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Jutta König, Marion Schibrowski: FEM - Freiheitseinschränkende Maßnahmen

Cover Jutta König, Marion Schibrowski: FEM - Freiheitseinschränkende Maßnahmen. Gesetzliche Grundlagen - Praxisbeispiele - Alternativen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2013. 144 Seiten. ISBN 978-3-89993-320-8. D: 18,95 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

In Pflegeheimen werden immer wieder freiheitseinschränkende Maßnahmen angewandt. In vielen Fällen gibt es allerdings Alternativen dazu. Der Schutz der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung eines Menschen hat stets Vorrang.

Autorinnen

Jutta König ist examinierte Altenpflegerin und Wirtschaftsdiplombetriebswirtin Gesundheit (VWA). Sie arbeitet als Sachverständige bei Sozialgerichten, Unternehmensberaterin und Dozentin.

Marion Schibrowski ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin und im Qualitätsmanagement tätig.

Aufbau

Das Fachbuch geht auf die rechtlichen Grundlagen zum Einsatz von freiheitseinschränkenden Maßnahmen im Pflegebereich ein. Die verschiedenen Methoden und Maßnahmen werden dargestellt und diskutiert. Alternativen dazu werden erläutert. In weiteren Kapiteln wird auf Antragstellung, Folgen einer Genehmigung und die Bedeutung der Pflegedokumentation eingegangen.

Inhalt

Zu Beginn stellen Jutta König und Marion Schibrowski die Bedeutung der Rechtsgüter Freiheit und Selbstbestimmung dar. Sie gehen auf die einschlägige Gesetzeslage ein. Aktuelle Rechtsentscheidungen für den Pflegebereich werden vorgestellt.

Die Unterscheidung von genehmigungspflichtigen und nicht genehmigungspflichtigen freiheitseinschränkenden Maßnahmen ist wichtig. Diese wird erklärt und beispielsweise eine Einwilligungserklärung für freiheitseinschränkende Maßnahmen, Checklisten zur Unterscheidung und ein Musterbrief zur Anregung einer Betreuung gegeben.

Kurz wird auf den ambulanten Pflegebereich eingegangen und die Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung angesprochen.

Einen breiten Überblick geben die Autorinnen über Methoden und freiheitseinschränkende Maßnahmen. Diese reichen von Kleidung im Schrank unzugänglich verschließen bis zum nächtlichen Einsperren im Zimmer. Auf häufig eingesetzte Maßnahmen wie beispielsweise den Einsatz von Bettgittern, Bauchgurten als Fixierung oder speziellen Medikamenten wird besonders ausführlich eingegangen.

Die Autorinnen diskutieren kritisch die Anwendung und verweisen auf die möglichen negativen physischen und psychischen Folgen. Die Gründe, die dazu führen, dass ein Mensch in seiner Freiheit und Selbstbestimmung eingeschränkt wird, werden hinterfragt. Die Angst vor Stürzen, Fragen der Haftung und Sicherheit werden besprochen. Was bei der Antragstellung und nach der Genehmigung eines Antrags beachtet werden sollte, wenn eine freiheitseinschränkende Maßnahme unabwendbar ist, wird gezeigt.

Umfassend stellen die Autorinnen Alternativen vor. Konkrete Hinweise werden gegeben, wie mit Auffälligkeiten, Beschwerden oder Sicherheitsrisiken in der Pflege anders umgegangen werden kann. Konzeptionelle Ansätze, um auf freiheitseinschränkende Maßnahmen zu verzichten, sind Redufix, Werdenfelser Weg und die Leitlinie FEM.

Bei allem ist die Pflegedokumentation wichtig. Die Autorinnen zeigen unter anderem, welche Bedeutung die Pflegeplanung und Pflegeberichte haben. Des Weiteren wird ein Assessment zum Sturzrisiko vorgestellt. Der Umgang mit dem Unfallbogen der Krankenkassen nach einem Sturz wird gezeigt und dazu einschlägige Rechtsurteile dargestellt.

Diskussion

König und Schibrowski stehen dem Einsatz von freiheitseinschränkenden Maßnahmen kritisch gegenüber. Freiheit und Selbstbestimmung als persönliche Grundrechte müssen ihrer Ansicht nach konsequent in der Pflege bewahrt werden. Sie verweisen darauf, dass die Haltung und Einstellung der Führungs- und Fachkräfte dabei von entscheidender Bedeutung sind. Nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus ethischen Gründen sollte jeder Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen genau abgewogen werden.

Bemerkenswert ist die allgemeine Zunahme von genehmigten freiheitseinschränkenden Maßnahmen. In Leitbildern von Pflegeheimen wird oftmals vom hohen Wert der Würde und Selbstbestimmung des alten Menschen gesprochen. Leitung und Mitarbeiter müssen sensibel darauf achten, dass Pflege sich nicht gegen den Menschen richtet.

Fazit

Das Fachbuch von Jutta König und Marion Schibrowski behandelt die gesetzlichen Grundlagen zum Einsatz von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der Pflege. Führungs- und Fachkräfte finden hilfreiche Unterstützung, um ethisch und fachlich gute Entscheidungen in schwierigen Pflegesituationen zu treffen.


Rezension von
Alexandra Günther
M.A., Pädagogin/Ethikerin
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Zitiervorschlag
Alexandra Günther. Rezension vom 22.01.2014 zu: Jutta König, Marion Schibrowski: FEM - Freiheitseinschränkende Maßnahmen. Gesetzliche Grundlagen - Praxisbeispiele - Alternativen. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2013. ISBN 978-3-89993-320-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15234.php, Datum des Zugriffs 05.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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