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Marianne Meinhold, Christian Matul: Qualitätsmanagement aus der Sicht von [...]

Cover Marianne Meinhold, Christian Matul: Qualitätsmanagement aus der Sicht von Sozialarbeit und Ökonomie. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 145 Seiten. ISBN 978-3-8329-0207-0. 19,80 EUR, CH: 34,90 sFr.

Reihe: Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft.
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Thema und Autoren

Im Rahmen des Studienkurses Management in der Sozialwirtschaft, Nomos-Verlag, haben die Psychologin Marianne Meinhold und der Ökonom Christian Matul einen wichtigen Beitrag zur Normalisierung der Qualitätsmanagementdiskussion geleistet. Beide Autoren zeichnen sich durch eine Vielzahl von Publikationen als ausgewiesene Kenner verschiedener sozial(arbeiterisch)er Arbeitsfelder aus. Mit ihrem neuesten Werk: Qualitätsmanagement aus der Sicht von Sozialarbeit und Ökonomie wagen sie einen Spagat zwischen den (vermeintlich) unversöhnlichen Ansprüchen von Ökonomen und Sozialarbeitern.

Multiperspektivischer Ansatz mit fünf Ebenen

Die Autoren wählen einen multiperspektivischen Ansatz, der die Ebenen zwischen sozialarbeiterischem Handeln und ökonomischem Kalkül in insgesamt fünf Ebenen auffächert:

  1. die Ausführungsebene der Fachkräfte, die von anwaltschaftlichem Handeln und der Forderung nach professionellen Standards geprägt ist
  2. die politische Entscheidungsebene, die vor allem Qualitätsmanagement einfordert,
  3. der Ebene der KundInnenbeziehungen, wobei der Begriff Kunde im ökonomischen Sinn den Klienten im sozialen Sinn zwar nur unzureichend wiedergibt, aber neue Perspektiven eröffnet wie bsw. die der Servicequalität,
  4. der betrieblichen Ebene, die von zielorientiertem Handeln und Suchen nach Effektivität und Effizienz geprägt ist und schließlich
  5. der volkswirtschaftlichen Ebene, auf der über Grundprinzipien der Verteilung und Effizienz im gesamtwirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Sinn entschieden wird.

Diese fünf Ebenen mit ihren unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Anforderungen an Qualität verbinden die Autoren überzeugend mit Hilfe eines Kreislaufkonzeptes, das die Ebene der Sozialarbeit (Mikroqualität) mit der betrieblichen Ebene (Mesoqualität) durch einen Austausch- und Aushandlungsprozess mit der Politischen Ebene (Makroqualität) zusammenführt. Dies geschieht auf allen Ebenen mit Hilfe eines zielorientierten Vorgehens:

  • Assessment,
  • Zielfestlegung,
  • inhaltlicher Planung,
  • Ressourcenplanung
  • und nachfolgender Umsetzung und Evaluierung.

Trotz unterschiedlicher Herangehensweise und begrifflicher Abgrenzung zeigt sich, dass ökonomische und soziale Betrachtungsweise nicht wenige Gemeinsamkeiten haben. Erst die unterschiedlichen Sichtweisen leuchten ein gemeinsames Handlungsfeld aus, so dass der mehrdimensionale Steuerungsansatz des Qualitätsmanagements, dem weiten Feld sozialarbeiterischen Handelns gerecht wird. Vor diesem Hintergrund lassen sich Aktivitäten des Qualitätsmanagements wie Leitbild- und Qualitätshandbucherstellung viel leichter herleiten und einordnen. Die Autoren geben eine Fülle von praktischen Beispielen, die nicht theoretisch anspruchsvoll sondern immer auch praktisch gut nach vollziehbar sind. Dies gilt auch für die konsequent erst zum Schluss präsentierten Ansätze des Qualitätsmanagements, die ISO-Zertifizierung, die EFQM-Selbstevalution und den ServAs-Ansatz, die sie mit wenigen Darstellungen sehr übersichtlich darstellen, aber nichts desto weniger auch einer kritischen Betrachtung unterziehen.

Diskussion

Meinhold und Matul kritisieren den meist fehlenden (betriebswirtschaftlichen) Ertrag einer Zertifizierung. In Verbindung mit dem typisch betriebswirtschaftlichen Ansatz eines Kosten-Nutzen-Kalküls sollte bei allen Anstrengungen des Qualitätsmanagements auch berücksichtigt werden, dass die hervorgerufenen Kosten keineswegs immer auch den Ertrag der Einrichtung vergrößern. Überwiegen die Kosten, werden dem Klientel zunächst einmal erst Ressourcen entzogen. Das mag durch Qualitätsverbesserungen wieder aufgefangen werden. Monetär werden aber Qualitätsanstrengungen gerade von politischer Seite nur selten durch höhere Preise "belohnt".

Fazit

Der Optimismus der Autoren, Qualität müsse (und könne) zwischen Fachkräften, Einrichtung und politischer Ebene ausgehandelt werden, lässt sich wohl kaum auf alle Handlungsfelder der Sozialarbeit übertragen. In Zukunft dürften es immer weniger werden. Das vorliegende Buch hilft mit vielen praktischen Beispielen das Zusammenspiel der Ebenen mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Werten besser zu verstehen und einzuordnen.


Rezensent
Prof. Dr. Georg Kortendieck
Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbuettel, Fachbereich Sozialwesen


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Zitiervorschlag
Georg Kortendieck. Rezension vom 02.03.2004 zu: Marianne Meinhold, Christian Matul: Qualitätsmanagement aus der Sicht von Sozialarbeit und Ökonomie. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. ISBN 978-3-8329-0207-0. Reihe: Studienkurs Management in der Sozialwirtschaft. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1468.php, Datum des Zugriffs 28.05.2018.


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