Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Petra Fercher, Gunvor Sramek: Brücken in die Welt der Demenz

Rezensiert von Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers, 13.09.2013

Cover Petra Fercher, Gunvor Sramek: Brücken in die Welt der Demenz ISBN 978-3-497-02372-1

Petra Fercher, Gunvor Sramek: Brücken in die Welt der Demenz. Validation im Alltag. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. 190 Seiten. ISBN 978-3-497-02372-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
Reinhardts Gerontologische Reihe - 52
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Zählpixel

Thema

Das Buch gibt eine Einführung in die Grundlagen der Validation nach Naomi Feil mit einem Schwerpunkt in der Bedeutung von Symbolen und beschäftigt sich zudem mit der Angehörigenberatung mit Validation, mit zahlreichen Fall- und Anwendungsbeispielen aus der Begleitung von desorientierten alten Menschen.

Aufbau und Inhalt

In der ausführlichen Einleitung legen die Autorinnen ihre persönlichen Bezüge zu desorientierten alten Menschen wie auch zur Methodik der Validation dar. Zudem wird eine Einführung in die Bedeutung und den Nutzen der Validation gegeben, mit einer sehr kurzen Diskussion der Kritik der Methodik in der Fachwelt.

1 Wie Validation im Alltag gelingt. Das Kapitel beschreibt die notwendige empathische Grundhaltung für Menschen, die Validation anwenden wollen, die angemessene Art der Kommunikation, das Zentrieren und schildert schließlich die Bedeutung der Selbstreflexion für Validationsanwender/innen. Ein Abschnitt zeigt die theoretischen Grundlagen des Ansatzes, und geht ein auf die psychologische Bedeutung von Verlusten, auf Krankheitsbilder und auf das Verständnis des „Aufarbeitens“ in der Validation. Für alle vier Phasen der Validation, wie sie von Naomi Feil begründet wurden, wird schließlich gezeigt, wie verbale und nonverbale Techniken phasenspezifisch eingesetzt werden können. Dabei fließen Fallbeispiele ein, außerdem wird immer wieder Bezug genommen auf Feils Prinzipien der Validation.

2 Können wir Verhaltensweise und Aussagen von Symbolen verstehen? Ausführlich widmet sich das Buch den Symbolen in der Sprache von Menschen mit Demenz, denen Feil eine hohe Bedeutung zumisst. Knappe theoretische Begründungen und detaillierte Praxisbeispiele zeigen, auf welche Symbole man bei alten desorientierten Menschen treffen kann, wie man diese im Einzelfall sicher erkennt, wie man sie validiert und wie sie sich im Verlauf einer Demenz und mit der Zunahme der Desorientierung verändern können. Ein Schwerpunkt wird dabei auf Verluste gelegt, die von alten desorientierten Menschen symbolisch thematisiert werden, ein weiterer Schwerpunkt auf den symbolischen Ausdruck von sexuellen Bedürfnissen.

3 So finden Sie Unterstützung. Im letzten Kapitel werden insbesondere die Angehörigen in den Blick genommen: Nach einem ausführlicheren Abschnitt zu Situation und Rolle von pflegenden Angehörigen, Überforderung, Unterstützungsmöglichkeiten etc. werden die Möglichkeiten von Angehörigenberatung und Kursen für Angehörige mit Validation dargestellt. Praxisbeispiele aus Beratungssituationen und der Ablaufplan für eine Angehörigenfortbildung beenden das Kapitel.

Abschließend folgen ein Verzeichnis von autorisierten Validations-Organisationen, Literaturverzeichnis und Sachregister.

Diskussion

Noch ein weiteres Buch aus dem Reinhardt-Verlag zur Validation nach Feil, da fragt man sich natürlich nach dem Gewinn, das dieses Buch für die Literatur zu Validation bringen kann. Vorweg die Schwäche: Auch hier fehlt, wie in den meisten Werken zum Ansatz nach Feil, der Bezug auf wissenschaftliche Studien. Die vorhandenen Hinweise auf Aussagen eines Neurologen in einem TV-Interview, die Methode seit wirksam, sind aus wissenschaftlicher Sicht eher fragwürdig. Dennoch geht es mir als Gerontologin so, wie den meisten Fachleuten in dem Bereich: Obwohl der wissenschaftliche Nachweis fehlt, weiß man von der Wirksamkeit aus eigener Erfahrung – womit ich die fehlende empirische Evidenz nicht den Autorinnen zur Last legen kann und will. Dennoch wäre eine kritischere Auseinandersetzung mit dieser Sachlage durch die Autorinnen wünschenswert.

Gut dargestellt werden die Grundlagen der Validation nach Feil, so dass die Leser einen fundierten Einblick in die Methodik bekommen, auch wenn sie keines der Werke von Feil und de Klerk-Rubin, die zahlreich zitiert werden, gelesen haben.

Darüber hinaus ist dies ein solides Praxisbuch – wie der Titel sagt – für den Alltag, das die Methodik anhand vieler Praxisbeispiele aus der Anwendung der Validation wie der Angehörigenberatung anschaulich darstellt. Insbesondere die viele Anwender herausfordernde Bedeutung der Symbole wird ausführlich behandelt, auch wenn man sich als Anwender immer kritisch hinterfragen sollte, damit man die im Buch dargestellten Symbole nicht einfach einem zu begleitenden desorientierten Menschen „überstülpt“. Eine genaue Kenntnis der Lebensgeschichte ist jeweils notwendig, um die Symbolik in den verbalen und nonverbalen Äußerungen eines alten Menschen zu verstehen – was das Buch aber auch verdeutlicht.

Anschaulich auch der Abschnitt zur Angehörigenberatung, wo immer wieder aufgezeigt wird, wie das Erlernen eines validierenden Umgangs für Angehörige zu einer wirklichen Erleichterung und Entlastung werden kann.

Ein empfehlenswertes Buch für Praktiker/innen, die Praxisbeispiele, Formulierungen und Deutungshilfen suchen. Trotz der expliziten Orientierung an der Methodik nach Feil kann das Buch auch hilfreich sein für Anwender/innen anderer validierender Ansätze, vorausgesetzt, man ist kein Verfechter der reinen Lehre und sucht nach Orientierung über und Verständnis für die alten desorientierten Menschen mit Hilfe einer validierenden Haltung an sich.

Fazit

Ein Praxisbuch mit klaren Stärken in der Praxisrelevanz und mit leichten Schwächen in der theoretischen Fundierung. Sowohl für Neueinsteiger wie Erfahrene in der Validation nach Feil geeignet als auch für Interessierte an Möglichkeiten der Begleitung von Menschen mit Demenz allgemein.

Rezension von
Dipl.-Pädagogin Bettina Wichers
Gerontologin (M.Sc.), Dipl.-Pädagogin & Coach
CommuniCare. Kommunikation im Gesundheitswesen, Göttingen
Website
Mailformular

Es gibt 34 Rezensionen von Bettina Wichers.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Bettina Wichers. Rezension vom 13.09.2013 zu: Petra Fercher, Gunvor Sramek: Brücken in die Welt der Demenz. Validation im Alltag. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2013. ISBN 978-3-497-02372-1. Reinhardts Gerontologische Reihe - 52. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/14984.php, Datum des Zugriffs 06.10.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht