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Marshall B. Rosenberg: Das können wir klären

Cover Marshall B. Rosenberg: Das können wir klären. Wie man Konflikte friedlich und wirksam lösen kann ; gewaltfreie Kommunikation: die Ideen & ihre Anwendung. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. 3. Auflage. 40 Seiten. ISBN 978-3-87387-951-5. D: 5,90 EUR, A: 6,10 EUR, CH: 8,90 sFr.

Reihe: Coaching fürs Leben. Aus dem Amerikan. von Michael Dillo.
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Thema

Seit mehr als 35 Jahren vermittelt Marshall Rosenberg in Konfliktsituationen zwischen Eltern und Kindern, Ehemännern und Ehefrauen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie zwischen kriegführenden Gruppen überall auf der Welt. Dabei hat er erlebt, dass es möglich ist, Konflikte friedlich zu lösen – zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Es geht ihm nicht um Kompromisse. Es geht Ihm um achtsame und respektvolle Qualität der Beziehungen.

Autor

Dr. Marshall B. Rosenberg ist in einem brodelnden Viertel in Detroit aufgewachsen und entwickelte ein Interesse an einer friedlichen Alternative zu der Gewalt, die er in seiner Jugend kennen lernte. Er promovierte im Jahre 1961 an der University of Wisconsin zum Doktor der Psychologie. Weitere Lebenserfahrungen und sein Studium der vergleichenden Religionswissenschaft brachte ihn dazu das Center für gewaltfreie Kommunikation zu gründen und eine Kommunikation zu entwickeln, wodurch respektvoll über eigene Bedürfnisse und Werte gesprochen wird.

Entstehungshintergrund

Die Methode beruht auf dem Forschungsansätzen von Carl Rogers - Entwickler von Gesprächspsychotherapien – bei dem Marshall Rosenberg gelernt hat. Wenn die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden, ist das eine Voraussetzung um aufrichtige Kooperation und Konfliktlösung selbst in schwierigsten Situationen zu ermöglichen

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer Darstellung des Wertsystems der gewaltfreien Kommunikation auf einer Seite. Im Mittelteil geht es um die Zentralen Bausteine und Schritte der Methode, die die Konfliktlösung bewirkt. Im hinteren Klappentext sind die Schritte des gewaltfreie Kommunikation-Prozesse zusammengefasst (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte).

Inhalt

Über gewaltfreie Kommunikation. Der Auto schildert das gewaltfreie Kommunikation davon ausgeht, dass die befriedigendste Handlungsmotivation darin liegt, das Leben zu bereichern und nicht aus Angst, Schuld oder Scham etwas zu tun. Besondere Bedeutung kommt der Übernahme von Verantwortung zu – für getroffene Entscheidungen sowie Verbesserung der Beziehungsqualität als vorrangigem Ziel. Durch gewaltfreie Kommunikation werde der Leser verstehen können, dass alles, was ein Mensch jemals tut, ein Versuch ist, Bedürfnisse zu erfüllen, für alle Beteiligten förderlicher ist, Bedürfnisse durch Kooperation statt durch Wettbewerb zu erfüllen und es Menschen von ihrer Natur aus Freude bereitet, zum Wohlergehen anderer beizutragen, wenn sie das freiwillig tun. Die gewaltfreie Kommunikation bietet die Gelegenheit Verbindungen mit anderen Menschen zu schaffen, die befriedigender sind, ihre Bedürfnisse auf eine Weise zu erfüllen, die Ihren Werten und anderen gerecht werden, vergangene Erfahrungen und Beziehungen, die schmerzvoll und erfolglos waren, zu heilen. Die Fähigkeiten der gewaltfreien Kommunikation würden den Leser dabei unterstützen, Schuld, Scham, Angst und Depression aufzulösen, Ärger und Frustration umzuwandeln, in den Aufbau von Partnerschaft und Kooperation, Lösungen zu finden, die auf gegenseitiger Rücksichtnahme, Respekt und Konsens basieren, Bedürfnisse so zu erfüllen, das sie das Leben bereichern.

Konflikte lösen mit der gewaltfreien Kommunikation. Hier erläutert der Autor die Hilfsmittel der Konfliktlösung:

  • eigene Bedürfnisse ausdrücken, die Bedürfnisse von anderen Menschen erkunden;
  • überprüfen, ob die Bedürfnisse von der anderen Seite so verstanden wurden, wie wir sie meinen. Empathie = Einfühlung aufbringen, die Menschen brauchen, um dann selber die Bedürfnisse anderer hören zu können, was er mit Bedürfnissen feststellt und ausdrückt;
  • vorgeschlagene Lösungen oder Strategien in positiver Handlungssprache übersetzen

Bedürfnisse feststellen und ausdrücken. Hier erläutert der Autor, was er mit Bedürfnis in Abgrenzung zu einer Strategie meint. Bedürfnisse nähmen keinen Bezug auf spezielle Menschen, die spezifische Dinge tun. Im Gegensatz dazu bezögen sich Handlungsstrategien auf spezielle Menschen, die ganz spezifische Handlungen ausführten. Bedürfnisse, so wie er den Begriff gebraucht, können als Ressourcen aufgefasst werden, die das Leben bereithält, um sich selber zu erhalten. Zum Beispiel hängt unser physiches Wohlergehen davon ab, dass unser Bedürfnis nach Luft, Ruhe, und Essen erfüllt werden. Unser psychisches und spirituelles Wohlergehen wird verbessert, wenn unser Bedürfnis nach Verständnis, Unterstützung, Ehrlichkeit und Sinnhaftigkeit erfüllt werden.

Bedürfnisse andere erkunden. Der Ansatz der Konfliktlösung, den der Autor beschreibt, erfordere nicht nur, das wir lernten, unsere Bedürfnisse auszudrücken, sondern auch, das wir andere dabei unterstützten, sich ihrer Bedürfnisse klar zu werden.

Überprüfen, ob die Bedürfnisse von der anderen Seite so verstanden wurden, wie wir sie meinen. Der Autor erläutert hier, warum es wichtig sei, wenn der Konfliktpartner sein Bedürfnis ausdrücke, im nächsten Schritt sicherzustellen, das seine Frau es auch gehört und richtig verstanden habe. Oftmals seien sie so angefüllt von ihrem eigenen Schmerz, das sie einandere nicht hören könnten.

Mit Empathie Schmerz heilen. Wenn ein Konfliktpartei trotz Wiederholung und Unterstützung durch den Autor die Bedürfnisse nicht hören könne, verwende der Autor eine andere Technik. Er verändere die Perspektive. Anstatt zu versuchen, sie dazu zu bringen zu wiederholen, was er gesagt habe, versuche er nun zu verstehen, unter welchem Schmerz sie gelitten habe, und die dahinterliegenden Bedürfnisse zu hören. Dann würde er die andere Partei bitten, einfach nur zu wiederholen, was ihre Bedürfnisse sind. Wenn die Leute nur fragen würden: „Hier sind die Bedürfnisse der beiden Seiten, und hier sind die Ressourcen. Was können wir tun, um diese Bedürfnisse zu befriedigen.“ Die Konflikte wären einfach zu lösen. Tragischerweise hätten wir nicht gelernt, vom Standpunkt der jeweils beteiligten menschlichen Bedürfnisse zu denken. Stattdessen würden Gedanken dazu führen, das wir uns gegenseitig mit Etiketten und Verurteilungen entmenschlichen. Dann würden Konflikte sehr schwer lösbar.

Streitigkeiten unter mehreren Menschen lösen. Die gleichen Prinzipien seien anwendbar, auch wenn mehr als 2 Menschen beteiligt sind. Der Autor stellt dies anhand eine Konfliktes zwischen zwei Stämmen in Nigeria dar, bei dem der Autor gebeten wurde zu vermitteln. Der Autor forderte die beiden auf zusprechen: „Ich sagte zu beiden Seiten: ‚Ich würde gerne denjenigen, wer auch immer zu sprechen beginnen möchte, bitten zu sagen, was seine Bedürfnisse in der Situation sind. Nachdem jeder die Bedürfnisse von allen anderen versteht, werden wir beginnen nach Wegen zu suchen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen.‘“ Unglücklicherweise hätten sie keine besonders guten Kenntnisse ihrer Bedürfnisse gehabt. Anstatt auf die Frage zu antworten, hätte der Chief der einen Seite über den Tisch geschaut und habe gesagt: „Ihr seid alle Mörder“. Und der andere habe geantwortet: „Ihr habt immer versucht, uns zu unterdrücken“. Die Spannung nach diesen zwei Sätzen wäre größer, als zu Beginn des Treffens gewesen. Offensichtlich helfe es nicht, wenn wir die Leute nur zusammenbringen, um miteinander zu sprechen, solange sie nicht wissen, wie man auf ein Art kommunizieren kann, die sie miteinander als menschliche Wesen verbindet. Dabei sei, die (im vorstehenden Kapitel beschriebene) Situation entstanden, dass das dem Chief der anderen Seite nicht möglich war. Der Autor habe ihn dann unterstützt, und gesagt, dass er das Bedürfnis nach Sicherheit gehört habe. Er habe den Chief dann solange unterstütz, das Bedürfnis zu hören, bis es Ihm möglich gewesen wäre. Nun sei die nächste Aufgabe gewesen, wieder den Chief der anderen Seite zum Hören zu bewegen.

Handlungsstrategien in positiver Handlungssprache vorschlagen. Wenn die Bedürfnisse auf dem Tisch liegen, schlägt der Autor vor, dass wir damit fortfahren, nach Strategien zu suchen, die die Bedürfnisse aller zufrieden stellen. Es sei dabei wichtig nicht zu schnell zu den Strategien überzugehen. Bevor wir die Bedürfnisse vollständig verstehen. Der Autor empfiehlt dabei, dass dabei in Handlungssprache formuliert wird. Handlungssprache meint, dass wir klar sagen, was wir wollen, wenn wir Bitten aussprechen, und dabei klare Handlungsverben gebrauchen. Sie meint damit außerdem, das wir Ausdrücke vermeiden, die unsere Bedürfnisse verschleiern oder sich wie ein Angriff anhören.

Konflikte mit Autoritätspersonen lösen. In diesem Kapitel geht der Autor auf die Konflikte zwischen Schülern und einem Direktor ein, die er mit positiver Handlungssprache löste.

Respektieren ist nicht das gleich, wie sich unterwerfen. Die Bedürfnisse einer andere Person zu verstehen heiße nicht, das wir unsere eigenen Bedürfnisse aufgeben müssten. Gemeint sei, das wir der anderen Person demonstrieren, dass wir in gleichen Maße an ihren und an unseren Bedürfnissen interessiert seien. Wenn sie darauf vertrauen könnten, dann steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden.

Wenn beide Konfliktparteien nicht zusammengebracht werden können. In diesen Fällen stellt der Autor ein Verfahren vor, bei dem er die andere Person spielt, wie sie wäre, wenn sie ein respektvolles Verständnis für ihre Bedürfnisse hat. Diese Sitzung wurde auf Tonband aufgenommen und der anderen Partei vorgespielt. Dadurch habe die andere Person vertrauen gefasst, und doch an dem Prozess teilgenommen.

Schlussbemerkungen. Hier fasst der Autor noch einmal die Elemente zusammen: Bewusstsein für unsere Bedürfnisse herzustellen, diese auszudrücken und wechselseitig zu verstehen und Handlungsstrategien zu suchen und dabei klare Handlungssprache zu gebrauchen.

Trainer. Hier stellt der Autor Menschen vor, die bereits nach seiner Methode ausgebildet sind.

Listen. Eine Liste mit Beispielen für grundlegende Bedürfnisse und Gefühle,

Ziele, Geschichten und Projekte

Diskussion

Wer das Buch in die Hand nimmt und liest, denkt vielleicht „da verspricht der Autor aber sehr viel“ oder „das kann ich nicht glauben“, das relativ „kleine“ Änderungen in einer Herangehensweise und Umgang mit Bewertungen und der Art der Kommunikation solche extremen Auswirkungen haben sollen. Zehn Jahre als Leiter einer Übungsgruppe für die Methode haben mir gezeigt, dass die Methode tatsächlich sofort wirkt, und deutliche Veränderungen bringt, wenn sich Menschen darauf einlassen. Das Buch wirkt mit seinen 40 Seiten dünn und unscheinbar. Jeder Satz ist konzentrierte Information, und jedes Wort ist gewichtig, trotzdem ist es leicht verständlich. Der Leser erhält einen schnell Eindruck, worum es geht, und wie man diese Art der Kommunikation macht. Die Anwendung in der Praxis kann sofort und an jeder Stelle begonnen werden. Praktisches Üben beschleunigt den Erfolg.

Fazit

Ein Buch das schnell und einfach informiert.


Rezensent
RA Claus-Rudolf Löffler
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familien-, Steuer- und Erbrecht, Mediator, Leiter einer Übungsgruppe in Hannover
Homepage www.scheidung-direkt.de
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Zitiervorschlag
Claus-Rudolf Löffler. Rezension vom 11.02.2014 zu: Marshall B. Rosenberg: Das können wir klären. Wie man Konflikte friedlich und wirksam lösen kann ; gewaltfreie Kommunikation: die Ideen & ihre Anwendung. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2013. 3. Auflage. ISBN 978-3-87387-951-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15071.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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