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Britta Wiegele, Sophia Poulaki: Hilfe, ich werde vergesslich!

Cover Britta Wiegele, Sophia Poulaki: Hilfe, ich werde vergesslich! Was Sie für Ihr Gedächtnis tun können und wie man Demenz erkennt. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. 153 Seiten. ISBN 978-3-497-02357-8. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 24,50 sFr.
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Thema

Ein Ratgeber für Laien zum Thema Gedächtnis und (gesundes) Altern, der sowohl die krankhaften Verläufe wie auch die gesunden Alterungsprozesse des Gedächtnisses beschreibt. Die Autorinnen geben zahlreiche Handlungsempfehlungen – für von leichten Gedächtnisveränderungen betroffene Menschen ebenso wie für geistig gesund alternde Menschen, aber auch für Menschen im „mittleren Alter“, die Informationen zur Vorbeugung von krankhaften Gedächtnisveränderungen suchen.

Aufbau und Inhalt

In den ersten vier Kapiteln erläutern die Autorinnen Grundlagenwissen über das Gedächtnis und die möglichen Veränderungen im Alter:

Wie funktioniert das Gedächtnis? Kurzer Überblick über Kurz- und Langzeitgedächtnis.

Das alternde Gehirn – nur negativ? Abnahme und Veränderungen von Gedächtnisleistungen werden differenziert dargelegt, ein Exkurs zum Lernen im Alter gibt „Lerntipps“, anhand der leichten kognitive Beeinträchtigung (MCI) wird der Übergang zur Demenz geschildert.

Was heißt Demenz? Die vier häufigsten Demenzformen werden beschrieben, zudem werden die wichtigsten Verfahren bei einer Diagnosestellung mit zahlreichen Hinweisen zur Vorgehensweise und auch zur Vertretung der eigenen Interessen für Betroffene vorgestellt.

Was schützt und bedroht das Gehirn? Bluthochdruck, Cholesterin und Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress u.a. – den Risikofaktoren folgen die Schutzfaktoren, von kognitiver Aktivität bis Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens.

Das Kapitel 5 Wo stehe ich? bietet zahlreiche Kurztests, die ausdrücklich nicht der Diagnostik, sondern der Selbstevaluation dienen können. Vom Lebensstil bis zur Stimmungslage kann man sich schnell einen Überblick über seine eigene Situation hinsichtlich der in den ersten Kapiteln dargelegten Risikofaktoren verschaffen.

Das letzte Kapitel Präventionsmöglichkeiten – Wie schütze ich mein Gehirn? gibt schließlich eine Fülle an Ratschlägen für Maßnahmen, die im weitesten Sinne als Lebensstiländerungen zusammengefasst werden können: Förderung der kognitiven Funktionen, Ernährung, Fitness (u.a. mit bebilderten Anleitungen für einfache Yoga-Übungen), Verbesserung der Stimmung und der sozialen Kontakte.

Literaturempfehlungen und ein Verzeichnis von hilfreichen Internetadressen schließen das Buch ab.

Diskussion

Zielgruppe des Buches sind Menschen im mittleren und höheren Alter, die interessiert sind an der Gesunderhaltung des eigenen Gedächtnisses bzw. am Umgang mit leichten Gedächtnisveränderungen.

Das Buch bedient dabei gleich mehrere Bedürfnislagen: Es nimmt die Besorgnis, dass alle Veränderungen des Gedächtnis gleich Anzeichen einer Demenz sind, und zeigt dennoch auf, wie die Entwicklung im Falle einer demenziellen Veränderung verlaufen kann. Es gibt Informationen über Demenzen, ohne sich in Fachsprache und Details über die späteren Verlaufsstadien zu verlieren, und bleibt dennoch sprachlich angemessen deutlich. Es zeigt auf, dass Lernen (und damit Entwicklung) im Alter möglich ist und bringt mit dem Begriff der Weisheit auch die positiven Aspekte des alternden Gedächtnisses ins Spiel.

Wichtig sind die detaillierten Hinweise zu Risiko- und Schutzfaktoren, denn dies entspricht dem Wunsch vieler Menschen nach konkreten Tipps und Ratschlägen, aus konkreter Sorge oder grundsätzlichem Interesse über die Gesunderhaltung ihres Gedächtnisses. Etwas irritierend der Aufbau des Buches, zuerst die gesammelten Faktoren zu benennen, dann ein Kapitel mit Selbsttests zu den einzelnen Punkten einzuschieben und erst anschließend im Präventionskapitel die Maßnahmen zu beschreiben. So muss man, will man den jeweiligen Test gleich im Anschluss an die Informationen machen, immer wieder suchen, welcher Test denn nun zu welchem Risikofaktor gehört und dann noch einmal weitersuchen nach den entsprechenden präventiven Maßnahmen.

Die Tests entsprechen sicher den Bedürfnissen vieler Menschen, gleich eine zumindest vage Klärung ihrer Situation zu bekommen. Bei relativ positiven Ergebnissen geht man sicher gestärkt zum folgenden Kapitel über. Ob jedoch für diejenigen, deren Testergebnisse Anlass zur Sorge geben können, ausreichende stärkende Brücken gebaut werden, damit sie den Weg zu einer weiterführenden Diagnostik gehen und die möglicherweise durch den Test ausgelöste Stimmung gut tragen können, bleibt offen.

Das Kapitel zur Prävention ist recht ausführlich und gibt einfache Tipps, die natürlich weitergehende Aktivitäten erfordern (mehr Bewegung, Ernährungsumstellung, Kontakte erhöhen etc.). Da es sich bei etlichen Tipps „naturgemäß“ um bereits altbekannte Weisheiten aus der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder depressiven Verstimmungen handelt, bleibt ungewiss, ob das Buch allein einen notwendigen Lebensstilwandel beim Leser anstoßen kann. (Was im Falle einer nicht umgesetzten Veränderung allerdings kaum dem Buch bzw. den beiden Autorinnen anzulasten wäre.)

Insgesamt ist dies ein hilfreicher Ratgeber, den man in der gerontologischen Beratung, der Hausarztpraxis oder benachbarten Arbeitsfeldern getrost den Patienten und Klienten empfehlen kann, die keine ganz konkreten, deutlichen Gedächtnisveränderungen berichten, sondern aus allgemeiner Sorge oder Interesse nachfragen. Als Literaturempfehlung an diese Zielgruppen wie an diejenigen, denen man aus allgemeinen gesundheitlichen Gründen einen Lebensstilwandel empfehlen möchte, ist dies ein geeignetes Buch, das zudem verständlich geschrieben ist und mit einem gut lesbaren, etwas größeren Schriftbild daher kommt.

Fazit

Ein Ratgeber für alle an der Gesundheit ihres Gedächtnisses interessierten Menschen mittleren und höheren Alters, die noch keine deutlichen Gedächtnisveränderungen berichten: Verständliche Hintergrundinformationen, Tests zur Selbstüberprüfung und zahlreiche Tipps zur Vorsorge für ein gesundes Gedächtnis im Alter. Geeignet auch für die Präsenzbibliothek von Seniorenberatungsstellen und Hausarztpraxen.


Rezensentin
Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers
Gerontologin (M.Sc.), Dipl.-Pädagogin & Coach
CommuniCare. Kommunikation im Gesundheitswesen, Göttingen
Homepage www.xing.com/profile/Bettina_Wichers
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Zitiervorschlag
Bettina Wichers. Rezension vom 04.06.2013 zu: Britta Wiegele, Sophia Poulaki: Hilfe, ich werde vergesslich! Was Sie für Ihr Gedächtnis tun können und wie man Demenz erkennt. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. ISBN 978-3-497-02357-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14983.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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