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Markus Plate: Grundlagen der Kommunikation

Cover Markus Plate: Grundlagen der Kommunikation. UTB (Stuttgart) 2013. 184 Seiten. ISBN 978-3-8252-3855-1. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 27,50 sFr.

Reihe: UTB - 3855.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4290-9 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Kommunikation ist nicht nur ein Thema für Professionelle wie Sozialarbeiter, Therapeuten, Dienstleister, Medienmacher usw., sondern eine im Alltag genutzte Möglichkeit der Verständigung. Für die professionelle Nutzung ist daher interessant, ob und wie Kommunikationsmodelle sowohl zur Erkundung bzw. Erklärung von alltäglichen Interaktionen, zur Beziehungsgestaltung und als zwischenmenschliche Kommunikation als auch zur bewussten „Steuerung“ professioneller Kommunikation taugen.

Autor

Markus Plate ist 1975 geboren. Er vermittelt als Kommunikationstrainer, Coach und Berater seine Erkenntnisse und ist Experte für Kommunikationstechniken. Nach seinem Psychologiestudium in Merseburg und Osnabrück promovierte er am Lehrstuhl für Führung und Dynamik von Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. Zurzeit lehrt er als Stipendiat der „Forksningsstiftelserna Handelsbanken“ an der Jönköping International Business School, Schweden.

Entstehungshintergrund

Für viele Berufsgruppen im sozialen, psychologischen und Gesundheitsbereich sind „Kommunikationen“ nicht nur das wichtigste Arbeitsmittel, sondern auch das Thema schlechthin ist relevant, wenn z.B. ein Team besser mit einem Fall zurechtkommen möchte oder ein Paar, eine Familie, eine Gruppe ihre Beziehungen bewusst gestalten oder gar verändern will. Dann sind häufig verbesserte Wege der Kommunikation gefragt. Und wenn Theorien dann auch noch praktisch sind, werden Orientierungshilfen und Vorgehensanweisungen geliefert, die nützlich sein können.

Aufbau

Die Publikation untergliedert sich in ein kurzes Vorwort von Arist von Schlippe und sich anschließende zehn inhaltliche Kapitel.

Die inhaltlichen Kapitel sind wie folgt untergliedert:

  1. Einführung
  2. Grundlagen: Paul Watzlawick, Janet Beavin und Don D. Jackson
  3. Kommunikationsmuster und Selbstwert: Virginia Satir
  4. Empathie, Wertschätzung und Kongruenz: Carl Rogers
  5. Analyse und Verstehen: Friedemann Schulz von Thun
  6. Gewaltfreie Kommunikation: Marshall Rosenberg
  7. Kommunikation und Verhandeln: Roger Fisher, William Ury
  8. Fragen mit Struktur: Richard Bandler und John Grinder
  9. Refraiming: Richard Bandler und Robert Dilts
  10. Dialog: Martin Buber und David Bohm

Dabei sind alle Kapitel ähnlich gestaltet und gegliedert. Es gibt eine jeweilige Einführung zu den Autoren und deren Hintergrund. Anschließend wird die Ausgangslage und Problemstellung charakterisiert auf die sich das jeweilige Modell bezieht. Dann erfolgt eine Beschreibung des Modells. Jedes Kapitel wird mit Verweisen auf die Primärliteratur sowie Übungen abgeschlossen.

Inhalt

Vorwort. Hier formuliert Schlippe Fragen und Situationen zum Thema Kommunikation, die in den inhaltlichen Kapiteln auseinandergesetzt und beantwortet werden.

Erstes Kapitel. Einführend stellt Plate das Thema, Ziele und Struktur der Publikation vor sowie die Funktion der theoretischen Bestandteile. Gleichzeitig verweist er auf soziale Kompetenz, die es erlaube, kommunikatives Handeln unter einer pragmatischen Perspektive zu betrachten. Zudem ordnet er Übungen als wichtigen integralen Bestandteil der Gesamtstruktur des Buches ein, weil sie den Aufbau neuer Fähigkeiten erlaubten und weil man sich darüber ausprobieren könne.

Zweites Kapitel. In diesem Kapitel geht der Autor zunächst auf die Grundlagentheoretiker Watzlawick, Beavin und Jackson und deren Pionierarbeit in Sachen Kommunikation ein. Anschließend werden Schlüsselbegriffe wie: Kommunikation, Pragmatik, Syntaktik, Semantik eng am Original orientiert, definiert. Des Weiteren erfolgt eine konkrete Auseinandersetzung mit den insgesamt fünf aufgestellten Axiomen der Kommunikation, die jeweils mit entsprechenden Exkursen in weiterführende Literatur untermauert sind. Am Ende dieses Kapitels finden sich entsprechende Übungen, so wie dies nun auch in den folgenden Kapiteln der Fall ist. Außerdem wird die für das Kapitel genutzte Literatur nicht nur im Quellenverzeichnis am Ende aufgeführt, sondern gleich im Anschluss an jedes Kapitel.

Drittes Kapitel. Dieser Teil setzt sich mit Kommunikationsmustern und Selbstwert nach V. Satir auseinander, die dem Hierarchiemodell, gekoppelt an Belohnung und Bestrafung, das Wachstumsmodell der zwischenmenschlichen Begegnung auf Augenhöhe entgegensetzt. Es werden weiter der Begriff Selbstwert, Kommunikationsmuster unter Stress sowie inkongruente Kommunikationsmuster genauer betrachtet, um daraus Möglichkeiten der Nutzung von Kommunikationsmuster-Schemas abzuleiten. Zur Beschreibung eines kommunikativen Prozesses, werden verschiedene Kommunikationszyklen erläutert, angefangen vom allgemeinen, über kongruente und inkongruente bis hin zu rückgekoppelten inkongruenten Kommunikationszyklen. Selbsterfüllende Prophezeiungen als Folge von widersprüchlicher verbaler und nonverbaler Kommunikation werden am Ende dieses Kapitels behandelt.

Viertes Kapitel. In diesem Kapitel geht es um Rogers, die Empathie, Wertschätzung und Kongruenz. Die Herausforderung sieht der Autor dabei darin, Entwicklungsmöglichkeiten bzw. Möglichkeiten des Wachstums zu erzeugen, fußend auf dem Konzept Rogers, dass jeder Mensch in der Lage sei, sich selbst zu aktualisieren. Es werden hierfür die nützlichsten Rahmenbedingungen und Methoden kommunikativen Handelns vertieft so u.a. die heilsame Beziehung und aktives Zuhören.

Fünftes Kapitel. Mit dem Kapitel diskutiert der Autor das Verhältnis von Analyse und Verstehen und geht dabei auf den Ansatz von Friedemann Schulz von Thun zurück. Mit dem hier erörterten Ansatz gehe es um Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung, um z.B. problematisch ablaufende Kommunikation zu erkennen. Dazu wird das Kommunikationsmodell – auch das Vier-Ohren-Modell genannt- in seinen Bestandteilen vertiefend auseinandergesetzt. Desweiteren stellt Plate das Werte- und Entwicklungsquadrat vor und untersetzt seine Darstellung mit entsprechenden Beispielen. Es gehe hierbei um die Frage, wie aus einem Wert ein Unwert werden kann, wenn z.B. einem Wert kein entsprechend positiver Wert entgegengesetzt werden kann. Anschließend setzt er das Wertequadrat zum Kommunikationsquadrat ins Verhältnis und zeigt, wie die daraus gewonnen Erkenntnisse als Feedback, in der Beratung und als Polarisierung genutzt werden können. Am Ende des Kapitels werden die Ergebnisse der bisherigen Darstellung auf das Führungsverständnis bezogen und Kompetenzen der Gesprächsführung abgeleitet.

Sechstes Kapitel. Die gewaltfreie Kommunikation wird hier als Möglichkeit der Balance von Gefühlen, Bedürfnissen, Selbstempathie und Sprache vorgestellt. Dabei geht Plate zunächst auf die vier verschiedenen Gruppen entfremdeter Kommunikation ein: moralische Urteile, Vergleiche, Leugnen der Verantwortung und weitere Formen. Dann beschreibt er die Bestandteile gewaltfreier Kommunikation: Beobachtungen in Abgrenzung zu Bewertungen, Gefühle, die Bedürfnisse hinter den Gefühlen und Bitten in Abgrenzung zu Forderungen.

Siebentes Kapitel. Verhandeln als eine der häufigsten problematischen menschlichen Interaktionsform wird hier nach Fisher, Ury und Patton diskutiert. Das wird dann verständlich, wenn verschiedene Verhandlungsstile wie hartes und weiches Verhandeln sowie Prinzipienorientiertes Verhandeln näher erläutert werden. Verhandeln geht entsprechend der Begründer dieses Modells von fünf Kernelementen aus, die in diesem Kapitel näher erläutert werden. Es handelt sich dabei um die Kernelemente: 1. Menschen, 2. Interessen, 3. Optionen, 4. Kriterien und 5. BATNA – best alternative to negotiated agreement. Orientiert am Havard-Konzept werden drei Botschaften für den Verhandlungsprozess für das erste Kernelement diskutiert: die Trennung von Verhandlungsgegenstand und Verhandlungspartner, das Auseinanderhalten von Sach-und Beziehungsebene und die proaktive Behandlung des Faktors „Mensch“. Dabei werden anschließend, im Sinne des letzten Punktes des Harvard-Konzeptes, drei Elemente vertiefend auseinandergesetzt, nämlich: Vorstellungen, Emotionen und Kommunikation. Die Auseinandersetzung mit dem zweiten Kernelement; Interessen, folgt dabei dem zugrundeliegenden Leitsatz, sich an einer Befriedigung der Interessen der beteiligten Parteien zu orientieren und nicht an den vordergründigen Positionen. Für das dritte Kernelement; Optionen, wird die Erweiterung von Wahlmöglichkeiten diskutiert, die von einem klassischen Nullsummenspiel wegführen sollen. Freilich bedarf es für ein Gelingen auch bestimmter Kriterien, womit das vierte Kernelement in den Mittelpunkt gerückt wird. Schließlich bildet BATNA am Ende eine Möglichkeit, sich vor nachteiligen Vereinbarungen zu schützen.

Achtes Kapitel. Die Landkarte ist nicht das Gebiet…sie bildet demnach etwas ab, was einer bestimmten Funktion unterliege. Demnach leiden Menschen nicht an der Welt selbst sondern an ihrem Modell von Welt. Daraus entstehen in der Kommunikation schnell ungerechtfertigte Angriffe, weil genau das Gegenteil vom einzelnen angenommen werden kann, nämlich dass es sich um die Realität und damit um die reine Wahrheit und Objektivität handle. Das blockiere in folgedessen die Kommunikation, aber auch die Entwicklungsmöglichkeiten. Plate geht hier auf das von Bandler und Grinder – die Begründer des NLP- entwickelte Modell: Fragen mit Struktur ein. Zunächst wird die Kommunikation theoretisch auseinandergesetzt und gezeigt, dass bestimmte Filter wie Sinne und sozial-genetische Faktoren für die spezifische Repräsentation der Welt verantwortlich zeichnen. Anschließend gibt der Autor einen vertiefenden Einblick in die zwölf Frageformen des Meta-Modells, deren vier Oberkategorien: Tilgungen, Genalisierungen, Verzerrungen und Präsuppositionen jeweils mit weiteren Unterkategorien unterlegt sind.

Neuntes Kapitel. Das Kapitel setzt sich mit dem Refraiming auseinander und geht auf Bandler und Dilts zurück. Refraiming wird hier als Technik des Umdeutens beschrieben, mit der es gelingt, Veränderungen in der Bedeutungsgebung zu erzielen. Dafür werden zum Verständnis entsprechende Begriffe erläutert, so etwa der des Rahmens in seinen verschiedenen Erscheinungsformen oder der Begriff der Glaubenssätze. Anschließend stellt der Autor eine Reihe Möglichkeiten des praktischen Einsatzes zur Verfügung.

Zehntes Kapitel. Der Dialog als Kommunikationsform impliziert bereits eine Kommunikation auf der Grundlage einer echten menschlichen Begegnung. Zurückgehend auf Buber und Bohm werden in diesem Kapitel der Dialog mit der Kommunikationsform Diskussion verglichen, Formen des Dialoges wie einfacher, generativer und themenzentrierter und strategischer Dialog vorgestellt sowie Kernfähigkeiten wie Lernhaltung, radikaler Respekt, Offenheit, von Herzen sprechen, Zuhören, Verlangsamung, Aufheben von Bewertungen und Annahmen, produktiv plädieren, eine erkundende Haltung üben und den Beobachter beobachten, vertieft.

Diskussion

In diesem Buch werden Kommunikationstheorien in ihrer praktischen Relevanz kurzweilig und verständlich dargestellt. Es kann von sowohl Professionellen als auch einfach Interessierten in die Hand genommen werden, um sich noch einmal kurz zu orientieren, wenn es um bereits bekannte Kommunikationsgrundlagen geht. Gleichzeitig findet man aufgrund der Fülle an Theorien und Modellen immer auch noch etwas Neues, was einen AHA-Effekt erzeugt. Diese Publikation ist zudem sehr gut geeignet, sich einen generellen Überblick zum Thema zu verschaffen.

Fazit

Ein kurzweiliges und einen Überblick gebendes Buch für Experten und professionelle Nutzer des „Arbeitsmittels“ Kommunikation sowie für besonders Interessierte in dieser Richtung.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 12.03.2014 zu: Markus Plate: Grundlagen der Kommunikation. UTB (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-8252-3855-1. Reihe: UTB - 3855.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8252-4290-9 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15069.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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