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Armin Schneider, Anna Lena Rademaker u.a. (Hrsg.): Soziale Arbeit - Forschung - Gesundheit

Cover Armin Schneider, Anna Lena Rademaker, Albert Lenz, Ingo Müller-Baron (Hrsg.): Soziale Arbeit - Forschung - Gesundheit. Forschung: bio-psycho-sozial. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. 220 Seiten. ISBN 978-3-8474-0078-3. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 33,90 sFr.

Reihe: Theorie, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit - 8.
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Thema

Nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in allen anderen Feldern der Sozialen Arbeit spielt die Dimension Gesundheit eine Rolle in Bezug auf das „Soziale“ und soziale Probleme. Die Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Gesundheit erfreut sich einem zunehmenden Interesse und hat sich mittlerweile zu einem wichtigen Forschungsfeld entwickelt. Der Band geht allgemein und dann anhand von Forschungsbeispielen in einzelnen Feldern der Sozialen Arbeit auf die Thematik ein und liefert einen Überblick zu den Herausforderungen, denen die Profession in diesem Kontext gegenübersteht.

Herausgeberteam

Prof. Dr. Armin Schneider ist Hochschullehrer für empirische Sozialforschung und Management in der Sozialen Arbeit am Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz – RheinMosel Campus

Anna Lena Rademaker ist Sozialarbeiterin M.A. und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen

Prof. Dr. Albert Lenz ist Hochschullehrer für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen

Ingo Müller Baron ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Redaktionsleitung Fachkonzepte in der Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.

Aufbau

Der Band umfasst nach Vorwort und Einleitung vier Themenbereiche:

  1. Grundsätze von bio-psycho-sozialer Forschung, darauf folgt der Bereich
  2. Ressourcen und Potentiale zur Förderung von Gesundheit, dann
  3. Organisation, Personal und Netzwerke sowie letztlich
  4. Gesundheitsförderung an der Schnittstelle von Medizin und Sozialer Arbeit.

Inhalt

In der Einleitung umreißen die Herausgeberin und Herausgeber kurz den Schwerpunkt des Buchs und geben einen kurzen Überblick über die einzelnen Artikel der Autorinnen und Autoren.

Der Grundlagenteil wird mit einem Beitrag von Hans Günther Homfeldt eingeleitet. Dieser geht auf die Forschungsfacetten einer gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit ein. Dabei porträtiert er sechs Facetten an Beispielen forschungsbezogener Desiderate. Zunächst liefert er geschichtliche Orientierungspunkte und widmet sich dann einzeln den Bereichen Gesundheitsarbeit im Sozialwesen, Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Gesundheitsförderliche Settings, Klinische Sozialarbeit, Gesundheitsselbsthilfe und Internationalität bzw. Transnationalität gesundheitsbezogener Sozialer Arbeit. Hierbei stellt er entsprechende Forschungsaufgaben heraus. Vor dem Hintergrund der Frage nach Schnittmengen der sechs Felder macht er anschließend zwei Vorschläge, wobei er sich dabei auf Kooperationen sozialer Dienste und Agency bezieht.

Der zweite Beitrag Soziale Arbeit und Gesundheit von Martin Hafen befasst sich mit Chancen und Herausforderungen an der Schnittstelle beider Funktionssysteme. Dazu geht der Autor zunächst auf die Dimensionen einer systemtheoretischen Definition des Gesundheitsbegriffs ein. An dieser Stelle macht er schon darauf aufmerksam, dass Soziale Arbeit direkten Einfluss auf Gesundheit und Krankheit nehmen kann. Mit Hilfe der soziologischen Systemtheorie beleuchtet Martin Hafen dann den gesellschaftlichen Umgang mit Gesundheit und sozialen Problemen, indem er die Funktionssysteme Gesundheit und Soziale Hilfe betrachtet und dann auf ihre Schnittstellen eingeht.

Silke Birgitta Gahleitner vertieft sich in dem Beitrag Forschung „bio-psycho-sozial“ vor dem handlungswissenschaftlichen Verständnis Sozialer Arbeit in bisherige und aktuelle Entwicklungen einer gesundheitswissenschaftlich ausgerichteten Sozialarbeitsforschung. Dazu geht sie erst kurz auf Traditionslinien der Sozialarbeitsforschung ein und auf das bio-psycho-soziale Modell sowie Forschungsperspektiven ein. Anschließend nennt und erklärt sie drei zentrale Thesen zur weiteren Entwicklung der klinisch-gesundheitswissenschaftlichen Forschung in der Sozialen Arbeit:

  1. Soziale Arbeit sollte das Forschungsspektrum besser ausschöpfen,
  2. Soziale Arbeit sollte sich selbstbewusst zur Evidence-based-practice-Debatte positionieren,
  3. Soziale Arbeit braucht ein klares Selbstverständnis als forschungsintensive Disziplin und Profession.

Im Anschluss leitet Catherine Kaiser-Hylla mit ihrem Artikel zu Kunst und Resilienz bei traumatisierten Kindern den Komplex zu Ressourcen und Potentialen zur Förderung von Gesundheit ein. Die Verfasserin erläutert eine Evaluationsstudie der Hochschule Koblenz, an der sie mitarbeitet. Die Evaluationsstudie untersucht aus Basis halbstandardisierter Interviews, inwiefern sich intensive künstlerische Betätigungen auf die Resilienz-Entwicklung traumatisierter Heranwachsender auswirkt.

Im anschließenden Beitrag von Anna Lena Rademaker und Albert Lenz geht es um Förderung psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Der Autor und die Autorin gehen dabei auf die Prävalent psychischer Störungsbilder sowie Risiko- und Schutzfaktoren ein. Zudem fassen sie wichtige Erkenntnisse zu Ressourcen und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zusammen. Vor diesem Hintergrund sehen sie die Kinder und Jugendhilfe als zentralen Ort der Unterstützung des Wohlbefindes und der Gesundheit von Heranwachsenden und zeigen dabei Chancen und Risiken sowie Ansätze auf.

Gesundheit als Merkmal ganzheitlicher Persönlichkeitsförderung im Mentorenprojekt „Balu und Du“ ist das Thema von Hildegard Müller-Kohlenberg, Sibylle Drexler, Christine Freitag und Sarah Rölker. Im Vordergrund stehen die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projekts im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung und das Gesundheitsverhalten der Kinder, welche in dem Mentorenprojekt von Ehrenamtlichen begleitet werden. Die Verfasserinnen erläutern dabei zunächst das Projekt. Danach erklären sie das Design der Evaluation und präsentieren ausgewählte Ergebnisse.

Der darauffolgende Beitrag Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit zu einem gesunden Lebensstil motivieren ist von Katrin Liel. Sie diskutiert die Wirksamkeit von Motivierender Gesprächsführung und partizipativen Gruppenaktivitäten als kombinierte Interventionsform zur Unterstützung von Langzeitarbeitslosen. Diesbezüglich stellt sie das Gesundheitsprojekt „arbeit & gesundheit“ in dessen Rahmen eine Fallstudie zur Wirksamkeit des entwickelten Gesundheitskompetenztrainings durchgeführt wurde. Dazu führt sie Fragestellungen, Design und letztlich Ergebnisse an.

Danach folgt Armin Schneider mit dem Beitrag Gesunde und nachhaltige Organisationen. Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Bedeutung von Organisationen und deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Menschen. Er bezieht sich dabei unter anderem auf Annahmen der Organisationskulturforschung und der Systemtheorie. Dann fokussiert er die Gesundheit in Organisationen und zeigt Möglichkeiten der organisationalen Gesundheitsförderung auf, bevor er den Kontext Sozialer Arbeit und letztlich Perspektiven für die Sozialarbeitsforschung betrachtet.

Michael Böwer diskutiert in seinem Beitrag das Thema Kinderschutzorganisationen und Zuverlässigkeit. Im Mittelpunkt stehen dabei Befunde und Anschlüsse empirischer Forschung im Kinderschutz. Böwer nähert sich dem Thema zunächst mit organisationstheoretischen Aspekten von Jugendämtern und Kooperationen im Kindesschutz an. Es schließen Forschungsergebnisse einer Studie zu organisationalen Zusammenhängen jugendamtlicher Praxen, in deren Rahmen Experten und Expertinnen aus dem Amt befragt wurden, an. Anschlussfragen schließen den Beitrag ab.

In ihrem Aufsatz Gesundheit in der Sozialen Arbeit – Arbeitsbelastungen in Kontaktläden fokussiert Daniela Molnar die Arbeitsanforderungen und die damit einhergehenden gesundheitlichen Belastungen Sozialarbeitender in der Drogenhilfe. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik, das Arbeitsfeld und den Forschungsstand, stellt sie die Studie vor. Sie gibt dabei einen breiten Einblick in die Ergebnisse.

Das Thema Ausgestaltung der Kooperation in der Unterstützung der Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil ist Gegenstand des Artikels von Eva Bockmann. Zunächst gibt sie einen Überblick über die Zielgruppe. Anschließend nennt sie einzelne Belastungsfaktoren z. B. in der Elternbeziehung oder mangelnde soziale Unterstützung. Unter anderem runden spezifische Schutzfaktoren neben Ausführungen zur Kooperationsgestaltung auf inter- und intrainstitutioneller sowie fallbezogener Ebene den Beitrag ab.

Stephan Dittmers schreibt über Sozialarbeitsforschung mit Schlaganfallpatienten und Angehörigen. Er bezieht sich dabei auf seine Dissertation, in der er die sozialen Faktoren und Veränderungsprozesse innerhalb der betroffenen Familien und den sozialen Nahräumen näher untersucht. Im Vordergrund des Beitrags stehen die Problemstellung sowie die forschungspragmatische Umsetzung.

Der Aufsatz von Anne Taubert, Jürgen Walther, Dirk Jäger und Dominik Ose handelt von der Koordination psychosozialer Beratungsangebote in der onkologischen Versorgung. Im Rahmen ihres Beitrags stellen die Autorin und die Autoren die Methodik sowie Ergebnisse ihrer umfassenden Literaturrecherche vor. Zentral dabei ist die Frage nach den Effekten auf die Patienten durch koordinierte Beratungsangebote. Die Ergebnisse diskutieren sie am Ende.

Irmgard Vogt geht auf das Thema Doing Gender: Selbstdarstellung von süchtigen Männern und Frauen in qualitiativen Interviews ein. Es handelt sich dabei um ein Forschungsprojekt, in dem 23 Mütter und Väter, die sich von 2008 bis 2012 in Rehabilitationseinrichtungen für Drogenabhängige aufhielten, befragt wurden. Im Mittelpunkt stehen das Studiendesign und ein breiter Überblick zur Selbstdarstellung der Befragten.

Diskussion und Fazit

Dem Titel des Buchs sind die Herausgeberin und Herausgeber meines Erachtens gerecht geworden. Der Band macht die Breite des Forschungsfelds Soziale Arbeit und Gesundheit deutlich. Deutlich wird auch das Potenzial des Bereichs für sozialarbeitswissenschaftliche Fragestellungen und die Relevanz gesundheitsbezogener Aspekte innerhalb sozialarbeiterischer Themen und Arbeitsfelder. Dank der drei einführenden Leitartikel wird der notwendige thematische Rahmen gespannt, um die nachfolgenden Beiträge entsprechend verorten zu können. Die Sortierung in Oberthemen erscheint angemessen. Der Band ist wertvoll für Forscher_innen und Praktiker_innen: Er bietet Hinweise und Anregungen für eigene Forschungsfragestellungen. Forschende, die sich mit der Thematik auseinandersetzen wollen, gewinnen darüber hinaus einen Einblick in verschiedene Projekte, Forschungsdesigns und Erhebungsformen. Sozialarbeiter_innen in der Gesundheitshilfe wiederum können von den Ergebnissen der Studien profitieren, gleichzeitig aber auch Grundlegendes zur Legitimation einer genuin sozialarbeiterischen Expertise im meist interdisziplinär organisierten Gesundheitsbereich finden. Zuletzt bietet das Werk auch Studierenden der Sozialen Arbeit – besonders mit den Leitartikeln - eine erste Orientierung hinsichtlich der Thematik und ihrer Relevanz. Wer etwas darüber wissen möchte, warum Gesundheit eine bedeutende Rolle in Bezug auf soziale Probleme und damit in der Sozialen Arbeit spielt, liegt mit diesem Band richtig.


Rezension von
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 12.06.2013 zu: Armin Schneider, Anna Lena Rademaker, Albert Lenz, Ingo Müller-Baron (Hrsg.): Soziale Arbeit - Forschung - Gesundheit. Forschung: bio-psycho-sozial. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2013. ISBN 978-3-8474-0078-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14512.php, Datum des Zugriffs 06.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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