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Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Becker u.a. (Hrsg.): Gestärkt von Anfang an

Rezensiert von Andrea Fuß, 19.08.2013

Cover Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Becker u.a. (Hrsg.): Gestärkt von Anfang an ISBN 978-3-407-62813-8

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Becker, Sibylle Fischer (Hrsg.): Gestärkt von Anfang an. Resilienzförderung in der Kita. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. 190 Seiten. ISBN 978-3-407-62813-8. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
Reihe: Frühpädagogik
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Thema

In diesem Buch setzen sich die Autoren mit dem Thema Resilienz, insbesondere in der Kita und der Krippe auseinander. Der Begriff der Resilienz erfährt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und findet sich auch in der Erzieher/innenausbildung wieder. Die Autor/innen zeigen in diesem Buch auf, wie Erzieher/innen die Resilienzfähigkeit von Kindern fördern können, damit diese Krisen leichter bewältigen können.

Herausgeber und Herausgeberinnen

Professor Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff ist Psychologe und lehrt und forscht an der EH Freiburg. Er ist Leiter des Masterstudiengangs „Bildung und Erziehung im Kindesalter“ und Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ). Er gilt als einer der Pioniere, der den Begriff der Resilienz in Deutschland einführte.

Sybille Fischer und Jutta Becker sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Zentrum für Kinder- und Jugendforschung in Freiburg.

Entstehungshintergrund

Die Autoren beabsichtigen durch die in diesem Band dargestellten Beispiele gelingender Resilienzförderung in Kindertagesstätten und weiteren Handlungsfeldern, mehr Klarheit in den häufig, als Modewort, benutzten Resilienzbegriff zu bringen. Die dargestellten Beispiele sollen ebenso zu mehr Handhabbarkeit der Resilienzförderung beitragen.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel der „Einführung“, werden die theoretischen Grundlagen des Konzeptes der Resilienz und der Resilienzförderung dargestellt. Eine dieser Grundlagen stellt ein Exkurs zu den Anfängen der Resilienzforschung, der von Emmy Werner durchgeführten Kauai-Studie, dar. Resilienz wird als stärkender Schutzfaktor bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, Krisen und Belastungen, betrachtet. In Tabellenform werden Studienergebnisse zu Schutz-/Resilienzfaktoren vergleichend dargestellt. Die sechs zentralen Faktoren werden beschrieben: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, Soziale Kompetenz, Umgang mit Stress sowie Problemlösung. Unter der Überschrift Resilienzförderung werden Erkenntnisse der Präventionsforschung, frühe Interventionen sowie Programme und/oder Förderung im Alltag aufgeführt.

Das zweite Kapitel trägt die Überschrift „Resilienzförderung in den Institutionen der Bildung, Betreuung und Erziehung in der Kindheit“.

Jutta Becker befasst sich zunächst mit der Resilienzförderung in der Krippe. An erster Stelle wird die Bedeutung der Fachkraft als stabile Bezugsperson in der Krippe beschrieben. Die Beziehung kommt einer Bindungsbeziehung nahe wenn Hauptaspekte einer Bindungsbeziehung, wie emotionale Zuwendung, Sicherheit, Explorationsunterstützung, Stressreduktion und Assistenz, vorhanden sind. Der Förderung von Resilienz ordnet die Autorin die Förderung unterschiedlicher Kompetenzen zu, die alle gemeinsam zur Resilienzförderung führen. Dazu zählen die Förderung: der Selbstwahrnehmung, der Selbstwirksamkeit, der Selbstregulationsfähigkeit sowie dem Erwerb sozialer Kompetenzen. Auch weist sie explizit auf den Einfluss der Qualität der Krippe als Kriterium für Resilienzförderung hin.

Sybille Fischer beschreibt in einem weiteren Unterkapitel das Thema Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen. Zunächst stellt sie das Präventionsprogramm PriK ausführlich vor. Anschließend beschreibt sie umfangreich Kriterien für eine resilienzförderliche Praxis. Sie geht dabei auf die Notwendigkeit einer Ist-Stand-Analyse und die Bedeutung von Zielformulierungen ein. Soziale Ressourcen der Kita sind dabei ebenso zu betrachten wie die Gestaltung von Übergängen.

Kapitel drei trägt die Überschrift „Besondere Herausforderungen der Resilienzförderung in ausgewählten Bereichen“.

Zunächst widmet sich Sybille Fischer in diesem Kapitel dem Thema der resilienzförderlichen Zusammenarbeit mit Familien mit Migrationshintergrund. Dabei geht sie zunächst auf die Situation der in Deutschland lebenden Familien ein. Einen bedeutenden Aspekt in einer resilienzförderlichen Arbeit in Kindertageseinrichtungen sieht sie darin, Barrieren zu identifizieren, die es Familien mit Migrationshintergrund verunmöglichen, ihre Ressourcen einzusetzen und institutionelle Ressourcen zu nutzen. Im Verlauf ihrer Ausführungen gibt sie Impulse für die Praxis und zeigt damit auf, wie der Zugang zu und für Eltern erleichtert werden kann.

Ein weiteres Unterkapitel stellt das Thema Inklusion und Resilienz dar. Erst einmal erfolgt eine Definitionsklärung des Inklusionsbegriffes und eine Abgrenzung zum Begriff der Integration. Im weiteren Verlauf wird die Resilienzförderung in inklusiven Settings betrachtet. Abschließend werden gemeinsame Ziele von Resilienz und dem Konzept der Inklusion erörtert. Dazu zählen eine ganzheitliche Persönlichkeitsförderung, eine positive Lebenseinstellung sowie der Ausbau von individuellen Bewältigungsstrategien. Heterogenität wird im Inklusionsansatz als Nutzen für die gesamte Gruppe angesehen.

Einen weiteren Bereich stellt das Thema Resilienzförderung in Stadtvierteln mit besonderen Problemlagen dar. Die Autorin klärt zunächst die Begrifflichkeiten. Im weiteren Verlauf beschreibt sie die Auswirkungen sozialer Benachteiligung wie z.B. Verhaltensauffälligkeiten oder mangelnde Unterstützung in der Familie, häufig bedingt durch zu hohe Stressbelastungen der Eltern. Als mögliche Resilienzförderung wird zum einen eine gruppenbezogene Förderung und zum anderen eine individuelle Förderung in Betracht gezogen. Einen weiteren Aspekt stellt die Förderung der Eltern-Kind-Interaktion dar. Methodentipps unterstützen eine praktische Umsetzung.

Das nächste Unterkapitel befasst sich mit dem Thema der resilienzförderlichen und stärkenorientierten Beobachtung. Dörte Weltzien geht hier im besonderen auf offene Beobachtungsverfahren wie die Bildungs- und Lerngeschichten ein. Diese sehen das Kind nicht in Vergleich zu einer bestimmten Altersgruppe und zielen nicht auf Auffälligkeiten oder Normabweichungen ab. Vielmehr stellen sie das Kind mit seinen individuellen Kompetenzen und seinen individuellen Lernwegen in den Vordergrund. An zwei Fallbeispielen stellt sie den Bezug von Beobachtung, von sozial-emotionalen Verhaltensweisen, zum Resilienzkonzept dar.

In einem weiteren Unterkapitel wird das Thema resilienzförderliche Zusammenarbeit mit Eltern erörtert. Einen wichtigen Aspekt nimmt hier die Haltung der Fachkräfte im Erziehungstrias Eltern-Kind-Fachkraft ein. Einen Themenschwerpunkt stellt die Erreichbarkeit von Eltern dar. Einen weiteren Punkt bilden die Bedürfnisse von Eltern. Als Praxisbeispiel wird die Möglichkeit eines Elternkurses zur Resilienzförderung aufgeführt.

Im nächsten Unterkapitel wird resilienzförderliche Kinderliteratur vorgestellt. Neben verschiedenen Buchempfehlungen beschreibt die Autorin warum Bilderbücher zur Resilienzförderung geeignet sind. Dabei legt sie Kriterien resilienzförderlicher Bilderbücher fest, die als grobe Orientierungshilfe dienen können.

Der letzte Teil des Buches widmet sich dem Thema ressourcenorientierte Gesundheitsförderung für Beschäftigte in Kindertageseinrichtungen. Ziel des Kapitels ist es einen „ressourcenorientierten Blick auf das gegenwärtige Arbeitsfeld in Kindertagesstätten zu werfen“. Auch der Bereich der Gesundheitsförderung wird in Bezug zum Rahmenthema Resilienz gesetzt.

Fazit

Das Buch „Gestärkt von Anfang an“ bietet eine fundierte Verknüpfung des Themas Resilienz zwischen Theorie und Praxis. Alle Themenschwerpunkte werden zunächst theoretisch dargestellt und anschließend mit möglichen Praxisbeispielen belegt. Das Thema Resilienzförderung fokussiert sowohl Kinder als auch Eltern und Personal. Ebenso finden unterschiedliche Altersgruppen wie auch unterschiedliche Lebenslagenkonzepte Berücksichtigung. Die Beiträge orientieren sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien. Sie ermöglichen einen Transfer auf die eigene Praxis.

Das Thema Resilienz wird nicht isoliert erarbeitet sondern als Querschnittthema angesehen, das auch neue Themenfelder betrachtet (z.B. Resilienz und Inklusion). Das Buch hat einen einführenden und weiterführenden Charakter in die Thematik Resilienz. Die Inhalte machen deutlich wie wichtig es ist, das Thema Resilienz bzw. Resilienzförderung in der konzeptionellen Arbeit von Kindertageseinrichtungen zu verankern. Es unterstützt eine Veränderung im Blickwinkel: Stärkenorientiert statt Defizitorientiert.

Das Buch ist für Fachkräfte in Arbeitsfeldern der frühen Kindheit ebenso empfehlenswert wie für Erzieherinnen in der Ausbildung.

Rezension von
Andrea Fuß
M.A., Klinische Sozialarbeiterin sowie Bildungs- und Sozialmanagerin. Leiterin einer Konsultationskita in Rheinland-Pfalz, Mentorin in der Erzieherinnenausbildung sowie Dozentin in der Fort- und Weiterbildung für Erzieherinnen

Es gibt 13 Rezensionen von Andrea Fuß.

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Zitiervorschlag
Andrea Fuß. Rezension vom 19.08.2013 zu: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Jutta Becker, Sibylle Fischer (Hrsg.): Gestärkt von Anfang an. Resilienzförderung in der Kita. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2012. ISBN 978-3-407-62813-8. Reihe: Frühpädagogik. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14760.php, Datum des Zugriffs 16.05.2022.


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