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Georg H. Eifert: Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Cover Georg H. Eifert: Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2011. 102 Seiten. ISBN 978-3-8017-2215-9. 19,95 EUR, CH: 29,90 sFr.

Reihe: Fortschritte der Psychotherapie - Band 45.
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Thema

Das vorliegende Buch erscheint in der gut eingeführten Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ des Hogrefe- Verlages und beschäftigt sich mit einer Weiterentwicklung der (kognitiven) Verhaltenstherapie -der Akzeptanz-Commitment- Therapie (ACT) nach Hayes. Diese stellt in den Focus der Intervention Prozesse von Schmerz und Leid nicht energievoll abzuwehren und hieran letztlich zu scheitern (und im Leid dadurch festzustecken!), sondern zu lernen Gefühle anzunehmen, sie als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und dadurch die Energie und Verantwortung „frei“ zu haben, sich auf Werte, Ziele zu orientieren und diese durch konkretes Handeln anzustreben.

Autor

Georg H. Eifert ist Psychologe, hat nach Studium und Promotion an verschiedenen ausländischen Hochschulen gelehrt, bereits zu ACT publiziert und ist seit 2002 Direktor an der Abteilung für Psychologie an der Chapman University in Orange, Kalifornien.

Entstehungshintergrund

Auf der Basis früherer Veröffentlichungen zum Thema (etwa 2009: ACT für Angststörungen) übernimmt der Autor die Aufgabe, als 45. Band der Reihe „Fortschritte der Psychotherapie“ des Hogrefe-Verlages ein Kompendium der ACT zu schreiben. Ziel ist hierbei der knappe und übersichtliche Einblick in eine Therapiemethode, der eine weitergehende Auseinandersetzung auch mit der Originalliteratur nicht ersetzen soll.

Aufbau

Von den insgesamt neun Kapiteln des Buches sind fünf inhaltlich bestimmt, die übrigen eher als Anhang zu sehen.

Der Autor beginnt mit einer knappen Darlegung des Essentials dieser Therapie-Methode in Kapitel 1, vertieft diese Einführung dann durch die Basis der ACT im Sinne von „Störungsmodell“ und „Therapieprozesse“. Kapitel 3 ist der Auseinandersetzung mit diagnostischen Fragen und einer sogenannten Fallkonzeption vorbehalten, bevor im umfassendsten Kapitel gezielt auf Methoden und dem methodengeleiteten Vorgehen in der Therapie eingegangen wird. Das Kapitel 5 thematisiert Fragen der Effektivität dieses verhaltenstherapeutischen Ansatzes. Die restlichen Kapitel beinhalten einen knappen Ausblick , weiterführende Literatur und einen Anhang – hilfreich auch hier die eingefügten Fragebogen, die zumindest einen Einblick in das reichlicher vorhandene Fragebogen- Material geben ( der Hinweis auf die Internet-Quellen kann so auch den Zugang zu englischsprachigen Materialien öffnen) .

Inhalt

Zu Beginn beschreibt der Autor auf 6 Seiten Grundlagen der ACT: er macht deutlich, dass primäres Ziel ist, emotionale Vermeidungsstrategien ( die letztlich Leid perpetuieren ) aufzugeben, unangenehme Gefühle zu akzeptieren ( nicht gutzuheißen!) und sich darauf zu konzentrieren, sich im Sinne einer Zielerreichung bezüglich eigener Werte zu verhalten. Eifert legt zumindest kurz die Bedeutung der menschlichen Sprache bei diesen Prozessen als theoretischen Hintergrund des Ansatzes dar und ordnet ihn richtig im Kontext der Verhaltenstherapie ein.

Im 2. Kapitel wird genauer dargelegt, was nach Sicht der ACT „Leid“ verursacht: es ist eben nicht ( nur) Folge belastender Emotionen, irrationalen Denkens (Kognitive Verhaltens-therapie!) oder dysfunktionaler Schemata (Schematherapie!), sondern der Tatsache geschuldet, dass Menschen durch sprachliche Lernprozesse versucht sind, aversive Gefühle „nicht haben“ zu wollen… aber gerade dadurch an verzweifelten und Leid verursachenden Kontrollversuchen festhalten- genau diese Kontrollversuche sind dann das eigentliche psychische Problem. Die hierbei wirkenden Prozesse werden in einem sog. Hexagramm visualisiert und dann detailliert entwickelt: Erlebensvermeidung, kognitive Fusion (Verstrickung mit den eigenen Gedanken) , Orientierung an Vergangenheit und Zukunft, Festhalten an einem einengenden Selbstkonzept, Werteambiguität, und schließlich Untätigkeit durch Verharren in kämpferischen ( aber selbst-destruktiven) Abwehrstrategien. Hieraus entwickeln die ACT-Therapeuten bestimmte Behandlungsstrategien, die der Autor im Folgenden darstellt: Akzeptieren, Kognitive Defusion, Im Hier-.und- Jetzt präsent sein, Entwickeln eines „Beobachter-Selbst“ , die Klärung von Werten und Zielen , schließlich das engagierte Handeln mit dem generellen Ziel größerer psychischer Flexibilität.

Im 3. Kapitel werden die Methoden, ihre Anwendbarkeit in einem umfassenden psychotherapeutischen Vorgehen eingeordnet und die praktischen Vorgehensweisen dargelegt -ein Fallkonzeptionsformular macht dies übersichtlich deutlich. Detaillierter und verdeutlicht an Beispielen und Transskripten werden Methoden im 4. Kapitel vorgestellt- welche Rolle hierbei bspw. Metaphern und Achtsamkeitsübungen spielen, welche Haltung der Therapeut insgesamt einnimmt und dass er/sie sich hierbei durchaus im Sinne des Konzeptes auch persönlich einbringen darf und soll wird anschaulich und prägnant ausgeführt, wobei auch auf Arbeitshilfen und Anleitungen für Hausaufgaben verwiesen wird.

Im 5. Kapitel verweist der Autor auf die mittlerweile vorhandenen und überwiegend positiven Effizienzstudien, im letzten und 6. Kapitel schließlich darauf, dass ACT nicht spezifisch für bestimmte Störungen menschlichen Erlebens und Verhaltens entwickelt wurde (wenn ACT im Rahmen eines umfassenden Therapiekonzeptes durchaus dort einsetzbar ist!), sondern eher, um allgemeine Lebenshaltungen pragmatisch so zu verändern, dass Leid eine geringere Rolle für den Einzelnen ( für unsere westliche Kultur insgesamt?) spielt.

Diskussion

In dieser Buchbesprechung kann und soll keine Auseinandersetzung mit ACT grundsätzlicher Art erfolgen. Der Hinwies darauf, dass diese Methode Anerkennung und rasche Verbreitung findet, zeigt allerdings, dass hier ein „Nerv“ getroffen wurde: ACT wendet sich gegen die „Abschaffung von Leid“ durch Therapie und legt hierzu Methoden vor, die von ihrem leitenden Menschenbild her, durch ihre theoretische Fundierung und mit ihrem respektvollen Umgang zwischen Klient und Therapeut eine Bereicherung für die Psychotherapie und ihre Entwicklung darstellt.

Fazit

Eine stringent entwickelte, didaktisch gut aufbereitete (z.B. Hervorhebungen am Seitenrand) und durch Praxisbeispiele anschaulich gestaltete Darstellung eines methodisch wertvollen Ansatzes für die Psychotherapie-Praxis.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 26.02.2013 zu: Georg H. Eifert: Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2011. ISBN 978-3-8017-2215-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14521.php, Datum des Zugriffs 18.11.2019.


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