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Daniel Rau: Rechtlich und ethisch verantwortungsvolle Kriminalberichterstattung

Cover Daniel Rau: Rechtlich und ethisch verantwortungsvolle Kriminalberichterstattung. Eine Analyse anhand der Spruchpraxis des Deutschen Presserats. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. 246 Seiten. ISBN 978-3-8487-0180-3. D: 64,00 EUR, A: 65,80 EUR, CH: 89,00 sFr.

Reihe: Nomos-Universitätsschriften, Recht - Band 792.
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Thema

Ein Kennzeichen des modernen Alltags ist der Konsum schnell zugänglicher Medien-Mitteilungen. Doch, was darf und sollte die Presse veröffentlichen, speziell im sensiblen, aber verkaufsträchtigen Themenbereich der Kriminalberichterstattung? Die Verantwortlichkeiten der Presse sind vielfach: Die Bevölkerung möglichst sofort und aufschlussreich zu informieren, ihre verbriefte Pressefreiheit zu schützen, sowie den Persönlichkeitsschutz von Tatverdächtigen, Opfern und deren Angehörigen zu wahren. In diesem Spannungsfeld ist es gut zu wissen, dass eine Selbstkontrolle, in Form eines Pressekodex des deutschen Presserats mit konkretisierenden Richtlinien, über die Arbeit der Presse wacht. Mit der Selbstkontrolle der Presse beschäftigt sich nunmehr dieses Buch, unter Bezugnahme zu aktuellen Medienphänomenen.

Autor

Daniel Rau, Jahrgang 1982, ist Jurist und promovierte 2012 an der Universität Tübingen. Es handelt sich bei dem Buch um seine veröffentlichte Doktorarbeit.

Aufbau und Inhalt

Das Buch 246 Seiten und liefert im Hauptteil eine Normenanalyse aus rechtlicher als auch aus presseethischer Sicht.

Das Werk beginnt im 1. Kapitel mit einer ausführlichen Einleitung, inklusive Begriffsbestimmungen und der Benennung von Zielen verantwortungsvoller Kriminalberichterstattung.

Dem folgt eine thematische Trennung von Presseethik und Presserecht, deren Funktionen nacheinander ausführlich erläutert werden (Kapitel 2).

Dem schließt sich in Kapitel 3 eine Untersuchung des Autors an, die der juristischen Methodenlehre folgt und erstmals für Deutschland „[…] die aus der Spruchpraxis des Deutschen Presserats entstandene journalistische Berufsethik themenbezogen auf ethische Grundsätze analysiert“ (S. 78). Diese Untersuchung gliedert sich wiederum in die Bereiche der journalistischen Recherche, journalistischer Berichterstattung und ethischem Verhalten nach Veröffentlichungen.

Nachfolgend diskutiert der Autor im 4. Kapitel die Ergebnisse seiner Analyse, bringt sie in einen Abgleich zu den in der Einleitung von ihm benannten Zielen und schließt im 5. Kapitel mit Verbesserungsvorschlägen zur Präzisierung und Vereinfachung presseethischer Normen sowie damit implizit mit einem Appell für eine Steigerung in der Durchsetzung ethischer Standards für die Kriminalberichterstattung.

Diskussion

„Presseethische Normen müssen vor dem Hintergrund moralischer Grundsätze interpretiert werden“, so der Autor (S.40). Moral, Urteile, Normen, Ideale… dies ist wiederum ein weites Feld. Der Autor macht deutlich, wie das Handeln der Presse aus seiner Sicht aussehen muss. Er wendet sich dabei dem Nebeneinander von Recht und Ethik zu, da Recht und Ethik unterschiedliche Zielsetzungen und divergierende Lösungsansätze bieten (S. 27). Besonderes Augenmerk hat Rau auf die präventiv wirkende Funktion von Presseethik. Diese Positionierung unterstreicht die Engagiertheit des Autors. Insgesamt handelt es sich um ein gut recherchiertes Wert mit hoher Aussagekraft, zu einem brisanten Thema. So erfährt man beispielsweise viel darüber, wie in Verfahren gegen eine Kriminalberichterstattung Berufsethik und Presserecht aufeinandertreffen können. Rau idealisiert nicht die derzeitige Machbarkeit, gegen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten vorgehen zu können. Der Pressekodex sei vielmehr vor dem Hintergrund zu verstehen, dass er als Selbstkontrolle einen Minimalkonsens vertritt und Sanktionen, wie ggf. die Abdruckverpflichtung einer Rüge, zwar sozialen Druck erzeugt, „[…] dieser kann aber regelmäßig dem wirtschaftlichen Nutzen eines Regelverstoßes nicht standhalten“ (S. 33). Der Autor entwirft gegen diese und weitere Probleme Anregungen, die sich aus seiner Analyse der Spruchpraxis herleiten. Dabei wendet er sich entschieden gegen eine Zersplitterung presseethischer Normen und für eine Konzentration auf den Pressekodex, mit seinen Richtlinien (S. 221). Es verwundert daher etwas, das Rau zum Abschluss des Buches einen eigenen Kodex verantwortungsvoller Kriminalberichterstattung entwickelt. Als stimmig erweist sich dies jedoch, da Rau hier seine erarbeiteten Kriterien präzise resümiert. Ob durch Beachtung der Kriterien nunmehr die in dem Werk eingangs benannten umfangreichen Ziele verantwortungsvoller Kriminalberichterstattung erreicht werden können – wie der Autor prognostiziert (S. 219) – dies wird die Zukunft zeigen können. Unumstritten kann der Kodex von Rau als ein taugliches und innovatives Vorbild dienen, in einer Medienlandschaft, deren Dynamik sich durch online gestellte Medienprodukte rasant verändert.

Sprache, Aufbau, Forschungsstil und Zitierweise des Werkes sind juristisch geprägt. Dies ist aber für eine sozialwissenschaftlich-praxisorientierte Koppelung dieses Werkes nicht abträglich. Eine synoptische Darstellung jedoch, welche die Normierungen des deutschen Presserates dem von Rau entworfenen Kodex verantwortungsvoller Kriminalberichterstattung komprimiert gegenüberstellt, wäre hilfreich gewesen – jedenfalls für Leser/innen, die mit dem Pressekodex des deutschen Presserats bislang noch nicht vertraut sind. Es ist entsprechend empfehlenswert, sich vor dem Lesen des Buches beispielsweise auf der Homepage des Presserates einen kurzen Überblick über den Status quo zu verschaffen. Dies Kontextwissen erleichtert den Einstieg, um den Handlungsrahmen der Presse einschätzen zu können – was wiederum für sozialwissenschaftliche Berufsfelder von beachtlichem Interesse ist.

Fazit

Rau begibt sich mit seinem Werk auf eine Suche nach Klarheit in Bezug auf rechtliche und ethische Normen. Man erfährt dabei viel Informatives u.a. über die Tätigkeit journalistischer Recherche und zu Besonderheiten von Gerichtsberichterstattungen. Für eine inhaltliche Auseinandersetzung zur Kriminalberichterstattung und dem Zusammenwirken von Ethik und Recht ist dies Werk erhellend, es liefert Fachwissen auf hohem Niveau, regt zu Diskussionen an und stimmt dabei auch nachdenklich über Möglichkeiten und Grenzen von Verantwortlichkeiten in der Pressearbeit.


Rezension von
Dipl.-Sozialarb., Dipl.- Kriminol. Christine Burmeister
Doktorandin am Institut für kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg. Thema: "Kindesmisshandlung als Ausdruck eines geschlechtsspezifischen Wertekonflikts. Fallananalysen und Erklärungsansätze für die Präventionsarbeit"
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Zitiervorschlag
Christine Burmeister. Rezension vom 22.11.2013 zu: Daniel Rau: Rechtlich und ethisch verantwortungsvolle Kriminalberichterstattung. Eine Analyse anhand der Spruchpraxis des Deutschen Presserats. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. ISBN 978-3-8487-0180-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15042.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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