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Wolf Rainer Wendt: Sozialwirtschaft

Cover Wolf Rainer Wendt: Sozialwirtschaft. Ein Brevier ihrer Lehre. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2013. 70 Seiten. ISBN 978-3-86226-236-6. D: 5,80 EUR, A: 5,80 EUR, CH: 8,00 sFr.

Reihe: Centaurus Paper Apps - 30.
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Autor

Prof. Dr. Wolf Rainer Wendt gründete 2004 die Gesellschaft für Care und Case Management und machte das Case Management in den 1980er Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt. Er lehrt an der Berufsakademie Stuttgart, im Studienbereich Sozialwesen und arbeitet als Honorarprofessor an der Universität Tübingen.

Entstehungshintergrund

Die Sozialwirtschaft befindet sich in einem Findungsprozess. Es gibt noch keine allumfassende Lehre, jedoch einige theoretische Ansätze. Das Verhältnis zur Managementlehre gestaltet sich schwierig, da diese beiden Gebiete für viele nicht zusammenpassen. Wendt versucht dieses Spannungsverhältnis aufzulösen und die vermeintlich so unterschiedlichen Bereiche zusammenzuführen.

Aufbau

Von gemeinschaftlicher Selbsthilfe über Kooperationen, Wohlfahrtsorganisationen und sozialen Unternehmen bis hin zum Sozialleistungssystem der öffentlichen Hand. Das Buch deckt wesentliche, für Studierende bedeutsame, Inhalte des Themas mit Blick auf die Lehre ab. Die Darstellung ist breit in der Theorie angelegt. Dabei stellt Wendt eine Reihe von Grundannahmen auf, mit denen der Terminus Sozialwirtschaft einen institutionellen Handlungsrahmen erhält. Hierzu gehören z. B. die Abgrenzung der Sozialwirtschaft zur Erwerbswirtschaft, die Bewirtschaftung des Systems der sozialen Sicherung und Versorgung „für die Wohlfahrt von Menschen“, die „ökonomisch gestaltete Betätigung zur sozialen Problembewältigung“, die Allokation von Ressourcen für das Sozialleistungssystem, das Vorantreiben der Theorieentwicklung in der Sozialwirtschaft auf der Makro-, Meso- und Mikroebene von Wohlfahrtsproduktion, die Differenz der sozialwirtschaftlichen Akteure als Anbieter von Dienstleistungen, die theoretische Darstellung der Leistungserbringerin der öffentlichen Daseinsvorsorge, die Bedarfsorientierung der Sozialwirtschaft, die Betonung des privaten Haushalts in der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Inhalt

Das Buch besteht aus verschiedenen Teilen. In den ersten Teilen präsentiert der Autor die Stellung und Bedeutung des Dritten Sektors. Dabei wird deutlich, dass man sich über das Verständnis von Sozialwirtschaft im internationalen und wissenschaftlichen Disput uneinig ist. Zugleich liefert er für das Konstrukt Sozialwirtschaft ein theoretisches Fundament:

  • Sozialwirtschaft als Wohlfahrtproduktion
  • Bedarfsorientiertes Handeln in Sozialen Organisationen
  • Paradigma des Haushaltens
  • Verbindung von Sorgen und Versorgen

Im weiteren Verlauf des Buches macht Wendt deutlich, dass mit dem Terminus Sozialwirtschaft ein institutioneller Handlungsrahmen skizziert wird, „der die Prozesse und Strukturen umfasst in denen für das Wohlergehen einzelner Menschen und Personengruppen formell und informell gearbeitet wird und die für die Aufgabenerfüllung und Problembewältigung nötigen Vorkehrungen getroffen sind.“ (S.15). Außerdem stellt er in diesem Handlungsrahmen dar, wie die Versorgungssysteme funktionieren und die Akteure ihren Aufgaben bei wohlfahrtspflegerischen Leistungen nachkommen.

Weiterhin stellt der Autor eine Reihe von Grundannahmen auf, in dem es um das Wohlergehen einzelner Menschen und Personengruppen geht. Er bezeichnet die Sozialwirtschaft als Bedarfswirtschaft. Für ihn ist die Daseinsvorsorge ein Teil der sozialen Infrastruktur, die der moderne Mensch zum Erreichen individueller und gemeinschaftlicher Wohlfahrt benötigt.

Wendt stellt heraus, dass soziale und gesundheitsbezogene Versorgung dem gesamten Privathaushalt, bei Not jedoch den weltlichen Kommunen und den kirchlichen Institutionen oblag. In der Neuzeit kam aus seiner Sicht eine Gegenseitigkeitsgesellschaft und Produktivgenossenschaften hinzu, bevor der Staat gesetzliche Vorgaben für soziale Dienste und Wohlfahrtsverbände schuf.

Dieses Potenzial wie z.B. Pflege, Ernährung, wird laut Wendt seit der Entstehung der Marktökonomie nicht mehr erkannt. Häusliche Dienste werden seither weitestgehend ignoriert und für nicht produktiv gehalten.

Wendts besonderes Interesse gilt deshalb dem sozialwirtschaftlichen Handeln in Haushalten, in Institutionen zur Bedarfsdeckung. Darin geht es auch wie in einem Sozialbetrieb um den Umgang mit knappen Ressourcen und deren effektive Verwendung. Ebenso um die Wertschöpfung, jedoch bezogen auf das Sachziel der sozialen Teilhabe und des Lebensunterhaltes.

Diskussion

Die Darstellung und Fundierung der theoretischen Grundannahmen ist schlüssig und nachvollziehbar. Wendt ist es gelungen, verschiedene Blickwinkel und Facetten der Sozialwirtschaft in seine Betrachtung mit einzubeziehen.

Die komplexen Inhalte hätten den Studierenden – zum besseren Verständnis – mit einigen Beispielen aus der betrieblichen Praxis und illustrativen Abbildungen nahe gebracht werden können. Die theoretischen Ausführungen in diesem Buch zu dem „Konstrukt Sozialwirtschaft“ sind nicht immer leicht nachzuvollziehen, auch weil der Text nicht durchgängig leicht verständlich ist. Außerdem kommen vereinzelt inhaltliche Überschneidungen vor.

Zu kurz kommt ferner die Vernetzung aktueller Trends in sozialen Dienstleistungen. Führungskräfte und Unternehmensberater in der Sozialwirtschaft heben beispielsweise hervor, dass die gegenwärtige Entwicklung auf Netzwerke als innovative Organisationsformen hinausläuft, in der Verbandsaufgaben und Betriebsaufgaben, eigenständig organisiert, jedoch durch ein übergreifendes Monitoring und strategisches Management verbunden und zusammengehalten werden.

Wenig beleuchtet wird in dem Buch zudem die Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Sozialwirtschaft: Einfluss der Sozialpolitik, fachliche Qualifikationsansprüche, Entwicklung von Internationalisierungsstrategien, Kommunikation mit dem Profit-Bereich, Wachstum und Entwicklung, (institutioneller) Umgang mit einer alternden Gesellschaft, Akquisition neuer Finanzmittel, Folgen der globalen Finanzkrise (Basel III), „Konzernbildung“, welche Bedeutung hat künftig die „Mission“?

Das Buch stellt ansonsten in gelungener Weise im Sinne einer Sozialwirtschaftslehre die gesamte Spannbreite der Versorgung von Menschen des sozialwirtschaftlichen Geschehens dar. Ein besonderer Verdienst des Autors ist es, diese institutionelle Vielfalt und die funktionalen Beziehungen der Akteure zueinander in seinem Buch deutlich zu machen.

Fazit

Mit seinem Buch hat er Autor die Theorie der Sozialwirtschaft ein gutes Stück weiterentwickelt und wichtige Hinweise und Beiträge gegeben, auf welchen Bereichen nationaler sowie europäischer Ebene weitergearbeitet werden muss. Mit seiner Arbeit hat er deutlich gemacht, dass Sozialwirtschaft von Menschen für Menschen betrieben wird.


Rezensent
Prof. Dr. Frank N. Loges
lehrt seit 2007 Sozialwirtschaft und Sozialmanagement an der Hochschule Darmstadt. Er war mehrere Jahre Geschäftsführer bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bonn und Berlin und wirkte beim Aufbau der Freien Wohlfahrtspflege bei der Europäischen Union in Brüssel mit. Außerdem war er einige Jahre in der Beratung von sozialen Organisationen tätig.
Homepage www.h-da.de

Rezensentin
Jennifer Kraft
erwarb im Jahr 2013 den Abschluss Master of Science in Haushalts- und Dienstleistungswissenschaften an der Universität Gießen und studiert seit 2014 im Zweitstudium Soziale Arbeit an der Hochschule Darmstadt. Dort ist sie als wissenschaftliche Hilfskraft tätig und beschäftigt sich mit dem Bereich Sozialwirtschaft und Sozialpolitik.
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Zitiervorschlag
Frank N. Loges/Jennifer Kraft. Rezension vom 31.03.2015 zu: Wolf Rainer Wendt: Sozialwirtschaft. Ein Brevier ihrer Lehre. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2013. ISBN 978-3-86226-236-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14817.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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