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Jutta Rump, Norbert Walter (Hrsg.): Arbeitswelt 2030

Rezensiert von Maria Wolf, 07.01.2014

Cover Jutta Rump, Norbert Walter (Hrsg.): Arbeitswelt 2030 ISBN 978-3-7910-3275-7

Jutta Rump, Norbert Walter (Hrsg.): Arbeitswelt 2030. Trends, Prognosen, Gestaltungsmöglichkeiten. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2013. 200 Seiten. ISBN 978-3-7910-3275-7. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 41,00 sFr.

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Thema

Der Wandel der deutschen Arbeitswelt wird maßgeblich durch demografische Veränderungen sowie technische, ökonomische und gesellschaftliche Trends beeinflusst. Um das System Arbeit unter diesen Bedingungen nachhaltig aufrechtzuerhalten, bedarf es Anpassungen auf politischer, rechtlicher und betrieblicher Ebene sowie von Seiten der Sozialpartner. Aus wirtschaftsliberaler Sicht müssen dabei die Fragen der Sicherung des Arbeitsangebots sowie der konstanten Beitragssätze und der Lastenverteilung zwischen den Generationen im Vordergrund stehen.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Veröffentlichung stellt den Bericht einer von der Robert Bosch Stiftung einberufenen Expertenkommission zur „Zukunft der Arbeitswelt“ dar. Zu den Mitglieder der Kommission gehören Professorinnen und Professoren von Wirtschaftshochschulen, zum Teil mit Hintergrund in der Privatwirtschaft, und Entscheidungsträger der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Aufbau

Die Veröffentlichung gliedert sich in zwei Teile.

  1. Im ersten Teil werden Grundlagen zum Wandel der Arbeitswelt kompakt dargelegt, so dass gerade für fachfremde ein verständlicher Einblick in die Auswirkungen von demografischer Entwicklung, technische und ökonomische Trends (Schwerpunkt: Wissensgesellschaft und Globalisierung) und gesellschaftlichen Veränderungen gegeben wird.
  2. Der zweite, weit ausführlichere Teil, beleuchtet die gegenwärtige Situation und die Handlungsmöglichkeiten in den Feldern Arbeitsmarkt, Unternehmen, Sozialpartnerschaft, Bildung, Arbeitsrecht und soziale Sicherung.

Inhalt

Im ersten Teil des Buches, werden unter der Überschrift Zahlen, Daten, Fakten, Prognosen Stichpunkte zur demografischen Entwicklung und technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Trends geliefert. Dabei wird der demografische Wandel mit den Determinanten Fertilitätsrate, Lebenserwartung und Wanderungssaldo beschrieben und unter Zuhilfenahme von Grafiken veranschaulicht.

Zu den hier relevanten „Megatrends“ werden die Globalisierung, die Informations- und Kommunikationstechnologien, die Entwicklung zur Wissens- und Innovationsgesellschaft und die Rohstoffsituation incl. Energieversorgung gezählt. Auch hier werden nur Fakten zur gegenwärtigen Situation in den genannten Bereichen geliefert, sodass auf soziologisch-philosophische Erklärungsmodelle verzichtet werden kann und sich die spezifisch deutsche Wirtschafts- und Unternehmenstradition in den Ausführungen wiederfindet.

Der zweite Teil des Buches nimmt die gegenwärtige Arbeitswelt mit Blick auf das Jahr 2030 in den Fokus.

Im Kapitel Arbeitsmarkt werden verschiedene, aus den im ersten Teil dargelegten Trends hervorgehende Szenarien zur Entwicklung der Arbeitsauslastung bis zum Jahre 2030 eröffnet. Im einzelnen werden genannt:

  • das Szenario „Erwerbsbeteiligung“
  • das Szenario „Arbeitszeit“
  • das Szenario „Produktivität“

In all diesen Szenarien lassen sich verschiedene Handlungsmöglichkeiten zur Fachkräftesicherung ableiten. Bei einer geschickten Kombination der Szenarien, vor allem hinsichtlich der Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Verlängerung der Lebenserwerbszeit, lässt sich eine adäquate Fachkräftesicherung bis ins Jahr 2030 erreichen, die sozialen Effekte bleiben hierbei jedoch außen vor. Fazit: Es gibt unter den gegebenen Umständen keinen großen Spielraum über diesen Zeitraum hinaus.

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten in den Unternehmen. Hier wird unterschieden zwischen den Anforderungen an die Unternehmensorganisation und den Anforderungen an die Personalpolitik. In der Unternehmensorganisation wird mit neuen Arbeitsmodellen (z. B. variable Arbeitsbeziehungen, virtuelle Teams, Projekte, Open Innovation) operiert, dabei werden hier auch die Schwierigkeiten der neuen Strukturen beschrieben. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit in virtuellen und flexiblen Teams, die Vorgänge erschweren und verzögern kann. Die Ausführungen zur Personalpolitik drehen sich hierbei im wesentlichen um die Thematik einer alternden Belegschaft sowie die Betriebsbindung jüngerer Mitarbeiter, die ihre Karriereplanung parallel zu persönlich einschneidenden Lebensphasen bewältigen müssen.

Das Kapitel Sozialpartnerschaft wurde aus Sicht der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) geschrieben. Die hier benannten Herausforderungen können aber gleichwohl auch auf andere Branchen übertragen werden. Den Schwerpunkt dieses Kapitels bildet der Umgang mit einer alternden Arbeitnehmerschaft und die flexible Verteilung von Arbeitszeiten. Dementsprechend wird auf neue Arbeitszeitmodelle, wie Langzeitarbeitskonten und Familienzeiten, eingegangen.

Unter der Überschrift Bildung wird das „Lebenslange Lernen“ subsumiert. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die demografische Entwicklung auf das Bildungssystem Einfluss nimmt und wie sich dieses auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Strukturiert wird das Kapitel durch drei Kenngrößen:

  1. die Anzahl der Personen, die das Bildungssystem durchlaufen
  2. die zeitliche Dauer, die diese Personen für ihre Qualifizierungsprozesse benötigen
  3. die Produktivität, unter der die erworbenen Abschlüsse und Kompetenzen verstanden werden.

Neben Bildungsverlauf und Qualifikationserwerb wird auch auf die Beschreibung der Problemlagen bildungsferner Personenkreise eingegangen.

Das folgende Kapitel fasst die Bedeutung des Arbeitsrechts unter den anfänglich beschriebenen Prämissen einer sich wandelnden Arbeitswelt zusammen. Es wird noch einmal genauer darauf eingegangen, welchen Stellenwert diese Prämissen im Rechtssystem haben. Daraufhin erscheinen folgende Zukunftsaufgaben als die Wesentlichen:

  • die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • das Arbeiten im Alter
  • das Diskriminierungsrecht
  • Regelungen bei atypischer Beschäftigung
  • Lohngerechtigkeit
  • der Beschäftigungsdatenschutz
  • Arbeitszeitrecht und Gesundheitsschutz
  • die Arbeitnehmerweiterbildung
  • die Regulierungsaufgaben im kollektiven Arbeitsrecht.

Das System der Sozialen Sicherung setzt sich aus der gesetzlichen Rentenversicherung, der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung zusammen. Zu allen drei Versicherungsarten gibt es eine kurze Einführung und einen Ausblick, der vor allem auf der demografischen Entwicklung basiert. Als größte Schwierigkeit wird eine fiskalisch nachhaltige Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme genannt.

Diskussion

Mit der Veröffentlichung liegt eine Gegenwartsanalyse vor, die es erlaubt, die Zukunft kritisch zu betrachten. Dabei kommt die nüchterne und evident erscheinende Sichtweise der Wirtschaftswissenschaften zum Tragen, die beim Lesen frösteln lässt. Beim Blick in die Zukunft rücken auch die Kreativen und Individuellen in den Fokus, im gleichen Zuge werden jedoch Kreativität und Individualität vernachlässigt.

Die Tendenz des Buches: jeder will, kann und muss arbeiten. Dabei fragt man sich, was mit den Personen ist, denen falsche Qualifikationen, falsche Kompetenzen und falsche Werte zugesprochen werden? Hier wird der Mensch als Humankapital verstanden, als ein Produktionsfaktor ohne Individualität, und dass, obwohl gerade in wissensbasierten und kreativen Berufen Innovationspotential gefragt ist.

Fazit

Die Frage, die sich beim Lesen des Titels stellt, ist: Kann man die Zukunft vorhersagen? Die Veröffentlichung bleibt, ganz in der Tradition der Wirtschaftswissenschaften, in der Gegenwart verhaftet und gewährt dadurch tatsächlich einen Ausblick auf das Zukünftige, der jedoch nur als Tendenz und Szenario zu verstehen ist.

Dabei liegt der Schwerpunkt des Wandels der Arbeitswelt auf der Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft unter Beachtung spezifisch deutscher Ausbildungs- und Arbeitsformen (duale Ausbildung, industrielle Struktur, Sozialpartnerschaft), deren Vorteile und damit verbundenen besonderen Entwicklungstrends.

Die Kapitel und Unterkapitel sind übersichtlich gestaltet und erinnern an lexikalische Beiträge. So kann das Buch schnell nach den individuell interessierenden Themen durchsucht werden. Aufgrund dieser Kürze kann es jedoch nur als erster Überblick dienen, dem eine tiefere Beschäftigung – und sei es nur zur genaueren Einordnung des Zusammengefassten – folgen muss.

Obwohl die einzelnen Kapitel von unterschiedlichen Autorengruppen geschrieben wurden, ergänzen sich die Themen der einzelnen Teile so, dass die Umsetzung arbeitsmarktpolitischer Ansätze in den relevanten Feldern der Erwerbswirklichkeit aus Sicht der Wirtschaftswissenschaften wieder aufscheinen. Eine Zusammenfassung in diesem Sinne hätte dem Buch jedoch gutgetan.

So ist die Veröffentlichung tatsächlich nur als Kommissionsbericht zu verstehen und zu lesen.

Rezension von
Maria Wolf
MA Soziale Arbeit
Lehrkraft für besondere Aufgaben, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
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Es gibt 18 Rezensionen von Maria Wolf.

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Zitiervorschlag
Maria Wolf. Rezension vom 07.01.2014 zu: Jutta Rump, Norbert Walter (Hrsg.): Arbeitswelt 2030. Trends, Prognosen, Gestaltungsmöglichkeiten. Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-7910-3275-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14731.php, Datum des Zugriffs 29.05.2024.


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