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Marianne Eisenburger: Menschen mit Demenz verstehen - Bewegung baut Brücken

Rezensiert von Alexandra Günther, 16.12.2013

Cover Marianne Eisenburger: Menschen mit Demenz verstehen - Bewegung baut Brücken ISBN 978-3-86630-202-0

Marianne Eisenburger: Menschen mit Demenz verstehen - Bewegung baut Brücken. Vincentz Network (Hannover) 2012. 52 Seiten. ISBN 978-3-86630-202-0. D: 12,80 EUR, A: 13,20 EUR.
Reihe: Altenpflege
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Thema

Gezielte Bewegung hilft die Lebensqualität für demenzkranke Menschen zu verbessern. Bei ihnen können Bewegungen eine Verbindung zur Gegenwart schaffen und vergessene Erinnerungen wachrufen.

Autor

Dr. Marianne Eisenburger ist Diplom-Pädagogin und Sportpädagogin und promovierte in Motologie.

Aufbau

Der erste Teil des Buches geht grundlegend auf die Krankheit und den Umgang mit Demenz ein.

Der zweite Teil befasst sich speziell mit dem Ansatz der Psychomotorik und Motogeragogik in alltäglichen Situationen mit Demenzkranken.

Inhalt

Medizinische Definitionen nennen als ein Leitsymptom einer Demenz den Abbau kognitiver Leistungen. Dagegen bleibt, wie die Autorin sagt, das sinnlich-emotionale Erleben und die Gefühlswelt erhalten. Eisenburger spricht unter anderem die Grundbedürfnisse des Menschen an. Hierzu zählen die Wertschätzung durch andere, nach dem eigenen Sinn handeln zu können, selbständig zu sein, in Beziehung zu seinem sozialen Umfeld zu treten und Gefühle wie Hoffnung und Vertrauen zu haben.

Demente Menschen sind von ihrer Umwelt abhängig. Durch das Verhalten anderer erfahren sie entweder Wertschätzung oder Ablehnung. Da Demenzkranke Situationen je nach Schwere der Erkrankung oft nicht mehr (sozial) richtig einschätzen können, reagieren sie oft unangemessen. Die Autorin weist beispielsweise darauf hin, dass das Allgemeine hinter der Handlung erkannt werden, nicht die Handlung selbst bewertet werden sollte. Der demente Mensch handelt für sich sinnvoll, auch wenn dies außenstehende, gesunde Menschen nicht so sehen. Verständnis und Akzeptanz sind notwendig, um die Persönlichkeit des erkrankten Menschen zu erhalten und ihn nicht weiter zu frustrieren.

Erinnerungen sind ein wichtiger Pfeiler der Persönlichkeit. Um Demente als Person zu stützen, gilt es nach Wegen zu suchen, positive Erinnerungen und Erlebnisse zu wecken. Eisenburger geht hier auf das Gedächtnis des Erlebens ein, das sogenannte Leibgedächtnis. Mit Sinneswahrnehmungen sind zugleich bestimmte Erinnerungen und Gefühle verknüpft. Erinnerungen können daher ohne Rückgriff auf die sprachliche Verarbeitung reaktiviert werden. Die Autorin zeigt, wie dies durch Bewegungen und Bewegungsabläufe gelingen kann und damit ein neuer Zugang zur eigenen Biographie geschaffen wird.

Auch die Körperfunktionen werden durch Bewegungen gefördert. Mehr Bewegung im Alltag bringt mehr Selbst- und Körperbewusstsein und vermittelt Orientierung und Sicherheit. Jede Anregung ist außerdem mit Aktivität im Gehirn verbunden. Demente Menschen sind nach Ansicht der Autorin beispielsweise in die alltäglichen Abläufe zu integrieren. Dies hilft ein ganzheitliches Training für demente Menschen anzubieten, ohne große Hilfsmittel oder Anforderungen.

Eisenburger führt aus, wie das Verhalten der Umwelt dazu beiträgt, ob man sich sprichwörtlich „wohl in seiner Haut“ fühlt. Wenn demente Menschen selbst bestimmen können, was sie tun und wie sie es tun, erfahren sie wieder Autonomie, Selbstwirksamkeit und Kontrolle. Bewegungen, die heraus- aber nicht überfordern und biographisch eingebunden sind, bieten daher mehr als funktionelle, körperliche Aktivierung. Sie zeigen dem demenzkranken Menschen, dass er (noch) etwas kann und wer ist.

Diskussion

Bewegung baut Brücken zu Menschen mit Demenz. Das ist der Leitgedanke des Buches. Im Alltag hilft Bewegung dem demenzkranken Menschen, sich selbst als Person zu spüren, gerade wenn die Kommunikation mit anderen kaum mehr möglich ist. Der Rückgriff auf das Körpergedächtnis ermöglicht es, vergessene Erinnerungen zu wecken.

Sturzprophylaxe, Balance-, Krafttraining oder funktionelle Gymnastikangebote werden von der Autorin nicht thematisiert. Reine Bewegungstrainings haben ein anderes Ziel. Eisenburger zeigt vielmehr in dem Fachbuch, wie wichtig es ist, dass Bewegungsförderung eingebunden ist in einen Rahmen, der Wertschätzung und Akzeptanz vermittelt. Sie hebt hervor, dass eine offene, empathische Haltung zusammen mit kleinen Bewegungsimpulsen im Alltag hilft. Die Haltung der Menschen, die Demenzkranke im Alltag begleiten, bestimmt das Selbstwertgefühl der Erkrankten.

Fazit

Fachkräfte, Betreuer und Ehrenamtliche im stationären und ambulanten Bereich, die Demenzkranke begleiten, finden in dem Fachbuch von Dr. Marianne Eisenburger Informationen und Anregungen, um Bewegung als Persönlichkeitsstütze für demente Menschen im Alltag einzusetzen.

Rezension von
Alexandra Günther
M.A., Pädagogin/Ethikerin
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Es gibt 38 Rezensionen von Alexandra Günther.

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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 16.12.2013 zu: Marianne Eisenburger: Menschen mit Demenz verstehen - Bewegung baut Brücken. Vincentz Network (Hannover) 2012. ISBN 978-3-86630-202-0. Reihe: Altenpflege. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14741.php, Datum des Zugriffs 18.05.2022.


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