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Simon Reitmeier: Warum wir mögen, was wir essen

Cover Simon Reitmeier: Warum wir mögen, was wir essen. Eine Studie zur Sozialisation der Ernährung. transcript (Bielefeld) 2013. 420 Seiten. ISBN 978-3-8376-2335-2. 36,80 EUR.

Reihe: Kultur und soziale Praxis.
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Thema

Die Studie beschäftigt sich mit dem äußerst interessanten Thema der Sozialisation der Ernährung. Es geht also darum, dass auch die rein physiologisch erscheinenden Bedürfnisse des Menschen zutiefst kulturell bestimmt sind. Kurz es geht um die Frage, wie unser Geschmack gebildet wird, wie er sich im Laufe des Lebens verändert und welche sozialen Faktoren dabei wirksam sind.

Autor

Dr. Simon Reitmeier studierte Soziologie, Politologie und Neueste Geschichte in Augsburg und Granada und ist Mitglied der Slow Food Arche-Kommission Deutschland. Die Slow Food Bewegung ist eine weltweit aktive Non-Profit-Organisation von Genießern und bewussten Konsumenten, die die Kultur des Essens und Trinkens pflegen und sich für verantwortungsvolles Wirtschaften und die Wahrung regionaler Geschmacksvielfalt einsetzen.

Der Autor arbeitet in Kulmbach am Kompetenzzentrum für Ernährung.

Entstehungshintergrund

Bei der Veröffentlichung handelt es sich um die Promotion des Autors.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich nicht an eine konkrete Zielgruppe, vielmehr ist es im Schnittfeld von Soziologie, Politikwissenschaft, Medizin, Ernährungswissenschaft, Kulturwissenschaft und Pädagogik zu verorten. Es ist jedoch nicht nur für Studierende und Akademiker interessant, sondern ebenso für jeden, der sich für die Kultur des Essens und Trinkens sowohl privat als auch beruflich interessiert, also für Köche, Gastronomen und – vielleicht sollte das besser ungesagt bleiben – Werbe- und Marketingfachleute im Bereich Lebens- und Genussmittel.

Ziel und Quellenmaterial

Reitmeiers Studie zielt darauf, das kulturwissenschaftliche Desiderat der Erforschung unserer Ernährung zu minimieren. Die Studie sucht Antworten auf die Fragen: „[W]ie Geschmack entsteht, wieso wir mögen, was wir essen, wie sich Geschmack wandeln kann, oder wann und warum er gerade das nicht tut.“ (S. 8) „Es gilt herauszuarbeiten, welche Strukturen, Umstände und Einflüsse bei der Genese des Geschmacks wirken, in welchem Maße dieser Prozess vom Individuum gelenkt wird und wo gesellschaftliche Strukturen das Individuum prägen.“ (S. 9)

Basal für die Studie sind Erkenntnisse der Sozialisationsforschung bzw. verschiedene Sozialisationstheorien, die den Hintergrund für den qualitativen Zugang mittels biographischer Interviews bilden.

Ziel der Arbeit ist „die Bildung einer Theorie der Sozialisation der Ernährung, welche die Schnittmenge von Sozialisationstheorie und Ernährungssoziologie umfassend darstellt und in ihrer Bedeutung einordnet.“ (S. 56)

Aufbau und Inhalt

Das knapp 400 Seiten umfassende Buch ist in 10 Kapitel sowie Abbildungs-, Literaturverzeichnis und Danksagung gegliedert.

Nach der Hinführung zur Thematik (1) wird der Stand der Sozialisationsforschung (2) überblicksartig referiert. Die Theorien von Parsons, Bourdieu und Mead finden hier Erwähnung. Besonderes Augenmerk erfahren das Individualisierungstheorem nach Beck und die Konzepte der Erlebnisgesellschaft nach Schulze. Beide werden auch kritisch beleuchtet und es wird darauf verwiesen, dass Klasse und Schicht weiterhin wichtige Kategorien im Sozialisationskontext sind. In einem Fazit erfolgt eine abschließende Bewertung der vorgestellten Theorien und Konzepte vor dem Hintergrund des Forschungsinteresses. In Kapitel 3 und 4 werden der qualitative Forschungszugang sowie die konkrete methodische Konzeption der Untersuchung dargestellt. Das narrative Interview nach Schütze und das episodische Interview nach Flick werden in der Untersuchung kombiniert. Das Sampling erfolgte nach Glaser/Strauss. Kriterien waren unter anderem Geschlecht, Alter, soziale Herkunft und Familiensituation, so dass auch differente Ernährungsbiographien abgebildet werden konnten. Es wurden insgesamt 12 Interviews geführt. Die Fallanalysen ergaben vier Ernährungstypen: die Idealisten, die Pragmatiker, die Statusorientierten und die Gleichgültigen. Alle Typen werden noch einmal im Vergleich – auch tabellarisch – dargestellt.

Im Kapitel 5, 6 und 7 werden dann die jeweiligen Sozialisationsphasen, Primär-, Sekundär- und Erwachsenensozialisation differenziert auf die Fragestellungen bezogen herausgearbeitet. Unterbrochen durch Kapitel 8 „Gesundheit, Nachhaltigkeit und Genuss – die Ideologisierung der Ernährung“ folgt in Kapitel 9 die Betrachtung der „Ernährung und Sozialisation im Alter“.

Für die Primärsozialisation, also der frühen Kindheit (Kapitel 5), erweist sich vor allem Bourdieus Habitustheorie relevant. Die Familie prägt die Ernährungs- und Konsummuster. Jedoch fanden sich in den Interviews Hinweise, „dass es auch einen schichtunabhängigen Einfluss geben muss, von dem die Bedeutung und Affinität zu Prozessen des Kochens und Essens abhängt.“ (S. 161) Nach einer Klärung der Bedeutung der Primärsozialisation wird auf die „Habitualisierung von Geschmack“ (5.2) sowie den Zusammenhang von „Erziehung und Ernährung“ eingegangen. Dabei finden auch die Effekte von Erziehungsstilen Beachtung. In den Unterkapiteln 5.4 und 5.5 geht es dann um Nahrungsnormen, Tischsitten und Bräuche bzw. Nahrungstabus. Das Kapitel endet wie auch die beiden folgenden mit einem „Zusammenfassende[n] Fazit“.

In Kapitel 6 erfolgt die Betrachtung der sekundären Sozialisation, wiederum beginnend mit dem Aspekt der Bedeutung dieser Sozialisationsphase (6.1) und der besonderen Beachtung der frühkindlichen Institutionellen Betreuung (6.2), deren Bedeutung perspektivisch weiter steigen wird und der Betrachtung der Schule (6.3). Anschließend erfolgt die Fokussierung auf die Ernährungssozialisation in diesen Einrichtungen (6.4). Da neben der Familie und den Bildungs- und Erziehungsinstitutionen die Medien (6.5) und die Gleichaltrigengruppe (6.6) zentrale Faktoren im Sozialisationsprozess sind, werden auch diese anschließend betrachtet. Besondere Aufmerksamkeit erfährt in diesem Kontext das Geschlecht und dessen differente Bedeutung für die Frage der Ernährung (6.7). An dieser Stelle erfolgt auch die Betrachtung von Essstörungen wie Adipositas und Bulimie (6.8). Ein ebenso wichtiger Faktor – „Ernährung und Armut“ (6.9) – findet hier ebenfalls Beachtung.

In Kapitel 7 erfolgt die Betrachtung des Erwachsenenalters. Nach der „Sozialisation des Lebenslaufs“ (7.1), die wiederum die Bedeutung der Erwachsenensozialisation klärt, erfolgt ein historischer Blick auf den Zusammenhang von gesellschaftlichem Wandel und Wandel der Ernährungsweise (7.2) der Menschen. Hier geht es einerseits um die Entstehung der Massenproduktion und Konsumtion, aber auch um die Technisierung des Haushalts und die daraus resultierenden Veränderungen des Ernährungsverhaltens. Noch einmal geht es um die Thematik der Geschlechtsrollen, nun aber im Sinne eines historischen Blicks und zwar deren Wandel über die Zeit wie auch den Wandel der Lebens- und Familienformen. Als besonders bedeutsam für die Ernährungssozialisation werden Ereignisse wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Partnerverlust oder aber die Geburt eines Kindes beschrieben. Dieses fordert zur Fokussierung der Ernährungsfrage auf Aspekte der Gesundheit heraus, wie sich in allen Interviews zeigte. Dennoch verliert sich dieser Effekt- z.B. dass Biokost für das Baby gekauft wird – zunehmend, sobald dieses keine vom Rest der Familie mehr grundlegend abweichenden Nahrungsmittel benötigt (S. 251). Gleichwohl bleibt die Fokussierung auf Gesundheit bei der Ernährung erhalten.

In Kapitel 8 „Gesundheit, Nachhaltigkeit und Genuss – Die Ideologisierung der Ernährung“, welches „wenig stringent im bisher auf die Sozialisationsphasen ausgerichteten Aufbau der Arbeit wirkt.“ (S. 263) wird unter Bezug auf Foucault der Aspekt der Macht, der Biomacht, expliziert. Es geht hier um die sich historisch herausbildenden Möglichkeiten, den Tod durch Gesundheit zu beherrschen. „Diese Bio- oder Lebensmacht steuert, berechnet und kontrolliert von nun an die Prozesse des Lebens und ist dabei um (…)“ den individuellen und den Gattungskörper (Geburtenrate usw.) gruppiert (S. 264). In einer anderen Perspektive wird mit Beck und Giddens darauf verwiesen, wie viel mehr Verantwortung die eigene Ernährung bezogen auf den Rest der Welt heute hat und uns bewusst sein sollte. Das Stichwort hier lautet „Nachhaltigkeit“, wodurch Ernährung noch einmal jenseits der eigenen Gesundheit moralisiert wird. In einer dritten soziologischen Perspektive – die der Erlebnisgesellschaft – wird die „Stilbildung des Genusses“ (S. 278) beschrieben. Der Genuss als bewusster löst zu Beginn der 1990er Jahre das konsumkritische Element in der Gesellschaft ab, ohne dabei Ausdruck einer Demoralisierung zu sein. Ökologisch richtiges Handeln kann nun sozusagen nicht durch Negation sondern Bejahung entstehen. Der Genuss kultiviert die Ernährung und löst sie aus dem Alltagsgeschäft heraus. Dennoch bleiben schichtspezifische Möglichkeiten auch für diesen Aspekt der Deutung gesellschaftlichen Wandels maßgeblich. Wie schon zuvor nachgewiesen, wird Ernährung auch in diesem Kontext zum Mittel der Distinktion, was der Autor am Beispiel von „Einkommen und Bildung – Deutungsmacht und Distinktionsanspruch des Bio-Milieus“ verdeutlicht (S. 288).

Im Fazit erfolgt auch eine „Ideologiekritik“, die sich zugleich als schwierig erweist, da es nicht mehr um „Wahrheit oder Lüge“ (S. 300), sondern um die Verwertung von Wissen geht. Dieses Wissen um einen gesunde, genussvolle und nachhaltige Ernährung ist nicht rational zu kritisieren, jedoch ist zu hinterfragen, wer dieses Wissen instrumentalisiert bzw. wer die Definitionshoheit besitzt (S. 301). An dieser Stelle treten wiederum die schon betrachteten Sozialisationsfaktoren wie Geschlecht, Bildung, Schicht usw. in die Thematik ein. Reitmeier ist jedoch hier optimistisch, dass es zur ,guten‘ Lösung kommt (S. 301ff.; s.u.).

Im vorletzten inhaltlichen Kapitel „Ernährung und Sozialisation im Alter“ (9) wird wiederum historisch der Wandel bzw. die Ausdehnung der Altersphase als Sozialisationsphase bestimmt (9.1) und konstatiert: „Die soziale Position während des mittleren Lebensalters beziehungsweise der Status zum Ende des Erwerbslebens wird in die Altersphase mitgenommen.“ (S. 309) Insofern kommt es zur Fortschreibung sozialer Differenzen. Anschließend wird auf Besonderheiten wie Medikamentenkonsum und dessen Wirkung auf die Nahrungsaufnahme verwiesen und darauf eingegangen, inwiefern Ernährung lebensverlängernd oder -verkürzend wirkt. Auch die veränderte Körperphysiologie und Sinneswahrnehmung, aber auch veränderte psychische Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die – auch vergessene oder verweigerte – Ernährung finden hier Erwähnung. Besondere Lebensereignisse, die zu einer Veränderung des Ernährungsverhaltens führen (9.3), sind beispielsweise der Ruhestand selbst, mit dem auch der Verlust sozialer Kontakte einhergehen kann sowie die Herausforderung, den Tagesablauf neu zu strukturieren. Dies kann positive Effekte auf z.B. das Kochen haben. Auch die Lebenserwartung ist dabei bedeutsam, da Männer aufgrund des früheren Todes meist den Lebensabend in Partnerschaft verbringen, Frauen hingegen allein. Kapitel 9.4 widmet sich dem Ernährungszustand der Senioren anhand einiger empirischer Daten über das Ernährungsverhalten. Es zeigt sich, dass Ältere sich tendenziell gesünder ernähren als junge Menschen.

Im letzten Kapitel „Resümee und Ausblick“ (10), dem Abbildungs- und Literaturverzeichnis sowie eine Danksagung folgen, werden die wesentlichen Ergebnisse der Studie noch einmal zusammengefasst. Primär für die Ernährungssozialisation sind die emotionalen Kindheitserfahrungen, welche dann durch den Habitus der Familie und damit von der sozialen Herkunft gerahmt werden. Daraus ergibt sich der ,irrationale‘ Zug des Ernährungsverhaltens, welcher einer vernünftig argumentierenden Beratung weitestgehend entzogen ist. Das Geschlecht spielt eine milieuübergreifende Rolle. Auf die gebildeten Typen wird an dieser Stelle nicht eingegangen.

Der Autor hofft, „mit der vorliegenden Arbeit einen Überblick über den Stand der Forschung ermöglicht und natürlich auch diesen um einige Erkenntnisse, Ideen und Denkanstöße bereichert zu haben. Dass noch viele Fragen offen bleiben, zeigt die Notwendigkeit einer Soziologie der Ernährung.“ (342)

Diskussion

Der grundlegende Anspruch der Studie, „Strukturen, Umstände und Einflüsse bei der Genese des Geschmacks“ darzustellen, wird relativ umfassend erfüllt (S. 9). Bezogen auf den spezifischen wissenschaftlichen Anspruch erscheint es jedoch fraglich, inwiefern wesentlich neue Erkenntnisse vorliegen bzw. eine Theorie zur Sozialisation der Ernährung generiert bzw. fokussiert wurde. Dieser Eindruck ist vermutlich Folge eines aus der Perspektive des Rezensenten irritierenden Missverhältnisses von Empirie, also der vom Autor erhobenen Daten, und den über weite Strecken mit Daten und Ergebnissen anderer argumentierenden Text. Die vom Autor geführten Interviews erscheinen insgesamt zu unbedeutend für die Arbeit. Die Ergebnisse umfassen knapp 50 Seiten und bleiben relativ isoliert. Sie dienen im restlichen Text nicht in erster Linie der Theoriebildung, sondern eher der Bestätigung des Bekannten. Während es im Falle verfolgten qualitativen methodischen Vorgehens üblich ist, nach der Zusammenfassung des Forschungsstandes – dies geschieht für den Aspekt der Sozialisation – die eigenen Daten intensiv auszuwerten und zu befragen, finden sich hier im Verlauf der Kapitel fünf bis neun primär Daten und Ergebnisse der Ernährungsforschung. Die vom Autor erhobenen Daten finden eher selten und dann illustrierend Erwähnung. So wird letztlich ein relativ umfassendes Wissen über Ernährung bezogen auf den Sozialisationsprozess referiert, weniger aber neues Wissen aus den Daten generiert bzw. reflektiert. Dennoch fehlen m.E. einige im Kontext wichtige Studien, wie z.B. die von Leonhäuser u.a. „Essalltag in Familien“ (2009) oder auch die Untersuchung von Brombach (2001; 2003, 2005), die Kochen und Mahlzeitenverhalten von Familien über drei Generationen untersucht hat. Auch der Name Methfessel (z.B. 1999) wäre in der verwendeten Literatur zu erwarten gewesen.

Aus einer wissenschaftlichen Perspektive fällt darüber hinaus die Involviertheit des Autors auf, die einerseits die Leidenschaft, sich des Themas anzunehmen, impliziert sowie damit verbundenes spezifisches (für die Fragestellung nicht immer relevantes) Wissen, zugleich aber die nötige Distanz etwas missen lässt (z.B. durch Aussprache von Empfehlungen S. 167; vgl. auch S. 339ff.). Insbesondere in Kapitel acht wird dies explizit: „Die biologische Landwirtschaft kann das Leitbild einer neuen agrarökologischen Landwirtschaft sein, wenn sie nicht zur heilbringenden Ideologie stilisiert wird. Es wird noch lange Übergangssysteme (…) geben, bis sich die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem Fokus auf Ertrag zu einer effizienten, aber auch nachhaltigen Landwirtschaft gewandelt hat. Die Menschen bei diesem Wandel mitzunehmen, ist dabei Aufgabe der Sozialwissenschaften wie auch der Politik. Gut und Nachhaltig produzierte Lebensmittel müssen Grundlage der Ernährung aller Menschen werden und nicht nur einer Minderheit als Mittel zur Distinktion dienen. Dies gelingt dann, wenn abseits aller ideologischer Grabenkämpfe und Distinktionsansprüche pragmatisch versucht wird, gesunde, gute und nachhaltige Lebensmittel den Produzenten und Verbrauchern jenseits von Klasse und Schicht erschwinglich und schmackhaft zu machen. “ (S. 303)

Kapitel acht wirft insofern auch die Frage auf, inwiefern der Autor neben einer fehlenden Distanz zur eigenen Normativität nicht hinter die von ihm im selben Kapitel referierten Überlegungen Michel Foucaults zurückfällt und vor allem auch hinter grundlegende Erkenntnisse der (eigenen) Sozialisationsforschung, denn wie die Arbeit Reitmeiers gezeigt hat, „ist das Ernährungsverhalten durch emotionale Prägung und Habitus bedingt und kann kaum durch rationale Einsicht und Vernunft geändert werden.“ (S. 336)

Fazit

Die von Reitmeier vorgelegte Dissertation ist sehr gut lesbar, hochinformativ und breit angelegt. Sie ist jedem, der sich erstmals mit der Thematik der Ernährung und deren gesellschaftlichen Einflüssen beschäftigt zu empfehlen. Viele kulturhistorische Entwicklungen werden beschrieben und eingeordnet, die sonst kaum ins Bewusstsein rücken. Hierzu zählt beispielsweise die in Kapitel 7.2 beschriebene und absurde Situation, dass erst seit dem 20. Jahrhundert die westeuropäische (und nordamerikanische) Geschichte nicht mehr von der Not der Mehrheit, sich zu ernähren, geprägt ist, zugleich aber Probleme der Mangelernährung nicht aufgelöst werden, sondern nun im Rahmen von Überfluss zu verorten sind. Auch die Betrachtungen zur Geschlechtsdifferenz bei der Ernährung bis hinein in den symbolischen und sprachlichen Bereich sind hochinteressant und aufschlussreich (Kapitel 6.7), aber auch anregend bezüglich der Reflexion der Übertragbarkeit, z.B. der französischen Forschung, auf deutsche Verhältnisse.

Literatur

  • Brombach, C. (2005): Der „lange Arm“ der Familie – Am Beispiel des Kochens. In: Ernährung im Fokus 5 (7), S. 201-207.
  • Brombach, C. (2003): Das Mahlzeitverhalten von Familien im Verlauf von drei Generationen. In: Ernährung im Fokus 3 (5), S. 130-134.
  • Brombach, C. (2001): Mahlzeit- Familienzeit? Mahlzeiten im heutigen Familienalltag. In: Ernährungs-Umschau 48 (6), S. 238-242.
  • Leonhäuser, I.-U. u.a. (2009): Essalltag in Familien. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Methfessel, B. (1999): Essen lehren- Essen lernen. Beiträge zur Theorie und Praxis der Ernährungsbildung. Hohengehren: Schneider Verlag.

Rezension von
Dr. Steffen Großkopf
Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Bildung und Kultur Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik
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Zitiervorschlag
Steffen Großkopf. Rezension vom 09.12.2013 zu: Simon Reitmeier: Warum wir mögen, was wir essen. Eine Studie zur Sozialisation der Ernährung. transcript (Bielefeld) 2013. ISBN 978-3-8376-2335-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15114.php, Datum des Zugriffs 04.08.2021.


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