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Barbara Weschke-Scheer: Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern

Cover Barbara Weschke-Scheer: Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2013. 126 Seiten. ISBN 978-3-589-16202-4. D: 17,50 EUR, A: 18,00 EUR, CH: 27,20 sFr.

Reihe: Lehrerbücherei Grundschule.
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Thema

Lehrkräfte in der Grundschule arbeiten mit Schülern und Eltern mit Migrationshintergrund.

Autorin

Barbara Weschke-Scheer ist Lehrerin an einer Schule im Münchner Norden und als Schulpsychologin tätig.

Aufbau

Die Schrift besteht aus

  • einem kurzen Kapitel zu kultursensiblen Gesprächen mit Eltern,
  • einem Hauptteil, der sich mit der Förderung von Kindern befasst,
  • sowie einer Art Anhang mit kurzen Hinweisen auf Traditionen in Herkunftsländern von Immigranten.

Inhalt

Zunächst betont die Autorin die besondere Notwendigkeit, mit den Eltern der Schüler in Verbindung zu kommen, wenn sie nach Deutschland eingewandert sind. Sie stellt diverse Aktionen vor, die Kontakte fördern. Im Mittelpunkt steht die wertschätzende Gesprächskultur. Sie führt in die Grundsätze der systemischen Beratung ein.

Die Förderung der „Migranten-Kinder“ beginnt schon bei der Schuleinschreibung und dem Schulstart. Danach macht die Autorin Vorschläge, wie die Sprachkompetenz in der 1.und 2. Klasse gefördert werden kann, z.B. durch Singen und Sprechrituale. Dabei erklärt sie an zahlreichen Beispielen, warum sich Kinder bei der Aussprache deutscher Wörter, mit der Syntax oder beim Rechnen schwer tun (Beispiel: Das Fingerzeichen für 2 bedeutet in China 8). Zugleich macht sie auf viele kulturelle Verbindungen aufmerksam (Wörter wie „Baba“oder „Tomate“, die in der deutschen wie in der türkischen Sprache verwendet werden), ebenso auf Möglichkeiten, Kinder in ihrer Muttersprache zu loben, z.B. auch anerkennend mit der Zunge zu schnalzen.

Es folgen einige Anregungen zur Förderung der Sprachkompetenz in der 3. und 4. Klasse, etwa zur Erweiterung des Wortschatzes, danach Tipps zum Schulalltag insgesamt. Dabei macht die Autorin auch bewusst, wie schnell das Verhalten von Kindern, etwa wenn sie den Unterricht stören, kulturell „erklärt“ wird. Es ist aber auch nicht immer leicht, Eltern zu vermitteln, dass die Schule auf Selbständigkeit und Argumentationsfähigkeit setzt, nicht auf Gehorsam und Einordnung. Schließlich benennt Weschke-Scheer eine ganze Reihe von „schulpsychologischen Themen“, die keineswegs nur Kinder mit Migrationshintergrund betreffen, von Kriegsbedingten Traumata einmal abgesehen. Hier verweist die Autorin regelmäßig auf spezielle Beratungsstellen oder Therapeuten.

Das abschließende Kapitel gibt eine Übersicht über den „soziokulturellen Hintergrund“ von Familien aus den GUS-Staaten, von Roma, arabischen, afrikanischen, türkischen oder asiatischen Familien. Tatsächlich geht es dabei um die Einwanderungsgeschichte und den Status der Familien, überdies sehr allgemeine kulturelle Standards. Dies sind z.B. bei arabischen Familien die Regeln des Islam,, der Respekt gegenüber Eltern und Lehrern; in arabischen Schulen, so die Autorin, kann der Gehorsam durch einen strengen Lehrer mit Prügelstrafe eingefordert werden. Sie empfiehlt daher: Ein Verweis wird womöglich nicht als Strafe empfunden, die Verpflichtung, den Schulhof sauber zu machen schon mehr.

Diskussion

Die vorliegende Veröffentlichung will keine wissenschaftliche Abhandlung sein. Die Literaturangaben z.B. sind ungeordnet, manchmal auf Zeitungsartikel beschränkt, um nützliche Adressen erweitert. Theoretische Fragestelllungen werden allenfalls angedeutet.

Die letzten 15 Seiten zum „soziokulturellen Hintergrund“ sind mehr als problematisch, auf sie hätte man gerne verzichtet. Übergeneralisierungen helfen überhaupt nicht, die tatsächlichen Lebenslagen bleiben außen vor.

Die Autorin ist eine engagierte und erfahrene Praktikerin. Ihre Notizen sind ein hilfreicher Ratgeber für viele Situationen. Es gelingt Frau Weschke-Scheer anhand vieler Beispiele eindrucksvoll, kulturelle Unterschiede als Problem, aber eben auch als Lerngelegenheit darzustellen.

Fazit

Auf knappen am findet eine Leser oder eine Leserin eine Fülle von Anregungen, wie kultursensibler Schulalltag aussehen könnte.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 08.10.2013 zu: Barbara Weschke-Scheer: Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern. Cornelsen Scriptor (Berlin) 2013. ISBN 978-3-589-16202-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14962.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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