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Herbert Rebscher, Stefan Kaufmann (Hrsg.): Effizienzmanagement in Gesundheitssystemen

Cover Herbert Rebscher, Stefan Kaufmann (Hrsg.): Effizienzmanagement in Gesundheitssystemen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2012. 467 Seiten. ISBN 978-3-86216-098-3. 59,95 EUR.

Reihe: Gesundheitsmarkt in der Praxis - Band 4.
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Thema

Angesichts der seit Jahrzehnten steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind Ideen zur Leistungssteigerung ebenso willkommen wie Konzepte, Methoden und Instrumente, die einen Effizienzgewinn in den verschiedenen Bereichen der stationären und ambulanten Versorgung versprechen. Maßnahmen wurden bislang sowohl im System der Gesundheitsversorgung an sich, wie in den einzelnen Institutionen vorgeschlagen, bis jetzt allerdings ohne großen Erfolg.

Entstehungshintergrund

In regelmäßigen Abständen führt die Deutsch-Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik »Konsultationen« zu wesentlichen Themen des Gesundheitswesens durch. Im vergangenen Jahr stand die Tagung ganz im Zeichen des Effizienzmanagements, der diesbezügliche Band ist nunmehr erschienen.

Herausgeber

Prof. Dr. Herbert Rebscher ist Vorsitzender des Vorstandes der DAK und Professor für Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik an der Universität in Bayreuth. Er ist zudem Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik.

Stefan Kaufmann ist stellvertretender Direktor der EGK-Gesundheitskasse und in führender Position sowohl bei der Swiss DRG AG als auch in anderen Institutionen des Gesundheitswesens.

Aufbau und Inhalte

Das Buch ist in zehn Abschnitte gegliedert und enthält insgesamt 26 Beiträge.

  1. Eine Einführung in Effizienzmanagement im Gesundheitssystem erfolgt durch Herbert Rebscher.
  2. Methodische und ökonomische Grundlagen referieren dann im zweiten Abschnitt Volker Ullrich, der sich dem Effizienzbegriff im gesundheitsökonomischen Diskurs widmet, sowie Willi Oggier, der »relevante Zielkriterien für die Effizienzmessung im Versorgungsprozess« am Fallbeispiel Schweiz analysiert.
  3. Politische und aufsichtsrechtliche Erwartungen werden im dritten Kapitel dargelegt. Rolf Koscherreck, Abgeordneter im Deutschen Bundestag und selbst Mediziner, erläutert, was die Politik von einer »effizienten Versorgung« erwartet. Die gleiche Frage beantwortet Carlo Conti, Vizepräsident des Regierungsrates des Kantons Basel-Stadt, für die Schweiz. Werner Zach und Lothar Günthert berichten zu der Frage »Wie können Prüfroutinen der Aufsichtsbehörden Effizienz fördern?«
  4. Im vierten Abschnitt stehen Patientenerwartungen und Informationsbedürfnis im Vordergrund. Hans-Jürgen Müller referiert zunächst zu »Versorgungseffizienz und Patientensicherheit«. Im Anschluss daran beschreibt Felix Schneuwly »Effizienzsteigerungen durch Wahlfreiheit auf der Basis gemessener- Kunden- bzw. Patientenzufriedenheit«.
  5. Zum Status quo der Effizienzmessung – Wirtschaftlichkeitsprüfungsroutinen enthält der Band einen »Überblick über die heutigen Methoden der Effizienzmessung und -prüfung in Deutschland« von Ulrike Elsner für Deutschland sowie von Stefan Kaufmann zu entsprechenden Methoden in der Schweiz.
  6. »Entwicklungsszenarien Versorgungseffizienz in den Sektoren« stehen im Mittelpunkt des sechsten Abschnitts. Nach dem auf Deutschland bezogenen Beitrag von Rainer Hess zu »Effizienzbeurteilung (Wirtschaftlichkeitsprüfung) in der ambulanten medizinischen Versorgung« gibt Markus Caminada einen entsprechenden Einblick für die Schweiz. »Zugänge zur Effizienzbeurteilung im stationären Sektor aus Sicht eines Universitätsklinikums« schildert im Anschluss daran Barbara Schulte für Deutschland, Zugänge zur Effizienzbeurteilung im stationären Bereich aus Sicht der Schweizer Krankenversicherer vermittelt im Anschluss daran Verena Nold Rebetez. Organisationsmodelle der akutnahen Rehabilitation am Beispiel der Clinika Hildebrand und dem Neurocentro della Svizzera Italiana skizzieren Gianni Roberto Rossi und Giovanni Rabito. Fabio Mario Conti beschreibt abschließend »Effiziente Steuerung der Versorgungskette aus Sicht der Rehabilitation« am Beispiel der gleichen Institution.
  7. Sektorenübergreifende Versorgungseffizienz – methodische und praktische Ansätze sind Gegenstand des siebten Abschnitts. Thomas Lucht und Bernhard Amshoff berichten dabei zunächst über »Sektorenübergreifendes Performance Measurement zur Beurteilung der Versorgungseffizienz«, Herbert Rebscher berichtet über »Matching-Verfahren zur Evaluation komplexer Versorgungszusammenhänge – das Propensity Score Matching Modell«. Viola Gent, Jan Helfrich, Christoph U. Herborn und Bernd Brüggenjürgen schildern die »Erfolgsbewertung von Versorgungskonzepten unter ökonomischen und qualitativen Gesichtspunkten am Beispiel der Integrierten Versorgung von Prostatakrebs-Patienten in der Martini-Klinik am UKE«.
  8. »Praxisbeispiele Versorgungseffizienz« sind das Thema des achten Kapitels. Zunächst beschreibt Manfred Manser »Ansätze zur Effizienzbewertung: netCare Versorgungsmodell«. Stefanie und Nikolaus Schumacher berichten unter »Make or buy« über Effizienzkriterien für unternehmensstrategische Entscheidungen im Versorgungsmanagement. Hans-Jürgen Wildau schildert »Effizienzpotenziale telemedizinischer Anwendungsprozesse aus Sicht des Herstellers«.
  9. Der Abschnitt »Effizienzsuche in der Praxis der Unternehmensberatung« wird eingeleitet von Michael Ollmann und Florian Schaudel mit einem Beitrag zu »Effizienz in Krankenkassen als soziale Herausforderung«. Karsten Neumann widmet sich der »Effizienz durch Prävention und in der Prävention – ein Beitrag zur Steigerung der Qualität und Senkung der Kosten«. Michael Krupp, Markus Peterseim und Christian Zischek schildern »Effizienz im Gesundheitswesen – Herausforderungen einer sektorenübergreifenden Betrachtungsweise«. Bent Lüngen und Niels Maderlechner betrachten unter »Alle Möglichkeiten nutzen« Effizienzsteigerungsprogramme für Krankenkassen.
  10. Das zehnte und abschließende Kapitel ist ein »Zwischenfazit der Effizienzsuche«. Rolf Stuppardt erstellt eine Bilanz zur bisherigen Effizienzorientierung in der Versorgungspraxis.

Diskussion

Der vorliegende Band der Deutsch-Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik ist aus mehreren Gründen ein sehr interessanter Beitrag zur Ökonomie im Gesundheitswesen. Die durchwegs fundierten und inhaltsreichen Beiträge der Autorinnen und Autoren schildern aus verschiedenen institutionellen Perspektiven Zugänge zur Frage der Effizienz in der Gesundheitsversorgung. Leserinnen und Leser erfahren dabei eine ganze Reihe von Fakten zu institutionellen Interessen und Gegebenheiten im Gesundheitswesen und in der Gesundheitspolitik. Sie lernen dabei gewissermaßen aus erster Hand kennen, wie die Sichtweisen auf ein und dieselbe Frage von ressourcenschonender Mittelverwendung in einem sehr komplexen System aussehen können. Zu erkennen ist dabei, dass es sich um eine Problemstellung handelt, die selbst bei unterschiedlichen bis divergierenden Sichtweisen doch gemeinsame Schnittstellen aufweist, Schritte zu mehr Effizienz in der Gesundheitsversorgung bei gleich bleibenden oder gar steigenden Qualitäten ebenso möglich sind, wie aber auch Grenzen der Effizienzmehrung wahrgenommen werden müssen. Eine Reihe von Fragen wurde in diesem Band sowohl aus deutscher wie aus schweizerischer Sicht angegangen. Dies mag auf den ersten Blick überflüssig sein, basieren diese Sichtweisen doch auf zumindest en detail unterschiedlichen politischen und versorgerischen Strukturen. Auf den zweiten Blick ist es jedoch ein hochinteressanter Zugang, im wahrsten Sinn des Wortes lernen wir doch dabei »grenzüberschreitend« andere Perspektiven kennen. Die Deutsch-Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik hat mit der vorliegenden Publikation einen wichtigen Beitrag zur Diskussion zur Kosten- und Leistungsproblematik im Gesundheitswesen geliefert, die Lektüre kann wärmstens Verantwortlichen der tragenden Institutionen des Gesundheitswesens ebenso empfohlen werden wie Wissenschaftlern und Studierenden aus dem Bereich Gesundheitsökonomie, Pflegewissenschaft und Medizin.

Fazit

Empfehlenswert für Wissenschaftler und Verantwortliche im Gesundheitswesen und im Pflegebereich.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 04.04.2013 zu: Herbert Rebscher, Stefan Kaufmann (Hrsg.): Effizienzmanagement in Gesundheitssystemen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2012. ISBN 978-3-86216-098-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14603.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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