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Harald Blonski: Beratung älterer Menschen

Rezensiert von Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers, 12.04.2013

Cover Harald Blonski: Beratung älterer Menschen ISBN 978-3-86321-101-1

Harald Blonski: Beratung älterer Menschen. Methoden – Konzepte – Erfahrungen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2013. 288 Seiten. ISBN 978-3-86321-101-1. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 38,90 sFr.
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Thema

Der Band beschäftigt sich sowohl aus theoretischer wie aus praktischer Perspektive mit Grundlagen, Modellen und Themen der Beratung von Menschen im dritten und vierten Lebensalter.

Aufbau und Inhalt

Harald Blonski führt in der Einleitung an die beiden grundlegenden Begriffe dieses Buches, Beratung und ältere Menschen, sowohl aus der Beratungsliteratur als auch aus der gerontologischen Fachliteratur heran. Es folgt ein kurzer Überblick über Beratung älterer Menschen allgemein, über Beratungsanlässe sowie über die Beiträge des Buches.

Erich Schützendorf veranschaulicht im Beitrag Abbau ist nicht nur Verlust anhand eines Fallbeispiels aus der Beratung eines „jungen Alten“ zum Umgang mit seiner hochaltrigen, demenzerkrankten Mutter die Herausforderung der Bewahrung von Autonomie und Würde vor dem Hintergrund von Expertenmeinungen über das „richtige“ Altern. Zahlreiche Beispiele aus dem Pflegealltag sowie Statements zum Altern an sich, die den Klient im Fallbeispiel provozieren und zum Nachdenken anregen, führen schließlich zum Fazit „Ein Berater kann zum Nachdenken anregen. Mehr nicht.“ (39).

Fred Karl gibt in Altenberatung und Altersdifferenz einen kurzen Einblick in die Entwicklung der Altenberatung seit den 1980er Jahren, in Nutzergruppen, Beratungsanlässe und Modellprojekte, ferner stellt er eine Typologie der Berater hinsichtlich des Umgangs mit der Altersdifferenz vor.

Harald Blonski skizziert in Der Personzentrierte Ansatz (PZA) in der Beratung älterer Menschen die anthropologischen Komponenten des PZA, das Weltbild und das Persönlichkeitsmodell Carl Rogers, und widmet sich ferner der Beziehung zwischen Berater und Klient im Personzentrierten Ansatz. Einige gerontologische bzw. entwicklungspsychologische Konzepte zur Zielgruppe „ältere Menschen“ und Überlegungen zum Beratungsprozess, den Fähigkeiten und Einstellungen des Beraters runden den Beitrag ab.

Anita Hermsen ermöglicht in „Für mehr Lebensqualität im Alter!“ Seniorennahe Beratung am Beispiel der Heinrich und Rita Laumann Stiftung einen detaillierten Einblick in die Praxis der „Seniorenberatung und Palliativnetz Sendenhorst“, die neben der eigentlichen Seniorenberatung und verschiedenen palliativen Angeboten u.a. auch die Arbeitsfelder Demenzsprechstunde, einen Ehrenamtlichen Besuchsdienst und Pflegekurse beinhaltet.

Günter Plöger und Gudrun Weihermann geben in Interviewform Auskunft über Das Zentrale Beratungstelefon für Senioren und Menschen mit Behinderung: „Bitte rufen Sie uns an. Wir wissen weiter.“ Kurz und knapp werden Angebotsstruktur, Nutzer, Kooperationspartner und Beratungsformen des Beratungstelefons der Stadt Köln geschildert.

Ralf Tebest und Stephanie Stock führen in das Thema Beratung älterer und hilfebedürftiger Menschen in Deutschland – Status quo und Ausblick in die Zukunft mit einem ausführlichen Überblick über die Beratungsinfrastruktur entsprechend der verschiedenen Sozialgesetzbücher ein, und geben einen Einblick in die bisher kaum erforschten Daten zu Nachfragern und Themen der Beratung. Sie formulieren fünf Anforderungen an die Beratungsinfrastruktur, anhand derer sie derzeitige Beratungsangebote beurteilen, und stellen abschließend drei Versorgungsansätze vor (Quartiersansätze, Pflegestützpunkte, Guided Care Modell), die ihrer Meinung nach die derzeitigen Beratungsangebote für ältere Menschen weiterentwickeln können.

Marianne Golmann beschreibt in dem Beitrag Wissen hilft Handeln. Gerontopsychiatrische Beratung als Unterstützung psychisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen die Arbeit der Beratungsstelle ambet in Braunschweig, die sich auf Beratung zu Demenzen spezialisiert hat. Neben einem Überblick über Demenzen und die Situation von Angehörigen gibt sie einen Einblick in Themen der psychosozialen Beratung. Drei Fallbeispiele beenden den Beitrag.

Christiane Schrader und Robert Bolz differenzieren im Beitrag Sexualberatung im Alter zuerst zwischen der Psycho-Sexualität der Frau und der des Mannes im Alter, bevor sie sich dem Thema Sexualität und Partnerschaft im Alter zuwenden. Die folgenden Abschnitte zu Problemfeldern in der Sexual- und Partnerschaftsberatung Älterer und zur Beratungspraxis beziehen sich auf die Erfahrungen der Verfasser/innen aus ihrer Beratungspraxis bei pro familia.

Kerstin Ritz erläutert in Schlecht ernährt im Alter die verschiedenen Formen von Mangelernährung und Mangelversorgung, Ursachen und Assessmentinstrumente, ergänzt von Therapiemöglichkeiten, Anforderungen an altersgerechte Ernährung und Zubereitungsformen von Lebensmitteln.

Helena Sieniawski leitet im Beitrag Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit im höheren Lebensalter – Beratungs- und Behandlungsansätze in der ambulanten Suchthilfe kurz und knapp durch einige Fakten der Abhängigkeitserkrankungen, die Kriterien der Suchterkrankungen nach ICD-10 und die Risikofaktoren für eine Abhängigkeitserkrankung im Alter. Der Abschnitt zur Behandlung befasst sich u.a. mit dem Aufbau der Behandlung, möglichen Herausforderungen in der Therapiebeziehung, Therapieplanung, Rückfallprophylaxe und Unterstützung der Angehörigen.

Simone Weinke stellt im Beitrag Altersarmut – Herausforderungen für die soziale Schuldnerberatung die Hintergründe von Ver- und Überschuldung insbesondere im Alter, die Schuldnerberatung und verschiedene Lösungsansätze für die Bewältigung der Überschuldung dar. Ein Fallbeispiel einer überschuldeten Rentnerin und Empfehlungen zur Vermeidung von Verschuldung gerade bei knappen Einkommensverhältnissen im Alter ergänzen den Überblick.

Katrin Hodler skizziert im Beitrag Sicher und selbstbestimmt zu Hause alt werden kurz und knapp die Möglichkeiten von Wohnberatung und Wohnungsanpassung für hilfs- und pflegebedürftige Menschen.

Anja Möwisch zeigt in Rechtsgrundlagen und Gestaltungsperspektiven individueller Wohn- und Lebensräume älterer Menschen die Voraussetzungen für Leistungen aus der Pflegeversicherung, die Arten der Unterstützungsleistung und die vorhandenen Wohnangebote für ältere Menschen auf, und gibt schließlich einen Ausblick auf mögliche neue Wege der Leistungsanbieter hinsichtlich Wohnen bei Pflegebedürftigkeit.

Sven Quittkat legt in Aspekte pastoraler und kirchengemeindlicher Begleitung und Beratung älterer Menschen die Position der (evangelischen) Kirche in der Seniorenarbeit vor dem Hintergrund des demographischen Wandels dar, und lässt dabei auch die Schwierigkeiten „der Kirche“ mit den vielfältiger gewordenen Lebensentwürfen des Alters nicht aus. Abschließend zeigt er zukünftige kirchlicher Aufgaben in Gemeinwesen, Diakonie und pastoraler Begleitung auf.

Diskussion

Ein inhaltlich breit gefächerter Band, dessen Qualität insgesamt gut, wenn auch aufgrund der Vielfalt an Verfasser im Detail unterschiedlich zu beurteilen ist. Insbesondere die Beiträge aus der Praxis zeigen in der Regel einen sehr anschaulichen, oftmals auch theoretisch gut fundierten Einblick in die aktuellen Tätigkeitsfelder der Beratung älterer Menschen.

Die Beiträge von Karl und Blonski zur Altenberatung und zum Personzentrierten Ansatz liefern zu Beginn komprimiert einige theoretische Aspekte zu einem allgemeinen Verständnis der Beratung älterer Menschen.

Ausgewogen die Beiträge über Sexualberatung (Schrader & Bolz), gerontopsychiatrische Beratung (Golmann), Schuldnerberatung (Weinke), ausführlich und gut strukturiert der Beitrag zur Beratung hilfs- und pflegebedürftiger Menschen (Tebest & Stock), anschaulich die Institutionsbeschreibung von Hermsen, die Selbstreflexion der Berater anregend der Beitrag über Abbau im Alter von Schützendorf, kritisch die (pastorale) Beraterrolle hinterfragend der Beitrag von Quittkat.

Die Darstellung des Beitrags von Plöger & Weihermann zum Beratungstelefon als Interview wirkt im Vergleich zu den restlichen Beiträgen etwas einfach, die wichtigsten Informationen sind jedoch vorhanden, der Beitrag von Sieniawski über Abhängigkeit ist informativ, aber etwas unübersichtlich. Bei den Beiträgen zur Wohnungsanpassung (Hodler) wie zur Ernährungsberatung (Ritz) geht die Tätigkeit der Beratung (insbesondere des psychosozialen Aspekts) im Verhältnis zum Faktenwissen dagegen etwas unter. Auch in dem wichtigen und insgesamt faktenreichen Beitrag von Möwisch über die Rechtsgrundlagen wäre eine kurze (kritische) Auseinandersetzung mit der psychosozialen Komponente rund um Pflegeeinstufung und Pflegeberatung wünschenswert gewesen.

Das Buch ist unabhängig von den genannten Kritikpunkten eine Bereicherung der Literatur zur Beratung, da es das Feld der Seniorenberatung breit aufspannt. Beratung Älterer muss, wie im Beitrag von Karl angeführt, die Altersdifferenz berücksichtigen – sowohl innerhalb der Zielgruppe als auch die zumeist noch viel größere zwischen Berater und Klient. Beiden Aspekten wird insgesamt entsprochen. Wünschenswert wäre, wenn die im Beitrag von Blonski klar geforderte Orientierung der Berater am Personzentrierten Ansatz nach Rogers auch in den Beiträgen offensichtlich würde, was bei einigen explizit, bei einigen implizit der Fall ist, während sie in manchen Beiträgen nicht deutlich wird.

Fazit

Ein guter Übersichtsband über das Spektrum der Beratung älterer Menschen mit ausführlichem Hintergrundwissen und zahlreichen anschaulichen Modellen aus der Praxis.

Rezension von
Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers
Gerontologin (M.Sc.), Dipl.-Pädagogin & Coach
CommuniCare. Kommunikation im Gesundheitswesen, Göttingen
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Es gibt 34 Rezensionen von Bettina Wichers.

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Zitiervorschlag
Bettina Wichers. Rezension vom 12.04.2013 zu: Harald Blonski: Beratung älterer Menschen. Methoden – Konzepte – Erfahrungen. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2013. ISBN 978-3-86321-101-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14640.php, Datum des Zugriffs 16.05.2022.


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