socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Hjalmar Jorge Joffre-Eichhorn: Wenn die Burka plötzlich fliegt

Cover Hjalmar Jorge Joffre-Eichhorn: Wenn die Burka plötzlich fliegt. Einblicke in die Arbeit mit dem Theater der Unterdrückten in Afghanistan. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2013. 2. Auflage. 250 Seiten. ISBN 978-3-8382-0472-7. 19,90 EUR.

Erweiterte Neuauflage 2013, Ursprünglich 2011. Band 5 der Berliner Schriften zum Theater der Unterdrückten.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

„Dieses Buch möchte seinen kleinen Beitrag dazu leisten, sowohl das Land Afghanistan und die Arbeit mit dem Medium TdU als auch die internationale Entwicklungszusammenarbeit vor Ort aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten“ (S. 17). Es gibt also drei Themen:

  1. Afghanistan,
  2. Boals Theater der Unterdrückten (dazu später auch Playback Theater),
  3. Entwicklungszusammenarbeit.

Autor

Joffre-Eichhorn wird „1977 in Hamburg geboren … studierte Psychologie und internationale Beziehungen“, wurde „Master in Friedens- und Entwicklungsstudien“ sowie „in Bildungsmanagement. Seit 2006 arbeitet er als freiberuflicher Theatermacher mit Schwerpunkt Theater der Unterdrückten und Playback Theater“ (221). „Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen … habe ich das Theater der Unterdrückten zunächst in der Theorie, genauer gesagt, durch die Lektüre … kennen gelernt. … Ich öffnete das Buch, fing an zu schmökern und legte es bis zu seinem Ende kaum noch nieder“ (13 f).

Aufbau

„Wenn die Burka plötzlich fliegt“ ist „ein persönlicher Erfahrungsbericht über meine Arbeit mit dem TdU in Afghanistan, keine wissenschaftliche Abhandlung über Sinn und Zweck dieser Methodik in einem Kriegsgebiet“ (18). Joffre-Eichhorn behandelt also die drei Themen nicht systematisch, sondern in lockerer chronologischer Folge als eine Art Reise- und Abenteuer-Erzählung. Die 23 ‚Kapitel‘ sind unterschiedlich in Aufbau und Länge (von 2 Seiten bis zu 36 Seiten), meist mit schwungvollen Überschriften: „Liebe auf den ersten Blick: Das TdU und ich“ (13 ff).

Inhalt (I)

Zur Theaterarbeit in Afghanistan kommt er durch den Zufall einer Stellenausschreibung. „Ist es nicht zynisch, ja größenwahnsinnig von mir, hier mit Theater irgendetwas verändern zu wollen?“ (25). Trotz vieler Anfangsschwierigkeiten „kommt es in diesen sieben Monaten Theaterarbeit … zu vielen interessanten Initiativen“ (53). „Der Durst nach Spielen und Kindsein ist bei ganz vielen AfghanInnen jedenfalls unglaublich groß“ (55). Er arbeitet mit Kindern: „Ohrenbetäubender Lärm. Rund zwei Stunden Spiel und Spaß in einem der ärmsten Viertel von Kabul“ (57); mit Frauen („über die Jahre weit über die Hälfte aller Theater-TeilnehmerInnen Frauen“, 63); in einer Drogenklinik: sie wollten „die Theaterarbeit vertiefen und möglicherweise sogar mit einem Forumtheaterstück durch das ganze Land … touren. … Leider aber findet dieses direkt mit drogenerfahrenen Menschen konzipierte Projekt wegen meiner Kündigung beim DED letztlich nicht statt“ (69). Es folgt eine Arbeit „mit gehörlosen Menschen … Wie soll das nun wieder funktionieren?“ (70) „Einige Wochen später findet ob des Erfolges des ersten Workshops ein kurzer Einführungsworkshop mit 18 LehrerInnen, die gerade eine Fortbildung zum Thema ‚Inklusive Pädagogik‘ machen, statt“ (72). Eine Lehrerin „resümiert … mit einer gewissen Hilflosigkeit: ‚Die afghanische Bevölkerung weiß einfach nicht genug über die Gründe für körperliche Behinderung. Viele sehen diese immer noch als eine Strafe Gottes an und schämen sich für ihr Kind‘“ (75). Dann Arbeit mit „jugendlichen Dorfbewohnern„; der „Workshop findet doch tatsächlich in der örtlichen Moschee, dem einzigen öffentlichen Raum im Dorf, statt“ (79); Thema „interethnische Gewalt“, sie „wird wieder zu einer konkreten Gefahr. So oder noch schlimmer sieht es fast überall im Land aus“ (78). Dann ein Programm für die „Friedrich-Ebert-Stiftung … eine der ersten Organisationen, die sich sofort für eine Zusammenarbeit im Bereich TdU interessiert.“ Bei diesem „Young Leaders Forum … geht es hauptsächlich darum, eine neue Generation zukünftiger politischer und zivilgesellschaftlicher Führungskräfte zu fördern, indem die jungen Männer und Frauen für ein Jahr die Möglichkeit bekommen, an zahlreichen von der FS veranstalteten Workshops und anderen Aktivitäten teilzunehmen“ (81). Dabei sind es „trotz aller schönen Rhetorik häufig die Eliten bzw. durch ihre Herkunft, Abstammung und andere Gründe privilegierte AfghanInnen“, die unterstützt werden (82). Die TeilnehmerInnen sind „trotz der starken Sonne mit außerordentlichem Enthusiasmus dabei, und es kommt zu viel Gelächter und vielen tiefgründigen Diskussionen“ (83). Ein „Zweiter Theaterworkshop mit dem Young Leaders Forum“ folgt mit „Forumszenen. Es handelt sich um Szenen zu Meinungsfreiheit, Gender, Korruption sowie ethnische Diskriminierung“ (88). -

Zweifel immer wieder an Form und Sinn der Entwicklungszusammenarbeit. „Die Theaterarbeit an sich macht Spaß, und das Medium hat schnell eine Nische gefunden. Die beiden Arbeitgeber DED und FCCS erscheinen mir hingegen nur sehr bedingt daran interessiert oder fähig, eine friedensorientierte Theaterarbeit ernsthaft zu unterstützen“ (41). „Die Bürokratie ist riesig, und es gibt viel internes Konkurrenz- und Eifersuchtsgehabe unter den KollegInnen“ (40). Für „überbezahlte EntwicklungshelferInnen“ (34) „gibt es in Kabul eine große Anzahl internationaler Restaurants … Es wird gesoffen, gelästert, genetworkt, und, wenn möglich, werden auch sexuelle Eroberungen getätigt.“ Dazu „die gar nicht so geheimen und kulturell absolut inakzeptablen chinesischen und russischen Bordelle“ (35); „überzogen üppig“ ist für Joffre-Eichhorn auch das eigene Gehalt (36). „Sämtliche MitarbeiterInnen sind mehr oder weniger beschäftigungslos“, spielen „mit großem Eifer Volleyball“ (39). Praktisch steht „hauptsächlich die eigene Karriere im Vordergrund„; das „manifestiert sich in der Hoffnung, durch die Arbeit in einem konfliktiven Umfeld den eigenen Lebenslauf so aufzubessern, dass es zu einer dauerhaften Weiterbeschäftigung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, bestenfalls sogar in einem angenehmeren Umfeld, kommt. … Letzteres erfährt man meist zwischen den Zeilen bzw. hinter versteckten Türen“ (49). „Manche KollegInnen haben, natürlich nicht unberechtigt, eine unheimliche Angst entwickelt, arbeiten nur noch von Zuhause, gehen keine zwei Meter zum nächsten Bäcker und dann ist da noch der ständige Sonderurlaub, um sich von den emotionalen Strapazen des Lebens vor Ort zu erholen“ (53). „Wenn ich ehrlich bin, ist mir schon häufiger der Verdacht gekommen, dass die meisten EntwickungshelferInnen zwar irgendwie helfen wollen, sie sich bei erfolgreicher Arbeit aber auch selbst überflüssig, d.h. arbeitslos machen. ‚Ich will unbedingt in die EZ. Wenn ich erstmal drin bin, habe ich für den Rest meines Lebens einen Job‘, sagte eine Kollegin einst zu mir. … ein anderer Kollege: ‚In Ländern wie Afghanistan ist das Leben doch viel spannender. Außerdem würde ich es in Deutschland nie so gut haben.‘ … Diese ganze EZ ist für mich ein absolut zweischneidiges Schwert. Werde ich mir selber noch in die Augen schauen können, wenn ich Teil dieses Systems bleibe? … Was tun? Wer könnte daran interessiert sein, ein etwas ambitionierteres Projekt auf die Beine zu stellen?“ (97 f). -

Eingestreut werden immer wieder – häufig überraschende – Informationen zu Afghanistan. Da kommt esim Zuge der verschiedenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auch zu mehreren Theaterprojekten, bei denen eine Art Wandertheater zu Aufklärungszwecken durchs Land reist“ (37). Es gibt „mittlerweile viele Aktivitäten, die den weiblichen Körper mehr betonen, so z.B. Fitnessstudios für Frauen, Frauenboxen, Frauenfußball sowie die allgemeinen Schönheitssalons und selbst einen Miss-Afghanistan-Wettbewerb (mit Kopftuch)“ (61). Dabei durften „afghanische Frauen bis zur Einführung der Burka überhaupt nicht aus dem Haus„; die Burka ermöglichte „ihnen zum ersten Mal …, auf die Straße zu gehen und die häuslichen Einkäufe zu erledigen„; sie wurde „in einigen Regionen des Landes noch nie benutzt …, da Frauen seit jeher in der Landwirtschaft mitarbeiten und die Burka dabei nur stören würde.“ Im Workshop beginnen sie vielfach mit Burka, die sie „schließlich ablegen, um im einfachen Kopftuch, in extrem seltenen Fällen sogar zeitweise ohne dieses, weiterzumachen. Dabei ist es für mich“, so Joffre-Eichhorn, “natürlich stets ein besonderes Vergnügen, einen Haufen von Burkas in die Ecke geschleudert zu sehen, während eine Gruppe von Frauen springend und hüpfend durch den Raum marschiert“ (62). – Und die Sicherheit? „Die Zahl der zivilen Opfer steigt und steigt. … Auf der anderen Seite ist die Situation bei weitem nicht so absolut negativ, wie es die internationalen Medien erscheinen lassen“ (44), wobei es letztlich auch unter den verschiedenen Volksgruppen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt“ (45).

Inhalt (II)

Auch die weiteren Kapitel des Buches pendeln zwischen Euphorie und Zweifel und zwischen den drei Themen: Afghanistan, Entwicklungsarbeit, Theater der Unterdrückten und anderen Theaterformen. „Dabei habe ich in letzter Zeit manchmal das Gefühl, dass auch die Arbeit mit diesem Medium immer mehr zu einem Geschäft wird und diese Kommerzialisierung dafür sorgt, dass sich in der Gemeinde des Theaters der Unterdrückten ein negatives Konkurrenzgehabe um Gelder und Einfluss einschleicht. … Wer die Deutungshoheit über den Begriff ‚Unterdrückung‘ hat, welche Techniken flexibel sind und welche klaren und nicht veränderbaren Richtlinien zu folgen haben“ (17).

Jedenfalls entscheidet sich Joffre-Eichhorn „zum nächstmöglichen Termin zu kündigen“ (41), geht, eher zufällig, zu den Vereinten Nationen, die trotz aller öffentlichen Kritik natürlich eine fast sagenumwobene Aura haben“ (90). Meine Rolle ist es, das zweimonatige ‚Civic Education‘-Modul zum Thema Stop & Act Theater (= Forumtheater) zu leiten. Für mich stellt diese Aufgabe den ersten wahrhaftigen Versuch dar, Multiplikatoren im Medium TdU zu fördern“ (91). Allerdings: „Wie so oft scheint es der Fall zu sein, dass irgendein ausländischer Experte für kurze Zeit eingeflogen wurde, um ohne große Einbindung der Lokalbevölkerung schnell ein Projekt zusammenzuschustern und eine Unmenge Gehalt zu kassieren, um dann das Land schleunigst wieder zu verlassen“ (91 f).

Dabei „wird mir im Laufe des Trainings immer klarer, dass das TdU von den TeilnehmerInnen nur sehr bedingt objektiv im Sinne einer Weiterbildung wahrgenommen wird, sondern dass zunächst einmal die Selbstanalyse der eigenen Verletzungen eine Grundvoraussetzung für die spätere Arbeit mit dem TdU ist“ (95); alle jedoch „sind sich einig, dass das Theatermodul den bisher interessantesten und für die Menschen relevantesten Inhalt hatte.“ Von den „Verantwortlichen“ hat jedoch „niemand ein ernsthaftes Interesse gezeigt„; das „Ausbildungsprogramm“ wird „nicht unerwartet ein paar Monate später eingestellt“ (97).

„Plötzlich erinnere ich mich“ (99), so oder so ähnlich schafft Joffre-Eichhorn immer wieder neue Spannung – und inszeniert ein „konventionelles Theaterstück … ein nordirisches Stück … Starker Tobak und leider absolut relevant für den afghanischen Kontext“ (119 f).In den nächsten Monaten wird das Stück vor tausenden Menschen in verschiedenen Teilen des Landes aufgeführt“ (126). Dazu kommtTdU als Medium der Vergangenheitsaufarbeitung„; der Autor ist „emotional total überfordert“ (106), die Gruppe zeigt „während des gesamten Workshops einen unglaublichen Level an Partizipation“ (110). Eine der Szenen zeigt eine junge Frau, die gegen den Willen von Vater und Bruder heimlich die Schule besucht. „Als sie von einem Taliban auf der Straße erwischt und nach Hause gezerrt wird, entscheiden die Eltern sie gegen ihren Willen zu verheiraten. Die Szene endet mit dem Entschluss des Mädchens, sich zu vergiften“ (114).„Die Aufführung wird ein großer Erfolg. Erneut gibt es eine Menge Tränen, aber auch viel Gelächter“ (116); die ursprüngliche Skepsis der Zuschauer“ verwandelt sich „schnell in absoluten Enthusiasmus … Die Stimmung ist wie in einem Fußballstadion“ (117). Überraschend ergibt sichdie Möglichkeit“, ein konkretes afghanisches „Projekt zu entwickeln“ und „Hadi dabei zu unterstützen, seine eigene Organisation zu gründen … Das ist es. … Gebongt. … Ich bin super aufgeregt“ (130 f). „Ziel ist es,“ eine „von AfghanInnen geleitete Theaterplattform aufzubauen und … in afghanische Hände zu übergeben. Ein ambitioniertes Projekt, aber nicht unmöglich. Auf die Plätze, fertig, los“ (144) [1]. Eine internationale Organisation, ICTJ, „wird rund die Hälfte der Kosten übernehmen können, vor allem jene, die mich betreffen: Gehalt, Unterkunft, Reisekosten und die berühmte ‚Kriegsrisikoversicherung‘, Standard bei ICTJ … Mehrere tausend US-Dollar kostet sie im Monat“ (142). Neu aufgenommen in das Repertoire wird das „Playback-Theater“ (138). „Wow. Wenn ich bedenke, wie schwierig die ersten Schritte waren, so ist das Feedback überragend“ (141).

Immer wieder erzählt Joffre-Eichhorn vom hohen emotionalen Aufwand: da liegen „alle TeilnehmerInnen total ausgelaugt auf dem Boden“ und können „keinen Pieps mehr von sich geben“ (149). Bei einer Playback-Schauspielerin sind „die Tränen absolut authentisch … Sekunden später bricht sie auf der Bühne zusammen und kommt erst gut eine halbe Stunde später wieder zu sich. … Ist es vielleicht verantwortungslos, in einem derart sensiblen Ambiente Menschen nach ihren persönlichen Erlebissen zu fragen…? Ehrlich gesagt finden wir keine abschließenden Antworten“ (158). Auch „Unsichtbares Theater“ wird versucht (154), ein „abschließendes Theaterfestival“ durchgeführt (161). Da „fällt eine Zuschauerin nach dem Erzählen ihrer Geschichte während der Playback-Aufführung in Ohnmacht und wird“ von einer Mitarbeiterin „liebevoll versorgt. … Ansonsten herrscht echte Jahrmarktsatmosphäre. Alle Gäste sind rundum begeistert“ (161). „Ich spaziere nach Hause, bin total euphorisiert“ (162). „Und das Training? Das läuft toll“ (165). „Die verschiedenen Gefühle, die über die Wochen verteilt immer wieder auftauchen sind zu 100% echt. Angst, Freude, Hass, Trauer, Resignation, Kampfeslust, Solidarität“ (166). „Bei den Frauen“ ist „die Stimmung am emotionalen Siedepunkt. Stundenlang weinen sie und unterstützen sie sich gemeinsam in einer schmerzvollen, aber zugleich auch wunderschönen Demonstration menschlichen Einfühlungsvermögens und Solidarität“ (168).

2010 „implementieren wir … ein Playback-Theater-Projekt“. Aus Playback-Geschichten zusammengestellt wird eine „Dokumentation von gravierenden Menschenrechtsverletzungen seit 1978 … Es ist das Hören und Lesen dieser Geschichten, was mich letztlich dazu bewegt, Infinite Incompleteness zu schreiben“ und zu inszenieren. Das Stück „erzählt die Geschichten von 10 afghanischen Männern und Frauen, die in den letzten mehr als dreißig Jahren Krieg Familienangehörige verloren haben“ (196). Wir führen Infinite Incompleteness im Dezember 2010 zum ersten Mal auf. Danach folgen in den Jahren 2011 und 2012 weitere Aufführungen in verschiedenen Teilen des Landes. … Während des gesamten Stückes weint die große Mehrheit der ZuschauerInnen. Oft sind laute, ins Mark treffende Schluchzer zu hören und auch die vier SchauspielerInnen … weinen oft bereits während sie noch auf der Bühne sind. … In einem sind sich alle einig: Gerechtigkeit darf gegenüber Frieden nicht zweitrangig werden. ‚Die Straflosigkeit muss endlich ein Ende haben. Ohne sie wird es in Afghanistan nie Frieden geben‘, so die Witwe Afghani“ (197 f). Zusätzlich organisiert wird ein Gastspiel „in den USA … Es soll Teil sein einer größer angelegten Advocy-Initiative, um die internationale Gemeinschaft zu mehr Engagement in Afghanistan zu bewegen“ (198). „Spätsommer 2012. Wir treffen die Entscheidung Infinite Incompleteness zumindest vorübergehend nicht mehr aufzuführen.“ Das Stück „ist für die SchauspielerInnen körperlich und seelisch eine schwere Belastung. Oft sind sie noch Stunden nach Ende der Aufführung wie in Trance. Weinen und sind unfähig sich zu bewegen. Dann springen alle plötzlich auf und erzählen mit großem Lächeln und noch größerer Überzeugung wie sehr sie die Arbeit mit dem Stück lieben … Zum wiederholten Mal ist Saleem bei den Proben ob seiner Identifikation mit seiner Rolle fast in Ohnmacht gefallen“ (202).

Parallel zu „Infinite Incompleteness“ wird „zum Thema Frauenrechte“ das „erste Legislative Theater“ in Afghanistan durchgeführt, ein „Mammutprojekt. 12 Monate Dauer. … 5 Forumtheaterstücke … rund 40 Aufführungen“. Das Ergebnis wird „im afghanischen Parlament“ vorgestellt, der „Report offiziell an eine Reihe von ParlamentarierInnen“ übergeben (186 f). Bei den „zahlreichen legislativen Forumtheateraufführungen … produziert das Aufmalen der Bärte regelmäßig Freudentränen … Die Atmosphäre ist heiter-verzweifelt, geprägt von Tränen der Freude als auch des Leids. … es kommt zu explosionsartigen Ausbrüchen von Emotionen, Diskussionen und kreativen Versuchen, die verschiedenen Unterdrückungssituationen zu unterbinden. Dabei werden vor allem jene Interventionen von ohrenbetäubenden Lachstürmen und begeisterten Ausdrücken der Zustimmung begleitet, bei denen die ZuschauerInnen in Männerrollen schlüpfen bzw. … einem männlichen Familienmitglied endlich mal die Leviten gelesen werden“ (188). Gefordert werden im Report unter anderem „schnellstmöglich Sport- und Fitnessorte exklusiv für Frauen“ (193).

Inzwischen arbeitet die Gruppe „bereits an einem neuen Projekt … Inhaltlicher Schwerpunkt sind die Ängste und Wünsche der Normalbevölkerung in Bezug auf den Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2014 …, die allgemeine Unsicherheit über die Zukunft von Land und Leuten …, gerade deshalb, weil sich die Veränderungen tagtäglich sehen und erfahren lassen“ (202) – „aber trotz aller Skepsis über die zukünftige Rolle des Westens sind viele AfghanInnen über diese neuen Entwicklungen äußerst erfreut. Noch mehr von ihnen scheinen allerdings besorgt, weil die Angst vor einer Rückkehr von Bürgerkrieg, Taliban und Flüchtlingslager riesig ist. … Es sind solch paradoxe und von tiefer Unsicherheit geprägte Lebensumstände, die derzeit in Afghanistan dominieren“ (203). -

Paradox und widersprüchlich auch weitere Details, die Joffre-Eichhorn über das Leben in Afghanistan immer wieder einstreut. „Wirkliche Theater gibt es nur eins, das alte, fast vollständig zerstörte Nationaltheater“ (109). Konventionelles Theater wird in Afghanistan oft mit Comedy gleichgesetzt, weil sich im Afghanischen Privatfernsehen in den letzten Jahren mehrere Komödianten theatralisch verstärkt in Szene gesetzt haben“ (124). Allerdings: „Im Afghanischen Nationaltheater übernehmen weiterhin Männer die Frauenrollen“ (117). Einer der engsten Mitarbeiter von Joffre-Eichhorn, Hadi (siehe Fußnote 1), baut „eine Organisation auf …, die sich von den meisten afghanischen NGOs unterscheidet. Schluss mit Korruption, Vetternwirtschaft, Trennung der Geschlechter, ethnischer Reinheit und vor allem der sonst üblichen strikt vertikalen Hierarchien“ (142). Acht Leute machen mit; sie sind, mit einer Ausnahme , „alle in den Zwanzigern, fast alle mit Studium (Physik, Bildende Kunst, Jura)“, der „Assistent und Übersetzer … hat ein abgeschlossenes Philosophie und Soziologie Studium“ (143). Bei einem der Entwicklungsprojekte werden „drei Schauspielstudenten dabei sein“ (132). Ein anderer Übersetzer wird „einige Zeit später, auch wegen seiner Teilnahme an diesem Theaterprojekt, fast umgebracht“ und flüchtet „ins europäische Exil“ (120). „Interethnische Gewalt wird wieder zu einer konkreten Gefahr. So oder noch schlimmer sieht es fast überall im Land aus“ (78) – eine „Tatsache, dass immer mehr AusländerInnen entführt werden und die Selbstmordanschläge vor allem gegen die Nato-Konvois ständig zunehmen“ (127). „Ich bin gerade erst gelandet, da werden direkt vor meiner Nase zwei ausländische DHL-Mitarbeiter auf offener Straße erschossen. Kurz danach wird ein französischer Entwicklungshelfer entführt. Und in der Woche zuvor ist eine Südafrikanerin auf dem Weg zur Kabuler Universität von den Taliban mit einem Kopfschuss hingerichtet worden“ (131). „Warten. In Kabul wartet seit Wochen alles auf den nächsten Selbstmordanschlag, der wieder einmal viele unschuldige Menschen das Leben kosten wird“ (144). „Die Erde bebt. Ein weiterer Selbstmordanschlag, keine hundertfünfzig Meter … entfernt. … Zahlreiche Splitter irgendeines Objektes sind direkt in unseren Trainingsbereich … geflogen“ (163). Ähnlich zeigt eine Workshop-Besprechung, dass „die meisten TeilnehmerInnen im derzeitigen Afghanistan drei überwältigende Gefühle haben: Angst vor Gewalt, Enttäuschung über die Afghanische Regierung und Nervosität, was ihre wirtschaftliche Zukunft angeht„; „eine Art Desideologisierung“ in der „sich die meisten Menschen einfach nur Frieden, Sicherheit und ein ganz klein bisschen materiellen Wohlstand wünschen. Wer ihnen das bringt, ist letztlich gleichgültig“ (134). Trotzdem versucht der Autor, durch sein Wirken „das so negativ geprägte Bild des Landes Stück für Stück zu verändern in ein Afghanistan der extremen Gastfreundschaft, der Poesie, des gemeinsamen Essens und Teetrinkens, des Lachens. Das Afghanistan der Menschen, die eigentlich gar nicht so anders sind als wir“ (165). Allerdings:

„Die Unterdrückung der Frau ist leider flächendeckend allgegenwärtig„; ein Zeichen dafür ist „Baad, d.h. der von einer lokalen Versammlung beschlossene Verkauf einer Frau oder eines Mädchens als Entschädigung für ein Verbrechen eines, im Normalfall männlichen, Verwandten“ (187). Dazu passt, dass „alle weiblichen Teilnehmerinnen sofort nach Ende des Workshoptages, so gegen 15,30, nach Hause eilen, da sie vor Anbruch der Dunkelheit zu Hause sein müssen“ (169), dass „eine junge, von westlichen und afghanischen Frauenrechtlerinnen inspirierte Frau … mittlerweile in England zur Uni geht“ (189), dass Zahra, eine der Schauspielerinnen, „ob ihrer Mitarbeit im Stück von Unbekannten telefonisch bedroht und später körperlich angegriffen“ wird (202). „Mit knapp 13 Jahren wurde sie gegen ihren Willen verheiratet, bekam wenig später ihr erstes von drei Kindern und wurde über Jahre von ihrem Ehemann und seiner Familie tyrannisiert. Eines Tages versuchte ihr Mann sie und die Kinder sogar in den eigenen vier Wänden zu ermorden, indem er das Haus in Brand setzte. ‚Das war für mich und meine Kinder ein unglaublicher Schock. Ich traf die Entscheidung, ihn zu verlassen und mit den Kindern nach Kabul zu flüchten‘, erzählt sie mir in einem Vieraugengespräch im Büro. … Eine solche Flucht wird im Regelfall mit brutaler Gewalt geahndet“. Joffre-Eichhorn erinnert sich an eine andere Fluchtgeschichte: Als die Frau mit ihren beiden Kindern „beim Verlassen des Hauses von einem Nachbarn erwischt wurde, ‚bestrafte‘ sie der Ehemann auf unvorstellbare Art und Weise: Sie wurde in der Gegenwart ihrer Kinder von ihm und weiteren Familienangehörigen und Freunden gruppenvergewaltigt. Bis heute gehen mir die Worte ihres 7-jährigen Sohnes nicht aus dem Kopf: ‚Sollte ich meinen Vater eines Tages wiedersehen, werde ich ihn umbringen.‘ Wie schaffen wir es bloß, diesen Teufelskreis der Gewalt und Gegengewalt zu brechen?“ (187). -

Auch von der Entwicklungszusammenarbeit wird wenig Positives berichtet. Da gibt es „die großen internationalen Organisationen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld„; da ist „Strom bald ein Jahrzehnt nach der ‚Befreiung‘ durch die US-Truppen ein extrem seltenes Glück. … Könnte es vielleicht daran liegen, dass das meiste Geld wieder in die Taschen der hochbezahlten EntwicklungshelferInnen geht? Gucken wir mal. Ein Lehrer sowie fast alle öffentliche Funktionäre verdienen um die 60-80 Euro pro Monat … ein Entwicklungshelfer bekommt Tausende von Dollar, Euro oder Pfund.“ Also: „viel verdienen, aber wenig leisten und darüber hinaus noch Angst haben, auf die Straße zu gehen“ (109) – oder Workshops durchführen, „wie sie „die internationale Gemeinschaft mit Vorliebe organisiert: Ein Workshop, gefüllt mit großen Worten, vielen guten Intentionen und sehr wenig Substanz. Eine weitere Zeitverschwendung, die die TeilnehmerInnen letztlich desillusioniert und lähmt“ (111).

Auch „die OrganisatorInnen der Reise“ in die USA erwiesen sich „als äußerst mittelprächtige GastgeberInnen … eine von uns extra für die US-Tour angefertigte Broschüre wurde ohne unsere Einwilligung radikal verändert, indem einfach der halbe Text gestrichen wurde„; für die Aufführung wurde kaum geworben. Trotzdem produziert die Gruppe „eine fantastische Performance. Das Publikum … ist begeistert“ (199). Durch eigene Initiativen „wird wenigstens die Aufführung … in New York zu einem echten Spektakel. … Mehr als 120 Menschen kommen … und sogar die Playback-Theater-Erfinder Jonathan Fox und Jo Salas. … Das Feedback ist toll“ (200). Trotzdem: „Ich habe Angst, durch meine Arbeit im Land die koloniale Haltung der internationalen Gemeinschaft zu legitimieren, weil ich, auch wenn ich mittlerweise zu 90 % umsonst in Afghanistan arbeite und oft sogar noch Geld mitbringe, als Westler für viele AfghanInnen immer Teil jener sein werde“ (210). „Ängste und Träume. Tränen und Lächeln. Und immer eine hundertprozentige Identifikation und Solidarität mit den Menschen vor Ort“ (211).

Eine Art Resümee der Entwicklungszusammenarbeit gibt Joffre-Eichhorn zwischendurch auf den Seiten 179 ff: „Ich bin selbst ein Teil dieser EZ gewesen und glaube, dass eine grundsätzliche Neuausrichtung notwendig ist: … Reduzierung der zum Teil absurden Gehälter für EntwicklungshelferInnen sowie eine Reform des Wanderzirkus EZ mit Bezug auf die für ernsthafte Kooperation schädliche, kurze Dauer vieler Arbeitsverträge. Beide Elemente begünstigen das entwicklungspolitische Söldnertum ohne ernsthaftes Interesse an Land und Leuten … In diesem Sinne schlage ich vor, das Medium Theater innerhalb der internationalen Entwicklungszusammenarbeit auf dreierlei Art und Weise einzusetzen: Als vermittelndes Medium zwischen Lokalbevölkerung und internationaler Gemeinschaft, als Mittel zur institutionellen Demokratisierung der internationalen Entwicklungszusammenarbeits-organisationen und schließlich als Instrument gesellschaftlicher Veränderungen für die jeweiligen Lokalbevölkerungen.“

Diskussion

Das Buch lässt sich kaum diskutieren – es sei denn, eine Leserin verfügt über eigene Afghanistan-Erfahrungen und umfassende Spezialkenntnisse. Allein aus dem Text sind die vielen widerspruchsvollen Fakten zur Situation im Land und zur internationalen Entwicklungsarbeit, auch vom Autor „paradox“ genannt, nicht zu überprüfen. Joffre-Eichhorn ordnet das Material nicht thematisch, verknüpft und wertet die Fülle von Fakten nicht, setzt sie kaum in Beziehung zueinander – er erzählt munter drauflos [2]. So bleibt es bei kurzschlüssigen ad-hoc-Erklärungen bzw. bei reiner Faktenmitteilung [3]; es gibt keine Schlussfolgerungen, denen man zustimmen oder widersprechen könnte.

Das gilt in diesem Sinne nicht für das Theater der Unterdrückten und die anderen Spiel- und Theaterformen. Sie werden jeweils kurz und zutreffend charakterisiert (für Theaterunerfahrene also eher zu knapp); der Verlauf wird nur angerissen; die eigentliche theaterpädagogische Vorgehensweise wird nicht behandelt. Spezifische Kenntnisse sind daraus also nicht abzuleiten. Mitgeteilt werden vor allem Schwierigkeiten und Triumphe.

Für alle drei Themen also gilt, dass die ständig wechselnden Emotionen, die die Erzählung zunächst spannend machen, im Lauf der Lektüre abstumpfen, fast misstrauisch machen – weil immer wieder alles unmöglich ist und dann doch faszinierend erfolgreich wird: „ein unglaubliches Instrument“, „unwahrscheinlich tiefgründige Erfahrungen“, „unglaubliche Emotionen“ (alles auf S. 15), „absolut wertvoll“ (22), „überwältigende Mischung“ (24), „absolut gar nicht“, „absolut unproblematisch“ (66), „total ignoriert“ (67) – noch schlimmer Floskeln wie „Wenn ich ehrlich bin“ (97), „ehrlich gesagt“ (158) …

Fazit

„Wenn die Burka plötzlich fliegt“ ist ein persönlicher, spannend zu lesender Bericht mit vielen, eher ungeordneten Details; als Information ist er weder für spezifische Theaterformen (wie Theater der Unterdrückten, Playback Theater) noch für die Situation in Afghanisten und die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe ausreichend.


[1] Gegen Ende des Buches wird, ohne Kommentar, mitgeteilt, dass Hadi „sein Master-Studium in Holland begonnen“ hat; ein anderer „Mitarbeiter hat versucht, nach Australien zu flüchten, und steckt nun in einem Flüchtlingslager in Indonesien“ (207) – keine untypischen Fälle. Wie weit sie einem Exodus gleichkommen, wird von Joffre-Eichhorn nicht diskutiert.

[2] Eine Ausnahme: Die geordneten Erläuterungen zu „Transitional Justice (TJ) – Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“ (101 ff).

[3] Das gilt insbesondere für die Zweiteilung in AfghanInnen und Taliban - von den ersteren wird vielerlei mitgeteilt; Taliban werden nur im Zusammenhang mit Untaten und Angst genannt.


Rezension von
Prof. Dr. Hans Wolfgang Nickel
Institut für Spiel- und Theaterpädagogik der Universität der Künste Berlin
E-Mail Mailformular


Alle 60 Rezensionen von Hans Wolfgang Nickel anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Hans Wolfgang Nickel. Rezension vom 30.08.2013 zu: Hjalmar Jorge Joffre-Eichhorn: Wenn die Burka plötzlich fliegt. Einblicke in die Arbeit mit dem Theater der Unterdrückten in Afghanistan. ibidem-Verlag (Stuttgart) 2013. 2. Auflage. ISBN 978-3-8382-0472-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14968.php, Datum des Zugriffs 14.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Mehr zum Thema

Leider liegen aktuell keine passenden Rezensionen vor.

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

FEHLER
Variable dbi nicht definiert. Kein Datenbankzugriff möglich.

Die Ausführung des Programms wird beendet.
Der Webmaster wurde über den Vorgang informiert.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung