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Dieter Ebert, Thomas Fangmeier u.a.: Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen

Cover Dieter Ebert, Thomas Fangmeier, Andrea Lichtblau, Julia Peters: Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen. Das Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2013. 146 Seiten. ISBN 978-3-8017-2501-3. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 66,90 sFr.

Weitere Autoren: Monica Biscaldi-Schäfer, Ludger Tebartz van Elst.
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Thema

Die Zahl der Diagnosen von Erwachsenen aus dem Autismus Spektrum nimmt zu. FASTER steht für Freiburger Asperger Spezifische Therapie für Erwachsene. Es kann sowohl in Gruppen aber auch in der Einzeltherapie eingesetzt werden.

Das Buch beinhaltet umfassende Informationen für alle, die Erwachsene aus dem Autismus Spektrum Störung therapeutisch begleiten. Es wurde aus der klinische Praxis heraus entwickelt und evaluiert.

Vorgestellt werden drei aufeinander aufbauende Module, die verschiedene Themen behandeln (z.B. allgemeine Psychoedukation, basale Informationen zur nonverbalen und verbalen Kommunikation sowie Rollenspiele zu unterschiedlichen, häufig als problematisch empfundenen Themenbereichen).

Ein besonderer Fokus wird darauf gelegt, Therapeuten die Besonderheiten erwachsener Personen mit Asperger-Syndrom näher zu bringen und die Unterschiede in der Kommunikation von so genannten neurotypischen (nicht autistischen) und autistischen Personen deutlich zu machen. 

Autorinnen und Autoren

Dieses Therapiemanual wurde in einer Freiburger Forschungsgruppe erstellt.

  • D. Eber ist Leiter der Hochschulambulanz und Sektion Forensik,  
  • T. Fangmeier ist Psychologe und seit 2007 im Asperger Projekt tätig,
  • A. Lichtblau ist Psychologin und seit 2010 selbstständig,
  • J. Peters ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und an der Fliedner Klinik in Berlin tätig,
  • M. Biscaldi-Schäfer ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberärztin in Freiburg,
  • L. Tebartz van Elst ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und stellvertretender Direktor in Freiburg und Studienleiter der Autismus-Studiengruppe.

Aufbau und Inhalt

Die in FALSTER vorgestellten Therapiestunden sind inhaltlich in sich geschlossen. Sie können als einzelne Therapieeinheiten genutzt werden,  wenn z.B. Schwierigkeiten nur punktuell bestehen oder  diese thematisch in einer Therapie anstehen. Es werden relevante Informationen, Anleitungen und Übungen vorgestellt, anhand derer die typischen Schwierigkeiten von Menschen mit Asperger-Syndrom effektiv und alltagsnah bearbeitet werden können.

Das Buch umfasst 4 Kapitel auf 143 Seiten. Eine CD Rom mit den Arbeitsmaterialien und Protokollbögen ist beigefügt.

Kapitel 1 Das Asperger-Syndrom befasst sich mit dem Krankheitsbild, der Geschichte und der klinischen Symptomatik.

Kapitel 2 geht auf Behandlungsansätze ein. Dabei werden medikamentöse Therapieoptionen, psychotherapeutische Verfahren und verhaltenstherapeutische Methoden betrachtet.

In Kapitel 3 werden die Eckpunkte der Konzeptentwicklung und die Entwicklung des Therapiekonzeptes FASTER beschrieben.  FASTER steht für Freiburger Asperger Spezifische Therapie für Erwachsene. Sie umfasst individuelle Ziele und Gruppenziele, Rahmenbedingungen und Angehörigenarbeit. Das FASTER Konzept ist eine evidenzbasierte psychotherapeutische Methode und erste empirische Befunde aufgezeigt.

Kapitel 4 beschreibt die Therapiebausteine und gibt eine Themenübersicht wie die Dauer der Gruppentherapie, die Anzahl der Sitzungen, Flexibilität, Diskussionen, aktuelle Probleme von Gruppenteilnehmern sowie über feste Bestandteile jeder Sitzung. Die Therapiebausteine beginnen mit einem Basismodul, dem folgt das Aufbaumodul und sie enden mit dem Vertiefungsmodul.

Literaturverzeichnis,

Anhang A: Arbeitsmaterialien,

Anhang B: Protokollbögen und

CD Rom machen das das Therapie-Manual komplett.

Diskussion

Das Interesse am Thema Autismus scheint zu explodieren. Vor allem rücken betroffene Erwachsene zunehmend in den Fokus. Lange Zeit gab es insgesamt nur wenig Material zur Unterstützung Betroffener. Mit der steigenden Zahl der Diagnosen steigt auch der Bedarf an Unterstützungsangeboten. FASTER beschäftigt sich intensiv mit den Unterschieden neurotypischer und autistischer Kommunikation und Interaktion. Ich teile die Ansicht, dass es enorm wichtig ist zu erkennen und zu wissen, dass Menschen aus dem autistischen Spektrum anders denken und deshalb zu anderen Schlussfolgerungen und Handlungen kommen als Neurotypische. Passgenaue Hilfestellung benötigt das Verstehen, ansonsten geht sie am Bedarf und an den Bedürfnissen des Individuums vorbei und hat wenig Aussicht in das Alltagshandeln integriert zu werden.

Autisten denken und schlussfolgern anders, d.h. autistisches Verhalten ist nicht abnorm, sondern eine Normvariante menschlichen Daseins. Die Grenzen zwischen Autismus und Nichtautismus sind fließend. Da kein Mensch einem anderen gleicht sind alle Menschen Normvarianten.

Fazit

Die Veröffentlichungen von Therapiemanuals und Trainingsmaterialien steigen stetig. Im Zeitraum von 2011 bis heute sind mindestens vier Bücher zum gleichen Thema erschienen. Diese sind aus der Erkenntnis gespeist, dass die Zahl an Menschen aus dem autistischen Spektrum höher ist als bisher angenommen. Im Buch wird eine Prävalenz von 1% angegeben. Als Beobachterin der „Szene“ finde ich es interessant, dass die einzelnen Autoren für sich den Anspruch formulieren, dass sie die Einzigen seien, die Materialien entwickeln. Ich frage mich, welche Intention diese Aussage hat und wem dieser Wettstreit dient?

Im Vergleich zu anderen Materialien sind die Themen in diesem Manual sehr verkürzt dargestellt. So umfasst z.B. das Thema Telefonieren nur eine Seite, was mitnichten ausreicht, um hier adäquate und praxisrelevante Hilfestellung zu geben.

Gut gefallen hat mir das Arbeitsmaterial mit den vorbereiteten Arbeitsbögen.

Insgesamt ist zu bemerken, dass die Zahl der Therapieplätze zu gering ist. Im Sinne der Betroffenen würde ich mir wünschen, dass die Wissenschaft neben der Entwicklung und Verbreitung therapeutischer Angebote daran mitwirkt, dass weitere Angebote, die einen niedrig schwelligen Zugang erlauben, entwickelt und bekannt macht wie Anne Häußler, die auf Grundlage des TEACCH Ansatz geeignetes Materialien entwickelt und publiziert hat.

Literatur

  • SOKO Autismus: Gruppenangebote zur Förderung SOzialer KOmpetenzen bei Menschen mit AUTISMUS. Erfahrungsbericht und Praxishilfen: Häussler, Happel, Tuckermann, Altgassen, Adl-Amini Verlag Modernes Lernen; Auflage: 2., Aufl. 2008


    Rezensentin
    Dipl.-Päd. Petra Steinborn
    Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
    Homepage www.abc-autismus.de
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    Zitiervorschlag
    Petra Steinborn. Rezension vom 23.04.2013 zu: Dieter Ebert, Thomas Fangmeier, Andrea Lichtblau, Julia Peters: Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen. Das Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2013. ISBN 978-3-8017-2501-3. Weitere Autoren: Monica Biscaldi-Schäfer, Ludger Tebartz van Elst. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14682.php, Datum des Zugriffs 16.02.2019.


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ISSN 2190-9245

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