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Elisabeth Linseisen, Charlotte Uzarewicz (Hrsg.): Aktuelle Pflegethemen lehren

Rezensiert von Prof. Dr. sc.hum. Nina Fleischmann, 02.01.2014

Cover Elisabeth Linseisen, Charlotte Uzarewicz (Hrsg.): Aktuelle Pflegethemen lehren ISBN 978-3-8282-0575-8

Elisabeth Linseisen, Charlotte Uzarewicz (Hrsg.): Aktuelle Pflegethemen lehren. Wissenschaftliche Praxis in der Pflegeausbildung. Lucius & Lucius (Stuttgart) 2013. 162 Seiten. ISBN 978-3-8282-0575-8. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 32,90 sFr.
Reihe: Dimensionen sozialer Arbeit - 14.

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Thema

Für die Pflegeberufe in Deutschland geben die Berufsgesetze eine pflegewissenschaftlich fundierte Ausbildung vor. Wenn die zukünftigen Pflegefachkräfte Kompetenzen zum Einbezug interner und externer Evidenz in ihr Pflegehandeln einbinden sollen, müssen die Lehrenden ebenso für diese Aufgabe gerüstet sein. Welches Wissen brauchen sie dazu? Wie soll Unterricht in diesem Kontext gestaltet werden? Für diese Fragen haben Linseisen und Uzarewicz sieben Autorinnen und Autoren für dieses Buch gewinnen können.

Herausgeberinnen

Elisabeth Linseisen, Diplom-Pflegewirtin und Krankenschwester, ist Lehrbeauftragte an der katholischen Stiftungsfachhochschule München im Fachbereich Pflege. Prof. Dr. Charlotte Uzarewicz ist ebenso Krankenschwester, Soziologin und Ethnologin. Sie hat eine Professur für Pflegewissenschaft an der gleichen Hochschule inne.

Zielgruppe

Die Herausgeberinnen empfehlen das Buch denjenigen, die an der Fortbildungsreihe teilgenommen haben, um dort Gelerntes zu vertiefen und später noch nachschlagen zu können. Ebenso eignet es sich gut für alle Pflegelehrenden, die neue Impulse für ihr pädagogisches Handeln suchen.

Aufbau

Auf 163 Seiten folgen einem kurzen Vorwort insgesamt neun Beiträge zum Thema. Das Buch ist das Ergebnis einer Fortbildungsreihe, die seit 2007 in Zusammenarbeit mit dem IF der katholischen Stiftungsfachhochschule München, der Landesgruppe Bayern des Katholischen Pflegeverbands e.V. und dem Katholischen Krankenhausverband Bayern e.V. besteht.

Ausgewählte Inhalte

Für diese Rezension werden zwei Beiträge ausführlicher betrachtet, die mich beim Lesen des Buches besonders angesprochen haben.

Zum einen ist das der erste Aufsatz von Linseisen zu „Der Umgang mit Wissen-schaffen – was kann das in der Pflegeausbildung bedeuten?“. Die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis, die Lernenden, die „mit dem wissenschaftlichen Gedöns nicht zu tun haben wollen“, begegnet auch mir im Lehralltag oft. Als Argumente, warum sich Lernende mit Pflegewissenschaft beschäftigen sollen, führt Linseisen die Berufsgesetze, die Prüfungsbestimmungen und die bayerischen Lehrplanrichtlinien an. Um (pflege-)wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen zu können, müssen Grundsätze der Wissenschaft bekannt sein. Lernende sollen erkennen können, ob Erkenntnisse für ihr Feld anwendbar sind oder wo einer Übertragbarkeit Grenzen gesetzt sind. Es ist auch wichtig, zu vermitteln, wie Fragen gestellt werden – die wiederum die Wissenschaft beantwortet werden sollen, denn nur die Rückkopplung zwischen dem, was in der Praxis an Fragen aufgeworfen werden und die Rückmeldung ob der Anwendung der Forschungsergebnisse kann eine praxisorientierte Wissenschaft entstehen. Diesen Gedanken folgend blickt Linseisen durch verschiedene Brillen auf den Begriff der Wissenschaft. Sie bezieht sich auf Friesacher, der den soziokulturellen vom operativen und vom propositionalen Wissenschaftsbegriff unterscheidet. Aus bestehenden Definitionen von Wissenschaft entwickelt sie eine eigene. Abgeleitet aus diesem Grundüberlegungen widmet sich Linseisen dann der Frage, was denn Pflegewissenschaft eigentlich sei, wobei sie hier verschiedene Blickrichtungen von der Definition von Pflege an sich aufwirft. Für das Pflegewissen zieht sie die Überlegungen von Carper aus den 70er Jahren heran, deren vier Wissensmuster die Pflegewissenschaft auch in Deutschland entscheidend geprägt haben: empirisches Wissen, intuitives oder ästhetisches Wissen (Pflegekunst), persönliches Wissen und ethisches Wissen. Erweitert wird dieser Ansatz um das sozialpolitische Wissen nach White, das emanzipatorische Wissen nach Chinn und Kramer sowie das leibliche Wissen nach Moers.

Der andere Beitrag, der hier vorgestellt wird, handelt davon, wie gesundheitsförderndes Lernen und Lehren geschehen kann. Fröschl beginnt den Beitrag mit den verschiedenen Definitionen von Gesundheit. Sie zeigt ein spirituell-systemisches Modell von Gesund-sein auf, was den gesundheitsfördernden Blickwinkel nutzt und spirituelle, ökologische, soziale und personale Ressourcen und Risiken miteinbezieht. Dieses setzt sie im Bezug zu den zentralen Aussagen der Ottawa-Charta der WHO von 1986, welches bis heute das zentrale Dokument für Gesundheitsförderung in der ganzen Welt darstellt. Lernende und Lehrende sollen eine alltagstaugliche Art der Selbstpflege erlernen und gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen z.B. in Projektarbeiten unterstützen. Was diese Grundsätze nun für die Lehre bedeuten, zeigt Fröschl mit drei Schwerpunkten auf. Enabling als Befähigen und Ermöglichen des selbstbestimmten Handelns aktiviert die Katalysator-Rolle der Fachleute im Gesundheitswesen. Dabei fängt die Gesundheitsförderung beim Lehrenden selbst an: über Pausen und Entschleunigung zu reden und dabei im Unterricht unter Zeitdruck zu sein widerspricht sich selbst. Mit dem Vertreten von Interessen (advocacy) meint die Autorin den positiven Einfluss der professionell Tätigen auf Umwelt- und Verhältnisfaktoren durch aktives anwaltschaftliches Eintreten. Ziel ist es dabei, Lebensbedingungen zu schaffen, die für das Gesund-Sein und das Erlangen gesunder Lebensziele förderlich sind. Der dritte Schwerpunkt, vermitteln und vernetzen (mediation) spricht die interdisziplinäre Zusammenarbeit an.

Die weiteren Beiträge in dem Buch fragen beispielsweise danach, wie viel Fachwissen Pflegelehrende haben sollten, wie die Handlungs- und Subjektorientierung ihren Platz in den Pflegeausbildung findet und welche pflegeethischen Kompetenzen Lernende ausbilden sollten.

Diskussion

Lehrende in Pflegeberufen stellen sich der Aufgabe, die Kompetenzen zu vermitteln, die zukünftige Pflegende für ihren wichtigen Beziehungsberuf und die komplexen Versorgungslagen benötigen. Der erste Artikel von Linseisen hat mich angesprochen, weil er Grundsätzlichkeiten erarbeitet und Impulse gibt, das eigene Verständnis von Wissenschaft, Pflege und Pflegewissenschaft zu reflektieren. Fröschls Beitrag über die Gesundheitsförderung hat dieses wichtige Thema für mich nochmal ins Bewußtsein gerückt. Aus diesen recht subjektiven Gründen habe ich diese beiden Beiträge für die Rezension in den Mittelpunkt gestellt, was die Arbeit der anderen sieben Autoren keinesfalls schmälern soll.

Der Sammelband greift Themen aus einer seit rund sechs Jahren bestehenden Fortbildungsreihe auf und bringt damit auch nicht-Teilnehmenden die Inhalte näher. Gerne würde ich zukünftig mehr davon sehen, vielleicht auch mit Themenschwerpunkten, die ausführlicher auf Details eingehen? Im Buch sind leider einige Abbildungen unscharf. Insgesamt kann die Lesefreundlichkeit durch Farbgebung, Layoutstruktur und Seitengestaltung noch verbessert werden, dem Inhalt tut dies keinen Abbruch.

Fazit

Ein Sammelband mit Blick auf wissenschaftliche, ethische und pädagogische Grundsatzfragen, der das komplexe Anforderungsprofil, welches an Lehrende in der Pflege gerichtet wird, aufzeigt.

Rezension von
Prof. Dr. sc.hum. Nina Fleischmann
Hochschule Hannover Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales
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Es gibt 84 Rezensionen von Nina Fleischmann.

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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 02.01.2014 zu: Elisabeth Linseisen, Charlotte Uzarewicz (Hrsg.): Aktuelle Pflegethemen lehren. Wissenschaftliche Praxis in der Pflegeausbildung. Lucius & Lucius (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8282-0575-8. Reihe: Dimensionen sozialer Arbeit - 14. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14982.php, Datum des Zugriffs 29.05.2024.


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