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Bernd Fitzenberger, Gaby Wunderlich: Holen die Frauen auf?

Rezensiert von Ute Wellner, 15.06.2004

Cover Bernd Fitzenberger, Gaby Wunderlich: Holen die Frauen auf? ISBN 978-3-8329-0530-9

Bernd Fitzenberger, Gaby Wunderlich: Holen die Frauen auf? Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktbeteiligung und Verdienstentwicklung in Deutschland und Großbritanien. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. 259 Seiten. ISBN 978-3-8329-0530-9. 58,00 EUR. CH: 95,00 sFr.
ZEW Wirtschaftsanalysen – Schriftenreihe des ZEW, Band 69
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Einstieg

Frauen stehen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland wie in Großbritannien ihren Mann in den unterschiedlichsten Berufen, mit den verschiedensten Qualifikationen und verdienen in beiden Länder weniger als die Männer. Die Erwerbsarbeitsarbeit scheint für Frauen in den vergangenen Jahren in ihren Lebensentwürfen einen anderen Stellenwert bekommen zu haben. Erwerbskarrieren von Frauen weisen jedoch häufiger Erwerbsunterbrechungen auf als die von Männern. Zu nennen sind die Erziehungszeiten von Kindern. Andererseits werden nach Untersuchungen der OECD die Unterbrechungen nach Geburten immer kürzer. Der Wechsel von Vollzeit in die Teilzeittätigkeit ist ebenfalls weiblich besetzt. In Deutschland finden sich dann die "typischen" Familien mit Vater in Vollzeit und Mutter in Teilzeit. Es wird von dem "Zuverdienst" oder auch der "Zuverdienerin" gesprochen. Das ist zum Beispiel in Großbritannien aufgrund eines anderen Besteuerungssystems anders.

Inhalt

Das Buch enthält eine empirische Analyse der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarkt- und Verdienstentwicklung in Deutschland und Großbritannien von 1975 bis 1995. Unter Berücksichtigung der Unterschiede in den Erwerbskarrieren - untersucht nach Geburtsjahrgängen - wird gefragt, ob und in wieweit eine Angleichung von Beschäftigungsquoten zwischen Frauen und Männern erfolgt ist. Hierbei sind sowohl individuelle wie auch institutionelle Faktoren berücksichtigt worden, die die Entscheidung der Frauen für oder gegen eine Erwerbstätigkeit mit bestimmen. Unter dem Aspekt "statistische Diskriminierung" gehen die Autoren auch der verallgemeinerten Überzeugung vieler Arbeitgeber nach, dass es Unterschiede in der zu erwartenden Produktivität zwischen den Geschlechtern gibt. Anhand der Individualdatensätze aus 20 Jahren wird die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern in den beiden Ländern untersucht und erarbeitet inwieweit sich deren Verdienste unter welchen Bedingungen eventuell angepasst haben. Dabei sind die Rahmenbedingungen auf den gewählten Arbeitsmärkten und die politische Einflussnahme während der Untersuchungszeit durchaus unterschiedlich verlaufen. Ergebnisse, Ursachen, Gründe und Trends werden mit umfassenden Literaturverweisungen dargestellt.

Die Untersuchung gliedert sich wie folgt:

  • Kurzzusammenfassung
  • Kapitel 1: Einleitung
  • Kapitel 2: Bisherige Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischen Verdienstunterschieden und Arbeitsmarktbeteiligung in Westdeutschland und Großbritannien
  • Kapitel 3: Daten
  • Kapitel 4: Deskriptive Evidenz
  • Kapitel 5: Methodischer Analyserahmen
  • Kapitel 6: Verdienstentwicklung in Deutschland und Großbritannien
  • Kapitel 7: Partizipation und Erwerbsquoten in Deutschland und Großbritannien
  • Kapitel 8: Selektivität des Erwerbsstatus von Frauen und Verdienste in Deutschland und Großbritannien
  • Kapitel 9: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse dieser Studie und Schlussfolgerungen.

Ziel des Autorenteams war es, Handlungsempfehlungen für eine Gleichstellungspolitik geben zu können. Und noch einmal kurz ein Blick auf den Titel "Holen die Frauen auf?" Antwort: Ja, aber (Für die Nachfolge-Untersuchung sollten schon mal die entsprechenden Finanzen ins Budget gestellt werden.)

Zielgruppe

Forschende zu Geschlechterfragen Schwerpunkt Frauen, Gender-Interessierte, SoziologInnen, Wirtschaft- und SozialwissenschaftlerInnen.

Lesetipps und Fazit

Interessant, nicht nur für die genannte Zielgruppe. Eine umfangreiche Zusammenstellung, Bearbeitung und Auswertung aus 20Jahren Datenmaterial.

Man sollte allerdings nicht einfach mit dem Lesen beginnen. Empfohlen wird folgende Herangehensweise: nach der Kurzzusammenfassung - am Anfang - durchblättern bis Kapitel 9. Weitermachen mit der Zusammenfassung der Ergebnisse und den Schlussfolgerungen daraus. Es ergibt sich dann ein Einblick was Grund und Ziel der Untersuchung gewesen ist und unter welchen Annahmen sie durchgeführt wurde. Als dritten Schritt sollte man die Einleitung in Angriff nehmen. Diese drei Kapitel zusammen gewähren einen guten Überblick in die tatsächliche Situation, die Geschichte und den Verlauf. Wie sieht es heute in der Bundesrepublik aus, fast 10 Jahre nach den letzten ausgewerteten Daten. Die Studie endet ja vor Teilzeit- und Befristungsgesetz (in Kraft seit 1.2001) und den Aktivitäten zum Thema MiniJob. Interessant gerade hier auch der Vergleich mit Großbritannien. Für vertiefende Informationen / Erkenntnisse muss man dann in die einzelnen Kapitel noch einmal intensiver einsteigen. Anmerkung: viele Tabellen wurden für mich erst durch ein Einfärben erkenn- und nachvollziehbar.

Warum ich dieses Buch für wichtig erachte und empfehlen möchte: dazu aus der Zusammenfassung der Studie drei Aussagen:

  1. ÉDie zu Beginn des Erwerbslebens hohen Vollzeitquoten der Frauen weisen mit zunehmenden Alter ein Familiental auf in dem sie in großem Umfang ihre Vollzeittätigkeit unterbrechen oder ganz verlassen.ÉTrotz eines teilweise zu beobachtenden positiven Trends in den Vollzeitquoten der Frauen hat sich dieses Muster für Frauen im Lebenszyklus in keinster Weise an die männlichen Erwerbsmuster im Lebenszyklus angepasst.
  2. Die Verdienstentwicklung verläuft sehr differenziert. ÉMänner weisen einen starken alterspezifischen Verdienstzuwachs auf. Frauen verbessern ihre Verdienstposition deutlich durch Qualifikation. ÉDarüber hinaus hat sich die Verdienstposition von hoch qualifizierten Frauen überhaupt nicht verbessert.
  3. ÉUnsere Ergebnisse legen für Deutschland stärker als für Großbritannien die Existenz von "Glass-Ceiling-Effekten" (Karrierehemmnissen) nahe.

Eine Zusammenstellung der Zusammenfassungen wäre m.E. für ein breiteres Publikum sehr lesenswert!

Rezension von
Ute Wellner
Juristin und Mediatiorin,freiberuflich tätig in Personaltraining, Fortbildung und Mediation. Arbeitsschwerpunkte: Arbeits- und Gleichstellungsrecht, Diskriminierung am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, AGG)

Es gibt 21 Rezensionen von Ute Wellner.

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Zitiervorschlag
Ute Wellner. Rezension vom 15.06.2004 zu: Bernd Fitzenberger, Gaby Wunderlich: Holen die Frauen auf? Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktbeteiligung und Verdienstentwicklung in Deutschland und Großbritanien. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. ISBN 978-3-8329-0530-9. ZEW Wirtschaftsanalysen – Schriftenreihe des ZEW, Band 69. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1507.php, Datum des Zugriffs 17.08.2022.


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