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Ulf Neumann, Matthias von Saldern u.a. (Hrsg.): Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention

Cover Ulf Neumann, Matthias von Saldern, Ralf Pöhler, Peter-Ulrich Wendt (Hrsg.): Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention. Schüren Verlag (Marburg) 2003. 208 Seiten. ISBN 978-3-89472-275-3. 14,80 EUR, CH: 26,00 sFr.
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Kampfsport und Gewaltprävention

Ein irritierender Titel: Krieg und Frieden, das sind doch zwei Gegensätze, die in der Geschichte wie in der Literatur als eigentlich sich gegenseitig ausschließende Phänomene dargestellt werden. Erst der Untertitel hilft weiter: Es geht um Kampfsport und hier um eine kritische Auseinandersetzung und um Vorschläge zum gewaltpräventivem Handeln, gewissermaßen im Spannungsfeld von Kriminal- versus Sozialprävention, wie in der zweiten Veröffentlichung im selben Verlag und auch von Ulf Neumann u.a., herausgegebenen Schrift "Gewaltprävention in Jugendarbeit und Schule" annonciert wird.

Herausgeber und Themenstellung

Die Herausgeber des Buches "Der friedliche Krieger" sind der Dan-Träger, Sozialpädagoge, Abteilungsleiter im Fachbereich Jugend und Soziales im Landkreis Gifhorn und Lehrbeauftragter an der Ev. Fachhochschule Hannover, Ulf Neumann; Matthias von Saldern, Erziehungswissenschaftler der Universität Lüneburg, Karate-D-Trainer und Prüfungsreferent des Niedersächsischen Karateverbandes; Ralf Pöhler, Gymnasiallehrer, und Diplom-Trainer Judo; und Peter-Ulrich Wendt, Politik- und Sozialwissenschaftler an der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel. Sie setzen sich, mit sechs weiteren in den Bereichen des Sports, der Jugend- und Präventionsarbeit und in wissenschaftlichen Einrichtungen tätigen ExpertInnen mit der nicht unumstrittenen Frage auseinander, ob Methoden des Kampfsports (Budo) geeignet sind, Gewaltbereitschaft und -aktivität bei jungen Menschen zu be"kämpfen".

Aufbau und Inhalte

Die Autoren räumen erst einmal mit einer Reihe von gängigen, auch durch die Medien transportierten Vorurteilen gegen die überwiegend japanischen Kampfkunstmethoden von Ju-do und Karate-do auf. Die Prinzipien, wie Respekt, Höflichkeit und Selbstdisziplin, die den Budo-Aktivitäten zugrunde liegen, sollen "lehren, nicht andere Menschen als Gegner zu verstehen, sondern den Feind in sich selbst zu bekämpfen, um ein 'besserer Mensch' zu werden". Der Anspruch der einzelnen Beiträge wird bestimmt von dem Ziel, mit den Methoden des Budo, zur "Menschen- und Charakterbildung" beizutragen: "Ziel ist die Realisierung eines harmonischen und verantwortungsvollen Menschen".

Die thematische Auseinandersetzung signalisiert in den Überschriften der Beiträge schon die inhaltliche Darstellung; etwa Gunter A. Pilzs "Kampfkunst - Chance in der Gewaltprävention?"; Matthias von Salderns begriffsklärende Auseinandersetzung "Budo - was ist das?"; Ulf Neumanns Beschäftigung "Über Kampfkunst und Kampfsport"; noch einmal von Salderns Frage "Macht Kampfsport gewalttätig?"; Ralf Pöhlers Text "Judo - die Möglichkeit im Widerstreit Fürsorge zu tragen"; Jörg-Michael Wolters Versuch, eine "Budo-Pädagogik" zu entwickeln; Peter-Ulrich Wendts "Anmerkungen zu den Chancen, Budo könnte einen Platz in der offenen Jugendarbeit finden"; wiederum Ulf Neumanns Reflexion über "Shitei - die Lehrer-Schüler-Beziehung"; Katrin Poetschs Praxisbericht "Judo als Mittel der Gewaltprävention in der schulischen Mädchenarbeit"; ebenfalls die Praxisdarstellung von Ralf Brüning "Gewaltprävention und -therapie durch Karate an Schulen"; Martin von den Benkens "Erfahrungen gewaltpräventiver Arbeit beim Judo der Behinderten"; und schließlich Olaf Zajoncs pädagogische Darstellung aus seiner Arbeit mit Jugendlichen in Schule und Jugendzentren "Über die Arbeit an der `äußeren und inneren` Haltung".

Diskussion und Fazit

Auf dem "Präventionsmarkt" gibt es mittlerweile eine Reihe von Publikationen, die von der Theoriebildung bis zur Rezeptologie reichen. Das vorliegende Buch zeichnet sich durch eine wohltuende, kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz aus, bei der schulischen und außerschulischen Suche nach Theorien und Methoden zur Gewaltprävention neue Wege zu gehen. "Do" heißt im Japanischen: Weg. Das Autorenteam hat mit der Veröffentlichung eine bedenkenswerte und entwicklungsfähige Spur gelegt. Der innergesellschaftliche wie globale Diskurs braucht phantasievolle, begründete und realisierbare Modelle bei der Frage, wie ein "gutes Leben" Hier und Heute ermöglicht werden kann. Denkweisen und Philosophien aus anderen Kulturen und Lebenswelten, wie hier aus den asiatischen, können, auch auf dem Feld der Gewaltprävention, unser eigenes kulturelles Bewusstsein bereichern.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 24.02.2004 zu: Ulf Neumann, Matthias von Saldern, Ralf Pöhler, Peter-Ulrich Wendt (Hrsg.): Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention. Schüren Verlag (Marburg) 2003. ISBN 978-3-89472-275-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1476.php, Datum des Zugriffs 24.06.2019.


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