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Jens Hollmann, Katharina Daniels (Hrsg.): Anders wirtschaften - was Erfolgreiche besser machen

Rezensiert von Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers, 04.06.2013

Cover Jens Hollmann, Katharina  Daniels (Hrsg.): Anders wirtschaften - was Erfolgreiche besser machen ISBN 978-3-8349-2836-8

Jens Hollmann, Katharina Daniels (Hrsg.): Anders wirtschaften - was Erfolgreiche besser machen. Integrale Konzepte für ein neues Wachstum in dynamischen Märkten. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler (Wiesbaden) 2012. 197 Seiten. ISBN 978-3-8349-2836-8. 36,95 EUR.

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Aufbau und Inhalt

In neun Kapiteln legen verschiedene Autoren aus ihrer Sicht dar, wie integrale Konzepte des Wirtschaftens bzw. der Unternehmensführung erfolgreich gelingen. Das zugrundeliegende Verständnis des „Integralen“ orientiert sich dabei unter anderem an dem Integralen Ansatz, wie er von dem amerikanischen Philosophen Ken Wilber vertreten und durch das von ihm bekannt gemachte Quadrantenmodell (AQAL) symbolisiert wird.

1 Einleitung (Jens Hollmann, Katharina Daniels).

2 Führungshandeln. Wie das Bewusstsein Führungstypen generiert. Jens Hollmann und Katharina Daniels skizzieren auf der Basis von sieben „Managertypen“, der Forschung über Handlungssteuerung nach Kuhle und der Selbstentwicklungstheorie (SET) von Cook-Greuter das Führungsverhalten verschiedener Typen (Opportunist, Diplomat, Experte, Macher, Individualist, Stratege und Transformer) jeweils in der kognitiven, der affektiven und der Verhaltensdimension. Typische Konfliktverhaltensmuster, Führungs- und Entscheidungsstile werden aufgezeigt.

3 Authentizität im Führungshandeln. Vom Mythos zum Werkzeug: Authentisches Führungshandeln ist lernbar. Nadine Weidner verdeutlicht vier Dimensionen von Authentizität im Quadrantenmodell nach Wilber. An zwei Fallbeispielen werden mit Hilfe dieses Modells Dilemmata in der Führung betrachtet und Wege zur Auflösung dieser Dilemmata skizziert. Mit Check zur Selbstüberprüfung.

4 Dynamik im Führungshandeln. Vom Ursache-Wirkungsprinzip zum Verständnis des Ganzen. Ulrich Drax plädiert statt für Reduktion der Komplexität, was den notwendigen strategischen Führungsentscheidungen nicht (mehr) gerecht wird, für ein Aushalten der Widersprüche, „Vitalisierung“ der Vision, und das Schaffen von Vertrauen.

5 Selbstregulation im Führungshandeln. Vom Management zum Leadership. Andreas Schulte-Werning zeigt Fallbeispiele und verschiedene Entwicklungsaspekte auf dem Weg zum Leadership: Potenzialorientierung, verantwortliches Denken, Berücksichtigung der unterschiedlichen Führungslogiken, Selbstregulation und das „Innere Team“.

6 Organisationsgestaltung. Lebewesen Unternehmen – Zwischen Pluripotenz und Autoaggression. Jens Hollmann und Katharina Daniels erläutern das Konzept der Organisationalen Energie mit den vier Zuständen Zerfall, Autoaggression, Komfort und Pluripotenz, dazu ein Tool mit vier Indikatoren zur aktuellen Zustandsbestimmung des eigenen Unternehmens.

7 Handlungslogiken im Unternehmen. Jedes Unternehmen „tickt“ anders. Ralf Seidel beschreibt die fünf derzeit relevanten Handlungslogiken nach Graves anhand von Tabellen/ Grafiken, welche die damit verbundenen Herausforderungen an Führung verdeutlichen. Auszüge zu Fragebögen zur Kulturmessung im Graves‘schen Modell und ein kurzer Einblick in die Groupfield-Methode für Veränderungsprozesse schließen sich an.

8 Netzwerke im Unternehmen. Die dynamische Organisation. Jörg Müngersdorff und Rüdiger Müngersdorff nehmen die Gemeinschaften im Unternehmen in den Blickpunkt und zeigen sowohl, welche Hindernisse für Dynamisierungsprozesse in Gruppen bestehen, als auch wie das soziale Kapital von Gemeinschaften besser erschlossen, Gemeinsinn und Gemeinschaftlichkeit für bessere Kooperation , schnelleres Lernen und eine zunehmende Dynamisierung gefördert werden kann.

9 Lern- und Entscheidungsprozesse im Unternehmen. Holocracy. Dennis Wittrock führt an Beispielen von Brian Robertson, dem „Erfinder“ von Holocracy in diesen Ansatz ein. Beschrieben werden u.a. Annahmen von Holocracy, verschiedene Arten von Meetings und das holarchische Organisationsverständnis, das die bisherigen hierarchischen Unternehmensstrukturen transformiert. Auch wenn Holarchie hier als Gesamtpaket dargestellt wird, das komplett „installiert“ werden sollte, werden doch zahlreiche Elemente deutlich, an denen man als Unternehmer wie Führungskraft reflektieren kann, ob Holocracy für das eigene Unternehmen umsetzbar sein kann.

Diskussion

Eines ist allen Beiträgen gemeinsam: Sie haben die Entwicklung von Führungskraft („Leader“), Führungshandeln sowie von Unternehmen als Ziel, und die meisten legen dieses Ziel verständlich und nachvollziehbar dar. Es geht um neue Handlungsmuster, flexible Denkweisen, flexiblere Organisationen, die den von den Autoren einstimmig als notwendig benannten Wandel ermöglichen.

Die Orientierung fällt jedoch nicht immer leicht bei den geschilderten Ansätzen, von denen sich viele ähnlich sind, denn leider gehen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Beiträgen oftmals unter (z.B. die verschiedenen Ebenen/ Führungslogiken nach Graves bzw. Cook-Greuter bzw. Rooke/ Torbert). So kann man schon etwas durcheinander kommen, wenn man in den unterschiedlichen Modellen noch nicht völlig sattelfest sein sollte. An manchen Stellen wäre zudem eine ausführlichere, gründlichere Belegführung wünschenswert. Nach der Lektüre einiger Beiträge schwirrt einem fast der Kopf von den vielen zitierten Ansätzen, Fachbegriffe wie Koryphäen der Managementliteratur und Führungstheorie, die nicht immer gut lesbar mit einander verknüpft werden. Der Flow des Lesens stellt sich leider in einigen wenigen Beiträgen nicht so recht ein.

Wer das Buch aus Interesse am „Integralen“ mit einer Orientierung an Wilber liest, wird auch in den Beiträgen über die Modelle von Graves, Cook-Greuther oder Robertson schnell Zugang finden. Und trotz fehlender Erwähnung eines expliziten Verständnis von „integral“ in einigen Beiträgen zeigen die meisten von ihnen sehr deutlich eine integrale, evolutionäre, transformatorische Sicht von Führung – oder vereinfacht gesagt: sie zeigen, wie und wohin sich Unternehmen und Führung hin entwickeln können/ sollten, um den Herausforderungen heutiger Unternehmensführung gerecht zu werden.

Fazit

Insgesamt ist das Buch ein guter Entwicklungsschritt, um einen integralen Kultur- und Bewusstseinswandel in den Unternehmen zu fördern, was in entscheidendem Maße von der Bewusstseinsentwicklung der Führungskräfte abhängig ist. Leser finden hier z.T. sehr praktische Modelle, das eigene Führungshandeln zu hinterfragen und den Weg des Unternehmens aus einer mehrperspektivischen Sichtweise zu betrachten.

Rezension von
Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers
Gerontologin (M.Sc.), Dipl.-Pädagogin & Coach
CommuniCare. Kommunikation im Gesundheitswesen, Göttingen
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Es gibt 34 Rezensionen von Bettina Wichers.

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Zitiervorschlag
Bettina Wichers. Rezension vom 04.06.2013 zu: Jens Hollmann, Katharina Daniels (Hrsg.): Anders wirtschaften - was Erfolgreiche besser machen. Integrale Konzepte für ein neues Wachstum in dynamischen Märkten. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler (Wiesbaden) 2012. ISBN 978-3-8349-2836-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14867.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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