Thomas Schumacher: Professionalisierung als Passion
Rezensiert von Prof. Dr. Ruth Simsa, 01.11.2013
Thomas Schumacher: Professionalisierung als Passion. Aktualität und Zukunftsperspektiven der systemischen Organisationsberatung. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2013. 256 Seiten. ISBN 978-3-89670-832-8. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR, CH: 45,90 sFr.
Thema
Das Buch strebt einen Überblick über den Stand der systemischen Organisationsberatung an und thematisiert aktuelle Fragen im Zusammenhang damit. Es geht u.a. um den Umgang mit Verantwortung in der Beratung, um Mechanismen der Führung, Besonderheiten der Beratung von Familienunternehmen.
Der Gegenstand des Buches wird folgendermaßen definiert: „Die systemische Organisationsberatung versteht ihr beraterisches Vorgehen als eine Intervention in ein komplexes soziales System und zielt darauf ab, sowohl das Lösungswissen und das Selbstentwicklungspotenzial der jeweiligen Organisation zu mobilisieren als auch dysfunktionale Kommunikation- und Kooperationsmuster zu bearbeiten.“ (12) Sie basiert auf der Systemtheorie und fokussiert nicht auf vordergründigen Symptome oder Defizite, sondern auf den strukturellen und funktionalen Systemzusammenhang, der als per se erklärungsbedürftig gilt.
Herausgeber
Der Herausgeber arbeitet als Organisations- und Managementberater sowie als Lehrbeauftragter der Universität St. Gallen.
Aufbau und Inhalt
Das Buch umfasst 15 Beiträge.
Im ersten Block geht es um Systemische Organisationsberatung, also um die Entwicklung der Methode sowie um neue Modelle, beschrieben in Form von Interviews von Rudolf Wimmer und Matthials Varga von Kibed.
Im Teil Organisation und Gesellschaft (Kap 4 und 5) charakterisiert Helmut Willke ausgehend von der Entwicklung zur Wissensgesellschaft neue Formen der Steuerung jenseits der Illusion von Machbarkeit. Ralph Grossman beschäftigt sich mit der Kooperation von Wirtschaftsorganisationen mit der Politik.
Im Teil Organisation und Person (Kap. 6) erläutert Torsten Groth Konsequenzen der systemtheoretischen Unterscheidung von Person und Organisation für die Personal- und Organisationsentwicklung.
Im Teil Organisation und Zukunft (Kap. 7 und 8) geht es um Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen und organisationalen Entwicklungen, Reinhard Nagel beleuchtet dies in Bezug auf Strategieentwicklung, Thomas Schumacher in Bezug auf die Steigerung der Binnenkomplexität.
Im Teil Organisation und Familie geht es um die Dynamik von Familienunternehmen, Fritz Simon beleuchtet die Logik der Entscheidungsfindung vor dem Hintergrund unterschiedlicher Systemrationalitäten, Arist von Schlippe fokussiert auf unterschiedliche Rollen.
Im Teil zu Organisation und Führung (Kap. 11 bis 13) geht es um ein aufgeklärtes, von Machbarkeitsvorstellungen und simplifiziertem hierarchischem Verständnis gelöstes Führungsverständnis. Thomas Schumacher diskutiert Möglichkeiten der Führung beim Aufbau von organizational capabilities entlang der Prinzipien von high-relability-Organisationen, Barbara Heitger und David Schubert skizzieren Trends und Entwicklungen, denen Führung sich heute stellen muss und Katrin Glatzel schicldert am Beispiel von Verbundnetzwerken, wie sich Führung die Voraussetzungen für die eigene Wirkung herstellen kann.
Im Teil Organisation und Beratung (Kap. 14-16) fragen Alexander Nicolai und David Seidl nach der Bedeutung der Management- und Organisationsforschung und damit nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Praxis, Stephan Jansen argumentiert für die Notwendigkeit der Professionalisierung und Paradoxiefähigkeit der Organisationsberatung und Dirk Baecker analysiert den Umgang mit Verantwortung in der Beratung entlang der Frage „Wie kann man eine Verantwortung übernehmen, die man nicht hat?“ 19
Diskussion
Das Buch beleuchtet den Themenbereich nach vielfältigen Aspekten und ist leicht und interessant zu lesen. Da es Rudi Wimmer gewidmet ist, ist es nachvollziehbar, dass viele der Inhalte, die dieser selbst publiziert hat, oder die im Rahmen von Herausgeberbänden seiner KollegInnen Gegenstand waren, hier nochmal zusammengefasst werden. Viele der Inhalte sind daher nicht neu, sondern in mehreren ähnlichen Publikationen schon diskutiert. Das ist nicht unbedingt von Nachteil. Für jene, die noch weniger mit Literatur zur systemischen Beratung zu tun hatten, ist es ein guter Einstieg. Alle anderen können es als Auffrischung mit neuen inhaltlichen Aspekten sehen.
Fazit
Das Buch bietet wertvolle Anregungen zur Reflexion der eigenen Profession für PersonalentwicklerInnen, OrganisationsforscherInnen wie auch BeraterInnen.
Rezension von
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
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