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Gudrun Görlitz: Psychotherapie für Kinder und Familien

Cover Gudrun Görlitz: Psychotherapie für Kinder und Familien. Übungen und Materialien für die Arbeit mit Eltern und Bezugspersonen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2012. 4., durchges. Auflage. 276 Seiten. ISBN 978-3-608-89139-3. D: 27,95 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 37,90 sFr.

Reihe: Leben lernen - 179.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-608-89234-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Dieses Buch steht inhaltlich im direkten Zusammenhang mit dem auf Socialnet (www.socialnet.de/rezensionen/15062.php) bereits rezensierten Band „Psychotherapie für Kinder und Jugendliche“. Während es in ersterem vorrangig um die direkte Arbeit mit den Klienten, also Kindern und Jugendlichen, geht, konzentriert sich die Autorin im vorliegenden Band auf die eminent wichtige Arbeit mit den primären Bezugspersonen. Dies sind bei Kindern in der Regel die Eltern, bei Jugendlichen wird es zunehmend die Peergroup. Die Autorin weist jedoch vollkommen zu Recht daraufhin, dass auch bei Jugendlichen die Arbeit mit Eltern wichtig und hilfreich sein kann: „Auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bekommen Sie einen guten Einblick in das Interaktionsverhalten und mögliche Symptomzusammenhänge, wenn Sie die Bezugspersonen einbestellen“ (S. 57). Im Gegensatz zu den Inhalten des ersten Bandes liegt zu diesem Thema deutlich weniger Fachliteratur vor.

Autorin

Gudrun Görlitz ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in einer Praxisgemeinschaft in Augsburg. Sie ist als Lehrtherapeutin, Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin anerkannt und Dozentin an verschiedenen Ausbildungsinstituten.

Aufbau und Inhalt

Das Buch unterteilt sich in fünf Abschnitte:

  1. Grundlagen der Arbeit mit Bezugspersonen und Familien
  2. Basis-Interventionen für die Arbeit mit Bezugspersonen und Familien
  3. Erlebnisorientierte Übungen für die Arbeit mit Bezugspersonen und Familien
  4. Erlebnisorientierte Übungen für Eltern-Kind Sitzungen
  5. Informationen für Therapeuten

Wie bereits im ersten Band wird auch hier einleitend ein Fallbeispiel dargestellt, dass im weiteren Verlauf auch wieder aufgegriffen wird. Des Weiteren wird im Kapitel Grundlagen der Arbeit mit Bezugspersonen und Familien auf die theoretischen Grundlagen zu diesem Thema eingegangen, konkret sind dies:

  • Familienentwicklungsaufgaben
  • Familienressourcen
  • Familien-Stressoren
  • Familien-Beziehungen
  • Eltern-Kind-Beziehung
  • Paar-Beziehung
  • Geschwister-Beziehungen
  • Die Rolle der Großeltern
  • Ablösungsaufgaben der Familie
  • Förderliche Erziehungshaltungen in der Pubertät
  • Erziehungsstile
  • Entwicklungsziele

Abschließend enthält das Kapitel noch Therapiematerialien, Informationsblätter und Leitfäden, die in der Arbeit mit Bezugspersonen psychoedukativ genutzt werden können.

Im zweiten Teil werden dann Basis-Interventionen für die Arbeit mit Bezugspersonen und Familien vorgestellt. Konkret wird hier zunächst auf den Beginn der Elternarbeit mit Aufklärung, Strukturierung der Bezugspersonensitzungen, ggf. anstehender Diagnostik der Bezugspersonen, Methoden, Elternarbeit im Allgemeinen und angemessenes Elternverhalten eingegangen, bevor auch hier Materialen für diese Themen geliefert werden. Anschließend werden die konkreten Methoden der Eltern- und Familienarbeit vorgestellt:

  • Elterntraining
  • Partnersitzungen
  • Familientherapie
  • Familiensitzungen
  • Videoanalyse mit Videofeedback
  • Eltern-Kind-Spieltraining
  • Kommunikationstraining
  • Therapeutische Briefe
  • Problemlösetraining
  • Hausbesuche

Auch dieser Teil wird um eine Vielzahl an Arbeitsmaterialien und konkreten Anregungen ergänzt.

Den Kern des Buches bilden dann wie im ersten Band die erlebnisorientierten Übungen für die Arbeit mit Bezugspersonen und Familien sowie für Eltern-Kind Sitzungen. In Bezug auf die Eltern-Kind-Sitzungen wird noch in Übungen für Einzel- und Gruppentherapie unterteilt, wobei der Einzeltherapie, die im Rahmen einer Niederlassung der Regelfall ist, mehr Raum eingeräumt wird.

Das abschließende Kapitel Informationen für Therapeuten bearbeitet dann zunächst exkursiv die spezielle Arbeit mit Eltern von hochbegabten Kindern, bevor auf folgende grundlegendere Themen eingegangen wird:

  • Supervision
  • Kassenantrag
  • Allgemeine Tipps zur Elternarbeit

Abgeschlossen wird der Band mit einem umfassenden Elternfragebogen, der sich mit dem Klientenfragebogen aus dem ersten Band ergänzt. Während die Arbeitsmaterialien des ersten Bandes noch auf CD-Rom dem Buch beigefügt wurden, stehen die Materialien dieses Bandes auf der Homepage des Verlages zur Verfügung. Der abschließende Ausblick – Festhalten oder Loslassen? rundet nicht nur diesen, sondern vielmehr auch den ersten Band mit ab und macht deutlich, dass es sich hier im Grunde um ein zweibändiges Werk handelt.

Diskussion

Die Praxisnähe des ersten Bandes setzt sich in diesem Band nahtlos fort. Im Grunde gilt auch hier alles, was bereits zuvor an Lob über die Werke geschrieben wurde (www.socialnet.de/rezensionen/15062.php), daher soll an dieser Stelle nur auf die Besonderheiten dieses Bandes eingegangen werden. Man könnte sich fragen, warum die Autorin insbesondere auf die Arbeit mit Hochbegabten eingegangen ist, was diese von der Arbeit zu anderen so abhebt, dass dies abschließende Würdigung erfährt. Die Frage drängt sich umso mehr auf, wenn man bedenkt, dass per definitionem nur drei Prozent aller Kinder hochbegabt sind, von diesen durchaus die meisten keine psychische Auffälligkeiten zeigen und man daher im praktischen Alltag als Therapeut oder Therapeutin eher seltener damit konfrontiert wird. Wenn man sich jedoch die persönliche Vita der Autorin vor Augen führt, wird deutlich, dass es sich hier um ein besonderes Anliegen der Autorin handelt. Erneut wird an diesem Beispiel deutlich, mit wie viel Engagement Gudrun Görlitz ihre Bücher schreibt. Dies erlebt man in der aktuellen Fachliteratur selten.

Fazit

Auch hier gilt: Dieses Buch und der dazugehörige erste Band „Psychotherapie für Kinder und Jugendliche“ (2011) stellen so ziemlich das Beste an Fachliteratur dar, was der Markt derzeit im Bereich Kinder- und Jugendpsychotherapie zu bieten hat. Wer im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie arbeitet, sollte sich beide Bände auf jeden Fall zulegen. Das Buch befindet sich zum Zeitpunkt der Rezension auf Platz 9 der internen Bestsellerliste des Verlags (www.klett-cotta.de/fachbuecher/leben_lernen?filter=bestseller) hinter so prominenten Autorinnen wie beispielsweise Luise Reddemann und Virgina Satir – und das zu Recht!


Rezension von
Dr. Alexander Tewes
Ausbildungsambulanzleiter LAKIJU-VT Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP)
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 05.02.2014 zu: Gudrun Görlitz: Psychotherapie für Kinder und Familien. Übungen und Materialien für die Arbeit mit Eltern und Bezugspersonen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2012. 4., durchges. Auflage. ISBN 978-3-608-89139-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15063.php, Datum des Zugriffs 25.09.2020.


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