Peter Thiesen: Das Spiele-Handbuch für Krippe und Tagespflege
Rezensiert von Prof. Ulrich Paetzold, 20.12.2013
Peter Thiesen: Das Spiele-Handbuch für Krippe und Tagespflege. Begabungen erkennen und bewusst fördern. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2013. 192 Seiten. ISBN 978-3-589-24771-4. D: 19,50 EUR, A: 20,10 EUR, CH: 30,00 sFr.
Autor
Der Autor ist Diplom-Sozialpädagoge und Oberstudienrat an einer Fachschule für Sozialpädagogik.
Aufbau
Der Aufbau des Buches ist in zwei Teile gegliedert: Grundlagen für das Spiel und „Spiele für die Kleinsten“. Im ersten Themenbereich wird jeweils kurz auf Kleinkinder in Krippe und Tagespflege eingegangen, die Bedeutung des Spiels herausgearbeitet und die Breite der Spiel- und Beschäftigungsformen sowie der Spielmaterialien vorgestellt. Der zweite Abschnitt stellt über 250 Spielmöglichkeiten vor, die nach den Inhalten Wahrnehmen mit allen Sinnen, Bewegung. Kontakt zu anderen, soziales Lernen, Singen und Musizieren, Fantasie und Spiele im Jahresrhythmus geordnet sind.
Inhalt
Der erste Teil des Buches ist den wesentlichen Grundlagen für das Spiel gewidmet. In kurzen Abschnitten wird zunächst auf Kleinkinder in Krippe und Tagespflege eingegangen (was Kleinkinder brauchen, Kennzeichen für eine gute Krippe, die qualifizierte Tagespflege), um im anschließenden Abschnitt genauer auf das spielende Kleinkind einzugehen (Anregungen für das Spielen mit 1- bis 3-Jährigen,, Tagesrhythmus, Rituale und der Drang nach Neuem). Die Breite der Spiel- und Beschäftigungsformen schließt sich an: Krabbel- und Kitzelspiele, Fingerspiele, Bewegungsspiele, Malen, Basteln und Kneten, Bilderbücher und Märchen, Rollenspiele, Handpuppenspiele, Gesellschaftsspiele werden jeweils kurz charakterisiert. Spiel- und Beschäftigungsmaterialien und kurze didaktisch-methodische Hinweise zur Spielbegleitung schließen den ersten Abschnitt ab. Gegliedert nach inhaltlichen Kriterien jeweils mit einer kurzen Einführung werden im zweiten Teil („Spiele für die Kleinsten“) des Buches konkret und praxisorientiert verschiedene Spielmöglichkeiten vorgestellt. Unter dem Thema „Wahrnehmung mit allen Sinnen – sich spielend die Umwelt erschließen“ werden Spiele vorgestellt, die verschiedene Sinnesbereiche ansprechen.
Der zweite Bereich beinhaltet Spiele, die Bewegung, Motorik und Geschicklichkeit im Alltag fördern, anschließend wird auf Spiele eingegangen, die Kontaktaufnahme zu anderen erleichtern (sich verständigen, sprechen und zuhören) und den Bereich soziales Lernen ansprechen. Singen und Musizieren – Nahrung für Sinne, Emotionen und Motorik mit verschiedenen Liedern und Spielen, der Abschnitt mit Spielen zu Fantasie und Vorstellungskraft/ Förderung der Kreativität und schließlich Spiele im Jahresrhythmus mit den Stichworten Rituale, Zeitgefühl, Glück und Geborgenheit runden die umfangreiche Spielesammlung ab.
Diskussion
Auf den ersten Blick könnte man sich fragen: „noch ein Spielebuch?“. Diese Frage wird jedoch dem Buch nicht gerecht. Das Besondere an diesem Spielehandbuch ist für mich die Zielgruppe der 1- bis 3-Jährigen und die Breite der Bereiche bei Kleinkindern, die durch die Fülle der konkreten Beispiele angesprochen werden kann. Zusätzlich wertvoll zum aktuellen Zeitpunkt finde ich die prägnante und verständliche Darstellung der Bedeutung der einzelnen Spielbereiche, was gerade für die potentiellen Nutzerinnen und Nutzer wichtig ist. Ebenfalls wichtig scheint mir, dass die Bedeutung des Spiels für die Entwicklung von Kindern in diesem Buch engagiert vertreten und besonders betont wird.
Fazit
Zielgruppe dieses Spielhandbuches sind für den Autor Erzieherinnen im Krippenbereich und Mitarbeiterinnen in der Tagespflege und auch – vernünftigerweise – Eltern, die Anregungen für das Spiel mit den eigenen Kindern bekommen möchten. Ich würde den Kreis möglicher Nutzer noch weiter sehen: für Dozenten/ Dozentinnen an Fachschulen und an Fachhochschulen und entsprechend Schüler/ Schülerinnen und Studierende, die sich mit Spiel und Spielpädagogik in unterschiedlichen Kontexten beschäftigen, bietet dieses Handbuch eine prägnante Einführung in die Bedeutung des Spiels und eine Fülle praktischer Anregungen. Gerade im Kontext der Diskussionen über frühe Hilfen und dem Ausbau von Krippen und Tagespflege wünscht man dem Spiele-Handbuch eine große Verbreitung.
Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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