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Andrea Wilden: Die Konstruktion von Fremdheit

Rezensiert von Prof. C. Dorothee Roer, 30.09.2013

Cover Andrea Wilden: Die Konstruktion von Fremdheit ISBN 978-3-8309-2851-5

Andrea Wilden: Die Konstruktion von Fremdheit. Eine interaktionistisch-konstruktivistische Perspektive. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2013. 304 Seiten. ISBN 978-3-8309-2851-5. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 46,90 sFr.
Reihe: Interaktionistischer Konstruktivismus - 12
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Thema

Nachmittags am 18.08. 2013 gegoogelt, meldete die Suchmaschine zu dem Stichwort „Fremdheit“ etwa 336 000 Ergebnisse, mit der Einschränkung „Fremdheit, wissenschaftlich (betrachtet)“ resultierten immerhin noch etwa 90 000 Ergebnisse. Die Deutsche Nationalbibliothek registriert unter dem Suchbegriff Fremdheit zwischen 2010 und 2013 allein 169 Buchveröffentlichungen. Ohne Zweifel: Fremdheit ist ein  bewegendes Thema, das auch in den verschiedenen Wissenschaften zahlreiche Diskurse angestoßen hat. Seine Aktualität wird häufig hergeleitet aus einem Gesellschaftsverständnis, das globale Migration und Vernetzung, Multikulturalität, Individualisierung und Enttraditionalisierung ins Zentrum der Analysen stellt.

Autorin

Andrea Wilden studierte an der Universität Köln Diplompädagogik mit den Schwerpunkten interkulturelle Kommunikation, Cultural Studies, Konstruktivismus und HR-Management. Sie ist u. a. als zertifizierte Kulturmittlerin (BMFSFJ, Personalreferentin und Projektmanagerin tätig.

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Text ist aus der Dissertation der Autorin an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln hervorgegangen. Als theoretische Fundierung wählt Frau Wilden den von ihrem Doktorvater Kersten Reich begründeten interaktionistisch-konstruktivistischen Ansatz, den sie mit ihrer Arbeit vertiefen will. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kölner Programm des interaktionistischen Konstruktivismus wie mit konstruktivistischen Positionen allgemein liegt deshalb auch nicht im Interesse dieses Projekts.

Aufbau und Inhalt

„Die Konstruktion von Fremdheit“ gliedert sich in vier Hauptkapitel:

  1. eine knappe Skizze (11 S.) des interaktionistischen Konstruktivismus, der den theoretischen Rahmen und Hintergrund der Argumentation der Arbeit bildet,
  2. ein zweites, das seitenmäßig stärkste, Kapitel (153 S.), in dem „ausgewählte theoretische Perspektiven auf Fremdheit“ diskutiert werden,
  3. ein drittes, etwas weniger umfangreiches (87 S.), „Dimensionen der (Re- De-) Konstruktion von Fremdheit“, in dem die Autorin die  „[…] unterschiedlichen expliziten und impliziten Blicke auf Fremdheit [vgl. Kap. 2, D.R.] vor dem Hintergrund meiner interaktionistisch-konstruktivistischen Perspektive zusammenführen und ‚ordnen‘“ (S. 187) will
  4. und schließlich eine kurze Schlussbetrachtung (11 S.), in der die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst werden.

Kapitel 1 stellt den Konstruktivismus als eine Metatheorie vor, die besonders geeignet sei, das Phänomen „Fremdheit“ zu reflektieren, da sie sich „[…] als sozial-kulturelle Orientierung [versteht, D.R.], die eine konstruktivistische Beobachtertheorie mit kulturtheoretischen Aspekten verbindet (vgl. Reich 2004a) und […] die Situierung des Beobachters in sozial-kulturellen Kontexten und Interaktionen betont“ (S.19). Wichtig ist der Autorin dabei u. a., die vielfältigen Verwobenheiten von Beobachtern und Beobachteten, von Fremd- und Selbstbeobachtung, der verschiedenen Beobachtungsregister (Symbolisches, Imaginäres, Reales), aber auch der verschiedenen Beobachtermöglichkeiten (der Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion) herauszuarbeiten.

In Kapitel 2 werden fünf, hauptsächlich aus Philosophie und Soziologie stammende, theoretische Perspektiven auf Fremdheit referiert. Die ersten drei Unterkapitel enden jeweils mit der Diskussion der Frage  nach der Bedeutung des Ansatzes für die Betrachtung von Fremdheit aus interaktionistisch-konstruktivistischer Sicht. Dieses Vorgehen wird in den beiden letzten Unterkapiteln nicht beibehalten. Folgende Ansätze werden vorgestellt:

  1. „die Perspektive der Phänomenologie“ (2.1.) unter besonderer Berücksichtigung von Husserl und Waldenfelds „responsiver Phänomenologie des Fremden“. In diesem Abschnitt findet sich unter der Überschrift „die absolute Andersheit des Anderen“ auch eine Analyse der Position Levinas. Besonders die beiden letztgenannten Theoretiker tragen nach Ansicht der Autorin mit ihren Überlegungen zur Verflechtung von Eigenem und Fremdem und der Bestimmung des Fremden als dem ganz anderen zur Entwicklung eines fundierten Fremdheitsverständnisses bei.
  2. „die Perspektive der Soziologie“ (2.2.): berücksichtigt  werden vor allem Georg Simmel, Alfred Schütz, die Ethnomethodologie, Norbert Elias, Zygmunt Baumann und Armin Nassehi. Im Ergebnis werden als relevant für die eigene Untersuchung „[…] die Betonung der Unterscheidung von Eigenem und Fremdem als grundlegend für die Herstellung sozialer ‚Ordnungen‘ […] und sozialer Wirklichkeit […]“ (S. 113f) und die Deutung, dass Fremdheit „[…] nur in Relation zu bestimmten Ordnungen bestimmt [werden kann, D.R.] und diese zugleich erzeugt“ (S.114) hervorgehoben, kurz „der Faktor der kulturellen Eingebundenheit und Vermitteltheit“ (S. 114) der Konstruktion von Fremdheit (und Eigenheit).
  3. „die Perspektive der Cultural Studies und des Postkolonialismus“ (2.3.), hier werden vor allem die späteren Arbeiten Stuart Halls (nach 19980er Jahren) und die Position Homi Bhabhas vorgestellt und diskutiert. Zusammenfassend hält Andrea Wilden fest, daß die Cultural Studies und der Postkolonialismus „[…] auf mehrere Aspekte aufmerksam machen, die wichtig für eine interaktionistisch-konstruktivistische Perspektive auf Fremdheit und für das Verständnis von Fremdheit als Konstruktion sind. Hierzu zählen vor allem ihre Untersuchungen von Kultur und die Betonung der Konstruktivität kultureller Praktiken als konstitutivem Element der Realitäts- und Bedeutungsbildung, ihre Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext und den vorherrschenden Machtverhältnissen sowie ihre Wechselwirkungen mit den Identitäten der Subjekte“ (S.137).
  4. „die Perspektive des Existenzialismus“ (2.4.): in diesem Abschnitt wertet die Autorin zunächst Sartres Überlegungen zum Blick des Anderen aus „Das Sein und das Nichts“ aus und kommt zu dem Ergebnis: “Zentral aus Sicht des interaktionistischen Konstruktivismus ist […] die zirkuläre Verwobenheit mit dem Anderen […]“ (S.146). Und: „Die Subjekt-Werdung des Ich wird […] erst durch den Moment der Ent-Fremdung [kursiv im Original, D.R.], durch den Blick des Anderen ermöglicht […] (S.146f). In einem nächsten Schritt möchte Andrea Wilden Sartres Fremdheitsverständnis anhand seiner Interpretation des Camus-Romans „Der Fremde“ verdeutlichen, wobei die Autorin fortschreitend von der Darstellung der Sartre´schen zur Camus´schen Position übergeht. Dessen Bedeutung für die Betrachtung der Fremdheit aus interaktionistisch-konstruktivistischer Sicht sieht sie in der „Kombination von Fremdem und Absurdem“ (S.153). Das Absurde (analog dem Realen im Reich´schen Denken) bezeichne eine „[…] Grenzbedingung, die […] ein entscheidender Antrieb ist […],das Reale einzuordnen […] in dem Bestreben, den Einbrüchen des Realen und der Absurdität der Existenz entgegenzuwirken, sich jedoch gleichzeitig genau diesen Versuchen widersetzt, indem sie sich nie gänzlich einordnen, klassifizieren oder zum Verschwinden bringen lassen“ (S.153).
  5. „die Perspektive Giorgio Agambens“ (2.5.), dessen Darstellung breiter Raum gegeben wird. Im Zentrum steht die Arbeit „Homo Sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, die zunächst referiert und anschließend ziemlich prinzipiell kritisiert wird. Entgegen dieser Kritik würdigt die Autorin Agamben anschließend als Denker, der die Philosophie für die Bewältigung politischer Fragen nutzbar gemacht habe und dessen  „[…] Hinweise auf die Verquickung von Politik und Recht, den Zusammenhang von biopolitischer und juridisch-institutioneller Macht […] und die konstitutive Bedeutung der Exklusion hierfür zu würdigen [seien, D.R.]“ (S.176). Anschließend wird, ohne Bezug zur vorangegangenen Kritik, der Beitrag Agambens zur Entwicklung einer konstruktivistischern Theorie der Fremdheit vorgestellt. “Die zentralen Aspekte bei Agambens Homo sacer [kursiv im Original, D.R.] in Hinblick auf die Thematik der Fremdheit sind […] zum einen die Bedeutung der (aus der Ordnung) Ausgeschlossenen für die (in die Ordnung) Eingeschlossenen, die in Form der einschließenden Ausschließung [kursiv im Original, D.R.] deutlich wird. Hiermit wird sowohl auf die konstitutive Bedeutung des ‚Außen‘ […] für das Innere […] aufmerksam gemacht , als auch gleichzeitig darauf, dass die Definition dessen was bzw. wer aus- und eingeschlossen ist […], eine gesellschaftliche Konstruktion ist […]“ (S.178), die die Möglichkeit zur Dekonstruktion eröffne. Weiterhin formuliere Agamben in „[…] ‚Homo sacer‘ eine Theorie der Mechanismen der Exklusion  und fokussiert hierbei vor allem auf die (bio-) politische Dimension der Exklusion, der eine entscheidende Rolle bei der Konstruktion von Fremdheit zukommt, sowie auf die systematische Produktion nackten Lebens , auf die systematische Produktion von Ausgeschlossenen und auf ihre Bedeutung für die „Norm“ bzw. für die Ordnung, die sich durch ihr Außen, das sie selbst durch Ausschluß produziert, erst konstituiert“ (S.178f).

Das 3. Kapitel, „Dimensionen der (Re- / De-) Konstruktion von Fremdheit“, stellt den Versuch dar, eine eigenständige interaktionistisch-konstruktivistische Sicht auf das Fremde zu systematisieren. Zu diesem Zweck ordnet die Autorin die aus ihrer Sicht wichtigsten Befunde des 2. Kapitels unter sieben „Dimensionen“: Kultur und Ethnizität (3.2.), Identität und Differenz (3.3.,), die Abgrenzung des Fremdem vom Anderen (3.4.), das Symbolische (3.5.), Macht, Hegemonie, Politik (3.6.), das Unbewußte / Imaginäre (3.7.) und schließlich das Reale (3.8.) als Dimension der Re- / De- / Konstruktion von Fremdheit. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Durchgangs lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Konstrukte „Kultur“ und „Ethnizität“ sind absolut zentral für das Verständnis von Fremdheit, sie müssen in ihrer Gewordenheit wie in ihren Auswirkungen auf die Subjekte reflektiert werden.
  • „Identität“ ist ein für das Verständnis von Fremdheit unverzichtbares, konstitutives Moment. In der aktuellen Diskussion werden besonders hervorgehoben die „Konstruktivität, Unabgeschlossenheit, Prozesshaftigkeit und Kontextabhängigkeit von Identität“ (S.207) sowie ihre Verwobenheit mit dem Bild des Anderen.
  • Fremdheit und Andersheit müssen nach dem Verständnis der Autorin in einer interaktionistisch-konstruktivistischen Theorie der Fremdheit klar unterschieden werden, wobei Fremdheit Andersheit „durch Stigmatisierung, Objektivierung, Stereotypisierung und fixierte hegemoniale Repräsentationen“ (S.225) zementieren will.
  • Fremdheit ist nicht, Fremdheit wird symbolisch re- / de- / konstruiert, dies zu reflektieren, ist auch und besonders die Aufgabe der Wissenschaften.
  • „Eine Analyse von Fremdheit ohne Machtanalyse ist weder sinnvoll noch hinreichend begründbar“ (Neubert / Reich im Vorwort S.12). Andrea Wilden konkretisiert diese Position unter Bezug auf entsprechende neuere sozialwissenschaftliche Diskussionen.
  • Das Unbewußte (in der Sprache des interaktionistischen Konstruktivismus das Imaginäre) wird als wichtiges Element der Konstruktion des Anderen / Fremden identifiziert: Konstruktionen sind nie nur rational, sie äußern sich auch als irrationale, projektive, imaginäre Prozesse. So schwingt in der Konstruktion des Fremden immer auch das unbewußt Eigene mit.
  • Die letzte Dimension, die des Realen, betont die Unmöglichkeit einer vollständigen Erfassung des Fremden, damit die Möglichkeit seines Einbruchs in das eigene Leben, die eigene Identität, auch wenn das Subjekt alles unternommen hatte, sich dagegen zu schützen.

Kapitel 4 fasst noch einmal die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung zusammen und zeigt an einigen Beispielen, wie ein solches Denken mit welchen Konsequenzen in die (pädagogische) Praxis umgesetzt werden kann

Diskussion

  • Stefan Neubert und Kersten Reich, die Betreuer der der Veröffentlichung zugrundeliegenden Dissertation, heben in ihrem Vorwort als besondere Leistung Andrea Wildens hervor, „[…] die interaktionistisch-konstruktivistische Perspektive auf Fremdheit im Kontext anderer relevanter sozial- und humanwissenschaftlicher Diskurse systematisch verortet und in der Gegenüberstellung […] mit ausgewählten […] Ansätzen profiliert zu haben“ (S.9).Dieser Einschätzung schließt sich die Rezensentin gern an. „Die Konstruktion von Fremdheit“ stellt auch in meiner Sicht eine fleißige und umfassende Sammlung von Argumentationen und Überlegungen zum konstruktivistischen Verständnis von Fremdheit dar. Sofern die Leserin / der Leser nicht an die „Ränder“ dieser Perspektive vorstoßen möchte, wird sie / er in der Arbeit viele Anregungen finden.
  • Dabei sollte sie / er aber Geduld mitbringen, denn der Text liest sich aufgrund seiner zahlreichen Wiederholungen und einer oft etwas umständlichen Sprache über weite Strecken ein wenig mühsam. Eine gründliche Lektorierung hätte diese Effekte deutlich reduzieren helfen.
  • Ein Teil der Wiederkehr bekannter Positionen ist meiner Ansicht nach allerdings nicht mangelnder argumentativer Stringenz, sondern einem strukturellen Problem geschuldet: der von der Autorin gewählte Aufbau erzwingt dieses regelmäßige Zückkehren zu bereits Dargestelltem. Während Neubert und Reich dafürhalten, diese Konstruktion sei „[…] für die Leser/innen, die mit den Ansätzen vertraut sind, etwas umständlich und daher mühsam […], aber für Anfänger in diesem Feld sehr hilfreich […]“ (S.11), mag ich mir vorstellen, dass eine schlüssigere Struktur der Verbindung des 2. mit dem 3. Kapitel beiden Gruppen von Leser_innen entgegengekommen wäre.
  • Zudem habe ich bedauert, keine metatheoretische Begründung für die Auswahl der vorgestellten Ansätze zu finden. So habe ich mich gefragt, mit welcher Begründung zum Beispiel Judith Butler, Nancy Frazer , Jaques Derrida oder Michel Foucault, deren Positionen in der Diskussion um differenzsensible Soziale Arbeit eine gewichtige Rolle spielen, entweder gar nicht erwähnt oder eher im Vorbeigehen behandelt wurden, während etwa Husserl immerhin etwa 12 Seiten gewidmet werden und Agamben, dem die Autorin in einer kritischen Reflexion bescheinigt, „[…] eine ‚quasi-ontologisch‘ […] bzw. metaphysisch […] und ‚quasi-transzendental […] anmutenden Erklärung fundamentaler Zusammenhänge mit dem Anspruch auf  Letztbegründung […]“ (S.172) abzuliefern, d.h. mit seinen universalistischen Begründungsformen absolut anti-konstruktivistisch sich zu positionieren, auf mehr als 30 Seiten abgehandelt wird. Ich kann es mir nur so erklären, dass Andrea Wilden gelegentlich einer Tendenz nachgegeben hat, der interaktionistisch-konstruktivistischen Fremdheitstheorie so viele befürwortende Argumente wie möglich zuzuschlagen, auch wenn sie zu diesem Zweck aus einem „nicht-passenden“ theoretischen Kontext gelöst werden mussten. Ein weiteres Beispiel in dieser Richtung ist das Kapitel über den Existenzialismus. Die Autorin übersieht darin Sartres negativistische, sich insofern abgrenzende, Sicht auf den Anderen, hebt aber, ganz im Sinn der von ihr propagierten Verpflichtung der Konstruktivist_innen, sich gegen Diskriminierung und für Gleichheit und Gerechtigkeit einzusetzen, Sartres politisches, antikoloniales Engagement hervor. So entnimmt sie dem Vorwort Sartres zu Franz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“, er sei quasi, wie Fanon, ein Vorläufer der Postcultural Studies (vgl S.115).
  • Eine letzte kritische Anmerkung: immer wieder betont Andrea Wilden die dem interaktionistischen wie allen konstruktivistischen Ansätzen eigene Praxis der wissenschaftshistorischen und wissenschaftstheoretischen Reflexion, Verortung und Relativierung. Ich hätte mir sehr gewünscht, sie hätte sich dieser Anstrengung wenigstens ansatzweise unterzogen, weil sie so neben den produktiven Perspektiven auch Grenzen und Widersprüchlichkeiten dieser Ansätze hätte thematisieren können.

Fazit

„Die Konstruktion von Fremdheit“ lässt sich als Kompendium zustimmender Argumente zu einer konstruktivistischen Theorie lesen, die zudem eine sympathische Wendung ins Praktische bekommt, indem sie sich moralisch im Lager kämpferischer Demokrat_innen und Menschenrechtsaktivist_innen verortet. Formal wie erkenntnistheoretisch lässt die Arbeit allerdings viele Fragen offen.

Rezension von
Prof. C. Dorothee Roer
Dipl.-Psych., Fachpsychologin für Klinische Psychologie (BDP), Prof. (emer.) FB4 Soziale Arbeit und Gesundheit FH Frankfurt/M. Arbeitsschwerpunkte: Psychosoziale Versorgung, Psychiatrie im Faschismus, Biografie-Arbeit und Rekonstruktive Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
C. Dorothee Roer. Rezension vom 30.09.2013 zu: Andrea Wilden: Die Konstruktion von Fremdheit. Eine interaktionistisch-konstruktivistische Perspektive. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2013. ISBN 978-3-8309-2851-5. Reihe: Interaktionistischer Konstruktivismus - 12. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15017.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


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