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Katharina von Helmolt, Gabriele Berkenbusch u.a. (Hrsg.): Interkulturelle Lernsettings

Cover Katharina von Helmolt, Gabriele Berkenbusch, Wenjian Jia (Hrsg.): Interkulturelle Lernsettings. Konzepte – Formate – Verfahren. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8382-0349-2.

Kultur - Kommunikation - Kooperation ; Bd. 13.
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Thema

Interkulturelle Lernsettings

Herausgeber- und Autorenteam

Die HerausgeberInnen wie die Mehrzahl der AutorInnen sind HochschulprofessorInnen, die im Bereich der interkulturellen Kommunikation lehren und forschen. Sie berichten daher vorwiegend über eigene Lehrveranstaltungen und angewandte Forschung.

Im vorliegenden Band sind 14 Beiträge im Umfang von jeweils 20 bis 30 Seiten, im Einzelfall (Nazarkiewicz) auch mal über 40 Seiten versammelt.

Aufbau

Der Sammelband ist in vier Abschnitte gegliedert und umfasst

  1. Kritik an interkulturellen Trainings, die einseitig Herrschaftswissen transportieren oder Stereotypen festschreiben
  2. Konzeptionen von Studiengängen, z.B. eines deutsch-chinesischen Masterstudienganges, oder hochschulgeleiteter Veranstaltungen, etwa zur Reflexion von Auslandspraktika
  3. Anregungen zu Entwicklung interkultureller Kompetenz Lehrender
  4. Konzepte von Diversity-Trainings in Unternehmen/Einrichtungen.

Allen Beiträgen ist gemeinsam, dass sie von „interkulturellen Lernsettings“ ausgehen und die hierbei möglichen Steuerungen, etwa durch Gesprächsführung skizzieren. In wenigen Fällen wird dazu authentisches Material aus einem Training ausgebreitet und ausgewertet; in fast allen anderen Fällen bieten die AutorInnen Konzeptionen, teils mehr, teils weniger anschaulich.

Ausgewählte Inhalte

Als exemplarisch kann hier der Artikel von Jasmin Mahadevan und Katharina Kilian-Yasin gelten. Die beiden Autorinnen explizieren zunächst eingehend ihre Überlegungen zu interkulturellen Trainings; sie kritisieren dabei u.a. die Überbetonung von Wissen und Reflexion und stellen dem als zentrale Kategorie „Handlungsfähigkeit“ gegenüber, wozu neben Kognition auch Einstellungen („Werte“) und Fertigkeiten gehören, also entsprechend der alten Formel Head, Heart und Hand. Das Lernsetting sind englischsprachige Seminare im Bereich des Wirtschaftsingenieurwesens an der Hochschule Pforzheim. Studierende, die ein Auslandssemester in Pforzheim absolvieren, machen die Diversität der Seminargruppen aus (Migrationshintergrund und Gender werden erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt). Die beiden Autorinnen gewähren dann Einblick in die Übungen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten thematisieren („Dreieck der Diversität“), Problemlösung in offenen Situationen („Bauen einer Murmelbahn“) simulieren oder die Diskussion über Werte anregen. Danach beginnt die „eigentliche Projektarbeit“, nämlich die Produktion von Postern zu einzelnen Themen. Die Lernprozesse werden durch individuelle wie auch Gruppen-Portfolios reflektiert und dokumentiert. Mit den Portfolios sind dann auch die Prüfungsleistungen erbracht, auf die nicht verzichtet werden kann.

Diskussion

Während im theoretischen Teil zurecht eindringlich (Mahadevan) vor der Kommunikation über Menschen aus anderen Kulturen und die Gleichsetzung von Kultur mit Nation gewarnt wird, fallen einige Beiträge deutlich hinter diesen Anspruch zurück, so auch der letzte Beitrag, in dem die „Länder des Südens“ auf einen kulturellen Nenner gebracht werden, den die entwicklungspolitischen Akteure aus Europa einkalkulieren sollten Die dezidierten Beispiele aus der Praxis sind teils recht instruktiv (deutsche und polnische Studierende produzieren Clips, deutsche PraktikantInnen in spanischen Unternehmen reflektieren ihre Irritationen), teils auf formale Beschreibungen beschränkt (deutsch-chinesischer Studiengang, Planspiel für deutsche Ingenieure in Bahrain) .

„Interkulturelle Lernsettings“ werden nicht weiter definiert, die Lernziele bewegen sich zumeist im Bereich von „Wahrnehmung der Kulturgebundenheit“ des Denkens, Fühlens und Handelns – also Selbstreflexion und Perspektivenwechsel. Da schon ist verwunderlich, dass Stereotypen als „Lernbarriere“, nicht als Chance begriffen werden.

Offen bleibt, gerade auch in den empirischen Ausschnitten, was nach der Reflexion kommt: Wie wird Diversity konkret in „Produktivität“ (Otten et.al.) umgesetzt? Wie können gemeinsam neue Routinen entwickelt werden? Cultural Awareness ist doch nur ein Startpunkt, wenn das Aushandeln neuer, gemeinsamer, fairer Regeln beginnt.

Fazit

Wer sich durch die mitunter etwas angestrengten Texte durcharbeitet, wird mit vielen Anregungen und Ideen zum interkulturellen Lernen an Hochschulen belohnt. Hier haben wir eine Baustelle, an der noch viele KollegInnen mit Kritik und Aktion mitwirken sollten.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Berg
Hochschule Merseburg
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Zitiervorschlag
Wolfgang Berg. Rezension vom 04.06.2013 zu: Katharina von Helmolt, Gabriele Berkenbusch, Wenjian Jia (Hrsg.): Interkulturelle Lernsettings. Konzepte – Formate – Verfahren. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8382-0349-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14966.php, Datum des Zugriffs 23.10.2019.


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