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Wilfried Bos, Heike Wendt u.a. (Hrsg.): TIMSS 2011 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen [...]

Cover Wilfried Bos, Heike Wendt, Olaf Köller, Christoph Selter (Hrsg.): TIMSS 2011 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2012. 314 Seiten. ISBN 978-3-8309-2814-0. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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Thema

Das Buch stellt Anlage, Ergebnisse und kontextuelle Überlegungen der/zur Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS) 2011 für die vierte Jahrgangsstufe vor.

Herausgeberteam, Autorinnen und Autoren

Neben den vier Herausgebern kommen in den einzelnen Kapiteln des Sammelwerkes weitere Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bildungsforschung zu Wort. Unter den Herausgebern finden sich auf den Plätzen eins und zwei Bos, Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, Wissenschaftlicher Leiter der Studie, und Wendt, am selben Ort tätig, deren Projektleiterin.

Entstehungshintergrund

TIMSS ist eine intemational-vergleichende Schulleistungsstudie, die seit 1995 alle vier Jahre durchgeführt wird. Im Zentrum von TIMSS 2011 steht der internationale Vergleich von Schülerleistungen am Ende der vierten und achten Jahrgangsstufe sowie am Ende der Sekundarstufe II im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich unter Berücksichtigung curricularer Vorgaben und anderer zentraler Rahmenbedingungen schulischer Lernumgebungen. Wie bereits im Jahr 2007 hat sich Deutschland auch im Jahr 2011 ausschließlich mit der vierten Jahrgangsstufe an der Studie beteiligt.

Eine zentrale Besonderheit der Erhebungsrunde 2011 ist, dass es möglich war, IGLU gemeinsam mit der Schwesterstudie Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS) durchzuführen und eine gemeinsame Untersuchungsstichprobe zu realisieren.

Die Teilnahme an internationalen Schulleistungsstudien stellt einen zentralen Eckpfeiler der im Jahr 2006 beschlossenen Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring dar.

Aufbau

Das Buch besteht aus einem zweiseitigen - den Entstehungskontext des Buches skizzierenden – Vorwort von Bos, dem Wissenschaftlichen Leiter von den Entstehungskontext des Buches skizzierenden – Vorwort von Bos, dem Wissenschaftlichen Leiter von TIMSS 2011 (und IGLU 2011), neun auf einander bezogenen, in sich abgeschlossenen und jeweils mit eigenem Literaturverzeichnis versehenen Kapitel, drei Anhängen (A: Weiterführende Informationen zu den Teilnehmerstaaten, B: Beschreibung der internationalen Benchmarks für das Mathematik-Kompetenzmodell in TIMSS 2011, C: Beschreibung der internationalen Benchmarks für das Naturwissenschafts-Kompetenzmodell in TIMSS 2011) sowie separaten Abbildungs- und Tabellenverzeichnissen.

Die neun Kapitel tragen die Überschriften:

  1. TIMSS 2011: Wichtige Ergebnisse im Überblick
  2. Ziele, Anlage und Durchführung der Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS 2011)
  3. Mathematische Kompetenzen im internationalen Vergleich: Testkonzeption und Ergebnisse
  4. Naturwissenschaftliche Kompetenzen im internationalen Vergleich: Testkonzeption und Ergebnisse
  5. Merkmale der Lehr- und Lernbedingungen im Primarbereich
  6. Geschlechtsspezifische Unterschiede in mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen
  7. Soziale Disparitäten der Schülerleistungen in Mathematik und Naturwissenschaften
  8. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
  9. Leistungsprofile von Viertklässlerinnen und Viertklässlern in Deutschland

Inhalt

Der Inhalt des Buches ist mit den Überschriften seiner neun Kapitel hinreichend charakterisiert. Eine gedrängte, aber dennoch gut lesbare Zusammenfassung der Ergebnisse – freilich ohne Darstellung ihrer Produktion – bietet das erste Kapitel. Von diesen seien nachfolgend die drei genannt, die für Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit am wichtigsten sein dürften:

  1. Gegenüber 2007 gibt es keine wirklich bedeutsamen (Leistungs-)Veränderungen; was – angesichts der Ergebnisse von PISA 2009 formuliert – für die Soziale Arbeit heißt: „Die Frage der Bildungsgerechtigkeit bleibt auf der Tagesordnung“ (Heekerens, 2011).
  2. Die Kompetenzen hängen, wie das alle einschlägigen Analysen zuvor gezeigt haben (vgl. Heekerens, 2010), in substanzieller Weise vom familiären Hintergrund (und das schlägt auch bei der Hintergrundvariable „Migration“ zu Buche) ab. Konkret: „In Deutschland haben Schülerinnen und Schüler, die berichten, dass ihre Familien mehr als 100 Bücher besitzen, in den mathematischen Kompetenzen gegenüber jenen, die angeben, maximal hundert Bücher zu besitzen, einen signifikanten Vorsprung, der etwa einem Lernjahr entspricht. Dieser Befund zeigt sich ebenfalls – mit wenigen Modifikationen – für den Kompetenzbereich der „Naturwissenschaften.“ (S. 22)
  3. Nach wie vor gibt es eine gesellschaftlich ins Gewicht fallende „Risikogruppe“, die durch geringe (11 Prozent) bzw. sehr geringe (4 Prozent) Leistungen, insbesondere im Lesen (Ergebnisse zum Lesen aus IGLU 2011 wurden hier mit in Rechnung gestellt) auffallen. In Mathematik befinden sich auf der untersten Ebene, auf der nur über rudimentäres Wissen verfügt wird, allerdings nur 3 Prozent.

Diskussion

Zusammen mit den ebenfalls im Jahre 2012 im gleichen Verlag veröffentlichten Ergebnissen der jüngsten internationalen Vergleichsstudie von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe hinsichtlich Lesekompetenzen (IGLU 2011; Bos, Tarelli, Bremerich-Vos & Schwippert, 2012) – für Deutschland dieselbe Stichprobe – sowie des IQB-Ländervergleichs 2011 der Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik (Stanat, Pant, Böhme & Richter, 2012) haben wir für hiesige Schülerinnen und Schülern an der Schlüsselstelle zur (nach wie vor Richtung weisenden) Sekundarstufe I eine breite und aktuelle Bestandsaufaufnahme der Kernkompetenzen und von sie beeinflussenden Faktoren. Die Kenntnis aller drei Studien scheint mir unverzichtbar, will man sich in diesem Lande zu Bildungsfragen kompetent und mit Anspruch darauf gehört zu werden äußern.

Fazit

Das hier zu rezensierende Buch gehört daher in mindestens einem Exemplar in die Bibliothek jeder Ausbildungsstätte für Soziale Arbeit und mindestens ein weiteres Mal, wenn an der entsprechenden Hochschuleinheit zumindest ein speziell Bildungsfragen gewidmeter Studiengange vorhanden ist.

Ergänzende Literaturnachweise

  • Wilfried Bos, W., Irmela Tarelli, I., Albert Bremerich-Vos, A., Knut Schwippert, K. (Hrsg.) (2011). IGLU 2011. Lesekompetenzen von Grundschülern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster – New York – München – Berlin: Waxmann. (Vgl. die Rezension)
  • Stanat, P,, Pant, H. A., Böhme, K., Richter, D. (Hrsg.) (2012). Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik. Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2011. Münster – New York – München – Berlin: Waxmann. (Vgl. die Rezension)
  • Heekerens, H.-P. (2010). Familiärer Hintergrund und schulischer Erfolg. Neue Praxis, 2010, 40, 422-439.
  • Heekerens, H.-P. (2011). Die Frage der Bildungsgerechtigkeit bleibt auf der Tagesordnung. Neue Praxis, 2011, 41, 526-543

Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 13.03.2013 zu: Wilfried Bos, Heike Wendt, Olaf Köller, Christoph Selter (Hrsg.): TIMSS 2011 Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2012. ISBN 978-3-8309-2814-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14539.php, Datum des Zugriffs 21.07.2019.


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