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Susanne Siebholz (Hrsg.): Prozesse sozialer Ungleichheit

Rezensiert von Mag. Andreas Paula, 18.06.2014

Cover Susanne Siebholz (Hrsg.): Prozesse sozialer Ungleichheit ISBN 978-3-531-18236-0

Susanne Siebholz (Hrsg.): Prozesse sozialer Ungleichheit. Bildung im Diskurs. Springer VS (Wiesbaden) 2013. 262 Seiten. ISBN 978-3-531-18236-0. 22,95 EUR.
Reihe: Studien zur Schul- und Bildungsforschung - Band 40.

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Entstehungshintergrund und Beitragende

Der vorliegende Sammelband, herausgegeben von fünf Expertinnen aus den einschlägigen Fachbereichen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, bzw. des Zentrums für Sozial- und Bildungsforschung Halle, Halle Deutschland enthält Beiträge von 22 AutorInnen aus Deutschland, Schweiz und Luxemburg zu den Themen Prozesse sozialer Ungleichheit und Bildungsverlauf sowie Migration und Ausbildung in allen Altersstufen.

Thema

Das Vorwort bringt den roten Faden des vorliegenden Sammelbandes – gewissermaßen die forschungsleitende Idee – auf den Punkt. Die Schaffung sozialer Ungleichheit wird als ein sich ständig erneuernder Prozess beschrieben. Dies markiert einen Kontrapunkt zu einer klassisch dualistischen wissenschaftlichen Betrachtungsweise, die entweder den Prozess oder die Struktur als Auslöser sozialer Ungleichheit betrachtet.

Die einzelnen Beiträge des Bandes stellen Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Problemfeldern, jeweils unter den Perspektiven der Prozesse zur Schaffung, zur Aufrechterhaltung bzw. zur Veränderung von sozialer Ungleichheit in unterschiedlichen Bildungskontexten dar. Sie resultieren aus einer internationalen Fachtagung unter dem Titel „(Re-)Produktion sozialer Ungleichheit“ der Hans Böckler Stiftung und des Zentrums für Schul- und Bildungsforschung.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband ist in vier große Themenbereiche, die für die Diskussion der Prozesse sozialer Ungleichheit bestimmend sind, gegliedert.

Im ersten Abschnitt wird der Fokus auf den Aspekt der Chronologie von Prozessen gelegt. Die zeitliche Dimension der Produktion von Ungleichheit zeigt sich deutlich an den Phasen der Übergänge von einem Status zu einem ihm folgenden. Die Beiträge gehen hier insbesonders auf Übergänge in bzw. zwischen Bildungsinstitutionen, auf die Rolle des Geschlechts für den Verlauf des Schuleintritts bzw. für Leistungen in der Zeit der Primarschule, auf den Einfluss der speziellen Situation von Heimkindern in Bezug auf die Schulfindung, auf den Stellenwert von Aufwärtsqualifizierungen bei Hauptschülern im Rahmen ihrer Biografie und auf die Übergänge vom Bachelor- zum Masterstudium.

Der zweite Abschnitt ist dem Aspekt der Migration, die besonders am Übergang in die Berufswelt eine wesentliche Rolle spielen kann gewidmet. Die AutorInnen greifen hier folgende Themenbereiche auf: Welche Rolle spielen institutionelle Mechanismen bei der (Re-)Produktion von Ausbildungslosigkeit? Warum sind die Übergangschancen in Ausbildung bei Aussiedlern schlechter? Und schließlich wird die Bildungsorientierung von Jugendlichen mit vietnamesischem Migrationshintergrund beleuchtet.

Der dritte Themenschwerpunkt nimmt die Rolle der Bildungsorte in den Blick. Der Diskussion des Einflusses der vor- und außerschulischen Bildung wird hier ein besonderer Stellenwert eingeräumt. So wird hier z.B. der Frage des Verhältnisses von Entwicklung in der Kindheit und sozialer Ungleichheit nachgegangen. Die schulischen Anerkennungsverhältnisse zwischen 13-Jährigen, ihren Eltern und dem sozialen Umfeld im Zusammenhang mit dem Entstehen von sozialer Ungleichheit wird in einem weiteren Beitrag beleuchtet. Die Rolle des Materiellen, die Chancengleichheit im Kindergarten sowie zivilgesellschaftliches Engagement für Schüler in Japan sind weitere Perspektiven auf die der inhaltliche Scheinwerfer gelegt wird.

Der vierte Abschnitt dieser Publikation verlässt nun die wissenschaftliche Diskussion praxisorientierter Fallbeispiele und versucht die Prozesse sozialer Ungleichheit diskursanalytisch einzuholen. Die Texte des Abschnittes „Diskurse“ verbindet das Anliegen sich über den Diskurs an die soziale Realität anzunähern, wobei klar wird, dass diese selbst ein Produkt diskursiver Prozesse ist.

Diskussion und Fazit

Abschließend ist zu bemerken, dass die Beiträge insgesamt den eingangs erwähnten Anspruch der Beschreibung dynamischer Prozesse zur Produktion, Erhaltung und Veränderung von sozialer Ungleichheit im Gesamtbild der Beitrage gut eingelöst wird. Gleichzeitig kann sich der Rezensent des Eindrucks nicht erwehren, dass die teilweise Verwendung einer stark am wissenschaftlichen Diskurs orientierten Sprache für Leser, die in der wissenschaftlichen Textrezeption nicht so geübt sind, das Verständnis der Text erschwert. Dem ist allerdings sehr positiv entgegenzuhalten, dass jeder der beschriebenen vier großen Themenbereiche von einem eigenen einleitenden Beitrag begonnen wird, in dem in das Thema eingeführt wird und die einzelnen Beiträge vorab dargestellt werden. Weiters ist jeder Beitrag mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis versehen ist, sodass insgesamt ein sehr umfassender Überblick der einschlägigen Literatur geboten wird.

Zusammengefasst heißt das, dass die Lektüre dieses Sammelbandes durchaus auch für alle Interessierten nur sehr empfohlen werden kann.

Rezension von
Mag. Andreas Paula
Personalmanagement & Personalentwicklung Die Wiener Volkshochschulen GmbH
Website

Es gibt 15 Rezensionen von Andreas Paula.

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Zitiervorschlag
Andreas Paula. Rezension vom 18.06.2014 zu: Susanne Siebholz (Hrsg.): Prozesse sozialer Ungleichheit. Bildung im Diskurs. Springer VS (Wiesbaden) 2013. ISBN 978-3-531-18236-0. Reihe: Studien zur Schul- und Bildungsforschung - Band 40. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14706.php, Datum des Zugriffs 04.03.2024.


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