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John Erpenbeck, Werner Sauter: So werden wir lernen!

Rezensiert von Dr. Jutta Pauschenwein, 02.09.2013

Cover John Erpenbeck, Werner Sauter: So werden wir lernen! ISBN 978-3-642-37180-6

John Erpenbeck, Werner Sauter: So werden wir lernen! Kompetenzentwicklung in einer Welt fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze. Springer (Berlin) 2013. 233 Seiten. ISBN 978-3-642-37180-6. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 50,00 sFr.

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Thema

Zukünftig wird – nach Meinung der Buchautoren – die Kompetenzentwicklung im Zentrum von Lernprozessen stehen, wobei sowohl Menschen als auch Computer als LernpartnerInnen agieren. Ausgehend von aktuellen Lernszenarien in betrieblichen Bildungssystemen und den kommenden Veränderungen von Lernprozessen in einer kurz- und längerfristigen Perspektive zielen die Autoren darauf ab, Anforderungen an das betriebliche Lernen abzuleiten. Fallstudien, auch eine fiktive aus dem Jahr 2025, runden den Band ab.

Autoren

John Erpenbeck ist Professor für Kompetenzmanagement und arbeitet an der Steinbeis-Hochschule Berlin – School of International Business and Entrepreneurship (SIBE). Werner Sauter ist Wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH Hamburg.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel. Nach der Einleitung, die die Motivation für das Schreiben des Buches darlegt, schließen sich folgende Inhalte an:

  • „Lernszenarium 2025“,
  • „Kompetenzerwerb – mehr als Wissensaufbau und Qualifizierung“,
  • „Anforderungen an das betriebliche Lernen – heute und in der Zukunft“,
  • „Persönlicher Lernpartner Computer“,
  • „Fallstudien“ und
  • „Implementierung des Lernens im Netz“.

Handlungsempfehlungen runden das Buch ab.

Inhalte

Das erste Kapitel beschreibt, wie Lernprozesse in Zukunft während der Arbeit in Entwicklungs- und Coachingumgebungen stattfinden werden, wobei der handlungsorientierte Kompetenzerwerb im Zentrum steht. In den sogenannten Clouds erwartet die Lernenden wertbehaftetes Informations- und Handlungswissen, zu entwickelnde Ontologien unterstützen bei der Orientierung. Lokal abgeschlossene Netzbereiche schaffen die für Lernprozesse im Netz nötige Sicherheit und das nötige Vertrauen.

Als Basis für die weiteren Ausführungen geht es im zweiten Kapitel um die Definition von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen. Wissen umfasst im engeren Sinne Fachwissen, im weiteren Sinne wird es mit subjektiven Erfahrungen in Bezug gesetzt. Qualifikationen bezeichnen die für berufliche Tätigkeiten nötigen Fähigkeiten. Kompetenzen, die auf Wissen und Qualifikationen aufbauen, ermöglichen eine kreative und selbstorganisierte Handlungsweise in komplexen Situationen basierend auf einem Wertesystem.

Das dritte, recht ausführliche Kapitel hat das betriebliche Lernen zum Thema. Obwohl heutzutage viele große Betriebe über Kompetenzmodelle verfügen, findet der Kompetenzaufbau vielfach noch in herkömmlichen Qualifizierungsmaßnahmen statt. Firmen, genauso wie Schulen und Hochschulen, gelingt es noch nicht ausreichend, einen Raum für selbstorganisierte Lernformen zu schaffen.

Innovative Lernkonzeptionen der nahen Zukunft werden anhand der Entwicklungslinien Kompetenzaufbau, Lernkultur, Lernen im Netz und Lerntechnologien herausgearbeitet. Beispielhaft seien ein paar Aspekte genannt: Wichtig wird, dass die Talente aller MitarbeiterInnen eines Unternehmens gemanagt werden. Wenn sich die Lernkultur eines Unternehmens ändert, wirkt sich das auf die Unternehmenskultur selbst aus. Netzbasiertes Lernen und Lernen mit Social Media fördert die Selbstorganisation der Lernenden. Kompetenzorientierte Lernprozesse brauchen sozialkommunikative und kollaborative Lernräume, E-Portfolios als digitale Sammlung von Reflexionen und Produkten bilden den Prozess des Kompetenzerwerbs ab.

Die Weiterentwicklung des Computers und seine zukünftige Rolle als Lernpartner und Coach werden die Lernprozesse im Jahr 2025 prägen. MOOCs (Massive Open Online Courses), die derzeit selbstgesteuertes Online-Lernen an Hochschulen forcieren, werden in die betriebliche Bildung integriert werden. Die spezifischen Bedürfnisse der Lernenden stehen in Zukunft im Mittelpunkt, Curricula, Kursgestaltung, Ziele und Inhalte werden weniger wichtig.

Im Kapitel „Persönlicher Lernpartner Computer“ sagen die Autoren vorher, dass der „Human Computer“ 2025 mit Hilfe semantischer Netze in der Lage sein wird das benötigte Fach- und Erfahrungswissen für reale Probleme im Arbeitsprozess, inklusive der Analyse von Problemstellungen sowie möglicher Lösungswege, zur Verfügung zu stellen. Der Lernpartner Computer gibt Feedback zu den Lösungsvorschlägen der Lernenden, der Lernpartner Mensch unterstützt bei der Bewertung und in der Kommunikation. Dieser Prozess wird als triale Kompetenzentwicklung bezeichnet. Während der Lernbegleitung analysiert der Computer laufend das Lernverhalten der menschlichen Lernpartner, für ihre Kompetenzentwicklung bietet er Simulationen an.

Im nächsten Kapitel hat die Fallstudie aus der Gegenwart eine Ausbildung für Bankkaufleute zum Thema. In den beiden Fallstudien zum Thema “Praxis-projektorientierte Kompetenzentwicklung von Führungskräften mit Blended Learning“ und „Interkulturelle Kompetenzentwicklung im Netz“ rücken inhaltsorientierte Lernziele in den Hintergrund, formelle und informelle Lernprozesse werden basierend auf den individuellen Bedürfnissen kombiniert. Die letzte Fallstudie im Bereich Vertrieb beschreibt, wie im Rahmen der trialen Kompetenzentwicklung die Lernenden, begleitet von menschlichen Lernpartnern und E-MentorInnen sowie dem Lernpartner Computer sich eigenverantwortlich weiter entwickeln.

Um die geschilderte Entwicklung der Lernkultur zu ermöglichen braucht es ein langfristiges Veränderungsmanagement, wobei das betriebliche Bildungsmanagement eine strategieorientierte Rolle spielen sollte, halten die Autoren im Kapitel „Implementierung des Lernens im Netz“ fest.

Das Buch schließt mit den zehn Geboten des betrieblichen Lernens in der Zukunft, in denen etwa festgehalten wird, dass Kompetenz nicht „vermittelt“ werden kann und das „Gefühl“ in Lernprozessen eine wichtige Rolle spielt.

Diskussion

In diesem Buch wird die Weiterentwicklung der menschlichen Lernkultur in einer Welt „fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze“ umfangreich und genau diskutiert. Während heutzutage inhaltliche Lernziele im Zentrum formeller, meistens für Gruppen ausgerichteter, Weiterbildungsangebote stehen, wird es in Zukunft darum gehen Einzelne am Arbeitsplatz bei ihrer individuellen Kompetenzentwicklung bestmöglich zu unterstützen. Die von den Autoren prognostizierte Weiterentwicklung des Computers in Richtung Cloud Computing und semantische Netze mit wertbehaftetem Informations- und Handlungswissen wird den „Human Computer“ zu einem gleichberechtigten Lernpartner des Menschen machen.

Herkömmliche Seminarkonzepte und TrainerInnen, die jede kritische Situation souverän meistern, werden komplexen Lernlandschaften im Sinne der Ermöglichungsdidaktik weichen, in denen sich die Lernenden selbstgesteuert und eigenverantwortlich bewegen. Offenes Lernen und Fernlernen werden zunehmen, die Grenze zwischen formellem und informellem Lernen verschwinden. Das Kompetenzlernen findet im Netz in Communities of practice statt. Erste Schritte in diese Richtung werden in den Fallstudien belegt.

Fazit

Dieses Buch gibt einen anregenden Einblick in die Lernwelt der Zukunft und beschreibt den Trend weg von inhaltsschweren Seminarangeboten hin zu selbstgesteuerter Kompetenzentwicklung am Arbeitsplatz mit vielen Details und Anwendungsbeispielen. Die prognostizierten Human Computer als künftige Lernbegleiter wirken etwas unheimlich – besser wäre, wenn sie Asimovs Robotergesetzen gehorchen müssten!

Rezension von
Dr. Jutta Pauschenwein
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Es gibt 21 Rezensionen von Jutta Pauschenwein.

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ISSN 2190-9245