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Petra Stanat, Hans Anand Pant u.a. (Hrsg.): Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern [...]

Cover Petra Stanat, Hans Anand Pant, Katrin Böhme, Dirk Richter (Hrsg.): Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik. Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2011. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2012. 300 Seiten. ISBN 978-3-8309-2777-8. D: 32,90 EUR, A: 33,90 EUR.
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Thema

Mit dem vorliegenden Ländervergleich für den Primarbereich veröffentlicht das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin zum zweiten Mal einen Bericht zur Überprüfung der Bildungsstandards, die seit 2004 eingeführt wurden, und zum ersten Mal einen für den Primarbereich; dort gibt es Bildungsstandards für die Fächer Deutsch und Mathematik in der vierten Jahrgangsstufe.

Herausgeber und Autoren

Neben den vier Herausgebern kommen in den einzelnen Kapiteln des Sammelwerkes eine ganze Reihe weiterer Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bildungsforschung als Autoren zu Wort. Die beiden ersten Herausgeber sind die Direktoren, die zwei anderen Wissenschaftliche Mitarbeiter des IQB.

Entstehungshintergrund

Mit dem vorliegenden Vergleich veröffentlicht das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zum zweiten Mal einen Bericht zur Überprüfung der Bildungsstandards. Diese Ländervergleiche, die an die Stelle der früheren für die Bundesländer vorgenommenen Sonderauswertungen internationaler Vergleichsstudien ((PISA-E und IGLU-E) getreten sind, bilden neben den internationalen Schulleistungsstudien PISA, IGLU und TIMSS einen bundesweiten Bezugsrahmen für das Bildungsmonitoring.

Das IQB hat den Auftrag, zu den bundesweiten Bildungsstandards empirisch fundierte Kompetenzstufenmodelle zu entwickeln, die Auskunft darüber geben, wie groß die Anteile der Schülerinnen und Schüler sind, die die Standards erreichen oder verfehlen. Die zentrale Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards in Ländervergleichen hat mehrere Ziele: Sie soll für mehr Transparenz und eine größere Objektivität sorgen, einheitliche Leistungen in allen Ländern sicherstellen, die Rechenschaftslegung im Bildungsbereich verbessern und Anhaltspunkte dafür liefern, an welchen Stellen das Bildungswesen und der Unterricht weiterzuentwickeln sind.

Aufbau

Das Buch besteht nach einem zweiseitigen Vorwort des derzeitigen Präsidenten der Kultusministerkonferenz, der den Kontext des Buches erläutert, finden sich, ohne dass es irgendwelche „Anhänge“ in gäbe, 13 auf einander aufbauende, in sich abgeschlossene und jeweils mit eigenem Literaturverzeichnis versehene Kapitel.

  1. Die länderübergreifenden Bildungsstandards in Deutschland
  2. Die im Ländervergleich 2011 in den Fächern Deutsch und Mathematik untersuchten Kompetenzen
  3. Kompetenzstufenmodelle für den Primarbereich
  4. Anlage und Durchführung des Ländervergleichs
  5. Ländervergleich der in den Fächern Deutsch und Mathematik erzielten Kompetenzstände
  6. Der Blick in die Länder
  7. Geschlechtsbezogene Disparitäten
  8. Soziale Disparitäten
  9. Zuwanderungsbezogene Disparitäten
  10. Aspekte der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften in der Primarstufe
  11. Sprach- und Leseförderung
  12. Testdesign und Auswertung des Ländervergleichs: technische Grundlagen
  13. IQB-Ländervergleich 2011: Zusammenfassung und Einordnung der Befunde

Inhalt

Der Inhalt des Buches ist mit den Überschriften seiner 13 Kapitel hinreichend charakterisiert. Eine gedrängte, aber dennoch gut lesbare Zusammenfassung der Ergebnisse – freilich ohne Darstellung ihrer Produktion – bietet das Abschlusskapitel. Von diesen seien nachfolgend die drei genannt, die für Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit am wichtigsten sein dürften:

  1. Gegenüber vergleichbaren Studien früherer Jahre gibt es keine wirklich bedeutsamen (Kompetenz-)Veränderungen; was – angesichts der Ergebnisse von PISA 2009 formuliert – für die Soziale Arbeit heißt: „Die Frage der Bildungsgerechtigkeit bleibt auf der Tagesordnung“ (Heekerens, 2011).
  2. Die Kompetenzen hängen, wie das alle einschlägigen Analysen zuvor gezeigt haben (vgl. Heekerens, 2010a), in substanzieller Weise vom familiären Hintergrund ab – was im Übrigen auch einen Großteil des Negativeffekts von „Migrationshintergrund“ klärt.
  3. Nach wie vor gibt es eine gesellschaftlich ins Gewicht fallende, in Berlin, Bremen und Hamburg die 20 Prozent-Marke übersteigende „Risikogruppe“, die die Mindeststandards verfehlen; hier Abhilfe oder zumindest bedeutsame Milderung zu schaffen, gelingt hierzulande bislang weder der Grundschule noch der vorschulischen Bildungsarbeit (vgl. Heekerens, 2010b).

Diskussion

Zusammen mit den ebenfalls im Jahre 2012 im gleichen Verlag veröffentlichten Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe hinsichtlich Lese- (IGLU 2011; Bos, Tarelli, Bremerich-Vos & Schwippert, 2012) sowie mathematischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen (TIMSS 2011; Bos, Wendt, Köhler & Selter, 2012) – für Deutschland dieselbe Stichprobe – haben wir für hiesige Schülerinnen und Schülern an der Schlüsselstelle zur (nach wie vor Richtung weisenden) Sekundarstufe I eine breite und aktuelle Bestandsaufaufnahme der Kernkompetenzen und von sie beeinflussenden Faktoren. Die Kenntnis aller drei Studien scheint mir unverzichtbar, will man sich in diesem Lande zu Bildungsfragen kompetent und mit Anspruch darauf gehört zu werden äußern.

Fazit

Das hier zu rezensierende Buch gehört daher in mindestens einem Exemplar in die Bibliothek jeder Ausbildungsstätte für Soziale Arbeit und mindestens ein weiteres Mal, wenn an der entsprechenden Hochschuleinheit zumindest ein speziell Bildungsfragen gewidmeter Studiengange vorhanden ist.

Ergänzende Literaturnachweise

  • Bos, W., Tarelli, I., Bremerich-Vos, A. & Schwippert, K. (Hrsg.) (2012). IGLU 2011. Lesekompetenzen von Grundschülern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster – New York – München – Berlin: Waxmann. (Vgl. die Rezension)
  • Bos, W., Wendt, H., Köller, O. & Selter, C. (Hrsg.) (2012). TIMSS 2011. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Grundschülern in Deutschland im internationalen Vergleich. Münster – New York – München – Berlin: Waxmann. (Vgl. die Rezension)
  • Heekerens, H.-P. (2010a). Familiärer Hintergrund und schulischer Erfolg. Neue Praxis, 2010, 40, 422-439.
  • Heekerens, H.-P. (2010b). Die Auswirkung frühkindlicher Bildung auf Schulerfolg – eine methodenkritische Bestandsaufnahme. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 2010, 30, 311-325.
  • Heekerens, H.-P. (2011). Die Frage der Bildungsgerechtigkeit bleibt auf der Tagesordnung. Neue Praxis, 2011, 41, 526-543

Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 13.03.2013 zu: Petra Stanat, Hans Anand Pant, Katrin Böhme, Dirk Richter (Hrsg.): Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik. Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs 2011. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2012. ISBN 978-3-8309-2777-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14540.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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