereitung und Durchführung einer Versammlung) und (und dies vor allem) ergänzende Unterlagen (z. B. weitere Informationen zu besonders heiklen Punkten bei der Durchführung von Mitglieder- oder Delegiertenversammlungen, etwa die Gültigkeit von Stimmabgaben) enthalten.

Die zentralen Gegenstände werden an praktischen Beispielen erklärt. So exemplifiziert Kirberger am Beispiel der fiktiven Stadt „Radelsberg“ drei zentralen Formen der Öffentlichkeitsarbeit: die Mitgliederversammlung des dortigen Fußballclubs Radelsberg, den Stadtratsantrag der Fraktion der Radelsberger Wählergemeinschaft, dem FC Radelsberg 150.000 Euro für eine neue Flutlichtanlage zur Verfügung zu stellen, und die Diskussionsveranstaltung der Initiative „Bunt statt Braun – Bündnis für Demokratie und gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit in Radelsberg“ (Titel: „Der nette Nazi von nebenan – Was tun, wenn Neonazis Radelsberger Vereine unterwandern?“), um darauf aufmerksam zu machen, dass sich zunehmend Rechtsextremist/inn/en, als „brave Bürger“ getarnt, in Sportvereinen, Kirchen oder Feuerwehren engagieren, um dort insbesondere Jugendliche für ihre Zwecke zu manipulieren.

Zielgruppen

Dieses Buch sei, so der Reinhardt-Verlag, für „diejenigen geschrieben, die sich ehrenamtlich oder beruflich am gesellschaftlichen Dialog beteiligen wollen“, zum Beispiel als Amts- und Mandatsträger/in in Kirchen, in Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, in Non-Profit-Organisationen, Bürgerinitiativen oder Jugend-, Kultur-, Sport-, Umwelt-, Tierschutz- oder Menschenrechtsverbän­den. Zu ergänzen ist diese Empfehlung durchaus auch durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit, die im öffentlichen Auftritt noch ungeübt sind, sich bislang mit ihrem öffentlichen Auftreten noch nicht haben auseinandersetzen müssen (oder wollen), nun aber mit Handlungssituationen im öffentlichen Raum (z. B. in einer Bürger/innen-Versammlung im Stadtteil oder bei der öffentlichen Präsentation ihrer Einrichtung) konfrontiert sind. Die starke Anwendung- und Ergebnisorientierung macht den vorliegenden Band auch für sie interessant: Auch ihnen können das zweite und das dritte Kapitel bei der Bewältigung dieser Aufgabe helfen; sie werden die spezifischen Hinweise zur Selbstpräsentation im öffentlichen Raum allerdings auf trägerspezifische Bedingungen, Anforderungen und Ansprüche zu „übersetzen“ haben.

Diskussion und Fazit

Dieses Buch soll – so die Verlagsankündigung – „dazu dienen, aus Ihren Wertvorstellungen ein rhetorisches Fundament zu errichten“, auf dem sich die Leser/innen „sicher fühlen können“. Es gehe darum, „ein Haus aus Standpunkten und Fachwissen hochzuziehen“, in dem sie sich „wohl fühlen“, und es soll „dabei unterstützen, eine Fassade aus rhetorischen Techniken zu erbauen“, die Mut macht, mit anderen zu kommunizieren und Mitmenschen „zum Dialog einlädt“. Andreas Kirberger will mit seinem Buch keine „Kunst des Scheins“, sondern Rhetorik als eine „Kunst des Seins“ präsentieren.

Von diesen heeren Worten der Verlags-PR einmal abstrahiert – die „Kunst des Seins“ wird durch die Kombination aus Buch und Begleit-DVD und das damit angelegte Konzept des Werkzeugkoffers durchaus unterstützt: Die Leser/innen werden eingeladen, aus diesem Material die für sie selbst vor Ort angemessene und praktikable Lösung zu entwickeln. Der Charakter des Bandes fördert dies: Andreas Kirberger kommt schnell zum Punkt, große theoretische Reflexionen und Einordnungen fehlen. Hilfreiche Grafiken unterstützen die stark an Beispielen orientierte Argumentation. Der Band wendet sich erkennbar an Praktiker/inn/en, die eine schnelle und am Ziel orientierte Unterstützung für ihr ehrenamtliches/freiwilliges Engagement suchen (und in der vorliegenden Veröffentlichung auch finden werden).


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
E-Mail Mailformular


Alle 90 Rezensionen von Peter-Ulrich Wendt anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 05.06.2013 zu: Andreas Kirberger: Öffentlich mitreden – sicher und selbstbewusst! Rhetorik für gesellschaftlich Engagierte. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. ISBN 978-3-497-02302-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14507.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Inserieren und suchen Sie im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!