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Barbara Friebertshäuser, Antje Langer u.a. (Hrsg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft

Cover Barbara Friebertshäuser, Antje Langer, Annedore Prengel (Hrsg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 4., durchgesehene Auflage. 1000 Seiten. ISBN 978-3-7799-0799-2. D: 98,00 EUR, A: 100,80 EUR, CH: 124,00 sFr.
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Aufbau

Das Handbuch, beginnend mit einer Einführung aller drei Herausgeberinnen, unterteilt sich in sieben Kapitel.

  1. Das erste Kapitel mit dem Titel Historische und methodologische Grundlagen zeichnet in 11 Artikeln die Grundlagen nach.
  2. Das zweite Kapitel, betitelt Forschungstraditionen und Forschungsverfahren, gibt einen Überblick über Methoden und Verfahren. Bereits hier fällt auf, dass Onlineforschungsverfahren zu kurz kommen (da nicht einmal mit einem eigenen Beitrag gewürdigt).
  3. Im dritten Kapitel werden, angekündigt durch den gleichnamigen Titel, Strategien für Erhebung und Auswertung vorgestellt.
  4. Das 4. Kapitel zeichnet Visuelles als Gegenstand und Instrument der Forschung, so auch der Titel des Kapitels, nach.
  5. Im 5. Kapitel werden, wie im Titel angekündigt, Gegenstände und Felder erziehungswissenschaftlicher Forschung dargestellt.
  6. Forschendes Handeln in Praxisfeldern ist der Titel des 6. Kapitels,
  7. während im 7. Kapitel Hinweise zur Forschungstätigkeit (so der Titel des Kapitels) gegeben werden.

Inhalt

Das erste Kapitel beginnt mit einem Beitrag von Hedda Bennewitz zum Thema Entwicklungslinien und Situation des qualitativen Forschungsansatzes in der Erziehungswissenschaft (S. 43-59). Heinz-Herrmann Krüger und Ulrike Deppe widmen sich in ihrem gleichnamigen Beitrag dem Thema der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung (S. 61-72). Winfried Marotzki und Sandra Tiefel geben in ihrem Beitrag einen kurzen Abriss zur qualitativen Biographieforschung (S. 73-88). Heinz-Elmar Tenorth beleuchtet in seinem Artikel die Arbeit an der Theorie: Kritik, Analyse, Konstruktion (S. 89-100). Helga Kelle widmet sich in ihrem Beitrag der Komplexität der Wirklichkeit als Problem qualitativer Forschung (S. 101-118). Werner Helsper, Merle Hummrich und Rolf-Torsten Kramer beschreiben die qualitative Mehrebenenanalyse. Im Untertitel widmen sie ihren Beitrag Fritz Schütze zum 65. Geburtstag (S. 119-135). Im daran anschließenden Artikel zeigen Harald Uhlendorff und Annedore Prengel Forschungsperspektiven quantitativer Methoden im Verhältnis zu qualitativen Methoden auf (S. 137-148). Agi Schründer-Lenzen beleuchtet in ihrem Beitrag die Triangulation als Konzept zur Qualitätssicherung von Forschung (S. 149-158). Reinhard Fatke beschreibt in seinem Artikel Fallstudien in der Erziehungswissenschaft (S. 159-172). Eckard König und Annette Bentler hingegen zeichnen in ihrem Beitrag Konzepte und Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozess nach (S. 173-182). Hans Oswald beschließt mit einem Beitrag zur Frage qualitativer Forschung als Warnungen, Fehlerquellen und Möglichkeiten das erste Kapitel des Handbuches (S. 183-201).

Das zweite Kapitel eröffnet Ralf Bohnsack mit einem Beitrag zu Gruppendiskussionsverfahren und dokumentarischer Methode (S. 205-218). Daran schließt sich Gisela Jakob mit ihrem Beitrag zu biographischer Forschung mit dem narrativen Interview an (S. 219-233). Christian Rittelmayer bestimmt Methoden hermeneutischer Forschung in seinem Beitrag (S. 235-248). Den 4. Beitrag widmet Detlef Garz der objektiven Hermeneutik (S. 249-262). Regina Klein beschreibt in ihrem Artikel die tiefenhermeneutische Analyse (S. 263-280). Dirk Hülst stellt in seinem Artikel die Grounded Theory vor (S. 281-300). Barbara Friebertshäuser und Argyro Panagiotopoulou beleuchten in ihrem Beitrag die ethnographische Feldforschung (S. 301-322). Qualitative Inhaltsanalyse beschreiben Philipp Mayring und Eva Brunner in ihrem gleichnamigen Artikel (S. 323-333). Antje Langer und Daniel Wrana arbeiten einen Überblick zu Diskursforschung und Diskursanalyse aus (S. 335-349). Lothar Wigger schildert die Argumentationsanalyse als erziehungswissenschaftliche Forschungsmethode (S. 351-363). Den letzten Beitrag des 2. Kapitels bildet der Artikel von Edith Glaser zur Dokumentenanalyse und Quellenkritik (S. 365-375).

Im dritten Kapitel schildern Barbara Friebertshäuser, Sophia Richter und Heike Boller in ihrem Beitrag die Theorie und Empirie im Forschungsprozess und die ethnographische Collage als Auswertungsstrategie (S. 379-396). Charlotte Heinritz stellt in ihrem daran anschließenden Beitrag Autobiographien als erziehungswissenschaftliche Quellentexte vor (S. 397-411). Zur Interpretation autobiographischer Texte in der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung nimmt Theodor Schulze Stellung (S. 413-436). Barbara Friebertshäuser und Antje Langer beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit Interviewformen und Interviewpraxis (S. 437-455). Michael Meuser und Ulrike Nagel betrachten in ihrem Beitrag Experteninterviews mit Berücksichtigung wissenssoziologischer Voraussetzungen und methodischer Durchführung (S. 457-471). Christiane Schmidt schildert Auswertungstechniken für Leitfadeninterviews (S. 473-486). Heiko Grunenberg und Udo Kuckartz beschreiben in ihrem Beitrag deskriptive Statistik in der qualitativen Sozialforschung (S. 487-500). Beide Autoren (Udo Kuckart und Heiko Grunenberg) präsentieren in ihrem darauffolgenden Beitrag Methoden und Techniken zur computergestützten Auswertung qualitativer Daten mitsamt Hinweisen zur Software (S. 501-514). Antje Langer unterbreitet in ihrem Artikel zum Transkribieren dessen Grundlagen und Regeln (S. 515-526).

Im vierten Kapitel stellt Theodor Schulze die Bildinterpretation in der Erziehungswissenschaft dar. Er widmet seinen Beitrag Klaus Mollenhauer (S. 529-546). Imbke Behnken und (der kürzlich verstorbene) Jürgen Zinnecker beschreiben in ihrem Beitrag narrative Landkarten als Verfahren zur Rekonstruktion aktueller und biographisch erinnerter Lebensräume (S. 547-562). Eva Marsal stellt ihren Beitrag zu subjektiven Theorien vor als empirisch-konstruktivistisches Paradigma mit Dialog-Konsens-Methodik (S. 563-574). Burkhard Schäffer und Manuela Pietraß stellen qualitative Medienforschung in der Erziehungswissenschaft vor (S. 575-587). Alexander Geimer und Yvonne Ehrenspeck legen in ihrem Beitrag die qualitative Filmanalyse in den Sozial- und Erziehungswissenschaften dar (S. 589-598). Matthias Herrle, Jochen Kade und Sigrid Nolda skizzieren in ihrem Beitrag erziehungswissenschaftliche Videographie (S. 599-619). Das Kapitel wird mit einem Beitrag Burkhard Fuhs‘ zu digitaler Fotografie und qualitativer Forschung beschlossen (S. 621-635).

Das fünfte Kapitel wird mit einem Beitrag von Benjamin Jörissen und Christoph Wulf zu qualitativen Methoden in der Ritualforschung eröffnet (S. 639-651). Marianne Leuzinger-Bohleber und Ariane Garlichs stellen in ihrem Beitrag theoriegeleitete Fallstudien im Spannungsfeld qualitativer und quantitativer Forschung vor (S. 653-671). Jutta Ecarius charakterisiert in ihrem Beitrag kurz die historische Sozialisationsforschung mit theoretischen Bezügen, qualitativen Verfahrensweisen und empirischen Ergebnissen (S. 673-685). Dorle Klika beschreibt im darauffolgenden Beitrag methodische Zugänge zur historischen Kindheitsforschung (687-705). Friederike Heinzel eröffnet in ihrem Beitrag Zugänge zur kindlichen Perspektive – Methoden der Kindheitsforschung (S. 707-721). Monika Witzke und Hildegard Macha schildern in ihrem Beitrag Methoden zur Untersuchung von Interaktionen in der Familienforschung (S. 723-732). Jeannette Böhme skizziert die Schul- und Unterrichtsforschung (S. 733-743). Sigrid Nolda widmet sich in ihrem Beitrag Interaktionsanalysen in der Erwachsenenbildung (S. 745-755). Jochen Kade und Dieter Nittel beschreiben in ihrem Beitrag die Biographieforschung als Zugänge zum Lernen Erwachsener (S. 757-770). Der Beitrag von Gabriele Abels und Julia Lepperhoff zu Frauen-, Geschlechter- und Intersektionalitätsforschung beschließt das fünfte Kapitel (S. 771-781).

Das sechste Kapitel wird von einem Beitrag von Annedore Prengel zur Praxisforschung in professioneller Pädagogik (S. 785-801) eröffnet. PraktikerInnen als ForscherInnen werden im darauffolgenden Beitrag von Herbert Altrichter, Waltraud Aichner, Katharina Soukup-Altrichter und Heike Welte dargestellt (S. 803-818). Wiltrud Döpp stellt das Lehrer-Forscher-Modell an der Laborschule Bielefeld vor (S. 819-830). Ursula Carle illustriert in ihrem Beitrag die pädagogische Diagnostik als forschende Tätigkeit (S. 831-844). Klaus Kraimer veranschaulicht in seinem Beitrag Narratives als Erkenntnisquelle (S. 845-855). Andreas Hanses akzentuiert in seinem Beitrag Biographie als Gegenstand von Forschung und Diagnose in der Sozialen Arbeit (S. 857-870). Dietlind Fischer und Dorit Bosse heben in ihrem Beitrag das Tagebuch als Lern- und Forschungsinstrument hervor (S. 871-886). Petra Grell skizziert in ihrem Beitrag Forschende Lernwerkstatt (S. 887-896). Im vorletzten Beitrag des sechsten Kapitels beschreiben Wolfgang Nitsch und Ingo Scheller forschendes Lernen mit Mitteln des szenischen Spiels als Medium und Methode qualitativer Forschung (S. 897-910). Sabine Reh, Ute Geiling und Friederike Heinzel stellen im letzten Beitrag des Kapitels Fallarbeit in der Lehrerbildung dar (S. 911-924).

Das siebente Kapitel ist das kürzeste des ganzen Bandes und besteht aus 3 Beiträgen. Eröffnet wird es vom Beitrag Ingrid Miethes zur Forschungsethik (S. 927-937). Christian Ritzi legt in seinem gleichnamigen Beitrag Literaturrecherche im Internet dar (S. 939-946). Hannelore Faulstich-Wieland und Carola Zimmermann beschließen mit ihrem Beitrag zur Beantragung von Forschungsmitteln sowohl das Kapitel als auch den Sammelband, abgesehen von den angehängten Registern (S. 947-958).

Diskussion ausgewählter Beiträge

Näher vorgestellt und diskutiert werden in aller gebotenen Kürze sämtliche Beiträge des ersten Kapitels, vom 2. Kapitel der Beitrag Ralf Bohnsacks, vom 3. Kapitel der Beitrag Antje Langers, vom 4. Kapitel der Beitrag Eva Marsals. Friederike Heinzels Beitrag im 5. Kapitel, Petra Grells Beitrag im 6. Kapitel und Ingrid Miethes Beitrag im 7. Kapitel werden ebenfalls rezensiert. Die Auswahl der Beiträge erfolgte randomisiert.

Hedda Bennewitz zeichnet in ihrem gleichnamigen Beitrag Entwicklungslinien und Situation des qualitativen Forschungsansatzes in der Erziehungswissenschaft nach (S. 43-59). Sie beginnt nach einer kurzen Einleitung mit dem Abriss von Theorietraditionen. In den Untersuchungsbereichen und Gegenstandsannahmen schildert sie verschiedene Forschungsfelder und Voraussetzungen. Ein dritter Teilbereich behandelt forschungsmethodische Grundlagen, in dem insbesondere die Datengewinnung als kommunikativer Prozess dargestellt wird. Sie schildert die zirkuläre Forschungsstrategie (mit Abbildung) und geht in einem vierten Abschnitt auf Methoden in der qualitativen erziehungswissenschaftlichen Forschung ein mit Primat der Textproduktion. In den Abschnitten zu Erhebungsmethoden werden mehrere Methoden querschnittartig vorgestellt. Hier hätten mögliche Querverweise auf weitere Beiträge im Handbuch gut angestanden). Sie skizziert daran anschließend Auswertungsmethoden, wobei auch hier Querverweise möglich und sinnvoll gewesen wären. Im Abschnitt zu Stand und Perspektiven verweist Bennewitz auf Entwicklungslinien, die sich z.B. unter dem Schlagwort Mixed Methods als Verknüpfung quantitativer und qualitativer Methoden zusammenfassen lassen. Sie geht zudem auf die Frage nach der Lehre (und Lehrbarkeit) qualitativer Forschung ein.

Heinz-Herrmann Krüger und Ulrike Deppe skizzieren in ihrem Beitrag erziehungswissenschaftliche Biographieforschung (S. 61-72). Nach einer knappen Einführung folgen sie der Geschichte der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung, beginnen im 18. Jahrhundert und konstatieren eine Wiederbelebung /Konsolidierung in den letzten Jahrzehnten. Im 2. Abschnitt stellen sie theoretische Bezugspunkte, methodologische Perspektiven und Forschungsmethoden dar und leiten im dritten Abschnitt zum aktuellen Stand der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung über. Im vierten Abschnitt ziehen Krüger und Deppe eine kritische Bilanz hinsichtlich fehlender Sekundäranalysen von Material und unter anderem mangelnder Längsschnittstudien und konstatieren einen Bedarf nach kulturvergleichender Biographieforschung.

Winfried Marotzki und Sandra Tiefel beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit qualitativer Bildungsforschung (S. 73-88). Nach einer kurzen zusammenfassenden Einführung zeigen Marotzki und Tiefel Zusammenhänge von Bildung und Biographie auf und verorten diese in eigenen Teilabschnitten in der Allgemeinen Pädagogik, in der Erwachsenenbildung, in der biographischen Schulforschung und in der Sozialpädagogik. In einem weiteren Abschnitt kontrastieren sie die subjektorientierte Bildungsforschung mit der eher gemeinschaftsorientierten Bildungsforschung, wobei in eigenen Teilabschnitten auf die Milieuanalyse, Diskursanalyse und Ethnographie eingegangen wird. Auch hier bleibt festzuhalten, dass neuere (und inzwischen in anderen Ländern / Kontinenten verstärkt genutzte) Medien und Forschungsansätze eher marginalisiert werden. Im letzten Abschnitt ziehen sie ein vorsichtig positives Fazit.

Heinz-Elmar Tenorth zeigt in seinem gleichnamigen Beitrag Arbeit an der Theorie auf im Verständnis als wissenschaftliche Praxis (S. 89-100). Er bestimmt dabei in einem ersten Abschnitt Ausgangslage, Thema und These und hebt dabei vorrangig auf den reflexiven Blick auf Theorien ab. Die Praxis theoriegeleiteter Forschung wird von ihm in einem weiteren Abschnitt in 4 Formen unterteilt, die als Kritik, Analyse, Konstruktion und Exegese aufzufinden sind, oft mit weiteren Unterformen. Nur zur Exegese werden keine weiteren Erörterungen gegeben. Im letzten Abschnitt werden Qualitätskriterien zur Arbeit mit Theorien aufgeführt.

Helga Kelle widmet sich in ihrem Beitrag der Komplexität der Wirklichkeit (S. 101-118). Nach einer kurzen Einführung wird das methodologische und methodische Problem umrissen. Sie fokussiert auf die Reduktion und Produktion im ersten Abschnitt im Rückgriff auf den Konstruktivismus, während im 2. Abschnitt die Relevanz des Komplexitätsbegriffs für Erziehungswissenschaft und Forschungspragmatik diskutiert wird. Dabei vertieft Kelle in Unterabschnitten zum einen den Bezug zur Erziehungswissenschaft, zum anderen komplexe kulturelle Bedeutungen. In einem dritten Unterabschnitt definiert sie anhand eigener Forschungsbeispiele methodische Komplexitätsreduktion und Komplexitätsproduktion. In der Zusammenfassung ihres Beitrags verweist Kelle auf das (in mathematisch-technischen Termini sogenannte) Diskret-Indiskret-Problem. In ihrem Ausblick klingt Kritik an einfachen additiven Bearbeitungen an.

Der qualitativen Mehrebenenanalyse widmen sich Werner Helsper, Merle Hummrich und Ralf-Torsten Kramer (S.119 -135). Sie beginnen mit der Unterscheidung von Triangulation und Mehrebenenanalyse. An einem Forschungsbeispiel (der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“) vertiefen sie die Unterscheidung. Ein weiterer Abschnitt behandelt die Konjunktur des Triangulationsbegriffes und sein Verhältnis zur qualitativen Mehrebenenanalyse, wobei der Ansatz der qualitativen Mehrebenenanalyse an eine Linie des Triangulationsdiskurses anknüpft. Helsper et al. zeigen in einem dritten Abschnitt die mögliche Konzeption, Begründung und Durchführung einer qualitativen Mehrebenenanalyse anhand der Studie „Die Suche nach Gemeinsamkeit und die Gewalt der Gruppe“. Ein Modell der Ebenendifferenzierung wird im vierten Abschnitt zu Gegenstand und Erkenntnispotenzial vorgestellt. Das Ziel der qualitativen Mehrebenenanalyse wird im Anschluss an eine vorsichtige Kritik (an der Unterbewertung der Methode) hier erörtert.

Harald Uhlendorff und Annedore Prengel bestimmen in ihrem Beitrag Forschungsperspektiven quantitativer Methoden im Verhältnis zu qualitativen Methoden näher (S.137-148). Sie beginnen mit den Perspektiven quantitativer Sozialforschung in der Erziehungswissenschaft und erörtern in je eigenen Unterabschnitten Theorie und Hypothesen, Methoden, Ergebnisse und Diskussion. In einem weiteren Abschnitt zeigen sie Gemeinsamkeiten und Differenzen quantitativer und qualitativer Forschung in der Erziehungswissenschaft auf. Ihr Beitrag endet mit der Forderung von „Mixed Methods“ – Ansätzen und einem Beispiel dazu.

Agi Schründer-Lenzen beschreibt in ihrem Beitrag die Triangulation als Konzept zur Qualitätssicherung von Forschung (S.149-158). Dazu werden nach einer kurzen Einführung Dimensionen des Triangulationsbegriffs vorgestellt. Daran schließen sich im nächsten Abschnitt Beschreibungen der Funktionen von Triangulation an, die in Unterabschnitten als Kombination quantitativer und qualitativer Methoden und als kommunikative Validierung beschrieben werden. Im darauffolgenden Abschnitt wird die Aktionsfunktion, im 4. Abschnitt die epistemologische Funktion von Triangulation ausgeführt. Erst der letzte Abschnitt geht genauer auf das Thema der Qualitätssicherung durch Triangulation ein, deren Nutzen in diesem Absatz zusammengefasst wird. Inhaltlich wäre eine Einsortierung des Beitrags vor dem von Helsper et al. ebenfalls angemessen und sinnvoll gewesen.

Auf Fallstudien in der Erziehungswissenschaft geht Reinhard Fatke im darauffolgenden Beitrag ein (S. -172). Nach einer längeren Einführung beginnt Fatke einen kurzen historischen Rückblick in der Zusammenschau von Fallarbeit und Fallstudie und diskutiert 4 differente Diskurszusammenhänge zum Thema. Nach einer Definition von „Fall“ inklusive der Differenzierung von Fallarbeit und Fallstudie. Fatke schließt daran einen Exkurs zum Verhältnis von Besonderem und Allgemeinen an.

Eckard König und Annette Bentler erläutern in ihrem Beitrag Konzepte und Arbeitsschritte im qualitativen Forschungsprozess (S. 173-182). Nach einer ausgedehnten Einführung beschreiben sie Schritte qualitativer Forschung, die sie in 6 Teilschritte untergliedern (Entwicklung einer präzisen Fragestellung, Übersicht über den Forschungsstand, Festlegung des theoretischen Begriffsrahmens, Festlegung der Forschungsmethodik und Durchführung der Untersuchung, Darstellung und Interpretation der Ergebnisse, Pädagogische Konsequenzen). Diese allgemein gehaltenen Schritte gelten so jedoch ebenfalls und ohne Einschränkung für quantitative Arbeiten. Die Beschränkung auf den qualitativen Forschungsprozess wird damit nicht begründet. Abgesehen von den veralteten (und in mancher Hinsicht an Hochschulen nicht mehr gültigen) Begriffen und Abschlüssen wäre der Beitrag in einem Handbuch zum Wissenschaftlichen Arbeiten hervorragend platziert.

Hans Oswald diskutiert in seinem Beitrag die Frage „Was heißt qualitativ forschen?“ (S. 183-201). Er beginnt mit einem Untertitel zu Warnungen, Fehlerquellen und Möglichkeiten. Nach einer kurzen Einführung widmet er den ersten Abschnitt der Warnung vor qualitativen Methoden, obwohl sich die Warnungen nicht auf die Anwendung qualitativer Methoden per se beziehen, sondern eher auf Missmanagement im Forschungsprozess (wie ja auch die Anwendungsbeispiele ausführen). Oswald beschreibt Qualitative und quantitative Methoden als auf einem Kontinuum liegend im sich daran anschließenden Abschnitt und zeigt Schwierigkeiten der begrifflichen Unterscheidung auf, erörtert im darauffolgenden Abschnitt Zahlen und Standardisierungen in qualitativen Studien (als implizit mögliche Fehlerquellen) und erörtert das Potential qualitativer Methoden in 5 ausgewählten Aspekten: als Entdeckung und Beschreibung fremder Welten, als Entdeckung und Beschreibung unbekannter Aspekte in vertrauten Welten, als Entdeckung neuer Zusammenhänge, als Anwendungen von Theorien auf einen Einzelfall und als qualitative Evaluation. Im vorletzten Abschnitt zeigt Oswald die Verbindung von qualitativen und quantitativen Methoden auf und beschließt seinen Beitrag mit Betrachtungen zur theoretischen Relevanz qualitativer Forschung.

Ralf Bohnsack beleuchtet in seinem Beitrag Gruppendiskussionsverfahren und dokumentarische Methode (S. 205-218). Nach einer knappen Einführung mit historischen Bezügen zeichnet er in 4 Abschnitten die Entwicklung des Gruppendiskussionsverfahren nach: er bezieht sich dabei im ersten Schritt auf das Modell des Individuums in öffentlicher Auseinandersetzung, im 2. Schritt bezieht sich Bohnsack auf das Modell der informellen Gruppenmeinung, während im 3. Schritt das Modell des interpretativen Aushandelns von Bedeutungen diskutiert wird. Im 4. Schritt wird das Modell kollektiver Orientierungsmuster kurz umrissen. Im nächsten Abschnitt diskutiert Bohnsack das Problem der Gültigkeit standardisierter, offener und rekonstruktiver Verfahren. Im 6. Abschnitt werden kommunikatives und milieuspezifisches Handeln kurz dargestellt und in ihrem Bezug zur Auswertung von Gruppendiskussionen diskutiert. Darauf wird insbesondere im 7. Abschnitt zur Bedeutung des Milieubegriffs eingegangen. So wird im ersten Unterabschnitt die Beziehung von Milieuanalyse und Ungleichheitsforschung dargestellt, im 2. Abschnitt die von Milieuanalyse und Biographieforschung. Im Abschnitt zu Forschungspraxis werden Erhebung und Auswertung knapp diskutiert. Der Beitrag wird von einer kurz gehaltenen Zusammenfassung des Gruppendiskussionsverfahrens als einer der Zweige der dokumentarischen Methode beschlossen.

Dem Prozess des Transkribierens mit Grundlagen und Regeln widmet sich Antje Langer in ihrem Beitrag (S. 515-526). Nach einer knappen Einführung beschreibt sie in einem ersten Abschnitt das Transkript als Produkt und verweist in kurzen Exkursen auf das Transkribieren als Teil des Forschungsprozesses, auf die Kriterien des Transkribierens (Komplexität, Lesbarkeit, Bearbeitbarkeit), auf Transkriptionssysteme und auf entsprechende Regeln.

Eva Marsal diskutiert subjektive Theorien als empirisch-konstruktivistisches Paradigma mit Dialog-Konsens-Methodik (S. 563-574). Nach einer ausführlichen Einleitung geht Marsal im nächsten Abschnitt auf die wissenschaftstheoretische Einbettung ein. Sie zeichnet im dritten Abschnitt Hilfestellungen durch die methodische Vorgehensweise. An ausgewählten Forschungsbeispielen zeigt Marsal Anwendungen im Bereich der Dialog-Konsens-Methoden, z.B. das Fluss-Diagramm, die Interview- und Legetechnik ILKHA, aber auch die Zusammenfassung Subjektiver Theorien zu Modalstrukturen und beschließt ihren Beitrag mit einer kritischen Würdigung.

Friederike Heinzel erörtert in ihrem Beitrag Zugänge zu kindlichen Perspektive mit Bezug zu Methoden der Kindheitsforschung (S. 707-721). Nach einer kurzen Einführung fasst sie bündig die Ansätze der Kindheitsforschung zusammen. Im nächsten Abschnitt geht sie auf Probleme des Forschens mit Kindern ein und unterscheidet mehrere Problemkreise. Dabei werden jedoch neuere Ansätze zum Forschen mit / über jüngeren Vorschulkindern eher nicht berücksichtigt (für einen Überblick über derartige Forschungsprojekte sei an dieser Stelle auf die Website der WiFF bzw. auf die Übersicht beim BMBF verwiesen). Heinzel diskutiert in einem eigenen Abschnitt Datenerhebungen in der qualitativen Kindheitsforschung und stellt im Abschnitt zur Datenauswertung in der qualitativen Kindheitsforschung drei Forschungsperspektiven vor. Zudem betrachtet sie im Schlussabschnitt Forschen als Differenzerfahrung und geht dabei auf die je nötige Reflexion des eigenen Forschungshandelns, auf die Vermittlung zwischen Generationen und auf szenisches Verstehen ein. Forschung über den Umgang von Kindern mit Untersuchungssituationen bildet als letztes Thema den Schlussakkord ihres Beitrags.

Petra Grell kennzeichnet in ihrem Beitrag zur Forschenden Lernwerkstatt diese als Ort von Partizipation (S. 887-896. Nach einer ausführlichen Einleitung wird Partizipation als Grundprinzip dargestellt. Im nächsten Abschnitt rahmt Grell die Forschende Lernwerkstatt im Spannungsfeld von Offenheit und Strukturierung und rekurriert auf Methoden- und Perspektiventriangulierung. Im dritten Abschnitt diskutiert sie Durchführung und Auswertung.

Ingrid Miethes Beitrag zur Forschungsethik stellt den letzten rezensierten Teil dar (S. 927-937). Miethe führt in ihren Beitrag mit Hinweisen zu diesem lange eher marginalisierten Thema ein. Im ersten Abschnitt betrachtet sie informed consent als Basis der Forschungsbeziehung und geht kurz, aber detailliert auf bestehende Ethikprobleme ein. Die Frage der Anonymisierung mit einigen sich daraus ergebenden Problemstellungen wird im darauffolgenden Abschnitt kurz skizziert. Die sich im Kontext von Publikation und Ergebnisrückmeldung ergebenden ethischen Fragestellungen werden im dritten Abschnitt behandelt. Miethe zieht als Fazit die Schlussfolgerung von ethisch verantwortlicher Forschung als Prozess- und Selbstreflexion.

Fazit

Der vorliegende Sammelband eignet sich als gelungenes Überblickswerk für alle Leserinnen und Leser mit Interesse für Qualitative Methoden / qualitative Forschung. Trotz Einschränkungen in Bezug auf den Inhalt (z.B. die nicht erklärte Abwesenheit von Onlineforschung in diesem Band) lohnt sich der Erwerb des Buches als kompaktes Kompendium. Für genauere Informationen sind allerdings weitere Werke zu Rate zu ziehen.


Rezension von
Dr. Miriam Damrow
Hochschule Magdeburg-Stendal
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Zitiervorschlag
Miriam Damrow. Rezension vom 04.03.2014 zu: Barbara Friebertshäuser, Antje Langer, Annedore Prengel (Hrsg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2013. 4., durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-7799-0799-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15212.php, Datum des Zugriffs 28.11.2021.


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