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Karin Vorländer, Wolfgang Vorländer: Die Frucht der Jahre. Spiritualität im Älterwerden

Cover Karin Vorländer, Wolfgang Vorländer: Die Frucht der Jahre. Spiritualität im Älterwerden. Edition Evangelisches Gemeindeblatt (Stuttgart) 2013. 144 Seiten. ISBN 978-3-920207-76-6. 16,95 EUR.
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Autorinnen und Autoren

Die acht Autorinnen und Autoren sind interprofessionell aus den Bereichen Seelsorge, Gerontologie, Bildungsarbeit und Therapie in Deutschland zusammengesetzt. Herausgegeben ist das Werk von der Edition Evangelisches Gemeindeblatt Württemberg in Zusammenarbeit mit der LAGES (Lebensalter gestalten. Evangelische Senioren in Württemberg).

Thema

Für Menschen jeden Lebensalters bedeutet die Berücksichtigung der eigenen Spiritualität einen Zuwachs an Lebensqualität oder – wie die Autoren sagen – Glück. Spiritualität wird hier in einem weiten Verständnis vorgestellt: als Lebenskunst insgesamt, im Ein- und Ausüben sowie in einer bewussten und altersbejahenden Lebensgestaltung.

Ausgangspunkt für die Zusammenstellung der 18 Beiträge ist das Anliegen, das Altern aus einer geistlichen Perspektive zu sehen. Innerhalb zahlreicher Alterstheorien und entsprechender Ratgeber wird das Alter im vorliegenden Werk aus christlicher, speziell evangelischer Sichtweise beleuchtet.

Aufbau

Das Buch ist übersichtlich in drei Abschnitte gegliedert, die sich nacheinander lesen lassen und gleichzeitig aufeinander bezogen sind und – so die Herausgeberin in der Einführung – „als sich überschneidende Kreise“ (S. 7)betrachtet werden.

  1. Der erste Teil ist mit „Spiritualität als Lebenskunst“ überschrieben und stellt die Herausforderungen des Älterwerdens in geistlicher Fragestellung vor.
  2. In einem zweiten Teil wir die „Suche nach spirituellen Ritualen“ in individuellen Lebensvollzügen beschrieben.
  3. Der dritte Teil „Lebensgestaltung“ schließlich stellt konkrete Hilfen und Anregungen zu einer spirituellen Lebensgestaltung im Alter vor.

Inhalt

Die Beiträge des ersten Teils teils reflektieren und meditieren das persönliche Erleben des Alters. Dabei werden „innere Bilder“, die das Alter beleben oder belasten können ebenso betrachtet wie die eher reflexive Auseinandersetzung mit Sterben und Tod. Sind in einzelnen Beiträgen die ästhetischen Darstellungsformen – Gedicht, Bilder, belletristische Texte – vorherrschend, bringen andere auch wissenschaftliche Erkenntnisse durch Studien etc. mit in die Betrachtung ein. In allen Beiträgen ist durchweg die Haltung einer positiven Sicht auf das Alter zu erkennen, ohne dass Beschwernisse, Einschränkungen und Ängste verharmlost werden.

Die Beiträge des zweiten Teils nehmen die aktuelle Situation innerhalb unserer Gesellschaft ernst, dass jahrhundertelang gepflogene Rituale für viele Menschen heute nicht mehr tragfähig sind. Dies gilt für Menschen sowohl innerhalb wie außerhalb der Kirchen. Von daher beschreiben die verschiedenen Beiträge Ansatzpunkte, sich neuen Ritualen oder auch alten Ritualen neu zu stellen. Dabei ist allen Beiträgen gemeinsam, dass sie die Lesenden auffordern, sich als erwachsene, also selbst verantwortliche Menschen den Möglichkeiten zu nähern. Deutlich wird, dass es immer darauf ankommt, zu sehen, was zur eigenen Biographie passt und wo die eigene Suche hinführt.

Im dritten Teil stehen die konkreten Herausforderungen im Alltag im Vordergrund. Leben mit gesundheitlichen Einschränkungen, in langjähriger, vielleicht schon zu sehr vertrauter Ehe, in Lebensformen, die nicht mehr wirklich Neues zu lassen – von diesen und ähnlichen Voraussetzungen gehen die Autoren aus. Ihre Gedanken dazu sind nicht im Ratgeberstil formuliert, sondern eher als Anregung zu Nachdenken über die eigene Situation.

Diskussion

Der Ansatz der 18 Beiträge wird einheitlich durchgehalten und verdichtet sich zur Gesamtbotschaft des Buches. Es geht darum, dem Altern die positiven Seiten abzugewinnen. Der Weg dazu geschieht nicht durch Negieren der schwierigen Seiten oder durch Schönreden, sondern durch eine aktive Auseinandersetzung auf der Grundlage einer positiven und dankbaren Lebenseinstellung. Mit dieser Haltung liegt die Veröffentlichung in der Denkrichtung pastoralpsychologischer und gerontologischer Literatur, die die Transzendenz des Menschen als Ausgangspunkt zur Lebensbewältigung sieht.

Fazit

Das Buch ist lesenswert zum einen für Menschen, die sich nicht nur Gedanken zum eigenen Älterwerden machen, sondern auch Anregungen für eine positive Gestaltung suchen und umsetzen wollen. Zum anderen beinhaltet es eine Fülle von Gedanken und Anregungen für Menschen, die professionell mit älteren Menschen arbeiten. Dabei wird die Lektüre auch für solche, die eher fern zu Kirche und Glauben stehen, durch die wertschätzende und akzeptierende Grundhaltung aller Beiträge angenehm und gut lesbar.


Rezension von
Prof. PD Dr. Barbara Stadtler-Mach
Professorin für Ethik in der Gerontologie und im Gesundheitswesen, Vizepräsidentin der Evangelischen Hochschule Nürnberg
Homepage www.evhn.de
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Zitiervorschlag
Barbara Stadtler-Mach. Rezension vom 25.02.2014 zu: Karin Vorländer, Wolfgang Vorländer: Die Frucht der Jahre. Spiritualität im Älterwerden. Edition Evangelisches Gemeindeblatt (Stuttgart) 2013. ISBN 978-3-920207-76-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15140.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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