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Roland Krüger, Loring Sittler: Wir brauchen Euch!

Rezensiert von Dr. Siegmund Pisarczyk, 02.04.2013

Cover Roland Krüger, Loring Sittler: Wir brauchen Euch! ISBN 978-3-86774-132-3

Roland Krüger, Loring Sittler: Wir brauchen Euch! Wie sich die Generation 50plus engagieren und verwirklichen kann. Murmann Verlag (Hamburg) 2011. 232 Seiten. ISBN 978-3-86774-132-3. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 30,50 sFr.
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Autoren

Loring Sittler besitzt u.a. Erfahrung als Geschäftsführer des Fortbildungswerks für Studenten und Schüler e.V., Bonn, und als Verwaltungsleiter beim Bundesverband privater Altenheime sowie als Standortleiter von „fischerAppelt Kommunikation“, Berlin. Seit 2008 ist er Leiter des Generali Zukunftsfonds Deutschland.

Roland Krüger studierte Psychologie und Betriebswirtschaftslehre in Heidelberg. Seit 2008 leitet er ebenfalls den Generali Zukunftsfond Deutschland und ist verantwortlich u.a. für das Corporate Volunteering im Unternehmen.

Thema

Die Autoren sprechen in der Einleitung von der „stillen Altersrevolution“ und verstehen darunter eine Debatte über die demografische Entwicklung aus kulturpolitischer Sicht als Appell, um das soziale Engagement der Generation 50plus konstruktiv zu aktivieren (vgl. S. 16).

Die Lektüre belegt den leidenschaftlichen Einsatz der Autoren für die sozialen und kulturpolitischen Belange unseres Landes. Hervorzuheben ist der praktische Bezug zu den aktuellen Entwicklungen und gesellschaftlichen Chancen der Generation 50plus.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation besteht aus drei Teilen und einem Nachwort. Darin werden folgende Fragen untersucht:

  • Was ist unter dem Begriff soziales Engagement zu verstehen?
  • Wie steht die Generation 50plus zum sozialen Engagement?
  • In welchen Bereichen engagiert sich die Generation 50plus?
  • Welche wirtschaftliche Dimension erreicht das soziale Engagement der Generation 50plus?
  • Warum kann langfristig die Gesellschaft auf das Engagement der Generation 50plus nicht verzichten?
  • Wie lässt sich die Wertschöpfung der Freiwilligkeit /des Ehrenamtes für das Gemeinwohl bemessen?

Im ersten Teil „Generation 50plus – Engagement und Perspektiven“ bringen einleitend die Autoren ein Beispiel von einem Haltestellenwärter bei der Hamburger Hochbahn, der von seinem Arbeitgeber mit 65 Jahren in Rente geschickt wurde. Er wollte weiter arbeiten, klagte auf Wiedereinstellung und gewann; er wollte unbedingt einige Jahre weiter seine berufliche Vollzeittätigkeit ausüben. Das entsprechende Kapitel heißt „Keine Lust auf Ruhestand“. In einem weiteren Kapitel „Weltbummler mit Erfahrungswissen“ (S. 69) wird ein breites Spektrum der Einsatzmöglichkeiten der Generation 50plus gezeigt. Das soziale Engagement der Deutschen im Ausland ist dort eine kulturelle Bereicherung.

Im zweiten Teil „Bürgermanagement im Überblick“ weisen Krüger/Sittler darauf hin, dass rund ein Drittel der Deutschen sozial engagiert ist. Er beinhaltet u.a. einen Exkurs über Übergangsmanagement in Unternehmen. Darin wird gefordert, das Austreten aus dem Erwerbsleben zu planen und sich in nachhaltige Konzepte für das Leben danach wie die Übernahme und Ausübung eines Ehrenamtes einzuarbeiten.

Im dritten, umfangreichen Teil „Wir brauchen euch! – Handlungsfelder für Engagierte“ befassen sich Krüger /Sittler mit den sozialen „Verwerfungen“ in unserer Gesellschaft; sie analysieren u.a. die Folgen des demografischen Wandels, Defizite im Bildungssystem und die Entwicklung in Pflege und Gesundheitssystem.

Diskussion

Die folgende Schreckensmeldung (2007) war für Ältere bestimmt ein Alarmsignal „Gesetzlich vorgeschriebener Renteneintritt mit 70 Jahren, 560 Euro Einheitsrente, Massenquartiere mit Feldbetten für kranke Alte, Seniorenheime in Billiglohnländern – mit diesem düsteren Bild der alternden Gesellschaft von morgen schockierte die ZDF-Dokumentation 2030 – Aufstand der Alten im Januar 2007 die Zuschauer.“ (S. 9). Krüger/Sittler sehen die Entwicklung in Deutschland nicht so negativ wie der Inhalt des Zitats suggeriert - sie konzentrieren sich auf die konkreten Chancen der Generation 50plus und bieten zugleich konstruktive Wege des Mitmachens an.

Die gegenwärtige Debatte über die demografische Entwicklung befasst sich mit Prognosen bis zum Jahr 2060 und basiert auf konkreten Fakten: 2013 beträgt das Durchschnittsalter in Deutschland 42 Jahre, 2050 wird es 50 Jahre sein, und 2060 wird jeder siebte mindestens 80 Jahre alt werden (vgl. S. 9). Ein großer Teil davon wird aktiv und relativ gesund sein.

Die Ergebnisse der Freiwilligensurvey-Untersuchung zeigen, dass ca. 23 Millionen Deutsche sich gegenwärtig regelmäßig sozial engagieren; aus der Sicht der Generation 50plus würden sogar 25 % bereit sein, sich zu engagieren. Auffallend ist hier die Entwicklung der Selbsthilfegruppen besonders im Bereich des Gesundheitswesens, aber auch im Sinne einer nachbarschaftlichen Hilfe. In Deutschland engagieren sich Bürger grundsätzlich in folgenden Bereichen: in Vereinen, Kirchen, Parteien, Bildung, Selbsthilfe und Stiftungen (vgl. 99-101). Eine lange und bewährte Tradition haben ehrenamtliche Förderaktivitäten im Kultur- und Freizeitbereich, z. B. Theatergruppen und Gesangvereine. Das soziale Engagement in und von Unternehmen zählt zu den neuen Entwicklungen, die nicht zu unterschätzen sind. Eine wertvolle Alternative für das soziale Engagement der Generation 50plus ist der Einsatz in den Schulen. Ein überzeugendes Beispiel dafür ist die Kölner Initiative „Ceno & Die Paten“; sie vermittelt Schulhelferinnen und Paten an bedürftige Kinder.

Den Begriff des Fundraising verwenden die Autoren nicht – die Lektüre belegt jedoch, dass bürgerschaftliches Engagement in der Form von Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, Patenschaft, Spenden und Bürgerstiftungen sowohl einen sozialen als auch einen finanziellen Charakter der Mittelbeschaffung im Sinne des Fundraising haben kann. Nach offiziellen Angaben werden jährlich durch Freiwilligenarbeit 81,5 Milliarden Euro erwirtschaftet (vgl. S. 102).

Krügers/Sittlers Buch belegt besonders sichtbar in den 19 umrahmten Fazits, dass die Gesellschaft mit diversen gesellschaftspolitischen Problemlagen konfrontiert ist. „Zweifelllos ist die Erwerbsarbeit für das gesellschaftliche und individuelle Wohlergehen unverzichtbar, doch der Erhalt des Ganzen hängt nicht unwesentlich von den außerberuflichen Tätigkeiten wie Familienarbeit, Eigenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement ab.“ (S. 106). Die demografischen Veränderungen brauchen in den kommenden Jahren überzeugende Konzepte, um die Wissens-Potenziale der Generation 50plus nachhaltig kreativ und aktiv einzusetzen. Der demografische Wandel birgt viele Risiken. Fest steht jedoch, dass wir lediglich die Entwicklungen 2013 objektivieren können: Wir vermuten die Entwicklung 2030, wir spekulieren über das Jahr 2050, wir fantasieren, wenn wir die Entwicklungen bis zum Jahr 2070 vorhersehen wollen. Diese Arbeit ist pädagogisch verdienstvoll und stimmt real-optimistisch und philanthropisch im Sinne des Gemeinwohls.

Zu empfehlen ist die Veröffentlichung der Lokalpolitik, Sozialen Arbeit, Freizeitforschung, Pädagogik und besonders Institutionen und Vereinen, die sich mit dem sozialen Engagement der Generation 50plus befassen.

Fazit

Neue soziale Modelle des Engagements der Generation 50plus für die Gesellschaft sind gefragt. Die Plattformen des soziales Engagements und der Ehrenamtlichkeit weisen darauf hin, dass die Generation 50plus sich verantwortlich einbringen kann. Das Ziel ist es, das Leben aller Generationen zusammenrücken. Die Autoren plädieren für eine gesellschaftliche Vorbild-Funktion der Älteren, es ist ein wertvoller sozialer Gedanke und pädagogischer Wunsch zugleich. Diese Publikation bietet eine wichtige Analyse und konkrete Praxisbeispiele. Nicht Skepsis, sondern Mut, Kreativität und soziale Schaffenskraft der Generation 50plus kennzeichnen in dieser Studie das soziale Engagement.

Rezension von
Dr. Siegmund Pisarczyk
Diplompädagoge & Nonprofit Manager
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Es gibt 16 Rezensionen von Siegmund Pisarczyk.

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Zitiervorschlag
Siegmund Pisarczyk. Rezension vom 02.04.2013 zu: Roland Krüger, Loring Sittler: Wir brauchen Euch! Wie sich die Generation 50plus engagieren und verwirklichen kann. Murmann Verlag (Hamburg) 2011. ISBN 978-3-86774-132-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14858.php, Datum des Zugriffs 22.05.2022.


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