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„Wie viel Seiteneinsteiger braucht die KiTa - (...)

„Wie viel Seiteneinsteiger braucht die KiTa - wie viel Seiteneinsteiger verträgt die KiTa?“ Ein kontroverses Gespräch zwischen Detlef Diskowski und Bernhard Eibeck. AV1 Pädagogik-Filme (Kaufungen) 2013. 21,00 EUR.

DVD, 62 Min. Bezugsquelle: www.av1-shop.de.


Thema

Die vorliegende DVD befasst sich mit den Möglichkeiten, aber auch den Schwierigkeiten, die der Einsatz von Seiteneinsteiger für den Bereich Elementarerziehung haben kann. Dabei wird nicht nur der Personalmangel als Grund und Notwendigkeit für den Seiteneinstieg diskutiert, der Seiteneinstieg wird auch als eine Bereicherung des Arbeitsfeldes gesehen. Anderseits besteht die Gefahr, dass der Beruf des Erziehers abgewertet wird. Der Dialog beginnt mit einer Einführung in das Arbeitsfeld. Neben der Bedeutung einer multiprofessionellen Arbeit, stehen hier die Fragen nach dem was Qualität im Elementarbereich bedeutet und die Fragen nach einer sinnvollen Qualifikation für die Arbeit im Elementarbereich im Vordergrund. Danach folgt eine Auseinandersetzung der Experten mit den verschiedenen Möglichkeiten des Seiteneinstieges. Dazu werden fünf verschiedene Seiteneinstiegsmöglichkeiten differenziert betrachtet und die jeweiligen Vorteile, aber auch Bedenken erörtert.

Autoren

Detlef Diskowski ist Mitarbeiter im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Er ist dort im Referat 22 für den Bereich Kindertagesbetreuung und familienunterstützende Angebote zuständig.

Bernhard Eibeck ist Referent für den Bereich Jugendhilfe und Sozialarbeit bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Bernhard Eibeck hat Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main studiert.

Entstehungshintergrund

Der bestehende Fachkräftemangel im Elementarbereich ist der Ausgangspunkt des Dialoges zwischen Detlef Diskowski und Bernhard Eibeck. Schätzungen im Jahr 2012 gingen davon aus, dass bis zum Jahr 2013 25000 Erzieherinnen und Erzieher in den Einrichtungen des Elementarbereiches fehlen werden. Um diese Lücke zu schließen gibt es verschiedene Vorschläge und Ideen. Die DVD beinhaltet einen ca. 60 minütigen Dialog dieser beiden Experten aus dem Jahr 2012, der im Regionalmuseum Kaufungen aufgezeichnet wurde. In dem Dialog werden verschiedene Möglichkeiten, aber auch Gefahren, die Seiteneinsteiger für den Bereich der Elementarerziehung bringen können, erörtert.

Aufbau und Inhalt

Die DVD gliedert sich in einen Hauptfilm und verschiedenes Bonusmaterial. Der Hauptfilm gliedert sich in sieben Kapitel.

Nach einem kurzen Einstieg, in dem die beiden Experten und die Thematik kurz vorgestellt werden, geben Diskowski und Eibeck im ersten Kapitel einen inhaltlichen Einstieg in die Thematik. Im Vordergrund steht dabei, was die Kinder in den ersten, wichtigen Jahren in dieser ersten Institution brauchen. In dem Kapitel diskutieren die beiden Experten als Einstieg in die Thematik verschiedene Aspekte des Berufsfeldes. Als erster Aspekt wird die Bedeutung eines multiprofessionellen Teams diskutiert. Um eine Multiprofessionalität in den Einrichtungen zu gewährleisten und damit das „bunte Leben“ in die Einrichtungen zu holen, könnten Quereinsteiger dazu ihren Beitrag leisten. Daneben hat der Beruf aber auch eine stärkere Professionalisierung erfahren. Dies sollte einerseits nicht zu Rückschritten führen „Jeder kann doch mit Kindern umgehen“, gleichzeitig aber auch eine Öffnung erfahren. Hier sehen die beiden Experten eine Möglichkeit der Weiterentwicklung der Profession durch Seiteneinsteiger. Kompetenz, Profession, Qualifikation und Beruf sind weitere Aspekte, die in dem ersten Kapitel diskutiert werden.
Die beiden Experten machen im Dialog deutlich, dass es neben den fachlichen Anforderungen und der fachlichen Qualifikation im Beruf auch auf die Persönlichkeit der Mitarbeiter in den Kindertageseinrichtungen ankommt. Dieses trifft auf die Seiteneinsteiger genauso zu wie auf die Absolventen der Fachausbildungen. Dabei werfen Diskowski und Eibeck auch die Frage auf, ob nur formale Qualifikationen Qualität ausmacht. Dieses wird kontrovers diskutiert.

Im zweiten Kapitel setzen sich die beiden Experten mit dem Seiteneinstieg in die Berufsausbildung auseinander. Hiermit sind Personen gemeint, die nicht den direkten, klassischen Weg über die Haupt- oder Realschulen in die Berufsausbildungen nehmen, sondern erst noch eine andere Ausbildung oder Berufstätigkeit absolviert haben. Diese Anregungen und Erfahrungen aus anderen Bereichen sowie die größere Lebenserfahrung werden als hilfreich für die Umsetzung des Bildungsauftrags der Kindertageseinrichtungen gesehen. Um mehr Personen diesen Zugang zu ermöglichen, wird von den beiden Experten als eine Lösungsmöglichkeit eine Ausweitung der Teilzeitausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher aufgezeigt. Diese ist laut den beiden Dialogteilnehmern in mehreren Bundesländern gesetzlich möglich, aber noch nicht flächendeckend eingerichtet. Eine andere diskutierte Möglichkeit ist eine Ausbildungsvergütung.

Der Seiteneinstieg durch Maßnahmen der Arbeitsförderung wird im dritten Kapitel behandelt. Die beiden Experten sehen die Arbeitsförderungsmaßnahmen, um Personen in diesen Bereich zu vermitteln, sehr kritisch. Hier gibt es zwar auch Möglichkeit, gerade auch arbeitslosen Personen durch eine gute Auswahl diesen einen Einstieg in den Beruf zu ermöglichen, andererseits aber auch die Gefahr die Ausbildung abzuwerten. Hier werden positive Beispiele aus Brandenburg und anderen Bundesländern herangezogen. Als wichtig für alle Ausbildungsformen wird die berufliche Begleitung und Beurteilung durch den Lernort Praxis gesehen. Dazu müssen aber den Anleitern in der Praxis Zeitkontingente eingeräumt werden.

Im vierten Kapitel beschäftigen sich die beiden Experten mit dem Seiteneinstieg von Berufswechslern. Diese Personen, die nach einer längeren Berufstätigkeit aus persönlichen Gründen in die Arbeit mit Kindern einsteigen möchten, werden oft als Bereicherung erlebt. Hier wird diskutiert, ob diese Personen eine Ausbildung haben müssen, um als Fachkräfte angesehen werden zu müssen. Als zusätzliche Personen ohne Anrechnung auf den Fachkräfteschlüssel wird dieses Modell von den beiden Experten als unrealistisch angesehen. Gleichzeitig werden diese Personen aber als sehr wichtig erachtet. Hier wird sehr kontrovers diskutiert welche Möglichkeiten des Einsatzes es geben kann. So wird angeregt, diese Personen beispielsweise mit ihren Fähigkeiten konzeptionell in die Einrichtung einzubinden, wie zum Beispiel die Künstlerin bzw. der Künstler in der Reggio-Pädagogik. Diese sollen dann keine pädagogische Arbeit ersetzen, sondern ergänzen.

Das fünfte Kapitel behandelt den Seiteneinstieg von Hilfskräften in den Elementarbildungsbereich. Unter diesem Punkt wird auch die Mindestqualifikation diskutiert. Sollen die Fachschulabsolventen die Mindestvoraussetzungen für die Arbeit in Tageseinrichtungen sein? Diese Frage wird gerade hinsichtlich der Kinderpflegerinnen angesprochen.
Diskutiert wird auch eine Teilung in leitende pädagogische Arbeit und pflegende Hilfskrafttätigkeit. Hierbei geben die beiden Experten aber zu bedenken, dass gerade bei jüngeren Kindern auch gerade bei den pflegerischen Tätigkeiten sehr viel pädagogische Förderung stattfinden kann.

Im sechsten Kapitel setzen sich die beiden Experten mit Fragen zu dem Tarifrecht auseinander. Hierbei steht im Mittelpunkt, den Beruf für die Zukunft interessant zu machen. Diskowski und Eibeck finden wichtig, dass der Beruf auch von der tariflichen Bezahlung zukünftig für junge Menschen interessant wird. In der Diskussion wird auch die Eingruppierung der verschiedenen Seiteneinsteiger angesprochen. Hier wird aber auch als Gefahr gesehen, dass bestehende Standards aufgeweicht werden.

Im siebten und letzten Kapitel wird der Seiteneinstieg für ausländische Fachkräfte diskutiert. Hierbei wird auch der zum Teil lange und schwierige Weg der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen angesprochen. Diese Personen werden aber gerade mit ihren sprachlichen Möglichkeiten auch als Bereicherung für die Einrichtungen gesehen. Die beiden Experten diskutieren hier verschiedene Möglichkeiten der Einbindung dieser Personen in die Einrichtungen.

Auf der DVD befindet sich von Detlef Diskowski zusammengestelltes Bonusmaterial.

  • Daten zu Personalzahlen
  • Die NUBBEK-Studie
  • Daten zur Entwicklung der Fachschüler in Teilzeit- und Vollzeitausbildung in Brandenburg
  • Daten zur Männerqualifikation in Brandenburg
  • Die Entwicklung der Kinderzahlen (2006-2012)
  • Informationen zum Seiteneinstieg in Brandenburg
  • Die KiTa Personalverordnung aus Brandenburg
  • Personalzahlen nach Qualifikation, Alter und Geschlecht
  • Tarifvertag (TV öD) mit Tätigkeitsmerkmale
  • Daten zur Kindertagesbetreuung in Deutschland 2012
  • Mindestanforderungen des Landes Hessen
  • Empfehlungen zur Fachkräftegewinnung in der Kindertagesbetreuung

Diskussion

Die DVD lädt dazu ein, über den Seiteneinstieg in die Erzieherausbildung nachzudenken. Gut gelungen ist dabei die differenzierte Betrachtungsweise des Begriffes Seiteneinstieg. Es wird deutlich, dass es hier um sehr unterschiedliche Möglichkeiten geht, den Begriff des Seiteneinstiegs zu verstehen und es daher sinnvoll ist, diesen differenziert zu betrachten. Diskowski und Eibeck gelingt es gut die verschiedenen Möglichkeiten aber auch Gefahren anzusprechen. Im Laufe des Dialogs wird immer wieder durch eingeblendete Hinweise auf das entsprechende Bonusmaterial hingewiesen.

Das erste Kapitel finde ich gut als einen Einstieg zur Diskussion hinsichtlich der generellen Anforderungen an den Beruf des Erziehers. Ich kann mir gut vorstellen, es als Diskussionsanregung im Unterricht anzuwenden. Der Dialog kann gerade hier auf alle diese Fragen keine Antwort geben, er kann aber zum Nachdenken anregen.

Bei den weiteren Kapiteln wird immer wieder der Balanceakt zwischen der Erweiterung des Berufsfeldes einerseits und der Gefahr einer Abwertung der Profession anderseits deutlich. Die beiden Experten regen deshalb an, die einzelnen Situationen differenzierter zu betrachten. Wie dieses im Einzelfall aussieht, muss vor Ort entschieden werden. Bei diesen Kapiteln kann ich mir vorstellen, sie als Ausgangspunkt für Diskussionen über Fähigkeiten und Kompetenzen von Fachkräften zu nutzen.

Fazit

Insgesamt kann die DVD dazu beitragen über den Nutzen von Quereinsteigern in das Berufsfeld der Elementarerziehung noch einmal nachzudenken. Sie kann weitergehend dazu beitragen über die notwendigen Fähigkeiten von pädagogischen Fachkräften für diesen Bereich noch einmal neu nachzudenken. Damit wird die Frage eröffnet, was Qualität in der Arbeit im Elementarbereich ausmacht. Auf diese Frage kann der Dialog keine Antwort geben, aber eine Diskussion in Gang setzen.

Das Bonusmaterial ist sehr umfangreich zusammengestellt, wenn auch sehr auf das Bundesland Brandenburg zugeschnitten.


Rezension von
Diplom-Pädagoge Volker Raupach
Lehrtätigkeit an einer Fachschule
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Zitiervorschlag
Volker Raupach. Rezension vom 10.09.2013 zu: „Wie viel Seiteneinsteiger braucht die KiTa - wie viel Seiteneinsteiger verträgt die KiTa?“ Ein kontroverses Gespräch zwischen Detlef Diskowski und Bernhard Eibeck. AV1 Pädagogik-Filme (Kaufungen) 2013. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15190.php, Datum des Zugriffs 18.01.2022.


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