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Dorothee Beck, Anne Graef: ChancenGleich. Handbuch für eine gute betriebliche Praxis

Rezensiert von Ute Wellner, 25.05.2004

Cover Dorothee Beck, Anne Graef: ChancenGleich. Handbuch für eine gute betriebliche Praxis ISBN 978-3-7663-3432-9

Dorothee Beck, Anne Graef: ChancenGleich. Handbuch für eine gute betriebliche Praxis. Bund-Verlag (Frankfurt am Main) 2003. 185 Seiten. ISBN 978-3-7663-3432-9.
Mit CD-Rom
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Einleitung

Zwei Journalistinnen sind im Auftrag des deutschen Gewerkschaftsbundes auf die Suche nach gleichstellungspolitischen Vorbildern geschickt worden und sind fündig geworden. Entstanden ist ein Handbuch für die betriebliche Praxis. Gleichstellungspolitik und Gleichstellungsrecht ist in Deutschland nichts neues mehr. Das heisst nicht, dass wir schon die gesteckten Ziele erreicht haben, es gibt viel zu tun. Hier wird anhand von best practice Beispielen gezeigt, wie es in vielen anderen Betrieben zukünftig auch funktionieren könnte.

Inhalt

ChancenGleich richtet sich direkt an die Betriebsrätin und den Betriebsrat mit der Aufforderung nun loszulegen. Gut strukturiert und anschaulich aufbereitet begleiten die Autorinnen interessierte Leserinnen und Leser über 13 Kapitel der betrieblichen Gleichstellungsarbeit.

  • Gestartet wird mit einer Betriebsanalyse. Was sind die rechtlichen Grundlagen, was umfasst die Analyse alles und wie kann ich die notwendigen Informationen von wem bekommen: siehe Mitarbeiterbefragungen oder durch Workshops. Aus den Auswertungen ergeben sich Handlungsfelder und die weiter zu treffenden politischen Entscheidungen. In welchen Bereichen sind Frauen besonders benachteiligt und wie sehen ihre Veränderungswünsche aus. Was steht an Veränderungen demnächst im Betrieb an und wie sieht es mit der besten Durchsetzung und der Offenheit des Arbeitgebers dazu aus. Das sind Aspekte die Berücksichtigung finden müssen. Vielfältige Checklisten ergänzen die Darstellung.
  • Mit Arbeitszeit geht es weiter. Neben wiederum den rechtlichen Grundlagen (die übrigens unter jedem Stichpunkt abgearbeitet werden) wird der Blick auf Teilzeit, flexibele Arbeitszeiten und alternierende Telearbeit gelenkt. Bei Bayer Leverkusen gibt es zur Zeit 1700 Teilzeitbeschäftigte in über 1000 Arbeitszeitmodellen und bei Wüstenrot (Bausparkasse) sind es inzwischen etwa 500 Arbeitszeitmodelle mit einer Stundenzahl von 4 bis 38 Wochenstunden.
  • Chancengleichheit ohne Kinderbetreuung geht nicht. Nur mit einer funktionierenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann umgesetzt werden. Fortbildungen und ein betrieblicher Bezug während der Elternzeit oder noch längerer währender Unterbrechung sind anzubieten. Ausgestaltung! Welche Möglichkeiten gibt es für die Betreuung von Kindern wenn ihre Eltern arbeiten. Interne und externe Betreuungsmöglichkeiten werden beschrieben und was zu beachten ist. Ausführlich stellen die Autorinnen das Beispiel des Kernforschungszentrums Jülich vor. Dort hat man ein Kinderbüro eingerichtet in dem eine Sozialpädagogin Eltern berät. Die Forschungsanstalt beschäftigt Mitarbeitende dauerhaft sowie vorübergehend aus dem In- und Ausland. Anfang 2003 hat die betriebseigene Kita für 60 Kinder zwischen 6 Monaten und 14 Jahren gestartet. 5 Jahre hat es gedauert. Es geht aber auch kleiner, nur weiterlesen!
  • Umstrukturierungen im Betrieb, als Daueraufgabe für den Betriebsrat, und Qualifizierung, heisst "Fit für die Zukunft" , schliessen sich an. Zitat, S. 93: "Im Jahr 2005 werden 80% aller Technologien jünger als 10 Jahre sein. Aber 80% der Beschäftigten haben eine Qualifikation, die älter als 10 Jahre ist.".
  • Mädchenpower gegen Fachkräftemangel heisst es zum Berufswahlverhalten von Mädchen und jungen Frauen. Am Girls day sollen Mädchen an technische Berufe heran geführt werden und Vorbehalten gegen Mädchen in Helm und Blaumann zu begegnen. Mit Hilfe der bereits genannten Betriebsanalyse kann dem Argument Frauen sind eine Fehlinvestition; "sie bekommen Kinder und fallen im Betrieb aus", begegnet werden. Auch Männer bleiben nicht mehr dauerhaft und Frauen wollen nach dem Kind wiederkommen. Eine geschlechtersensibele Analyse der Abgänge von Beschäftigten kann Vorurteile widerlegen und Veränderungen einleiten.
  • Betriebe befinden sich ständig im wirtschaftlichen Wettbewerb. Frauen - und das heisst Chancengleichheit - werden häufig als ein Wettbewerbsnachteil angesehen. An Beispielen von Siemens, Telekom und der Deutschen Bank, ebenso Volkswagen oder Barmer Ersatzkasse wird dargestellt: Chancengleichheit erweist sich als Wettbewerbsvorteil. Geschlechtersensibele Personalentwicklung ist eine komplexe Materie. Mentoring-Projekte und Gender-Trainings gerade für Führungskräfte aus Betrieb und Betriebsrat werden mit ihren pro und contra Seiten hier kurz, jedoch zum weiteren nachdenken, beleuchtet.
  • Die nächsten 3 Kapitel widmen sich den Themen Entgeltgleichheit, Altersvorsorge und dem partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, Diskriminierung von Migrantinnen).
  • Eine Zusammenstellung von Netzwerken, Beratung, Zertifikaten und Preisen für Betriebe bzw. betriebliches Engagement und Chancengleichheit online bilden den Schluss.

Zielgruppe

Betriebsrat! Besonders für die in kleinen und mittleren Betrieben Aktiven die mit geringeren Mitteln und Möglichkeiten auskommen müssen. Auch für die Personalratsarbeit lassen sich viele Anregungen finden. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Sie finden Checklisten etc. um ihre Kontroll- und Initiativfunktionen effizient zu gestalten. Personalabteilungen, Vertrauensleute und Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre sind ebenfalls zu nennen.

Für Menschen geeignet, die Betriebe in der Umsetzung des Gleichstellungsrechts und im Rahmen des Gender begleiten.

Fazit

Ein empfehlenswertes Buch. Kurzweilig zu lesen in einem, aber vor allem in einem zweiten Schritt als Nachschlagewerk für die "tägliche" Arbeit zu gebrauchen. Durch die Links auf der mitgelieferten CD ist ein schneller Zugriff zu den unterschiedlichsten Informationen möglich. Die Autorinnen beschönigen nicht, sie zeigen unter welchen Voraussetzungen was funktionieren kann und funktioniert. Die Autorinnen listen auf, was alles möglich ist und wie vielschichtig Gleichstellungsarbeit umgesetzt werden kann. Rahmenbedingungen und Handy-Cups werden nicht ausgelassen. Gebündelt viele positive Beispiele, die Frau in der Arbeit zum Themen Chancengleichheit bestärken weiter zu machen, nicht nach zu lassen oder auch zu starten. Eine Zusammenfassung wie viel erreicht ist. (frau kann es nicht lassen: wie viel noch zu tun ist).

Rezension von
Ute Wellner
Juristin und Mediatiorin,freiberuflich tätig in Personaltraining, Fortbildung und Mediation. Arbeitsschwerpunkte: Arbeits- und Gleichstellungsrecht, Diskriminierung am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, AGG)

Es gibt 21 Rezensionen von Ute Wellner.

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Zitiervorschlag
Ute Wellner. Rezension vom 25.05.2004 zu: Dorothee Beck, Anne Graef: ChancenGleich. Handbuch für eine gute betriebliche Praxis. Bund-Verlag (Frankfurt am Main) 2003. ISBN 978-3-7663-3432-9. Mit CD-Rom. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1484.php, Datum des Zugriffs 17.08.2022.


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