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Christine Nickl-Weller, Tanja Eichenauer u.a. (Hrsg.): Health care der Zukunft 4. Healing Architecture

Rezensiert von Prof. Dr. Andrea Warnke, 11.10.2013

Cover Christine Nickl-Weller, Tanja Eichenauer u.a. (Hrsg.): Health care der Zukunft 4. Healing Architecture ISBN 978-3-941468-91-7

Christine Nickl-Weller, Tanja Eichenauer, Stefanie Matthy (Hrsg.): Health care der Zukunft 4. Healing Architecture. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2013. 188 Seiten. ISBN 978-3-941468-91-7. 49,95 EUR.

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Thema

„Healing Architecture“ ist einer der Forschungsschwerpunkte am Institut für Architektur, Fachgebiet „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“ der TU Berlin unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Christine Nickl-Weller. Das Symposium „Health Care der Zukunft“, das 2012 stattfand, setzt Gesundheit jeweils in Bezug zu den Schwerpunktthemen „Ökonomie“, „Umwelt“, „Ethik“ und „Ort“. Das Thema fordert eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Konzeption und Gestaltung von gebautem Raum und dessen Auswirkung auf die Krankheitsverarbeitung. Experten aus Architektur, Medizin, Gesundheitsmanagement und Politik kommen zu Wort. „Die zentrale Frage dabei ist: Wie kann Architektur zur Heilung beitragen? Oder umgekehrt: Welchen Einfluss nimmt die gebaute und unbebaute Umwelt auf die Wahrnehmung des gesunden Menschen, sodass er auch gesund bleibt?“ (VI, Eröffnung)

Herausgeberinnen, Autorinnen und Autoren

  • Prof. Dr. Christine Nickl-Weller ist seit Februar 2004 Professorin des Fachgebietes für Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens an der Technischen Universität Berlin. Sie trat nach ihrem Architekturstudium an der TU München 1975 in den Staatsdienst; Christine Nickl-Weller konzipiert und realisiert seit 20 Jahren Bauten für Gesundheit, Forschung und Lehre sowie Wohnungs- und Städtebau.
  • Dipl.-Arch. Tanja Eichenauer, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Entwerfern von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens.
  • Dipl.-Ing.-Arch. Stefanie Matthys, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Entwerfern von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens.

Mit Beiträgen von: R. Bozovic-Stamenovic, F. Christ, D. Eberle, T. Guthknecht, W. Klitzsch, S. Körber, R. Künast, H. Lechner, S. Matthys, R. Mörmel, B. Mühlbauer, M. Mullins, H. Nickl, C. Nickl-Weller, F. Prem, S. Redecke, B. Reding, D. Reding, M. Riepe, E. Rüther, L. Steffensen, J. Steinbach, G. Stock, A. Valéra Sosa, C. Wagenaar, J. Weyer, S.N. Willich, R. Ziegler.

Entstehungshintergrund

Das Buch stellt sowohl die Vorträge des mittlerweile vierten Symposiums vor als auch Auszüge der vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützten Expertentagung im November 2011 zum Thema „Healing Architecture as a Keynote in Foreign Health Economics“.

Aufbau

Das Buch umfasst insgesamt vier Kapitel – aufbauend auf den vier Themenblöcken des Symposiums – sowie nachstehende Abschnitte, die den Vorträgen der jeweiligen Autoren entsprechen. Eine schriftliche Einführung der Moderatoren rundet das jeweilige Kapitel ab.

  • Kapitel 1 Gesundheit und Ökonomie, z.B. 1.2 Nur ein wirtschaftlicher Schnupfen oder ist es schon eine Lungenentzündung? Warum werden unsere Krankenhäuser krank?
  • Kapitel 2 Gesundheit und Umwelt, z.B. 2.1 Gesundheitliche Auswirkungen bei Stadtplanung und Architektur
  • Kapitel 3 Gesundheit und Ethik, z.B. 3.2 Vom Krankenhausmanagement zum lebenslangen Gesundheitsmanagement – (auch) eine ethische Herausforderung
  • Kapitel 4 Gesundheit und Ort, z.B. 4.1 Architektur im Gesundheitswesen als Herausforderung – die Perspektive des Spitalmanagements
  • Kapitel 5 Schlusswort
  • Kapitel 6 Wissenschaft im Dialog mit der Industrie
  • Kapitel 7 Anhang: Bericht für Bundesministerium für Gesundheit

Ausgewählte Inhalte

Kapitel 1 Gesundheit und Ökonomie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von gesundheitlicher Versorgung und ökonomischen Denken.

Körber (S. 5ff) benennt insbesondere drei große Handlungsfelder:

  1. demografischer Wandel (z.B. barrierefreies Wohnen);
  2. Klimaschutz und Energieeffizienz im Gebäudebereich (z.B. CO2-Reduktion auch im Rahmen der Sanierung des Gebäudebestandes);
  3. Entwicklung des urbanen und ländlichen Raumes (z.B. demographischer Wandel im ländlichen Raum und Wanderungsbewegungen in Städte).

Guthknecht (S. 11ff) konstatiert, dass „Architekten etwas zur Heilung der Krankenhäuser beitragen [müssen], also Healing Design für ein medizinisches und wirtschaftlich gesundes Krankenhaus“. (S.12) Die primären Aufgaben des Krankenhauses, die medizinischen und damit personenbezogenen Leistungen, werden stets von Menschen umgesetzt; die Möglichkeiten von Architekten und Planern sind als Hintergrunddienste zu definieren, jedoch mit Konsequenzen. „Denn eine schlechte Krankenhausarchitektur kann gut Arbeit so erschweren und verteuern, dass Krankenhaus in der Patientenheilung dann nicht mehr erfolgreich sein kann“. (S. 12)

Prem( S. 19ff) beschäftigt sich mit Masterplänen für Schwerpunktkrankenanstalten am Beispiel des Wiener Spitalkonzeptes 2030.

Das Kapitel 2 Gesundheit und Umwelt behandelt die gesundheitlichen Auswirkungen des Baugeschehens.

Willich (S. 33ff) führt hier u.a. Public-Health-Projekte wie „Point-of-choice-Markierungen, mit Hinweisen auf Treppennutzung anstatt von Aufzügen [an]“. (S. 35)

Weyer (S. 39ff) beschreibt ein skandinavisches Gesundheitsprojekt, dem bis 2020 laufenden Programm zum Bau von fünf Super-Hospitals an fünf Standorten im Land, während die übrigen Krankenhausstrukturen in regionale Gesundheitszentren umgewandelt oder ganz abgewickelt werden.

Kapitel 3 Gesundheit und Ethik soll eine Grundlage erstellen, die, so Rüther, „als ethisches Prinzip für die Healing Architecture die Entwicklung und Durchsetzung einer neuroethisch basierten funktionalen Ästhetik beschreibt“. (S. 57)

Künast (S. 61ff) geht dabei u.a. auf die Mythen der Rationalisierungsdebatte ein; Stock (S. 67ff) widmet sich dem Perspektivwechsel vom Krankenhausmanagement hin zum Gesundheitsmanagement, während Steffensen (S. 75ff) ein Kopenhagener Krankenhaus vorstellt, das eine veränderte Architekturphilosophie (Gartenbereiche, kleine Räume und Stationen, klare Orientierungen) präsentiert.

Kapitel 4 Gesundheit und Ort präsentiert das Thema zunächst aus Sicht des Spitalmanagements (Ziegler, S. 89ff); Eberle (S. 95ff) konstatiert, dass es sich bei Krankenhäusern um keine besondere Bauaufgabe handelt, sondern um einen allgemein gültigen Anspruch an Qualität in der Architektur.

Wagenaar (S. 101ff) berichtet von Trends der niederländischen Architektur im Gesundheitswesen. Abschließend schildern die Filmemacher Reding die Vision und Fiktion von Krankenhausarchitektur aus filmischer Perspektive (S. 113ff).

Diskussion

„Die auf den ersten Blick nicht miteinander verwandten Begriffe Healing und Architecture werden in der Planung und Umsetzung von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens zur Realität, die das Wohlbefinden der Patienten und Mitarbeiter sowie die Genesung der Patienten nachweisbar beeinflusst“ – so der Klappentext des Buches. Das Buch und damit auch das Symposium verbinden scheinbar nicht zusammengehörige „Welten“ – und doch, sie gehören zusammen und bilden Schnittmengen. Dieser interdisziplinäre Ansatz, der sich in der Vielfalt der Beiträge und Autoren, respektive Referenten, widerspiegelt ist ein wichtiger Ansatz im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung.

Fazit

Das Buch ist m.E. für viele unterschiedliche Zielgruppen eine sinnvolle und anregende Lektüre, sei es zum Quer- oder Durchlesen, sei es zum Nachschlagen oder als Anregung. Neben Praktikern, Managern, Wissenschaftlern und Studierenden im Kontext der Gesundheitsversorgung mag das Buch ebenso Entscheidern aus der Gesundheitspolitik und Verbänden Denkanstöße geben. Nicht zu vergessen natürlich Architekten, Facility Manager, Stadtplaner und Ingenieure, die sich dieser Thematik widmen.

Rezension von
Prof. Dr. Andrea Warnke
Professorin für Soziale Arbeit, IU Duales Studium, Hamburg
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Es gibt 22 Rezensionen von Andrea Warnke.

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Zitiervorschlag
Andrea Warnke. Rezension vom 11.10.2013 zu: Christine Nickl-Weller, Tanja Eichenauer, Stefanie Matthy (Hrsg.): Health care der Zukunft 4. Healing Architecture. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2013. ISBN 978-3-941468-91-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/15242.php, Datum des Zugriffs 30.01.2023.


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